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Ausreden fürs Verlieren bei Poker

Ausreden fürs Verlieren bei Poker

Pokerspieler sind eine clevere Truppe. Manchmal sind wir sogar zu clever.

Unsere Egos haben ein Problem damit, sich einzugestehen, dass wir gerade nicht unser A-Game spielen. Wenn wir also verlieren – unabhängig davon, ob das in einem Turnier oder Cashgame passiert –, schieben wir die Schuld lieber auf die Situation, statt unsere eigene Spielweise zu hinterfragen.

Mit anderen Worten: Anstatt zu überlegen, was wir hätten anders machen können, beschäftigen wir uns damit, Ausreden fürs Verlieren zu finden. Diese Ausreden retten zwar den äußeren Schein, werden uns aber langfristig nur Schaden zufügen.

Im Folgenden werde ich mir einige Ausreden genauer anschauen, damit Sie diese wiedererkennen und aus Ihrem eigenen Repertoire streichen können.

„Ich war schon am Verlieren“

Das ist eine beliebte Turnier-Ausrede, um schlechte Entscheidungen zu erklären, aber sie kann auch auf Cashgame-Spieler zutreffen. Sie impliziert, dass Sie genauso gut hätten aufgeben können, weil Ihre Niederlage unausweichlich war – schließlich hätten Sie bis zu Ihrem Ausscheiden nur Pech gehabt.

Diese Ausrede gibt dem Ausgeschiedenen die Möglichkeit, sich besonders schlau zu fühlen, weil er seine Situation frühzeitig erkannt hat – so ähnlich wie ein Schachspieler auf Top-Niveau, der lieber aufgibt, statt ein Spiel zu beenden, das er mit Sicherheit verlieren wird.

Beim Pokern kommt so etwas wie eine unvermeidbare Niederlage aber nicht vor. Auch wenn es zutrifft, dass sich Turniere mit einem Short Stack anders spielen als mit einem großen Stack, gibt es viele Beispiele von Leuten, die ein Turnier gewinnen konnten, obwohl sie zeitweise kaum noch Chips hatten. Den Ausdruck „a chip and a chair“ haben wir nicht umsonst diesen Spielern zu verdanken.

„Ich war haushoch am Gewinnen“

Diese Ausrede trifft wiederum mehr auf Cashgames zu und hilft Ihnen, wenn Sie in einer Hand unachtsam waren und in der Session bereits viel gewonnen haben. Die Ausrede hat den Vorteil, dass die Tatsache herausgestellt wird, dass Sie gut genug waren, um in dieser Session – zumindest eine Weile lang – gewinnen zu können. Gleichzeitig ist es eine klasse Entschuldigung, dass Sie danach nicht mehr kontinuierlich Ihr „A-Game“ spielen konnten.

Wer bei schwach gespielten Händen zu dieser Ausrede greift, hat noch nicht begriffen, dass Poker-Resulate langfristig – völlig egal, ob Sie gerade gewinnen, verlieren oder breakeven sind – von der Qualität aller getroffenen Entscheidungen abhängen. Dass Sie am Gewinnen sind, sollte kein Grund dafür sein, weniger konzentriert weiterzuspielen.

„Es war spät (und ich war müde)“

Ach ja – der schwierige Lebensstil eines ernsthaften Pokerspielers! Schon ironisch, oder? Natürlich können Sie nicht kontinuierlich Ihr bestes Spiel zeigen, weil Sie keine andere Wahl haben, als bis in die Morgenstunden zu spielen, um die Taschen der armseligen Zocker zu leeren, die ihren Verlusten hinterherjagen und nicht diszipliniert genug sind, den Tisch zu verlassen, wenn sie nicht mehr in der Lage sind, ihr bestes Spiel zu zeigen.

Bei Ihnen wäre das natürlich anders: Sie hätten die Session schon längst beendet, wenn Sie nicht mehr logisch geradeaus denken können. Diesmal haben Sie das aber nicht gemacht … nun … weil sie offensichtlich mit dem gleichen Problem zu kämpfen haben, das Sie bei anderen ausnutzen wollen!

„Der Tisch war schrecklich“

Das ist das Problem – die anderen sind schuld, nicht Sie! Am Tisch hatte eine Traube Rocks Platz genommen, oder Grinder, oder diese übertrieben aggressiven „Online-Wizards“, die so undurchschaubar spielen. Wie können Sie oder irgendjemand sonst erwarten, an diesem Tisch Geld zu gewinnen?

Mit dieser Entschuldigung können Sie sich auf die Schulter klopfen, weil Sie in der Lage waren, Ihre Gegner richtig einzuschätzen – und in manchen Fällen haben Sie sogar die minderwertigen Entscheidungen Ihrer Mitspieler richtigerweise als solche erkannt. Dabei stellen sich allerdings gleich zwei Fragen:

Wie kann es sein, dass ein klasse Spieler wie Sie nicht in der Lage ist, seine überragenden Skills einzusetzen, um die Schwächen dieser schlechten Spieler auszunutzen – ganz egal, wie tight oder wild sie gespielt haben? Und: Warum haben Sie – wenn Sie ein Cashgame gespielt haben – nicht nach einem profitableren Spiel gesucht, wenn Ihr Tisch so schrecklich war?

