6 wichtige Poker Tipps vor dem Flop

Six Things to Think About Before the Flop

Während eines Home Games vergangene Woche, an dem ich gelegentlich teilnehme, übernahm ich für einen großen Teil des Abends die Funktion des Dealers zusätzlich zum Spielen. Ich habe bemerket, dass sich mein Spiel signifikant verschlechtert hat, weil meine Konzentration auf die mechanischen Prozesse, das Spiel am Laufen zu halten, fixiert war.

Das erinnerte mich wieder daran, wie stark mein Erfolg als Spieler von meinem analytischen Ansatz abhängt. Nimmt man mir meine Fähigkeit, genau darüber nachzudenken, was gerade passiert, so nimmt man mir meine Edge – und damit meinen Profit.

In Bezug auf die gedanklichen Prozesse finde ich, dass man am meisten in den paar Sekunden, nachdem die Preflop Action zu Ende ist und der Flop aufgeht, nachdenken sollte. Dies ist die Zeit, in der ich viele Spieler dabei beobachte, wie ihre Aufmerksamkeit kleiner wird, da sie denken, dass gerade nichts passiert. Aber ich finde es sehr hilfreich, so viel mentale Energie wie möglich genau in diesen Moment zu stopfen. Genau genommen habe ich eine ganz bestimmte Routine, der ich immer zu folgen Versuche:

Zuerst kontrolliere ich erneut meine Karten und merke mir beide Wertigkeiten und die Farben. Ich möchte niemals zu den Spielern gehören, die zwei Farben auf dem Flop sehen und dann in ihre Hole Cards schauen um zu sehen, ob sie einen Flush Draw haben; vielmehr möchte ich derjenige sein, der das bereits weiß und die anderen dabei beobachten kann, wie sie in ihre Karten schauen.

Als nächstes kontrolliere ich erneut meine Position in Relation zum Button als auch zu den anderen Spielern in der Hand. Bin ich als Erstes an der Reihe? Oder als Letztes? Irgendwo in der Mitte? Ich zähle, wie viele noch dabei sind, nachdem die Einsätze vor dem Flop getätigt wurden (die Dealer sind angewiesen, dies anzukündigen aber sie liegen zu oft falsch, als dass man sich darauf verlassen könnte) und mache mir eine gedankliche Notiz, dass ich Dritter oder Vierter etc. bin. Ich merke mir ebenfalls, wer als Erstes an der Reihe ist, sodass ich weiß, welchem Spieler ich meine Aufmerksamkeit schenken sollte, sobald die Karten gelegt wurden.

Das nächste was ich tue ist die Größe des Pots einschätzen. Es gibt keinen Grund, auf den Dollar genau zu sein. In einem $1/$2 No-Limit Game, wenn es ein Raise auf $10 mit drei Callern gab, gehe ich einfach von einem Pot von $40 aus. Ich ignoriere jegliche Limper, die nach dem Raise gefoldet haben, was durch die Blinds in den Pot gekommen ist, wie viel Rake wieder entnommen wird und so weiter. Es ist nicht nötig, derart präzise zu sein.

Darauf basierend entscheide ich mich für die Höhe eines Einsatzes. Das bedeutet nicht, dass ich setzen werde; die „ob ich setze“ Entscheidung hängt von vielen Faktoren ab, wie etwa die Flop Textur, meine relative Position, ob ich der Preflop Raiser war, mein Image am Tisch, was ich über die anderen Spieler und deren Hang zu aggressivem Spiel weiß, die Stackgrößen und weitere Faktoren. Ich möchte jedoch eine vorgegebene Setzgröße im Kopf haben, die ich setzen werde, wenn ich mich für einen Einsatz entscheide und entweder zu mir gecheckt wurde oder ich als Erstes an der Reihe bin. Meistens bewegt sich das im Bereich von ½ bis ¾ des Pots, jedoch halte ich mir immer offen, dies zu ändern, wenn es einen überzeugenden Grund dafür gibt.

