10 Hold'em Tipps: Der Float

10 Hold'em Tipps: Der Float

In unserer Artikel beschäftigen wir uns mit verschiedenen No-Limit Hold’em-Moves – diesmal ist der „Float“ an der Reihe. Als Float wird ein Call nach dem Flop bezeichnet, bei dem ein Spieler eine schwache Hand hält, mit der er auf einer späteren Street bluffen will. Die meisten Spieler floaten den Flop, um daraufhin den Turn oder River zu bluffen.

Oberflächlich betrachtet lassen sich Floats ziemlich leicht erkennen – schließlich ist es ein Call ohne Hand. Und das ist etwas, was vor allem schlechte Spieler die ganze Zeit machen, oder?

Allerdings ist die Strategie hinter dem Floaten etwas fortgeschrittener, als manch einer vermuten würde. Deshalb haben Anfänger häufig Schwierigkeiten damit, sie richtig anzuwenden. Mit anderen Worten: Ein „Float“ ist nicht einfach nur ein „looser Call“, sondern Teil einer Multi-Street-Postflop-Strategie.

Beschäftigen wir uns zunächst etwas mehr damit, wie sich der Float in einer Beispiel-Hand bezahlt macht, warum er ein nützliches Mittel gegen Continuation-Bets ist und welche anderen Vorteile wir daraus ziehen können.

Der Float – ein Beispiel

Sie spielen ein No-Limit Hold’em-Turnier und im Laufe der ersten paar Level merken Sie, dass der Spieler, der drei Seats rechts von Ihnen Platz genommen hat, nur vereinzelt Hände spielt und selten um den Pot kämpft. Gerade stehen die Blinds bei 200/400 mit einem Ante von 50 und Sie sehen Ihn aus mittlerer Position auf 1.000 raisen. Am Button halten Sie {Q-Spades}{J-Spades} und entschließen sich dazu, das Raise zu callen. Die Blinds folden.

Der Flop kommt {8-Clubs}{7-Diamonds}{5-Spades} und Ihr Gegner platziert eine C-Bet von 1.400. Offensichtlich haben Sie den Flop verpasst, aber Sie vermuten, dass die Hände Ihres Gegners den Flop wahrscheinlich auch verpasst haben. Anstatt hier zu bluff-raisen, entscheiden Sie sich also für den Call, um entweder den Turn oder River zu raisen oder zu betten – mit diesem Call haben Sie einen „Float“ am Flop gespielt.

Der Turn bringt die {4-Spades} und nachdem Ihr Gegner gecheckt hat, setzen Sie 3.000. Er foldet.

Der Float – das Mittel gegen Continuation-Bets

Schauen Sie sich die Gründe dafür an, warum der Float in der obigen Hand ein sinnvoller Spielzug ist:

  • ein vorsichtiger Gegner, der postflop folden kann
  • ein Board, auf dem Ihre Range stärker ist als die des Gegners
  • Sie haben Position

Falls Ihr Gegner tatsächlich zwei große ungepairte Karten wie {A-Clubs}{K-Hearts} oder {A-Diamonds}{Q-Diamonds} hält, wird ihm der Call am Flop nicht gefallen und ihn glauben machen, dass Sie auf dem Acht hoch-Board etwas getroffen haben – und sei es nur ein Draw. Am Turn wird es noch ungemütlicher für den Preflop-Raiser, da eine weitere kleine Karte aufgedeckt wird, die sogar eine Straße möglich macht.

Der Turn-Check Ihres Gegners zeigt Schwäche an und verschafft Ihnen die perfekte Gelegenheit, nach Ihrem Flop-Float zu bluffen. Es ist eine großartige Möglichkeit, den Pot einzusammeln, ohne eine Hand treffen zu müssen.

Wenn Sie darüber nachdenken, sagt der Check auf dem Turn viel mehr über die Hand Ihres Gegners aus als die Bet auf dem Flop, die für eine Vielzahl verschiedener Hände stehen könnte. Selbst vorsichtige oder tighte Spieler verstehen die Idee hinter der Continuation-Bet, nachdem Sie preflop die Initative übernommen haben.

