10 Hold'em Tipps: Overbetting

10 More Hold'em Tips: Overbetting

Sie spielen ein No-Limit Hold’em-Turnier. Auf einem {9-Diamonds}{k-Diamonds}{3-Clubs}{10-Clubs}{4-Diamonds} Board halten Sie {k-Spades}{k-Hearts} für Top Set – Sie haben preflop geraist und auf dem Flop und Turn gebettet. Am River checken Sie zu Ihrem Gegner, der auf allen Streets gecallt hat. Als er mehr als Pot anspielt, zucken Sie innerlich zusammen, denn Sie haben eine schwierige Entscheidung zu treffen.

Willkommen in der Welt der Overbets!

Bei einer „Overbet“ ist meistens von einer Bet nach dem Flop die Rede, die fast dem Betrag im Pot entspricht oder darüber hinausgeht. Allerdings findet der Begriff im Allgemeinen für jede Bet Verwendung, die unter den gegebenen Umständen größer ausfällt als erwartet. In einem $1/$2 NL-Spiel gelten Openraises zwischen vier und fünf Big Blinds als normal – ein Raise auf $20 kann daher als Overbet angesehen werden. Das gilt auch, wenn der gleiche Spieler mit einer großen River-Bet overbettet.

Overbets kommen beim No-Limit Hold’em selten zum Einsatz, außer vielleicht an sehr loosen und aggressiven Tischen. In der Regel handelt es sich um einen relativ seltenen Spielzug, der nur in besonderen Situationen vorkommt – zumindest bei Spielern, die wissen, wann und wo eine Overbet angebracht ist.

Sehr häufig wird die Overbet als „polarisierende“ Bet betrachtet, die entweder die Nuts oder einen Bluff repräsentiert. Allerdings kommt das auf die Situation an. Im obigen Beispiel könnte sich der Spieler mit der Overbet am Turn eine Straße gebastelt oder einen Karo-Flush gerivert haben – oder er hält überhaupt nichts und wagt einen mutigen Bluff. Selbst mit einem Top-Set Könige haben Sie hier keine einfache Entscheidung.

In manchen Fällen macht sich ein Spieler, der overbettet, keine Gedanken darüber. Tatsächlich können Overbets auch darauf hindeuten, dass Sie es mit einem unerfahrenen Spieler zu tun haben, der keine Ahnung von Pot Odds oder der Mathematik des Spiels hat.

Ein Spieler, der vor dem Flop häufig zu groß raist oder auf dem Flop Pot (oder noch mehr) anspielt, zeigt damit bisweilen an, dass er ein Anfänger ist. Im Grunde sind solche Overbets ein zuverlässiger „Tell“, mit dem Sie das ungefähre Skill-Level Ihres Gegners einschätzen können – besser noch als bei anderen Aktionen oder Verhaltensweisen.

Genug davon: Im Folgenden ergründen wir, warum der versierte Pokerspieler Overbets im Repertoire hat.

Overbetten, um Draws auszumanövrieren

Gehen wir in der eingangs erwähnten Hand davon aus, dass Sie den Turn mit {k-Spades}{k-Hearts} auf einem {9-Diamonds}{k-Diamonds}{3-Clubs}{10-Clubs} Board erreicht haben. Auch wenn die Zehn einem Spieler mit {q-}{j-} eine Straße beschert, vermuten Sie stattdessen, dass der Gegner seinen Draw noch nicht getroffen hat – schließlich kann er auch einen der beiden Flushdraws und/oder einen Gutshot halten. Mit einer Overbet können Sie Ihren Gegner davon abhalten, die River-Karte allzu günstig zu sehen, und verschlechtern somit seine Pot Odds.

Um die Mathematik dahinter zu vereinfachen: Sagen wir, dass sich 7.500 Chips im Pot befinden und Sie 7.500 für exakt Pot anspielen – eine Overbet also. Damit bekommt Ihr Gegner Pot Odds von 2:1, um den River zu sehen. Das bedeutet, dass er 33% Equity oder mehr benötigt, um seinen Draw verfolgen und den Call profitabel machen zu können. Geben wir ihm eine Hand wie {a-Diamonds}{q-Diamonds}, hat er einen Flushdraw und Gutshot.

Tatsächlich hat Ihr Gegner nur 10 Outs, um Ihr Set zu schlagen – pairt sich das Board bei einem dritten Karo, gewinnen Sie ja trotzdem. Das entspricht einer Gewinnchance von 23%. Ihr Gegner könnte sich aber auch 12 Outs anrechnen, falls er Sie nicht auf ein Set setzt, aber auch dann trifft er nur in 27% der Fälle eine Straight oder den Flush. Die Overbet macht es ihm unmöglich, zu callen und seinem Draw hinterherzujagen. Außer, er geht davon aus, dass er mehr gewinnen könnte, wenn er den River trifft – in dem Fall würde er sich „Implied Odds“ geben.

Overbetten, um Value zu bekommen

Für Value zu betten ist wahrscheinlich der häufigste Grund für eine Overbet. Nehmen wir an, Sie sind der andere Spieler in diesem Beispiel und haben auf dem River Ihren Nutflush getroffen. Mit einer großen Overbet können Sie maximalen Value aus Ihren Händen herausholen – gleichzeitig könnten Sie Ihren Gegner aber auch verschrecken. Am Ende gewinnen Sie dann plötzlich einen kleineren Pot.

