10 Hold'em Tipps: Bluff Catching

10 Hold'em Tips: Bluff Catching

Manche No-Limit Hold‘em-Spieler bluffen nie – ja, diese Spieler gibt es wirklich. Unabhängig davon, ob sie Angst davor haben, erwischt zu werden oder sich ihr Mindset dagegen sträubt, ohne eine gute Hand zu betten, kommt für diesen Spielertyp ein Bluff nie in Frage.

Bei der Mehrheit sieht es anders aus: Die meisten Spieler bluffen. Die meisten Spieler haben verstanden, dass sie beim No-Limit Hold’em nicht gewinnen können, indem sie einfach nur auf gute Hände warten und davon ausgehen, jedes Mal einen großen Pot zu gewinnen, wenn sie doch mal Asse halten. Mit Bluffs können Sie Hände gewinnen, ohne die beste Hand zu haben. Mit Bluffs verschaffen Sie sich auch ein Image, das Ihnen dabei hilft, einen Call zu bekommen, wenn sie mit der besseren Hand setzen.

Entsprechend wollen No-Limit Hold‘em-Spieler die Bluffs ihrer Gegner aufspüren können, um gute Calls gegen diese zu machen. Tatsächlich ist die Kunst des „Bluffcatchens“ eine der größten Hürden in der Entwicklung eines Pokerspielers – vor allem für Anfänger.

Ein Bluff – aus der Sicht beider Spieler

Zu lernen, wie man am besten blufft, ist keine leichte Aufgabe, aber die meisten Spieler eignen sich diese Fähigkeit bereits früh in ihrer Poker-Laufbahn an – einfach aus der Notwendigkeit heraus.

Wenn Sie nach dem Flop um einen großen Pot spielen, aber keine gute Hand halten, werden Sie feststellen, dass Sie nur mit einem Bluff die Hand gewinnen können. Manchmal glückt Ihnen der Bluff, manchmal werden Sie erwischt, durch wiederholtes Probieren finden Sie heraus, welche Bluffs eher funktionieren und welche zum Scheitern verurteilt sind.

Hoffentlich werden Sie (irgendwann) erfahren, wie Sie Ihre Bluffs glaubhaft gestalten können, indem Sie gute Betsizes wählen und/oder eine in sich schlüssige „Line“ spielen, die auch für eine gute Hand stehen könnte. Die besten Bluffs sind einfach plausibel und erzählen in der Regel eine glaubhafte „Geschichte“, die sowohl das eigene Image als auch die Action in einer bestimmten Hand berücksichtigt.

Am besten schauen wir uns eine Beispiel-Hand an:

Als tight-aggressiv wirkender Spieler sitzen Sie am Button und raisen mit {A-Clubs}{Q-Clubs}. Ein Spieler im Big Blind callt.

Am {K-Diamonds}{10-Diamonds}{8-Clubs} Flop spielen Sie mit Ihrer Hand an und bekommen erneut den Call. Auf dem {4-Clubs} Turn setzt Ihr Gegner zu einer Bet an, Sie entscheiden sich, mit ihren großen Draws zu raisen und bekommen abermals den Call. Am {3-Diamonds} River verpassen Sie zwar Ihre Outs, aber nachdem Ihr Gegner checkt, bluffen Sie relativ schnell für zwei Drittel Pot.

Es ist eine glaubhafte Geschichte. Anscheinend haben sie mit einer hohen Wahrscheinlichkeit die starke Hand, die Sie repräsentieren und nicht nur Ass hoch – was Sie in Wahrheit eben doch halten.

Jetzt versetzen Sie sich in die Lage des anderen Spielers. Nehmen wir an, dass Sie im Big Blind mit {J-Clubs}{10-Clubs} sitzen. Am Flop check-callen Sie mit ihrem Second Pair und entscheiden sich dazu, am Turn zu leaden, nur um ein Raise zu kassieren. Misstrauisch callen Sie das Raise und sehen sich am River einer großen River-Bet Ihres Gegners ausgesetzt.

Ganz gleich, ob Sie die Nerven haben, hier den Call auszupacken, sollten Sie verstehen, dass Sie auf einem {K-Diamonds}{10-Diamonds}{8-Clubs}{4-Clubs}{3-Diamonds} Board mit {J-Clubs}{10-Clubs} lediglich einen „Bluffcatcher“ halten. Dabei handelt es sich um eine Hand, die laut Definition (vermutlich) nur einen Bluff schlagen kann.

Wenn Ihr Gegner am River eine mittelstarke Hand wie {A-Hearts}{10-Hearts}, {A-Spades}{8-Spades} oder {9-Clubs}{9-Spades} hält, wird er wahrscheinlich hinterher checken. Selbst mit noch stärkeren Händen wie Two Pair oder einem Set könnten manche Spieler checken, weil sie Angst vor dem dritten Karo haben, das einen Flush möglich macht, den Sie vielleicht treffen wollten, nachdem Sie das Check-Raise am Turn gecallt haben.

