Mit Bet Sizing Tells einen Poker Bluff erkennen

Using Bet Sizing Tells to Detect a Bluff

Warum so viel? Warum so wenig? Diese und andere Fragen stellen sich, wenn wir versuchen, aus den Einsätzen unserer Gegner schlau zu werden.

Passt mein Gegner seine Einsätze an die Stärke seiner Hand an? Sprechen die Einsätze für Stärke oder Schwäche? Habe ich jemals erlebt, dass mein Gegner versucht hat, mich oder andere mit seinen Einsätzen zu täuschen? Fragen wie diese können uns helfen, ein Sizing als Tell zu erkennen.

Ein Sizing-Tell in der Praxis

Die folgende Hand habe ich kürzlich in einem $1/$2 No-Limit Texas Hold’em-Homegame gespielt. Der Gegner in der Hand war mein Freund Lee, mit dem ich schon viele Male gespielt habe. Effektiv ging es in der Hand um etwa $275.

Der Button entschied sich für ein Straddle auf $5. Im Small Blind mache ich den Call mit {8-Spades}{8-Hearts}. Der Big Blind und zwei andere Spieler folden, bevor Lee in mittlerer Position auf $21 raist. Der Button geht mit und ich calle ebenfalls.

Flop ($65 im Pot): {q-Clubs}{5-Clubs}{5-Spades}. Ich checke und Lee platziert eine Continuation-Bet von $35. Der Button gibt auf, ich mache den Call.

Turn ($135 im Pot): {7-Spades}. Das Board sieht jetzt wie folgt aus: {q-Clubs}{5-Clubs}{5-Spades}{7-Spades}. Ich checke und Lee setzt $60. Ich calle.

River ($255 im Pot): {3-Diamonds}. Das Board ist jetzt komplett: {q-Clubs}{5-Clubs}{5-Spades}{7-Spades}{3-Diamonds}. Ich checke ein letztes Mal und Lee setzt $80. Ich calle. Lee deckt {k-Diamonds}{j-Hearts} für den Bluff auf – meine Hand gewinnt und die $415 im Pot gehen an mich.

Lee vs. David, at the showdown

Wie sieht die Value-Range des Gegners aus?

Für gewöhnlich würden wir damit anfangen, Lee eine Preflop-Range zu geben, die sich durch die darauffolgenden Aktionen verändert. Die Textur des Flops erlaubt es mir, eine Abkürzung zu nehmen und seine Range in Hände einzuteilen, die mich auf diesem Flop schlagen (seine „Value-Range“), und alles andere. Als nächstes habe ich einschätzen müssen, ob die gewählten Einsätze dazu passen, wie er seine Value-Range in der Vergangenheit gespielt hat. Passen sie nicht, ist ein Bluff wahrscheinlich.

Lees Value-Range ist klar ersichtlich. Mit jedem Pocket-Paar Neuner oder besser und A-Q, K-Q oder Q-J ist er vorne. Das ist alles. Damen mit schwächeren Beikarten und 5x-Hände habe ich aus der Range gestrichen, da er diese Kombinationen nach einem Button-Straddle nicht raisen würde. Hätte er Q-Q und ein Full House gefloppt, würde er checken. Also kann ich auch diese Hand aus der Range streichen. Kurz gesagt besteht seine Value-Range aus 9-9+ und Q-J+.

Lee's Value Range
Lees Value-Range

Lee muss staunen

Lee und ich haben am nächsten Tag ausführlich über die Hand gesprochen. Ich habe Lee darum gebeten, sich vorzustellen, dass er statt König-Bube eine seiner Value-Hände hätte – etwa A-Q oder K-K. Wie viel würde er dann auf einem {q-Clubs}{5-Clubs}{5-Spades} Flop betten? Seine Antwort: „Auf jeden Fall näher dran am Betrag im Pot.“ Genau das habe ich mir gedacht, als wir die Hand gespielt haben; aus diesem Grund habe ich gecallt. Und das sage ich ihm auch. Seine Kinnlade beginnt herunterzuklappen.

Die {7-Spades} zaubert den zweiten Flushdraw aufs Board. Hätte ich am Flop mit einer Hand wie {k-Spades}{q-Spades} oder {q-Spades}{j-Spades} gecallt, wäre ich gegen A-Q oder K-K zwar immer noch hinten, hätte durch den Flushdraw aber Outs dazugewonnen. Ich frage Lee, ob dies für ihn eine Rolle gespielt hat.

Auf beiden Streets haben mir seine relativ kleinen Bets verraten, dass er eben nicht die Hand hat, die er vorgibt, zu haben.

Lee sieht ein, dass der Turn mir mehr Möglichkeiten einräumt, an ihm vorbeizuziehen, wenn er A-Q oder K-K hätte – also würde er mit diesen Händen wohl eher zwischen $90 und $100 betten (im Pot befinden sich zu diesem Zeitpunkt $135). Die Bet soll seine Hand gegen mögliche Flushdraws schützen. Nachdem ich ihn darauf hinweise, dass sein kleineres Sizing mir gezeigt hat, dass seine Hand anscheinend nicht geschützt werden muss, rutscht seine Kinnlade weiter gen Boden.

Hätte ich recht gehabt (dass er am Bluffen war) und zu einem Check-Raise gegriffen, hätte er einfach folden können und ich hätte Value verloren. Wäre ich im Unrecht gewesen, hätte ich meine Hand mit einem Check-Raise in einen schlechten und teuren Bluff verwandelt. Obwohl ein Check-Call ohne Position schwach aussieht und passiv ist, war es die beste Option.

Die River-Karte und der Einsatz haben nichts verändert. Als ich die Hand in meinem Kopf Revue passieren ließ, bin ich wiederholt über seine Sizings am Flop und Turn gestolpert. Auf beiden Streets haben mir seine relativ kleinen Bets verraten, dass er eben nicht die Hand hat, die er vorgibt, zu haben.

Fazit

Die Einsätze am Poker-Tisch sind zugleich Kunst und Mathematik. Achten Sie auf die Setzmuster der anderen Spieler – je nach Gegner sind kleine Bets höchst unterschiedlich zu beurteilen. Passt das Sizing überhaupt nicht zu der Hand, die ein Gegner repräsentieren will, kann dies ein Tell sein und dabei helfen, Bluffs aufzuspüren und schwierige, gewinnbringende Calls zu machen.

David Bass spielt meistens No-Limit Hold’em-Cashgames und schreibt seit 2012 Poker-Artikel. Sie können ihm auf Twitter unter @KKingDavidPoker folgen oder seinen Blog lesen: They Always Have It unter https://kkingdavid.com/.

Falls Sie noch keinen partypoker-Account haben sollten, laden Sie sich die partypoker-Software über PokerNews herunter. Geben Sie bei Ihrer ersten Einzahlung den Bonuscode „DEPNEWS“ ein und partypoker schenkt Ihnen einen 100-Prozent-Bonus bis zu $500.

Sie finden de.PokerNews auch auf Twitter.

Was denken Sie?

MEHR ARTIKEL

Weitere Artikel