Tatsächlich ist der Float erst mit der steigenden Anzahl von C-Bets aufgekommen – er ist ein Move, um die „C-Better“ zu bekämpfen und diese daran zu hindern, einen Pot nach dem anderen zu gewinnen, ohne auf irgendeine Form von Widerstand zu stoßen.

Der Float und Semi-Bluffs

Auch wenn die Board-Textur eine wichtige Rolle spielt, wenn Sie floaten wollen, ist Ihre eigentliche Hand von geringer Bedeutung. Sehr häufig ist der Float zu empfehlen, wenn Sie den Flop völlig verpasst haben und „Air“ halten. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Wenn Sie Bottom Pair oder eine vergleichbare Hand mit Showdown-Value getroffen haben, könnte es zum einen sinnvoller sein, günstig zum Showdown zu gelangen. In diesem Fall wollen Sie keine Bets callen, um später zu bluffen oder den Pot mit einem Raise sogar aufzublähen. Zum anderen ist es wesentlich einfacher, von „Air“ wegzukommen, wenn sich Ihr Gegner plötzlich wehren sollte – indem er Ihren Turn-Bluff zum Beispiel check-raist.

Je nachdem, wie das Board ausläuft, kann sich aus dem Float manchmal eine richtige Hand entwickeln. Im Beispiel haben Sie vielleicht bemerkt, dass Sie auf dem {8-Clubs}{7-Diamonds}{5-Spades}{4-Spades} Board mit {Q-Spades}{J-Spades} einen Flushdraw am Turn getroffen haben. Deshalb ist Ihre Float-Bet gleichzeitig auch ein Semi-Bluff, weil Sie Equity haben, selbst wenn Ihr Gegner callen sollte. (Darüber hinaus ist Ihre Hand ziemlich versteckt, da Ihr Gegner Sie unmöglich auf einen Runner-Runner-Flush setzen kann.)

Natürlich haben Sie immer noch nur Dame hoch und wie bei allen Semi-Bluffs gilt, dass Sie darauf hoffen, dass Ihr Gegner seine Hand foldet. (Um mehr zu diesem Thema zu erfahren, lesen Sie: Gehen Sie mit Ihren Semi-Bluffs nicht halbherzig um.)

Der Float und Position

Wie wir bereits erkärt haben, ist der Float normalerweise ein „Positions-Move“, bei dem Ihre Karten oder die Stacks eine untergeordnete Rolle spielen und Sie einfach nur einen Vorteil daraus ziehen, dass Sie Position auf einen Gegner haben. Indem Sie als letzter Spieler agieren, können Sie Ihrem Gegner das Leben schwer machen, indem Sie Bets zuerst callen und später die Initiative mit eigenen Bets oder Raises übernehmen. Um weiterspielen zu können, werden Ihre Gegner häufig eine starke Hand brauchen.

Der Float kann auch ohne Position erfolgen, allerdings wird von dieser Möglichkeit selten Gebrauch gemacht. Falls Sie ein Beispiel für einen solchen Float suchen, empfehlen wir Ihnen unsere Analyse der unvergesslichen Hand beim €25.750 High Roller der European Poker Tour Dublin aus dem Vorjahr: Der Out-of-Position-Float: Die Handanalyse zu Mustapha Kanits großem Bluff bei der EPT Dublin.

Fazit

Die meisten Spieler sollten den Float nur sparsam einsetzen – aus den gleichen Gründen wie bei Bluffs im Allgemeinen. Des Weiteren muss ein Float wohlüberlegt sein; er sollte nicht als Entschuldigung dafür dienen, einfach mit einer schwachen Hand zu callen darauf zu hoffen, dass die nächste Community-Karte etwas Gutes für Sie bereithält. Wenn Sie damit anfangen, alle loosen Calls als „Floats“ zu betrachten, sind Sie halb geliefert.

Bereit, sich einen Seat an den Tischen zu schnappen? Halten Sie sich bei Ihren Spielen bei partypoker an die gerade gelernten Hold’em-Tipps.

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