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5 weitere Gründe kein Poker Pro zu werden

5 weitere Gründe kein Poker Pro zu werden 0001

In meiner letzten Kolumne ging es um fünf gute Gründe, warum manche (eigentlich die meisten) Pokerspieler keine Profi-Karriere anstreben sollten. Heute zähle ich fünf weitere Gründe auf, die dagegen sprechen.

1. Ihre Winrate ist vermutlich überhöht, weil Sie sich aussuchen, wann Sie spielen

An den €1/€2-Live-Tischen gewinnen Sie im Schnitt €20 die Stunde und online können Sie auch mithalten? Das ist toll! Allerdings können Sie von diesen Daten nicht automatisch darauf schließen, was Sie verdienen werden, wenn Sie 40 Stunden pro Woche spielen müssen, um Ihr Monatseinkommen zu erzielen. Tatsächlich sehen die Zahlen mit hoher Wahrscheinlichkeit anders aus.

Die meisten Teilzeit-Spieler spielen nach ihrer eigentlichen Arbeit. Das bedeutet normalerweise, dass abends und an Wochenenden gespielt wird. Vor allem an Feiertagen wird gespielt. Wann sind die Tische am leichtesten spielbar, was glauben Sie? Richtig – genau zu diesen Zeiten.

Wenn Sie gezwungen sind, Vollzeit zu spielen, um Ihre Ausgaben zu decken, haben Sie vielleicht nicht den Luxus, nur dann zu spielen, wenn die Spiele am besten sind. Sie müssen auch zu anderen Zeiten spielen, dann, wenn sich kaum Touristen oder Regulars, die dem Alkohol zugetan sind, im Pokerraum befinden. Sie werden gegen andere Grinder antreten müssen, die ihrerseits versuchen, das Tagessoll zu erreichen. Oder schlimmer noch: Sie werden gegen Rentner spielen, die nur die allerbesten Hände spielen und sich kaum um Chips erleichtern lassen.

Was bleibt, ist die Erkenntnis: Ihre Winrate pro Stunde wird wahrscheinlich sinken, wenn Sie mehr Stunden Zeit investieren.

2. Die Zahlenlehre funktioniert anders als gedacht

Die Mathematik ist kinderleicht. Nehmen wir an, dass Sie mit 10 Stunden Spielzeit an den €1/€2-Tischen €200 gewinnen – in 40 Stunden sollten €800 daraus werden, oder? Und nach einem Jahr, in dem Sie 50 Wochen gespielt haben (großzügigerweise haben Sie zwei Wochen Urlaub), ergibt sich daraus ein Jahresgehalt von €40.000. Und das schließt nicht einmal das Geld ein, das Sie bei Turnieren oder Homegames eingespielt haben.

Vielleicht klettern Sie in den Stakes nach oben, von €1/€2 geht es auf das nächsthöhere Limit: €2/€5. Damit würde sich der Stundenlohn von €20 auf €40 erhöhen, oder? Sie sollten also keine Schwierigkeiten haben, mit den €40.000 aus Ihrem alten Job gleichzuziehen. Und bei den €40.000 handelt es sich ja im Grunde um €50.000, weil Sie keine Steuern zahlen müssen.

Falsch, ganz falsch. Wenn Sie nicht gerade in Großbritannien wohnen, müssen Sie sehr wohl Steuern zahlen. Das Finanzamt (und die Gerichte) vertreten die Auffassung, dass Spieler, die mit Poker Ihren Lebensunterhalt bestreiten, offensichtlich ein Geschicklichkeitsspiel spielen. Folglich müssen auch Steuern gezahlt werden. Wer seine Einnahmen verschleiert und auffliegt, muss mit empfindlichen Nachzahlungen rechnen.

Außerdem führen mehr gespielte Stunden nicht automatisch zu mehr gespielten Stunden bei gleicher Winrate. Das Aufrechterhalten der Konzentration ist schwierig. Vielleicht machen Sie die Entdeckung, dass Sie nur am Ende der Woche nur noch ein halb so guter Spieler sind, sobald Sie die Spielzeit vervierfachen. Am Ende verlieren Sie womöglich sogar Geld.

Die Aussicht, mehr Geld zu verdienen, sobald Sie in den Limits aufsteigen, ist ein weiteres Luftschloss. Ihre Gegenspieler werden auch stärker. Auch wenn der Rake-Anteil an Ihren Gewinnen relativ gesehen sinkt, ist der Schaden, der Ihnen durch das Spielen gegen bessere Spieler entsteht, wesentlich größer. Tatsächlich kann es passieren, dass Sie in den Stakes aufsteigen und anfangen, zu verlieren.

Was ich zum Ausdruck bringen will: Rechnen Sie Ihre Vollzeit-Einnahmen erst aus, wenn Sie auch tatsächlich Vollzeit spielen.

3. Mit Poker den Lebensunterhalt zu bestreiten, ist Arbeit – und Arbeit ist … nun … Arbeit

Vielleicht denken Sie noch nicht so, aber viele Spieler finden Poker langweilig und nicht aufregend, sobald das Spiel zur Haupteinnahmequelle wird. Als Hobby-Spieler ist das Spiel unglaublich aufregend. Und es ist auch noch unterhaltsam, sobald Sie alles Wichtige gemeistert haben und anfangen, Geld zu verdienen. Kaum etwas fühlt sich so gut an wie ein Turniersieg oder ein Blick auf die Bankroll, die nach oben schnellt.

