2 Strategien gegen starke und trickreiche Gegner beim Stud

Two Strategies For Playing Against Strong, Tricky Opponents

Wenn ich Homegame-Spielern die richtige Strategie vermitteln will, gebe ich Ihnen häufig Tipps, wie sie gegen durchschnittlich begabte oder auch nur mittelprächtige Spieler vorgehen können – das mache ich deshalb, weil diese Spielertypen häufig in Homegames anzutreffen sind. Sie werden sich normalerweise besser anstellen als diese Spieler und können ihre Schwächen ausnutzen, um ihr Geld zu gewinnen.

Manchmal werden Sie allerdings auf einen sehr geschickten Gegner treffen – das kann Ihnen etwa auf den höheren Limits in einem Casino passieren. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Sie es vor allem bei den Sidegames großer Poker-Turniere mit starken Gegnern zu tun bekommen – in diesen Spielen verspeisen die guten Spieler oftmals alle Fische. Selbst in bestimmten Homegames kann es vorkommen, dass Sie auf einen Gegner treffen, dessen Fähigkeiten Ihre eigenen übersteigen.

Welche Anpassungen können Sie vornehmen, um mit Spielern umzugehen, die sich viel, viel besser anstellen als Ihre Otto Normalgegner?

Zuallererst müssen Sie sich vor Augen führen, dass Sie das Spiel am besten verlassen sollten, wenn am Tisch nur solche Spieler sitzen. Sie werden keine Auszeichnung erhalten, nur weil sie gegen die besten Gegner antreten. Anders als beim Golf werden auch keine Anpassungen vorgenommen, weil sie ein höheres „Handicap“ als die anderen Spieler haben. Wenn Sie also glauben, übervorteilt zu werden, ist es keine Schande, sich ein einfacheres Spiel zu suchen.

Selbst wenn Sie das beachten, werden Sie hin und wieder auf einen herausragenden Spieler treffen, aus dem Sie nicht richtig schlau werden – die Art Spieler, zu der Sie auch gehören wollen, wenn Sie nicht schon zu dieser Gruppe gehören. Das wird Ihnen vor allem widerfahren, wenn Sie an vielen unterschiedlichen Orten gegen viele verschiedene Gegner spielen.

Im Folgenden gebe ich Ihnen ein paar Hinweise mit auf den Weg, wie Sie Ihre Verluste gegen einen solchen Spieler minimieren können. Meine Beispiele beziehen sich auf Seven-Card Stud, aber die Tipps lassen sich auch auf andere Spiele übertragen.

Gehen Sie Ihnen ohne Premium-Hände aus dem Weg

Stellen wir uns vor, dass Sie in einem $20/$40 Stud-Spiel sitzen und ({7-Hearts}{q-Hearts}) {q-Spades} halten. Vor Ihnen haben einige Spieler gefoldet und hinter Ihnen warten noch drei Spieler – dabei zeigt einer einen König. Sie nehmen an, dass Sie die Antes und das Bring-in gewinnen könnten, indem Sie raisen. Vielleicht bleibt ein Spieler auch mit einer schwächeren Hand dabei, also setzen Sie $20.

Der Spieler mit dem König, den Sie als starken und trickreichen Spieler eingeordnet haben, reraist auf $40. Die beiden anderen Spieler folden. Was tun Sie?

Auf der einen Seite wollen Sie callen. Er ist tricky, also gehen Sie davon aus, dass er das auch nur mit dem König allein machen könnte. Meistens ist genau das der Fall. Manchmal verbirgt sich hinter den verdeckten Karten ein Paar. In anderen Fällen wird er genau das halten, was er repräsentiert: ein Paar Könige.

Das bedeutet, dass Sie wahrscheinlich vorne liegen – und selbst wenn er einen König hält, könnten Sie eine weitere Dame oder eine Sieben treffen, um in Führung zu gehen. Folgerichtig tendieren Sie zum Call. Genauso erscheint Ihnen ein Raise sinnvoll, da er schließlich häufig ohne ein Paar Könige raist. Tatsächlich könnte das Raise Sinn ergeben, wenn Sie sicher wissen würden, dass er keine Könige hat, oder vielleicht ein Ass hätten, das Ihre Damen unterstützen könnte.

Alles in allem sind Sie in dieser Situation aber mit Sicherheit besser beraten, den Fold zu finden.

Natürlich erlauben Sie ihm damit, Sie mit dem Raise auszuspielen. Sie treten den Rückzug an, nachdem Sie Stärke gezeigt haben und geben auf und geben einem Move nach, der womöglich dazu gedacht war, dass Sie wie ein kleines Kind mit eingezogenem Schwanz davonlaufen.