Damit bleiben sehr starke Hände (wie der Karo-Flush) oder Bluffs (wie Straight- oder Flushdraws) übrig, mit denen Ihr Gegner betten könnte. Mit einem Bluffcatcher sollten Sie callen, wenn Sie glauben, dass ein Bluff wahrscheinlicher als eine sehr starke Hand ist.

Was beim Bluffcatchen gegeben sein muss

Ausgehend von unserem Beispiel können wir drei notwendige Kriterien festhalten, die allesamt erfüllt sein müssen, um den Call mit einer „Bluffcatcher-Hand“ auspacken zu können:

  1. Ihr Gegner muss in der Lage sein, zu bluffen.
  2. Die Betsize Ihres Gegners muss den Call rechtfertigen.
  3. Sie müssen eine Hand haben, die einen Bluff überhaupt schlagen kann.

Zuallererst müssen Sie feststellen, ob Ihr Gegner überhaupt bluffen kann. Falls der Spieler zur seltenen Gruppe der Niemals-Bluffer gehört, sollten Sie keinen Gedanken daran verschwenden, einen dünnen Call mit einer unterdurchschnittlichen Hand auszupacken. Das Gleiche gilt auch, wenn ihr Gegner extrem tight erscheint und anscheinend keine Moves im Repertoire hat. Diese Gegner werden am River mit keiner Hand anspielen, die Ihr Second Pair mit schwachem Kicker schlagen kann.

Für gewöhnlich halten Sie nach loose-aggressiven Spielern Ausschau, die auch mit suboptimalen Händen betten und raisen können – oder gar keine Hand dafür brauchen. Gegen diese Spieler können Sie den Bluffcatch wagen.

Als zweites müssen Sie sich anschauen, wie groß der Bluff ist und ob die Betsize Ihres Gegners einen Call rechtfertigt.

Falls Sie bereits einige Hände mit Ihrem Gegner gespielt und Setzmuster festgestellt oder Bluffs beobachtet haben, können Sie diese Informationen nutzen, um die Betsize einschätzen zu können. Wenn der Spieler mit starken Händen groß anspielt, sollte eine große Bet einen Call weniger einladend machen. Wenn der Spieler mit Value-Händen allerdings klein setzt und sich plötzlich zu einer große Bet entschließt, könnte das auf einen Bluff hindeuten.

Sie können sich die Entscheidung auch unter Zuhilfenahme der Pot Odds erleichtern. In unserer Beispiel-Hand hat ein Spieler eine River-Bet in Höhe von zwei Dritteln des Pots abgefeuert – also zum Beispiel $60 in einen $90 Pot. Das würde bedeuten, dass Sie $60 callen müssen, um $150 zu gewinnen. Das entspricht Pot Odds von 2,5:1.

Wenn Sie davon ausgehen, dass Ihr Gegner häufiger als in 2,5 der Fälle blufft, ist der Call aus mathematischer Sicht profitabel. (Siehe auch 10 Hold’em-Tipps: Pot Odds (Grundlagen), um mehr über dieses Thema zu erfahren.)

Zu guter Letzt brauchen Sie eine Hand, die einen Bluff auch schlagen kann – selbst wenn Sie zu fast 100% wissen, dass Ihr Gegner blufft.

Bluffcatcher sind meistens schwache Paare (wenn Sie glauben, dass Ihr Gegner nichts Besseres als Ass hoch hält) oder manchmal sogar Ass hoch (wenn Sie glauben, dass Ihr Gegner König hoch oder schlechteres hat). Wenn Sie auf einem {10-Clubs}{10-Diamonds}{4-Clubs}{2-Hearts}{K-Diamonds} Board aber {5-Clubs}{3-Clubs} halten, können Sie nicht callen, selbst wenn Sie wissen, dass Ihr Gegner blufft. (Allerdings könnten Sie in einem solchen Spot bluff-raisen.)

Kurz zusammengefasst: Wenn Sie der „Geschichte“ Ihres Gegners keinen Glauben schenken und einen Bluff vermuten und in der Situation alle Kriterien fürs Bluffcatchen erfüllt werden, sollten Sie einen Call in Erwägung ziehen.

Gehen Sie jedoch klug vor und verfallen Sie nicht dem Glauben, dass jeder Spieler auf River-Karten wie in unserem Beispiel blufft. In Wahrheit bluffen die meisten Spieler sehr selten, egal ob Sie live oder Online Poker spielen. Bei vielen Gegnern werden Sie feststellen, dass Bets und Raises – vor allem die großen – keine Bluffs sind, sondern for Value gespielt werden.

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