Aber wenn Poker zum Job wird – zur Haupteinnahmequelle –, kann das Gefühl schnell umschlagen. Reden Sie mit Menschen, die seit fünf Jahren oder länger professionell Poker spielen. Nachdem ich mit hunderten Profi-Spielern gesprochen habe, sagt mir meine Erfahrung, dass es für viele eine interessante und lohnenswerte Karriere ist, aber trotzdem ein Job (und kein Abenteuer). Und damit verbunden ist die Ernsthaftigkeit und die Verantwortung, die allen Arbeitsstellen gemein ist.

4. Varianz

Sie spielen seit ein paar Monaten ernsthaft und gewinnen, vielleicht sind Sie sogar schon seit einem Jahr erfolgreich. Aber lange, verheerende Downswings können passieren. Sprechen Sie mit Profis, die zur Weltelite gehört haben, nur um später alles zu verlieren. Es gibt haufenweise professionelle Spieler, die die Varianz unterschätzt haben.

Das heißt nicht, dass alle Profis alles verlieren. Aber dass es so vielen passiert, hängt damit zusammen, dass die Geldmittel nicht ausreichend waren, um den Auswirkungen der Varianz standzuhalten. Und Varianz kann unfassbar brutal sein, sogar für die besten Spieler.

Warum das Risiko eingehen und ein sicheres Einkommen wegwerfen, bevor Sie kein sehr, sehr, sehr stabiles, finanzielles Sicherheitsnetz aufgespannt haben?

5. Für ernsthafte Pokerspieler gibt es inzwischen viele Alternativen, ohne „Profi“ werden zu müssen

Wer in Amerika in den 1990er Jahren eine Karriere als professioneller Pokerspieler anstreben wollte, hatte kaum eine Wahl. In Frage kamen nur raue, illegale Untergrund-Szenen oder ein Umzug nach Las Vegas oder Südkalifornien. Es gab noch ein paar andere Optionen (Seattle griff einigen Profis etwa finanziell unter die Arme), aber die Möglichkeiten für ernsthafte Spieler waren rar gesät.

Heute ist das freilich anders. Fast auf der ganzen Welt gibt es Low-, Mid- und High-Stakes-Spiele, die rund um die Uhr laufen. Auf Kreuzfahrtschiffen steht das Glücksspiel hoch im Kurs, Wohltätigkeitsorganisationen veranstalten Pokerabende, es gibt haufenweise Casinos, die Gesetze sind gelockert worden und die Polizei ist nicht mehr so hinterher, „illegale“ Homegames aufzulösen. So gut wie alle Spieler haben in unmittelbarer Nähe Zugang zu gescheiten Spielen.

Darüber hinaus ist Poker im Fernsehen vertreten und der Popularität haben wir viele Pokerspieler zu verdanken. Daher ist damit zu rechnen, dass es auch in Ihrer Nähe ein paar gute Untergrund-Spiele gibt.

Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund, warum Sie Ihren eigentlichen Job an den Nagel hängen und einen Umzug in eine weit entfernte Stadt in Betracht ziehen sollten, um Poker zu spielen. Behalten Sie Ihren Job und spielen Sie Poker nebenbei oder an Ihren freien Tagen. Warum nicht erst einmal so verfahren, bis Sie viel mehr Spielerfahrung und Geld auf der Habenseite haben?

Jede Woche hat 168 Stunden. Wenn Ihr Job Sie 40 Stunden in Beschlag nimmt und Sie 56 Stunden schlafen, haben Sie immer noch 72 Stunden Zeit, in denen Sie Poker spielen können. Falls Ihnen das Pokerspielen am Herzen liegt, können Sie es wie einen Zweitjob behandeln. Je nachdem, wie ausdauernd Sie sind (da sollten Sie realistisch sein), können Sie bis zu 40 Stunden Poker spielen und tagsüber einer anderen Arbeit nachgehen.

Finden Sie heraus, ob Sie mit Poker genauso viel wie mit Ihrem eigentlichen Job verdienen können – und noch mehr, um die Zusatzleistungen einer geregelten Arbeitsstelle auszugleichen. Das sollte Ihr Ziel sein. Wenn Sie das Ziel erreichen und Poker immer noch lieben, und über Rücklagen für mindestens sechs Monate verfügen, und eine ausreichend große Bankroll haben, um das Spiel zu spielen, erst dann sollten Sie über einen Karrierewechsel nachdenken.

Ashley Adams spielt seit 50 Jahren Poker und schreibt seit 2000 darüber. Er ist der Autor hunderter Artikel und zweier Bücher: Winning 7-Card Stud (Kensington-Verlag, 2003) und Winning No-Limit Hold’em (Lighthouse-Verlag, 2012). Darüber hinaus moderiert er die Poker-Radiosendung House of Cards. Erfahren Sie auf www.houseofcardsradio.com mehr über die Ausstrahlungstermine, die Sender und Podcasts.

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