10 Hold'em Tipps: Pot Odds Basics

10 Hold'em Tipps: Pot Odds Basics

Eines der ersten und wichtigsten Beispiele für „Poker-Mathematik“, mit dem sich neue No-Limit Hold’em-Spieler vertraut machen müssen, ist das Berechnen der „Pot Odds“. Tatsächlich ist häufig von Pot Odds die Rede, wenn Leute sich über die „Mathematik des Pokerspiels“ auslassen. Das Verständnis für diese Odds kann Ihnen dabei helfen, sich zu entscheiden, ob Sie betten, raisen, callen oder folden sollten.

Vereinfacht ausgedrückt stellen Pot Odds das Verhältnis dar, was Sie in einer Pokerhand gewinnen können und wie viel Sie dafür einsetzen müssen – das Verhältnis zwischen Belohnung und Risiko also, das bei jeder Entscheidung in einer Pokerhand eine Rolle spielt.

Pot Odds berechnen

In unserem ersten Beispiel befinden sich $80 im Pot und Ihr Gegner setzt $20 – insgesamt liegen also $100 im Pot. Diese $100 sind die Belohnung, die Sie bekommen können, wenn Sie $20 für den Call riskieren. Pot Odds drücken das Verhältnis zweier Variablen (Belohnung vs. Risiko) aus. In diesem Fall riskieren Sie $20, um $100 zu gewinnen – damit liegen Ihre Pot Odds bei 100:20 oder 5:1.

Auf dieses Beispiel wollen Pokerspieler meistens hinaus, wenn Sie über Pot Odds sprechen: Dass Sie eine Bet sehen und entscheiden müssen, ob Sie callen oder folden. Sie addieren die Höhe der Bet und den Betrag, der bereits im Pot liegt, um die Belohnung zu berechnen. Die Bet, die Sie callen müssen, ist das Risiko, und die gegebenen Pot Odds sind das Belohnung:Risiko-Verhältnis.

Natürlich können Sie Pot Odds auch nutzen, wenn ein Spieler raist. Nehmen wir an, dass Sie die eingangs erwähnte $20-Bet nicht callen, sondern auf $80 raisen wollen. Das würde bedeuten, dass Ihr Gegner $60 callen müsste, um eine Gewinnchance auf die $180 im Pot zu haben. Ein Verhältnis von 180:60 entspricht Pot Odds von 3:1.

Das scheint ziemlich einfach zu sein – ein bisschen addieren und eine leichte Divisionsaufgabe lösen, schon können Sie Pot Odds berechnen.

Aber warum damit herumplagen? Dafür gibt es viele Gründe.

Einer der Hauptgründe ist, dass Sie generell Bescheid wissen wollen, wie es um Ihre Pot Odds steht. So können Sie leichter feststellen, ob die angebotenen Pot Odds Sie bevorteilen oder in einer Situation zu Ihrem Nachteil ausfallen. Mit „Bescheid wissen“ ist gemeint, dass Sie immer ein Auge dafür haben, wie groß der Pot ist und in der Lage sind, jede Bet mit der Potgröße zu vergleichen.

Lassen Sie uns einen Blick auf drei häufige Fälle im No-Limit Hold’em werfen, bei denen Pot Odds Ihnen bei der Entscheidungsfindung helfen können.

Pot Odds benutzen, wenn Sie einen Draw spielen

In diesem Beispiel halten Sie mit {j-Clubs}{10-Clubs} einen Flushdraw auf einem {a-Clubs}{9-Clubs}{3-Diamonds}{2-Hearts} Board. Im Pot befinden sich $120 und Ihr Gegner spielt $60 an. Sie könnten den Call wagen, um sich den River anzuschauen, aber sind die Pot Odds gut genug, um den Call zu rechtfertigen?

Sie haben vielleicht bereits erkannt, dass die Belohnung $180 ist ($120 im Pot + die $60-Bet) und Sie $60 riskieren müssen, also Pot Odds von 180:60 oder 3:1 haben. Nun stellt sich die Frage: Ist das gut oder schlecht?

Sie gehen davon aus, dass die vermutlich einen Flush machen müssen, um die Hand Ihres Gegners schlagen zu können, folglich haben Sie neun Outs (die neun verbliebenen Kreuz-Karten), um Ihren Draw zu treffen. Sie können sechs Karten sehen (die zwei in Ihrer Hand + die vier auf dem Board), übrig bleiben 46 unbekannte Karten. Am River werden Sie also in 9:46 Fällen ein Kreuz sehen, die Gewinnchance steht ein bisschen schlechter als 4:1 gegen Sie.

Vergleichen Sie Ihre Pot Odds (3:1 für den Call) mit der Wahrscheinlichkeit, dass Sie einen Flush machen (ein bisschen schlechter als 4:1), wird klar, dass Sie mit dem Call keine gute Entscheidung treffen – dass die Pot Odds nicht vorteilhaft ausfallen. Auch wenn Sie ein Kreuz treffen, ist der Call langfristig keine profitable Entscheidung.

Gehen wir davon aus, dass Sie diesen Call 100-mal machen. Etwa 20-mal würden Sie Ihren Flush am River machen (eigentlich ein bisschen seltener, aber wir runden auf). Sie würden 100-mal $60 riskieren, insgesamt also $6.000. Ihre Belohnung würde aber lediglich 20 * $180 betragen: $3.600. Das bedeutet, dass Sie nach 100 Calls und 20 gewonnenen Händen $2.400 verloren hätten! (Anmerkung: In diesem Beispiel beachten wir nicht, wie viel Geld Sie nach der River-Karte gewonnen oder verloren hätten, sondern schauen uns nur die Profitabilität des Turn-Calls an.)

