4 Gründe für eine Schrott Poker Hand (und 4 Gründe dagegen)

Four Reasons Why You Should Have a Lucky Poker Hand (and Four Reasons Why You Shouldn’t)

Wie viele Pokerspieler habe ich eine „Lieblings-Schrott-Hand“: Zwei-vier. Wie die Hand zuerst meine Aufmerksamkeit erregt hat, spielt hier keine Rolle, aber ich habe sie in den vergangenen Jahren aggressiv gespielt – mit teilweise spektakulären Ergebnissen.

Mir ist bewusst, dass {2-}{4-} standardmäßig in den Muck gehört – und zwar so früh wie möglich, unter beinahe allen Umständen. Kann dieser Ratschlag mit meinen gegenteiligen Gepflogenheiten in Einklang gebracht werden? Schauen wir uns dazu das Pro und Contra einer Lieblings-Schrott-Hand an – einer Hand, die Sie in allen möglichen Situationen spielen, obwohl alle Bücher, die sich mit Poker-Strategie auseinandersetzen, davon abraten.

Lassen Sie uns zunächst die Begrifflichkeiten abklären. Trotz der Überschrift gibt es keine „lucky“ Hand für irgendjemanden. Zu glauben, dass eine Schrott-Hand häufiger gewinnt als sie statistisch sollte, erfordert eine verzerrte Wahrnehmung oder sogar magische Vorstellungskraft.

Ich benutze den Begriff, wenn ich meine Karten für einen gewonnenen Pot zeigen muss, um meinen Gegnern zu erklären, dass {2-}{4-} meine „lucky Hand“ ist. Das ist die schnellste Erklärung dafür, warum ich sie spiele – und obendrein eine, die an Poker-Tischen gerne akzeptiert wird. Wenn meine Erklärung dazu führt, dass meine Gegner glauben, dass lucky Hände tatsächlich existieren, oder dass ich dumm genug bin, zu glauben, dass sie existieren, ist das umso besser für mich.

Die echten Gründe, warum ich sie spiele – und Gründe, warum Sie vielleicht darüber nachdenken sollten, sich selbst eine „lucky Hand“ zu suchen – lauten wie folgt:

1. Es macht Spaß

Es ist großartig, die Asse von jemandem mit einem gefloppten Set Könige zu knacken. Aber es macht nicht einmal annähernd so viel Spaß wie etwas zu spielen, das sie niemals kommen sehen und auch kaum glauben können, wenn sie es eben doch zu Gesicht bekommen.

Ich habe einen Freund, der einen Großteil seines Poker-Blogs dem Thema widmet, wie er große Hände seiner Gegner mit komplettem Schrott geschlagen hat. Auch die aufgebrachten, wütenden Reaktionen, die das Spielen solcher Hände provoziert, insbesondere bei Nits, finden sich in seinen Posts wieder. Er favorisiert {6-}{3-}-offsuit – und nennt sie „die spanische Inquisition“. Sobald er einen Pot beanspruchen kann, in dem er nichts zu suchen hatte, zeigt er seine Hand und sagt laut: „Niemand erwartet die spanische Inquisition!“

Kommen Sie schon – wenn Sie nicht zustimmen, dass das lustig ist, sind Sie kein Mensch.

2. Es erhöht ihre Bluffing-Frequenz

Die meisten regulären Spieler auf den Low-Stakes spielen nicht aggressiv genug und bluffen auch zu wenig. Schrott-Hände bilden nur selten eine Hand, die stark genug ist, um für Value zu betten – eine solche Hand zu spielen verpflichtet einen also dazu, in manchen Spots wahllos zu bluffen.

Das ist schon an und für sich profitabel, insbesondere, wenn Sie als tight-aggressiver Spieler in der Runde gelten. Allerdings ist es auch eine hervorragende Übung. Es wird Ihnen beibringen, dass die Karten, die Sie halten, in vielen Poker-Situationen keine große Rolle spielen. Damit eignen Sie sich wertvolles Wissen an.

3. Sie können Monster-Pötte gewinnen

Es ist eine Binsenweisheit, dass Ihre größten Gewinne tendenziell dann zustande kommen, wenn sich Ihre tatsächliche Hand außerhalb der Range befindet, die Ihnen ein Gegner zuweist, so dass Sie jemanden komplett ahnungslos überrumpeln.

Sofern Sie nicht viele Schrott-Hände spielen, so dass Gegner Sie für einen „Any Two Cards“-Spieler halten, wird damit fast immer eine Situation beschrieben, in der Sie etwa {a-}{3-}{5-} auf dem Flop sehen und {4-}{2-} als Hole Cards vor sich liegen haben. In dem Fall ist es kinderleicht, den ganzen Stack des Typen zu bekommen, der gerade sein Set Asse getroffen hat, und sich in falscher Sicherheit wähnt.