Auf der anderen Seite haben Sie bereits eingeräumt, dass Sie aus Ihrem Gegner nicht schlau werden und er tricky spielt. Wenn Sie die Hand weiterspielen, wird es noch schwieriger, seine Hand einzugrenzen. Wie sicher fühlen Sie sich im späteren Verlauf der Hand, dass Sie vorne liegen – selbst wenn Sie noch etwas treffen? Wollen Sie wirklich die vollen $180 riskieren, die Sie aufwenden müssen, wenn Sie ihn bis zum River heruntercallen wollen (angenommen, dass sich keine Hand offensichtlich verbessert)? Ich kann das nicht empfehlen – nicht, wenn Sie ihn bereits als starken, klugen Spieler ausgemacht haben. Suchen Sie sich einfachere Gegner. Lassen Sie ihn den Pot kaufen, falls er das getan hat. Folden Sie und weiter geht’s.

Setzen Sie den „Anti-Spin“ ein

Jetzt beschreibe ich eine weitere Strategie, die ich gegen trickreiche, undurchschaubare Gegner anwende. Ich nenne sie den „Anti-Spin“.

Anti-Spin ist ein Begriff aus einem anderen Sport: Ping-Pong – oder wie ernsthafte Sportler ihn nennen: Tischtennis. In den 1970er Jahren begannen die besten Tischtennis-Spieler damit, einen sehr unnachgiebigen Belag für ihre Schläger zu verwenden, um dem Ball einen besonders starken Drall zu verleihen. Das hat das Spiel entscheidend verändert – vorbei waren die Tage der Noppen- und Sandpapier-Beläge, die dem Ball nur einen schwachen Drall mitgeben konnten. Die Hersteller antworteten auf diese Entwicklung mit einem Belag für die Verteidigung, der als „Anti-Spin“ bezeichnet wurde. Dieser verlieh dem Ball keinen eigenen Drall, konnte aber den Drall des gegnerischen Balls absorbieren. Auf diese Weise löste sich der Vorteil, den die „unnachgiebigen“ Beläge mit sich brachten, in Luft auf.

Im Poker kann ich Ihnen gegen tricky Gegner eine Spielweise empfehlen, die den Anti-Spin kopiert. Federn Sie die Verschlagenheit Ihres Gegners ab, indem Sie neutral gegen ihn spielen und häufiger callen und checken als gegen Spieler, auf die Sie eine Edge haben.

Gegen einen regulären (oder schwachen) Gegner neigen Sie vielleicht dazu, aggressiv zu agieren, selbst wenn der Gegner Aggression zeigt. Wenn Sie zum Beispiel ({j-Spades}{j-Diamonds}) {k-Clubs} halten und ein solcher Spieler mit einer offenen Dame raist, könnten Sie mit einem Reraise Druck auf ihn ausüben. Gegen einen starken Gegner könnte es aber vielleicht besser sein, neutral darauf zu antworten, indem Sie nur callen.

Ganz ähnlich können Sie mit einer superstarken Hand verfahren. Wenn Sie beispielsweise ({a-Spades}{a-Clubs}) {9-Diamonds} halten und in einem normalen Spiel mit gewöhnlichen Gegnern sitzen, würden Sie vermutlich raisen. Gegen einen starken Gegner könnten Sie stattdessen nur callen, um seiner Aggressivität freien Lauf zu lassen. Nehmen wir an, dass er mit einer Dame geraist hat – in dem Fall können Sie nur callen, um keine Stärke zu zeigen und ihn betten zu lassen. Lassen Sie sich von ihm herumschubsen, während Sie neutral antworten. Wenn Sie den tricky Spieler am Ende mit einer unerwartet starken Hand überraschen, bringen Sie ihn vielleicht dazu, in Zukunft weniger aggressiv gegen Sie zu spielen.

Fazit

Bis zu einem gewissen Grad ist es sicherlich frustrierend und auch erschütternd, akzeptieren zu müssen, dass ein Gegner besser spielt als man selbst – und sich vor diesem Spieler dann entweder in Acht nehmen oder neutral gegen ihn oder sie spielen zu müssen.

Im Poker bezieht sich der Begriff Edge aber nicht nur auf das, was Sie gewinnen, wenn Sie vorne liegen, sondern auch darauf, dass Sie im umgekehrten Fall möglichst wenig verlieren. Diese Erkenntnis lässt sich nicht nur auf die Karten, sondern auch auf die Spieler selbst anwenden.

Ashley Adams spielt seit über 50 Jahren Poker und schreibt seit 2002 darüber. Er ist Autor von hunderten Artikeln und zweier Bücher Winning 7-Card Stud (Kensington 2003) und Winning No-Limit Hold'em (Lighthouse 2012). Er ist auch Gastgeber der Poker Radio Show House of Cards. Hier finden Sie die www.houseofcardsradio.com Sendezeiten und Podcasts.

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