Pot Odds sind vorteilhaft, wenn Sie größer sind als die Odds, dass Sie Ihre Hand verfehlen. Wenn die Pot Odds bei 5:1 liegen würden, hätten wir einen guten Call, weil die Odds gegen den Flush bei etwas mehr als 4:1 liegen. Pot Odds von 3:1 sind allerdings ungünstig, wenn Sie mit einer Karte zum Flush ziehen wollen.

Pot Odds benutzen, wenn Sie ein Preflop-Raise callen wollen

Pot Odds können nicht nur mit konkreten Wahrscheinlichkeiten (wie Draws) verglichen werden, sondern Ihnen auch eine allgemeine Einschätzung liefern, wie häufig Sie eine Hand gewinnen werden.

In unserem nächsten Beispiel sitzen Sie an einem $1/$2 No-Limit Hold’em-Tisch mit {j-Diamonds}{4-Diamonds} im Big Blind. Ein Spieler erhöht vom Button auf $7 und der Small Blind gibt seine Hand auf. Sie sind an der Reihe.

Zuallererst: Wie sehen Ihre Pot Odds aus? In der Mitte liegen $10 (der $1 Small Blind + der $2 Big Blind + das $7 Raise) und Sie müssen $5 callen, um in der Hand zu bleiben. Das entspricht Odds von 2:1.

Denken Sie als nächstes darüber nach, was Sie von einer Hand wie {j-Diamonds}{4-Diamonds} ohne Position erwarten können. Die Hand kann sich kaum verbessern und liegt gegen fast alle Hände hinten, mit denen der Spieler am Button erhöht haben könnte. Solange der Flop Ihnen keine Karo-Karten, Trips oder Two Pair beschert, fühlen Sie sich alles andere als wohl damit, auf späteren Streets weiterzuspielen. Fallen die 2:1-Odds zu Ihrem Vorteil aus?

Nein, das ist nicht der Fall. Das lässt sich sogar beziffern: Mit zwei suited Karten floppen Sie in 11% der Fälle einen Flushdraw, treffen Two Pair in 2% der Fälle und Trips in 1,3% der Fälle – das macht etwa 14% gute Flops, womit die Chance auf einen guten Flop 6:1 gegen Sie steht. Das ist nur eine Schätzung, aber die Odds sind offensichtlich viel schlechter als die 2:1 Odds, die Ihnen für den Call angeboten werden, also sind Sie mit einem Fold besser beraten.

Was aber, wenn ein Spieler aus früher Position auf $7 erhöht und fünf andere Spieler callen, bevor Sie im Big Blind mit {j-Diamonds}{4-Diamonds} aufwachen? Jetzt liegen $44 in der Mitte und Sie müssen $5 bezahlen, um den Flop zu sehen. Das sind Pot Odds von beinahe 8:1 – diese Odds liegen tatsächlich höher als die Odds, dass Sie einen guten Flop verfehlen, der Call ist also möglich.

Pot Odds benutzen, wenn Sie einen Bluff vermuten und callen wollen

Pot Odds können auch von Bedeutung sein, wenn Sie darüber nachdenken, eine Bet des Gegners zu callen, die Sie für einen Bluff halten.

Sie haben den River mit {10-Clubs}{10-Spades} erreicht und das Board zeigt {2-Clubs}{8-Diamonds}{q-Hearts}{7-Diamonds}{7-Clubs}. Ihr Gegner hat vor dem Flop geraist, Sie haben sowohl vor dem Flop als auch seine Bets auf dem Flop und Turn gecallt. Jetzt befinden sich $100 in der Mitte und Ihr Gegner spielt $50 an, womit Sie 3:1 Odds auf den Call bekommen.

Sie haben die starke Vermutung, dass er blufft, aber Sie glauben auch, dass er eine Hand wie Asse, Könige, Buben, Ass-Dame oder König-Dame halten könnte, gegen die Sie hinten liegen. Zwar ist es nicht möglich, die exakte Wahrscheinlichkeit zu berechnen, dass er blufft, aber Sie können trotzdem eine grobe Einschätzung abgeben. Gehen wir davon aus, dass Ihr Gegner hier vermutlich in einem von drei Fällen bluffen wird.

Das würde 2:1 Odds entsprechen, dass Ihr Paar Zehner hinten liegt. Die 3:1 Pot Odds fallen günstig für Sie aus – Sie haben einen profitablen Call.

Fazit

Es gibt viele weitere Anwendungsbereiche für Pot Odds im No-Limit Hold’em, aber Sie können diese erst zu Ihrem Vorteil nutzen, wenn Sie keine Schwierigkeiten mehr damit haben, die Pot Odds in einer Hand herauszufinden.

Das ist häufig einfacher, wenn Sie online Poker spielen, weil die Bets und Potgrößen als Zahlen angezeigt werden. Aber selbst wenn Sie live spielen, können Sie mit ein bisschen Übung besser darin werden, den Pot und die Pot Odds im Auge zu behalten, bis es Ihnen ganz natürlich von der Hand geht.

Sobald das der Fall ist, können Ihnen Pot Odds bei der Entscheidungsfindung in verschiedensten Bereichen helfen.

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