2019 World Series of Poker

5 Gründe kein Poker Pro zu werden

5 Reasons Not to Become a Poker Pro

Im Cashgame gehören Sie zu den Crushern – im Pokerraum in Ihrer Nähe gewinnen Sie mehr als €20 die Stunde. Online sind Sie ebenfalls erfolgreich – gerade haben Sie das zweite Turnier diesen Monat für sich entschieden. Geschwind haben Sie Ihre Poker-Bankroll auf €12.793 ausgebaut – und das in nur dreieinhalb Monaten, in denen Sie wöchentlich auf etwa 25 Stunden Spielzeit gekommen sind.

Sie spielen ein paar Szenarien im Kopf durch und überlegen, wie viel mehr Sie gewinnen könnten, wenn Sie in den Stakes aufsteigen. Sie gehen davon aus, dass Sie die €45.000, die Sie mit Ihrer Vollzeitstelle erwirtschaften, leicht übertreffen können. Sie glauben, dass es an der Zeit ist, den verhassten Job aufzugeben und all Ihre Zeit und Energie ins Projekt Pokerspieler zu stecken.

Ich habe vier Worte für Sie: TUN SIE DAS NICHT!

Oder denken Sie zumindest sehr lange und intensiv darüber nach, bevor Sie sich dazu entschließen. Mir fallen mindestens 10 Gründe ein, warum Sie Ihre Arbeitsstelle nicht an den Nagel hängen sollten – auch wenn Sie glauben, bereit zu sein, als Vollzeit-Poker-Profi durchzustarten.

In diesem Artikel soll es um die ersten fünf Gründe gehen, die mir in den Sinn gekommen sind.

1. Sie haben noch nicht lange genug gespielt

Ja, ich weiß: Sie glauben, dass Sie in den letzten dreieinhalb Monaten tolle Resultate eingefahren haben. Aber Sie haben noch nicht lange genug gespielt, um zu wissen, ob Sie das Spiel tatsächlich schlagen oder einfach nur eine Glückssträhne erwischt haben.

Wenn Sie 15 Wochen in Folge 25 Stunden gespielt haben, entspricht das 375 Stunden Spielzeit. Das ist weniger als die minimal erforderlichen 500 Stunden, die Sie spielen müssen, um feststellen zu können, wie Sie sich im Schnitt behaupten.

2. Sie haben nicht genug Geld auf der hohen Kante

Klar, fast €13.000 zu haben klingt nach einer Stange Geld. Und verglichen mit €0 stimmt das auch. Aber es ist nicht annähernd genug, um als wiederkehrendes, garantiertes Einkommen bezeichnet zu werden. Auch wenn Poker irgendwann genug Geld einbringen könnte, ist das zu diesem Zeitpunkt noch nicht der Fall.

Als Faustregel wollen Sie die Ausgaben für ein halbes Jahr abgesichert haben und eine Bankroll vorweisen können, die der schlimmsten Pechsträhne, die Sie sich vorstellen können, standhalten kann. Und zwar so, dass Sie an den Tischen unbeschwert weiterspielen können. Im Moment verdienen Sie €45.000. Falls Sie als €1/€2-Spieler durchstarten wollen und aktuell €45.000 im Jahr erwirtschaften, sollten Sie mindestens €20.000 angespart haben und über weitere €20.000 als Bankroll verfügen.

Grinden und gewinnen Sie weiter, und vielleicht sind Sie eines Tages bereit, den Schritt zu gehen. Aber jetzt noch nicht.

3. Sie sind noch nicht gut genug

Nach dreieinhalb Monaten auf der Siegerseite verfügen Sie noch nicht über die Fähigkeiten eines Profis. Auch wenn Sie das anders sehen mögen. Wie ich bereits angeführt habe, sind Sie noch nicht lange genug dabei, auch wenn Ihre Resultate bis dato sehr positiv sind.

Sie haben noch keinen Monate andauernden oder fast das ganze Jahr anhaltenden Downswing durchstehen müssen. Wie werden Sie reagieren? Sie wissen es nicht. Sie werden es erst wissen, wenn Sie viel mehr Spielerfahrung gesammelt haben. Mindestens ein Jahr sollten Sie gespielt haben – idealerweise noch länger.

4. Sie wollen ein regelmäßiges Einkommen

Sie denken, dass Sie mit den erspielten €13.000 ein regelmäßiges Einkommen haben. Aber dieses Geld ist alles andere als regelmäßig. Es ist ein zusätzliches Einkommen. Es ist ein großer Unterschied, ob Sie aus Spaß spielen und sich neben der Arbeit etwas dazuverdienen oder ob Sie mit dem Geld Ihre Rechnungen bezahlen müssen. Fragen Sie jeden Profi.

Über ein regelmäßiges Nicht-Poker-Einkommen zu verfügen, kann Ihnen dabei helfen, Ihr A-Game abzurufen. Sie werden nie verzweifelt sein, am Hungertuch nagen oder Rechnungen aufschieben müssen, weil Ihr Spiel plötzlich nicht mehr aufgeht.

5. Sie wollen Zusatzleistungen

Sie haben ausgerechnet, dass Sie €45.000 verdienen müssen, um mit Ihrem jetzigen Job gleichzuziehen. Die Zahlen stimmen. Trotzdem gibt es ein Problem. Sie haben die Zusatzleistungen außer Acht gelassen, die das Arbeiten im Angestelltenverhältnis mit sich bringt.

Was damit gemeint ist? Die Krankenversicherung etwa. Oder die Lohnfortzahlung bei Krankheit oder an Urlaubstagen, der Arbeitgeberanteil zur Rente. Und so weiter.

Sie glauben nicht, dass da viel zusammenkommt? Sie liegen falsch. Informieren Sie sich, wie viel mehr Sie als Selbstständiger zahlen müssen, um eine gesetzliche Krankenversicherung abzuschließen. Oder versuchen Sie, Poker zu spielen, wenn Sie wirklich krank sind, aber Geld verdienen müssen. Oder wenn Sie Urlaub nehmen wollen, um sich um persönliche Angelegenheiten zu kümmern. Oder wenn Sie es sich einfach nicht leisten können, an den Tischen nicht um Ihr täglich Brot zu kämpfen. Dann werden Sie erkennen, wie falsch Sie liegen.

Das Einkommen, das Sie ersetzen müssen, ist nicht genauso hoch wie das Jahresgehalt, das Sie mit Ihrem aktuellen Job einnehmen – tatsächlich ist es viel höher.

Das sind meine ersten fünf Gründe, die gegen das Profi-Dasein sprechen. Nur für den Fall, dass Sie noch nicht überzeugt sind: Nächste Woche gibt es fünf weitere.

Ashley Adams spielt seit 50 Jahren Poker und schreibt seit 2000 darüber. Er ist der Autor hunderter Artikel und zweier Bücher: Winning 7-Card Stud (Kensington-Verlag, 2003) und Winning No-Limit Hold’em (Lighthouse-Verlag, 2012). Darüber hinaus moderiert er die Poker-Radiosendung House of Cards. Erfahren Sie auf www.houseofcardsradio.com mehr über die Ausstrahlungstermine, die Sender und Podcasts.

Sie finden de.PokerNews auch auf Twitter und Facebook.


Was denken Sie?

MEHR ARTIKEL

Weitere Artikel