Grundsätzlich funktioniert das Overbetten für Value am besten, wenn Ihr Gegner wahrscheinlich auch eine starke Hand hält, die Sie allerdings schlagen können. Wenn Sie zum Beispiel wissen würden, dass Ihr Gegner ein Set Könige hält, wenn Sie den Flush rivern, wäre die Overbet eine gute Idee – schließlich ist eine so starke Hand schwer zu folden.

Die Postflop-Action wird ebenfalls Hinweise streuen, wie es um die Stärke der gegnerischen Hand bestellt ist. Falls Ihr Gegner zum Checkdown angesetzt hat und vor dem River kaum Chips investiert hat, wird er seltener eine Hand haben, die einer Overbet standhalten kann – in dem Fall ist eine kleinere Value-Bet zu empfehlen. Falls Ihr Gegenspieler aber die ganze Zeit gebettet hat, könnte eine Overbet funktionieren. Insbesondere, da der Pot schon größer (und verlockender) ist, noch bevor Sie zur großen Bet angesetzt haben.

Overbetten, um zu blufffen

Als Bluff zu overbetten ist offensichtlich gefährlicher, da Sie bei einem Call mehr Geld als mit einer kleineren Bet verlieren. Jedoch kann es gerade in Turnier-Situationen profitabel sein, da die Spieler um ihr Turnierleben besorgt sind und ihren Stack schützen wollen. Die Folge: Sie finden sogar mit starken Händen den Fold.

Wie bei jedem Bluff gilt auch hier, dass die „Geschichte“, die Sie Ihrem Gegner mit der großen Bet auftischen, Sinn ergeben muss – Sie müssen den Bluff mit Ihren Entscheidungen auf den vorherigen Streets vorbereiten. Zu ahnen, dass Ihr Gegner keine besonders starke Hand, sondern eher etwas Mittelprächtiges bis Schlechtes hält, kann auch dabei helfen. Overbet-Bluffs scheitern häufig daran, dass der gebluffte Spieler nämlich genau die Hand hält, die der Bluffer repräsentieren wollte.

Overbet-Bluffs sind weniger sinnvoll, wenn Sie auf kleineren Limits oder auf den „Micros“ Online-Poker spielen. $1,50 anzuspielen, wenn der Pot $0,75 groß ist, sieht wie eine wahnsinnig große Overbet aus, aber in Wirklichkeit werden viele Spieler die $1,50 nicht mit der Größe des Pots vergleichen, sondern mit dem Preis von etwas aus dem realen Leben. Und einen Taco werden sie gerne bezahlen.

Overbets vom Gegner abhängig machen

Wo wir gerade von kleineren Stakes sprechen: Overbets sind auf diesen Limits in den meisten Fällen unauffälliger. Die Spieler schenken Ihrem Bet Sizing einfach weniger Beachtung und fragen sich selten, ob Sie Ihre Value- und Bluff-Overbets wohl „balancen“. Gegen solche Spieler sind Sie besser damit beraten, häufiger als normalerweise für Value zu overbetten und sich mit Bluffs zurückzuhalten (oder ganz davon abzusehen).

Gleichzeitig werden andere Spieler eine Overbet instinktiv als Bluff betrachten. „Warum so viel?“, fragen sie sich selbst (oder stellen die Frage im Chat). Plötzlich sehen diese Spieler keine starken Hände mehr in Ihrer Range und setzen zum Calldown an. Falls Sie History mit einem bestimmten Spieler haben, zuletzt zum Beispiel viel gegen ihn gewonnen haben, kann eine Overbet für Value häufiger von Erfolg gekrönt sein. Die Frustration des Spielers könnte ihn nämlich zum Call mit einer mittelstarken oder sogar schwachen Hand treiben.

Wenn Sie als Bluff overbetten, sollten Sie auch die tighte Spielweise der meisten Gegner im Hinterkopf behalten. In manchen Fällen kann ein etwas größerer Bluff genug sein, um den gewünschten Fold zu bekommen, während eine kleinere oder „normale“ Bet den Call gesehen hätte.

Schlusswort

Zu guter Letzt sollten Sie beim Overbetten immer auf Ihr eigenes Image Acht geben. Wie wir bereits erwähnt haben, spielt das Image auf den Micros keine große Rolle, aber gegen schlaue und aufmerksame Kontrahenten sollten Sie Ihre Overbet im Kontext sehen:

Erweckt Ihr Image den Anschein, dass Sie ein starker Spieler sind, der die Vorgehensweise bei Overbets kennt und versteht? In diesem Fall wird Ihr Gegner vermutlich davon ausgehen, dass die Bet „polarisiert“ – Sie haben entweder die Nuts oder gar nichts. Oder sieht Ihr Image so aus, dass Ihre Gegner es nicht für möglich halten, dass Sie für Value (oder als Bluff) overbetten können? In einem solchen Spot könnte eine Overbet für andere besonders verwirrend sein.

Die Overbet kommt normalerweise so selten vor, dass es keine große Bedeutung hat, ob andere Sie vorher dabei beobachtet haben. Falls Sie in der jüngeren Vergangenheit (oder gegen den gleichen Spieler) schon eine Overbet gespielt haben, kann sich das auf Ihr Image auswirken, und darauf, was Ihre Gegner davon halten, wenn Sie es wieder versuchen.

Bereit, sich einen Seat an den Tischen zu schnappen? Halten Sie sich bei Ihren Spielen bei partypoker an die gerade gelernten Hold’em-Tipps.

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