Poker-Brat geht zu Boden: Dwan knackt Hellmuths Asse und gewinnt High Stakes Duell III

Tom Dwan Phil Hellmuth

Am Mittwochabend ist eine der beeindruckendsten Siegesserien in der jüngeren Poker-Geschichte im PokerGO Studio in Las Vegas endlich zum Erliegen gekommen. Nach sieben Siegen hintereinander musste sich Phil Hellmuth im 8. Match des „High Stakes Duels“ erstmals geschlagen geben. Tom Dwan gelang es, den „Poker Brat“ zu besiegen – wie schon 2008 während der NBC Heads-Up Poker Championship 2008, als er Hellmuths Pocket-Asse knackte.

Damals – 2008 – war Dwan noch ein aufstrebendes Poker-Ass, Kennern am ehesten ein Begriff für seine Online-Eskapaden als „durrrr“ bei Full Tilt Poker. In der 1. Runde des 64 Spieler zählenden Heads-Up-Turniers versetzte er den Pocket-Assen des 2007 einberufenen Poker Hall of Famers einen Bad Beat mit Pocket-Zehnern. Das brachte Hellmuth beinahe an die Grenzen eines Nervenzusammenbruchs. Minutenlang erging er sich in abfälligen Bemerkungen über die Spielweise des damals 22-Jährigen. „Wir werden sehen, ob du in fünf Jahren noch da bist“, ließ er Dwan noch während des Matches wissen.

13 Jahre später können wir festhalten, dass „durrrr“ definitiv noch da ist und die Tische dominiert. Am Mittwoch gewann er das Heads-Up-Rematch, auf das die Poker-Welt seit 2008 gewartet hat. Und Dwan sollte den sechs Stunden andauernden Marathon genauso stilvoll beenden wie schon 2008.

Ungeschlagener Champion landet frühe Treffer

Hellmuth stieg mit einer Siegesserie von 7:0 ins „High Stakes Duel“ ein, nachdem er 2020 zuerst Antonio Esfandiari dreimal in Folge besiegt hatte, um sich Anfang dieses Jahres dreimal gegen Daniel Negreanu durchzusetzen. Und letzten Monat entschied Hellmuth auch die erste Runde der Matches gegen Talkmaster Nick Wright für sich.

Wright lehnte ein Rematch nach der $50.000 teuren Niederlage in Runde 1 ab. Dwan ersetzte ihn für Runde 2, gespielt wurde also um $100.000 ($200.000 im Preispool). In vielen Punkten ähnelte die Begegnung Hellmuths ersten sieben Spielen. Und in anderen Bereichen war es erfrischend anders.

Der Gewinner des WSOP Main Events 1989 sicherte sich die schnelle Führung gegen Dwan – ein krasser Unterschied zu seinen vorherigen Matches, in denen er stets ins Hintertreffen geriet. Beide Spieler starteten mit 100.000 Chips. Hellmuth kontrollierte die ersten kleinen Pots und baute seinen Stack rasch auf 125.000 Chips aus.

Trotzdem gab es einen Aspekt, der den letzten sieben Folgen „High Stakes Duel“ glich: Das Match hatte Überlänge. Hellmuth konnte früh Akzente setzen, aber er konnte sich zu diesem Zeitpunkt nicht endgültig durchboxen. Sechs Stunden dauerte der Grind. Hellmuth weigerte sich, seinen Stack aufzugeben – wie übrigens auch sein Gegner.

Hellmuths vielleicht größte Stärke: Er ist unheimlich schwierig zu besiegen und verliert nur selten große Pots am Showdown (außer im Falle eines Bad Beats). Am Mittwoch verfolgte er die gleiche Strategie, was Dwan Schwierigkeiten bereitete, aus seinen starken Händen maximalen Value herauszuziehen.

Dwan wehrt sich

Tom Dwan Phil Hellmuth

Dwan schnappte sich selbst einige kleinere Pots, nachdem er früh in Rückstand geraten war. Und nach zwei Stunden – in der 124. Hand des Matches – konnte er mit folgender Hand die Führung übernehmen.