4. Wenn andere Ihre „lucky“ Hand kennen, haben Sie Angst

Eine Zeit lang habe ich online unter dem Nickname „Dr. Flush“ gespielt. Lustigerweise hat das für Spekulationen im Chat gesorgt, dass ich Klempner oder Urologe sein müsste. (Ich bin weder das eine noch das andere.)

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The mighty Deuce-Four in action

Das Interessanteste war aber, wie viel häufiger meine Bluffs funktioniert haben, sobald das Board drei Karten einer Farbe gezeigt hat. Ich habe die Ergebnisse nicht mit denen verglichen, die ich mit anderen Namen erzielt habe, aber ich habe das untrügliche Gefühl, dass der Name die Spieler hat glauben lassen, dass ich viele Flushdraws zu treffen versuche – und den Flush deshalb auch eher in meiner Range habe.

Ähnlich verhält es sich in Home Games, wenn das Board irgendetwas hergibt, um {4-}{2-} in ein Monster zu verwandeln. Ich habe große Erfolge damit, dann genau diese Hand zu repräsentieren. Es funktioniert, weil die anderen von meiner Lieblings-Hand wissen, und auch, dass ich sie jedes Mal spiele. Sie können nicht anders als anzunehmen, dass ich eine große Hand getroffen haben muss – wohingegen Sie bei jedem anderen Spieler die Möglichkeit verwerfen würden, dass dieser Jemand {4-}{2-} hält.

Sie können den gleichen Effekt erreichen, wenn Sie in einem Live-Cashgame gegen fremde Spieler einen Pot gewinnen, ihre Karten zeigen und bekannt geben, dass das Ihre lucky Hand ist, die Sie immer spielen. Ihre Gegner werden sich daran erinnern.

Wie im echten Leben wird Ihnen aber auch beim Poker nichts geschenkt. Eine Schrott-Hand zu spielen hat auch eine dunkle, gefährliche Seite:

1. Sie können Ihrem Lügengebilde zum Opfer fallen

Wenn Sie eine Lüge oft genug erzählen, glauben Sie sie am Ende womöglich selbst. Wenn Sie anderen also unermüdlich erzählen, dass Ihnen eine Schrott-Hand super-viel Glück einbringt, kann sich das in Ihr Gedächtnis einbrennen. Letzten Endes glauben Sie dann selbst – bewusst oder unterbewusst – dass das wirklich so ist, und verhalten sich dementsprechend.

Vielleicht fühlen Sie sich irgendwann verpflichtet, ihre {j-}{3-}-Hand genauso wie {a-}{a-} zu spielen, so dass Sie ins offene Messer laufen und alle Warnsignale ignorieren werden, dass jemand Ihren Bluff aufdecken will.

2. Sie bedeuten Ärger

Sicher: Gelegentlich werden Sie {a-}{4-} mit {2-}{4-} vernichtend schlagen, wenn der Flop {4-}{4-}{2-} zeigt. Falls die dritte Karte im Bunde aber eine andere als die Zwei ist, geraten Sie schnell in große Schwierigkeiten, obwohl Sie Ihre Trips für die beste Hand halten.

3. Stück für Stück

Die meisten Poker-Verluste kommen nicht durch einen ganzen Stack auf einmal zustande. Häufig schreiten die Verluste langsam voran, hier ein paar Chips, da noch mehr. Mit Schrott-Händen werden Sie meistens Geld verlieren – das ist auch der Grund, warum sie weitgehend als „Schrott“ angesehen werden. Sie werden Probleme damit haben, sicherzugehen, dass die wenigen großen Pötte, die Sie gewinnen, die vielen kleinen Pötte ausgleichen werden, die Sie mit Ihrer Lieblings-Hand verlieren.

4. Achtung Rutschgefahr

Wie ich bereits angeführt habe, kann das Spielen einer Schrott-Hand Ihre Bottom-Range stärken – angenommen, Sie gehen dabei vernünftig vor. Allerdings ist es furchtbar einfach, weitere Rechtfertigungen zu finden. Wenn ein bisschen gut ist, ist noch mehr noch besser, richtig? Falls Sie {2-}{4-} spielen, könnten Sie in Versuchung kommen, auch {2-}{5-} eine Chance zu geben – und danach {2-}{6-} oder {2-}{7-} und so weiter. Diese zerstörerische Tendenz wird besonders stark ausgeprägt sein, wenn Sie müde spielen oder bereits Geld verloren haben – und es kann Sie ein Vermögen kosten.

Falls Sie noch keine „lucky“ Hand auserwählt haben, sollten Sie sich vielleicht eine suchen. Es kann eine mächtige Poker-Waffe sein. Zielen Sie aber nicht auf sich selbst: Die Waffe kann leicht gegen Sie eingesetzt werden.

(Falls Sie Interesse haben, können Sie in meinem Blog zahlreiche Geschichten zur mächtigen Zwei-Vier nachlesen.)

Robert Woolley lebt in Asheville, North Carolina. Er hat mehrere Jahre in Las Vegas verbracht und hat über sein Leben als Pokerspieler in seinem Blog Poker Grump berichtet.

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Robert Woolley

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