Ausnutzen der Bubble bei Turnieren

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Anfang dieses Monats nahm ich an einem täglich stattfindenden No-limit Hold’em Turnier in einem lokalen Casino teil. Das Buy-in betrug $100 und das Event zog ein Feld von nur etwas über 80 Spielern an. Angesichts der mäßigen Struktur und der damit unvermeidlich entstehenden Short Stacks wusste ich, dass der Schlüssel für eine gute Platzierung darin bestehen würde, zeitig einen großen Stack aufzubauen.

Tatsächlich stellte es sich als eines jener Events heraus, bei der offenbar jede meiner Entscheidungen die richtige war. Im Laufe der nächsten paar Stunden verwandelte ich meinen Start Stack von 10,000 Chips in ungefähr 140,000 bei nur 14 verbliebenen Spielern. Die Auszahlungsstruktur dieses Events sah vor, dass die letzten neun Spieler ein Preisgeld bekommen würden, was bedeutete, dass mein Chip Lead an der Bubble sehr vielversprechend aussah.

Während dieser Phase — nur fünf Spieler vor dem Geld – spielte ich eine meiner Lieblingshände dieses Events. Ich ging dabei ziemlich aggressiv vor und nutzte die Bubble Phase zu meinem Vorteil, um meinen Stack noch weiter auszubauen und weiterhin die dominierende Größe am Tisch zu bleiben.

Wir waren sieben Spieler am Tisch und die Blinds betrugen 500/1,000 mit einer 100 Ante. Es wurde zu mir im Small Blind gefoldet. Ich sah {k-Spades}{7-Spades} und erhöhte auf 3,000. Nun war der ältere Herr an der Reihe, der neben mir im Big Blind saß. Er startete die Hand mit etwa 30,000 Chips und ging mit. Der Dealer legte den Flop {k-Hearts}{q-Spades}{4-Clubs} und ich setzte mit einer Bet in Höhe von 3,500 fort.

“Das Doppelte,” sagte mein Gegner sofort, und schob 7,000 über die Setzlinie.

Ich kündigte daraufhin sofort eine All-in 3-Bet an, und stellte den Spieler vor eine Entscheidung für all seine Chips. Er versank in langes Nachdenken und fing an, vor sich hin zu reden.

“Endlich treffe ich mal ein Board und dann passiert das,” hörte ich ihn murmeln. “Alle raisen mich immer.”

Schließlich sah er mich an, und warf seine Hand offen in den Muck, so dass der Tisch {k-Diamonds}{10-Diamonds} sehen konnte. Obwohl er die bessere Hand hatte, konnte ich den Pot gewinnen und meinen Stack noch weiter ausbauen. Mein Gegner war sichtlich wütend und verblieb mit ungefähr 20 Big Blinds.

Im Rückblick auf die Hand mag sich ein Anfänger fragen, warum ich mich hier für ein All-in entschieden habe. Etwa weil ich dachte, dass mein geflopptes Paar Könige gut war? Während es sicher nicht schaden konnte, das Board einigermaßen zu treffen (Top Pair mit einem Backdoor Flush Draw), war dies nicht der einzige Grund für meinen Spielzug. In Wirklichkeit nahm ich dieses Risiko auf mich, weil ich wusste, dass sich mein Gegner in diesem Moment nichts mehr wünschte, als in dem Turnier ins Geld zu kommen.

Nach dem stundenlangem Spiel in einem Turnier und kurz vor dem Preisgeld ist für die meisten Poker Spieler das primäre Ziel, in die Geldränge zu kommen. Dies garantiert einen Profit und stellt sicher, dass der Tag nicht verschwendet war. Außerdem bietet sich immer noch die Chance auf einen großen Preis, wenn ein guter Lauf nach dem Platzen der Bubble folgt.

Tatsächlich machte dieser Spieler noch einige Kommentare darüber, wie “er Turniere hasst” und er “lieber jetzt casht.” Mit dieser Information im Hinterkopf ließ ich ihn natürlich nicht gemütlich in die Preisränge spazieren. Wenn er ins Geld kommen wollte, dann sollte er auch dafür arbeiten.

Im Allgemeinen neigen die Spieler zur Passivität, wenn die Bubble naht. Zu diesem Zeitpunkt denken sie daran, dass sie den ganzen Tag bereits gespielt haben und sind sehr angespannt. Platzt dann schließlich die Bubble, folgt meist ein Seufzer der Erleichterung. Niemand möchte den ganzen Tag spielen, um kurz vor dem Geld aus dem Turnier auszuscheiden.

In meiner speziellen Situation hatte ich genügend Raum für Manöver. Denn ich hatte den Chip Lead im Turnier und konnte mir Fehler leisten, während ich Druck auf die anderen um mich herum ausübte. Während es auch stets eine Option ist, nur auf seinen Chips zu sitzen und das Turnier laufen zu lassen, während der eigene Stack langsam abnimmt, ist dies für mich nicht die beste Spielweise.

Die Turnier Bubble ist einfach die beste Zeit, um Druck auf diejenigen Spieler mit kleineren Stacks auszuüben, die unbedingt in die Geldränge gelangen wollen. Diese Aggressivität ist für Sie gleich von doppeltem Nutzen, weil dadurch nicht nur die Short Stacks noch kleiner werden, sondern Sie gleichzeitig auch die Größe Ihres Stack weiter ausbauen können.

Photo: “Popped,” carterse. Creative Commons Attribution ShareAlike 2.0 Generic.

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