Nachdem ich meine Hole Cards erneut kontrolliert habe, meine relative Position kenne, die Pot Größe weiß und mich für eine Standard Setz Höhe entschieden habe, schaue ich mir die Stacks meiner Gegner an, wenn dafür noch Zeit ist, um mich daran zu erinnern, welche Spieler in der Hand viele Chips haben und mich daher entweder aus dem Spiel nehmen oder aufdoppeln können oder welche Short Stacks sind und daher light All-in gehen aber mir nicht sonderlich wehtun können.

Das geht soweit, dass ich ebenfalls versuche, mir wieder ins Gedächtnis zu rufen, was ich über mein Tisch Image weiß und in welchem Gemütszustand meine Gegner am Tisch sein könnten – Beispielsweise gewinnend, verlierend, abgelenkt, gelangweilt oder auf Tilt oder bereit, nach Hause zu gehen.

Das Ziel all dieser mentalen Beobachtungsarbeit ist es, die Fahrbahn freizuschaufeln, um es mal so auszudrücken. Ich möchte all die eben genannten Informationen in meinem Kopf auffrischen, um direkt darauf zugreifen zu können, um meine Aufmerksamkeit auf zwei andere Dinge zu lenken:

  1. analysieren, wie der Flop zu den wahrscheinlichen Preflop Ranges meiner Gegner passt und
  2. beobachten, wie sich die Action entwickelt und alles was ich sehe interpretieren.

Wenn die grundlegenden Informationen für diese mehr fordernden mentalen Aufgaben sich klar in meinem Kopf befinden, dann haben alle meine weiteren Denkprozesse freie Bahn um sich mit Poker zu beschäftigen.

Jede mentale Anstrengung, die man investieren muss, um seine Position oder die Hole Cards oder die Stacksizes zu kontrollieren verschwendet nur Energie, die man für die entscheidenden und schwierigeren Aufgaben benötigt, wie im Kopf Listen durchgehen, welche Hände die Gegner haben könnten. Ebenfalls ist es sehr schwierig, die Körpersprache eines Gegners zu entschlüsseln und was diese über seine Handstärke aussagt, wenn man damit beschäftigt ist, erneut zu kontrollieren, ob die roten Karten der eigenen Hole Cards Herz oder Karo waren.

Oftmals sieht man Spieler chatten, TV schauen oder sich mit vielen anderen Dingen ablenken in einer Zeitspanne, die ich als kostbare paar Sekunden zwischen dem Ende der Preflop Action und dem Austeilen des Flops ansehe. Genau diese Spieler sind es dann auch, die anschließend versuchen auf den neusten Stand zu kommen (Wer ist an der Reihe? Wie viel ist im Pot?). Man sieht es an ihren Gesichtern, wenn sie sich umschauen und versuchen, aus den Informationen schlau zu werden zur gleichen Zeit, wie sie verzweifelt versuchen, eine analytische Entscheidung zu treffen. Man sieht, dass sie überfordert sind und Fehler begehen. Sie geben auch eine Vielzahl an Informationen darüber preis, wie sehr sie ihre Situation mögen, denn sie sind so sehr damit beschäftigt, alles herauszufinden, dass sie sich nicht mehr darauf konzentrieren können, ein Pokerface aufzusetzen und daher geben sie Tells preis.

Seien sie nicht einer dieser Spieler. Gewöhnen sie sich eine Routine der Informationsbewertung an, bevor der Flop gelegt wird, genau wie ein Pilot, der vor dem Flug eine Checkliste durchgeht. Ich bin sicher, sie werden merken, dass mit ein wenig Übung dies dazu führen wird, dass ihr Geist frei ist und sich auf die Entscheidungsfindung konzentrieren kann, was am Ende entscheidend ist, ob sie Geld gewinnen oder verlieren.

Robert Woolley lebt in, North Carolina. Er verbrachte mehrere Jahre in Las Vegas und hielt sein Pokerleben im “Poker Grump” Blog fest.

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Robert Woolley

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