„Der Tisch war großartig“

Erkennen Sie sich hier wieder? Das ist die Lieblings-Ausrede des Grinders, der zu lange am Tisch gesessen und viel Geld verloren hat. Der Tisch selbst war großartig – Sie hatten einfach kein Glück und das Blatt hätte sich mit Sicherheit gewendet, wenn Sie bessere Karten bekommen hätten. Wie hätten Sie da aufstehen können?

Was Sie vielleicht nicht erkennen wollen: Vielleicht war einer der Gründe dafür, dass der Tisch so großartig war, die Tatsache, dass Sie mitgespielt haben und schlecht waren. Auch wenn es theoretisch Sinn ergibt, an einem Tisch zu bleiben, an dem Sie lange verloren haben, ist es in Wirklichkeit sehr schwierig, ein gutes Spielniveau aufrechtzuerhalten, wenn Sie permanent am Verlieren sind.

„Mir war langweilig“

Das Spiel war zu einfach und es gab zu viele schlechte Spieler, um Ihre Konzentration hochzuhalten. Oder die Stakes waren zu niedrig und uninteressant, um Höchstleistungen abzurufen und das beste Spiel zu zeigen.

Diese Entschuldigung hat den Vorteil, dass Sie sich selbst dafür loben können, so viel besser als Ihre Gegner zu sein. Trotzdem wird die Frage aufgeworfen, wie ein hervorragender Spieler wie Sie die Session ohne einen Gewinn beenden konnte, wenn Sie doch so viel besser sind – als großartiger Spieler kennen Sie die Antwort aber schon, oder?

„Ich hatte was getrunken“

Diese Entschuldigung lässt sich auf Cashgames wie Turniere anwenden. Nicht Sie, der Besitzer vielseitiger Poker-Skills, waren es – nein, dieser teuflische Alkohol hat Ihnen das Spiel ruiniert!

Ihre Disziplin und Eigenkontrolle hätte Ihnen dabei helfen können, den Alkoholkonsum weitgehend einzuschränken – Sie hätten die Drinks genauso ablehnen müssen wie Sie eine schlechte Starthand in den Muck werfen. Da Sie aber mit dem Trinken angefangen haben und der Alkohol Ihre Sinne getrübt hatte, konnten Sie nicht mehr auf diese Skills zugreifen … und so läuft es nun mal.

„Es gibt ein profitableres Spiel, das ich spielen wollte“

Diese Ausrede wird üblicherweise bei Turnieren benutzt, um zu erklären, dass das eigene Ausscheiden beabsichtigt war, um irgendwo anders ein profitableres Pokerspiel zu spielen – und nicht etwa die Folge suboptimaler Entscheidungen.

Es ist eine der besten Entschuldigungen, da sie bei der Legendenbildung hilft und Sie gut dastehen lässt, weil Sie eine gute Situation frühzeitig erkannt haben. Darüber hinaus haben Sie die Chance, woanders zu gewinnen, auch wenn das praktischerweise von niemandem überprüft werden kann (siehe nächster Punkt).

„Eigentlich habe ich gewonnen“

Wenn gar nichts mehr hilft, entscheiden sich manche Spieler, die verloren haben, auch gerne für das Leugnen. Lügen Sie (sich selbst) und andere einfach an, was Ihre Poker-Resulate betrifft – am Ende wird alles wieder gut!

Ich bekomme diese Ausrede von Turnierspielern ständig zu hören. Bei ihren Turnierergebnissen müssen sie ehrlich sein, weil die Resultate meistens öffentlich einsehbar sind, aber dafür können sie sich hinter ungenauen Darstellungen über ihre angeblichen Cashgame-Erfolge verstecken, die niemand kontrollieren kann. Bei großen Turnieren werden Sie daher öfter Sätze wie diesen zu hören bekommen: „Nun ja, ich habe bei den Turnieren, die ich gespielt habe, nicht gecasht, aber wegen der Cashgames habe ich trotzdem gewonnen.“

Fazit

Es gibt viele Ausreden fürs Verlieren. Sie funktionieren so gut, weil sie Spielern die Möglichkeit geben, sich gut zu fühlen und sich nicht mit ihrer Spielweise auseinandersetzen zu müssen. Im Endeffekt sind sie aber unsinnig, weil Sie dadurch davon abgehalten werden, eine ehrliche Selbsteinschätzung vorzunehmen und Ihr Spiel stark genug zu verbessern, um gewinnen zu können.

Schieben Sie die Ausflüchte also beiseite und fangen Sie an, Ihre Leaks auszumerzen!

Ashley Adams spielt seit 50 Jahren Poker und schreibt seit 2000 darüber. Er ist der Autor hunderter Artikel und zweier Bücher: Winning 7-Card Stud (Kensington-Verlag, 2003) und Winning No-Limit Hold’em (Lighthouse-Verlag, 2012). Darüber hinaus moderiert er die Poker-Radiosendung House of Cards. Erfahren Sie auf www.houseofcardsradio.com mehr über die Ausstrahlungstermine, die Sender und Podcasts.

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