2.400 befanden sich im Pot, der Flop: {5-Spades}{10-Diamonds}{q-Spades}. Hellmuth setzte 800 mit {k-Spades}{9-Spades}, also einem Straight- und Flush-Draw. Doch sein Gegner hielt Top Two – {q-Clubs}{10-Hearts} –, also folgte auf die Bet ein Raise auf 3.000. Der Turn hielt die {6-Hearts} bereit. Hellmuth checkte, Dwan spielte 4.800 an und bekam einen weiteren Call zu sehen. Der River präsentierte die bedeutungslose {3-Diamonds}. Abermals checkte Hellmuth – nun mit geplatztem Draw. Dwan forderte 13.300 ein, doch Hellmuth foldete. Trotzdem genügte der Pot für Dwans ersten Chiplead seit dem allerersten Blind-Level.

Eine weitere Stunde später – nachdem er einen etwas größeren Pot mit verpasstem Flush-Draw gegen Ass hoch verloren hatte – machte sich Hellmuth erstmals Luft. Für den Großteil des Abends war Hellmuth ziemlich kleinlaut, vor allem für einen „Poker Brat“. Man merkte ihm dennoch die Frustration an, als Dwan die Kontrolle über das Match mehr und mehr an sich zog.

Trotzdem blieb Hellmuth einigermaßen gelassen. Er weigerte sich, seine Chips herzugeben und überließ seinem Gegner bloß kleine Pots. Diese Strategie ging für den 15-maligen WSOP-Bracelet-Gewinner auch in den anderen Begegnungen des „High Stakes Duels“ auf. Das einzige Problem: Seine Bluffs wollten nicht funktionieren, Monster-Hände bekam er nicht zur rechten Zeit ausgeteilt – anders als in den vorangegangenen sieben Matches.

Hellmuths Lage verschlimmerte sich nach etwa drei Stunden. Mit {a-Hearts}{4-Hearts} spielte er die 28.000 im Pot auf einem {9-Diamonds}{9-Spades}{8-Spades}{j-Hearts} Board für 12.000 an. Erfolglos, da Dwan {10-Spades}{7-Clubs} für eine Straight vor sich liegen hatte und All-In ging. Hellmuth machte den Fold und hatte 53.000 übrig. Damit war Dwan im Chips-Ranking 3:1 vorne.

Phil Hellmuth
Phil Hellmuth

Perfektes Oldschool-Ende

Hellmuth kämpfte weiter, begnügte sich mit einigen kleineren Pots. Geduldig wartete er auf eine Gelegenheit zum Double-Up. Er konnte zeitweise sogar wieder zu Dwan aufschließen. Als die Blinds aber zu hoch waren und Dwan erneut das Match an sich gerissen hatte, blieb Hellmuth nur noch wenig Zeit, um den achten Sieg in Folge klarzumachen. Sein Stack schwand, die Rettung in der Not: Pocket-Asse. Wie schon 2008 bei der NBC Heads-Up Poker Championship gegen Dwan. Am Resultat sollte sich aber auch 13 Jahre nach dem ersten Aufeinandertreffen nicht das Geringste ändern.

Hellmuth befand mit 20.000 Chips (Blinds von 2.000/4.000) das Slowplay für korrekt mit {a-Hearts}{a-Clubs}. Dwan checkte im Big Blind mit {9-Spades}{3-Clubs} hinterher. Am {5-Clubs}{2-Hearts}{3-Hearts} Flop platzierte der Chipleader eine Bet von 5.000 mit Middle Pair – und bekam prompt ein „All-In“ zu hören. Auf Grund des kleinen gegnerischen Stacks konnte Dwan unmöglich folden. Und wie sich herausstellte, war es die richtige Entscheidung für „durrrr“. Der Turn brachte die {9-Clubs} zum Vorschein, was Dwan Two Pair bescherte. Auch am {6-Clubs} River behielt das Two Pair die Oberhand.

Die Siegesserie ist endlich abgerissen. Zum ersten Mal hat Phil Hellmuth nun die Möglichkeit, den Gewinner zu einem Rematch herauszufordern. Falls er die Option wahrnimmt, muss er für Runde 3 $200.000 entrichten. Noch während er das PokerGO Studio verließ, sagte ein niedergeschlagener Hellmuth: „Ich weiß nicht, ob ich das Rematch will.“ Allerdings wurde das Zitat wenige Momente nach einem kräftezehrenden, frustrierenden Spiel aufgezeichnet.

Wenn Hellmuth das Rematch gegen Dwan ablehnt – ihm bleiben 72 Stunden für eine Entscheidung –, wird sein Seat an einen neuen Widersacher vergeben.

*Verwendung der Fotos von PokerGO genehmigt

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