Terrence Chan, Mike McDonald streiten über PokerShares Wette

Terrence Chan believes he was wronged by PokerShares.

Es wäre nicht die erste Wette, die zwischen Freunden – oder Pokerspielern – zu Streit führt.

Am Montag machte Terrence Chan auf Twitter eine Auseinandersetzung öffentlich, in die er mit Mike „Timex“ McDonald und dessen PokerShares-Wettseite verwickelt war.

McDonald reagierte einigermaßen unhöflich; der Twitter-Disput setzte sich noch am Dienstag fort.

Die Wette

Wie Chan berichtet, war er gerade dabei, seine Twitter-Timeline zu durchstöbern, als ihm ein Post von PokerShares auffiel. Chan hatte den Eindruck, dass der Post von einer Wette mit positivem Erwartungswert kündete. Genauer gesagt ging es um das anstehende Heads-Up No-Limit Hold’em-Match zwischen Landon Tice – einem aufstrebenden Poker-Profi – und Bill Perkins, der bekanntermaßen hobbymäßig spielt und anderweitig sein Geld verdient.

Chan war verwirrt und glaubte, eine günstige Gelegenheit vor sich zu haben, als er auf die Quoten blickte:

SpielerWettquote Sieg (USA)Wettquote Sieg (dezimal)
Bill Perkins-1091,92
Landon Tice-1091,92

Der Wettmarkt wurde als „Bill Perkins vs. Landon Tice HU Challenge“ betitelt. Die beiden Spieler hatten sich darauf geeinigt, 20.000 Hände mit Blinds von $200/$400 zu absolvieren. Tice muss als Profi außerdem 9 BB/100 an seinen Gegner entrichten – insgesamt $720.000. Als Sieger geht der Spieler aus der Begegnung hervor, der nach Abzug des Handicaps im Plus landet.

Chan nahm anscheinend an, dass sich die angebotene Wette bloß darauf bezieht, wer während der Heads-Up-Begegnung mehr Geld einspielt – und das Handicap außen vor lässt. Unsicher, wie die Wette gemeint war, zog Chan ein paar Freunde zurate. Niemand sah die „günstige Gelegenheit“, die Chan aufgespürt haben wollte; einer hielt die Wette für gut. Chan entschied, €1.000 zu setzen – den Maximaleinsatz. Er gab noch zwei weitere Tippscheine ab, die jedoch nicht angenommen wurden, weil Nutzer auf der Seite maximal €1.000 pro Wettmarkt setzen dürfen.

PokerShares und McDonald reagieren

Chan hat später eine E-Mail von PokerShares erhalten, die spezifiziert hat, wie die Wette angelegt ist: Das $720.000-Handicap wird natürlich berücksichtigt. Tice muss demnach mehr als $720.000 gewinnen, um als Sieger aus der Partie hervorzugehen.

„Sollten Sie Ihre Wette abgegeben haben, ohne darüber informiert gewesen zu sein, haben Sie 24 Stunden, um die Wette abzubrechen, indem Sie auf diese E-Mail antworten“, so PokerShares.

McDonald war ein wenig direkter, als er Chan persönlich antwortete.

„Bist du bescheuert?“, hakte er bei Chan via privater Nachricht nach.

Hier können Sie sich den Chat-Verkehr im Detail anschauen. Die beiden stritten nun, ob McDonald die Wette so annehmen müsste, wie sie Chans Meinung nach gedacht war. Schließlich waren die Bedingungen – Sieg nach Berücksichtigung des Handicaps – nicht explizit ausgeführt worden.

McDonald wies darauf hin, dass in den Geschäftsbedingungen eine Klausel für Irrtümer enthalten ist. Außerdem warf er Chan Angle-Shooting vor.

Chan beharrte darauf, dass ein seriöses Unternehmen der Glücksspiel-Branche seine Kunden nicht so behandeln sollte. Seine Zeit bei PokerStars hätte ihm das aufgezeigt.

„Ich bin da oldschool“, schrieb er. „Alles, was ich über dieses Geschäft gelernt habe, habe ich von Isai Scheinberg erfahren – einem Typen, der Spielern immer das Beste zugestanden hat, selbst wenn diese einen Fehler gemacht haben. Und mehr noch, wenn wir Mist gebaut haben. Isai hat Leuten $1.000 SNG-Buy-ins zurückgegeben, wenn diese eingeschlafen waren und vergessen hatten, sich abzumelden!“

Die beiden konnten sich nicht einigen. Daher traf Chan die Entscheidung, alles öffentlich zu machen und herauszufinden, ob andere seinen Standpunkt teilten.

Poker-Profis reagieren

Es dauerte nicht lange, bis die ersten Reaktionen erfolgten. Chan konnte weniger Anhänger um sich versammeln als er wahrscheinlich gehofft hatte. Mehrere bekannte Profis stellten sich auf die Seite von McDonald, trotz dessen grober Wortwahl.

Andere waren der Meinung, dass McDonald Chans Wette so annehmen sollte, wie dieser sie angeblich erwartet hatte.

Eine Umfrage von Ryan Riess ergab, dass die Community bei diesem Thema äußerst zwiegespalten war.

Die Folgen

Wer gedacht hat, dass eine Mütze Schlaf ausreicht, damit die beiden Streithähne zur Besinnung kommen und in aller Ruhe etwas aushandeln, irrt.

Noch in der Nacht von Montag auf Dienstag forderte McDonald Chan auf, Screenshots von Chats mit Freunden zu zeigen, die beweisen, dass er auf keinen Angle-Shoot aus war. Er war bereit, $20.000 für einen wohltätigen Zweck zu spenden, wenn Chan entsprechende Beweise vorlegen könnte.

Zu beweisen, dass man etwas nicht tun wollte, mag schwierig sein, aber Chan veröffentlichte zumindest einen Screenshot. Der Name des Freundes war geschwärzt; der Freund hatte ihn über das Handicap informiert, wovon Chan – augenscheinlich – überrascht war.

McDonald gab sich damit nicht zufrieden. Chan entgegnete, dass er nicht mehr anbieten könnte, ohne die Privatsphäre seiner Freunde zu verletzen. Chan hing der Konflikt offenbar inzwischen selbst zum Hals heraus; er wollte mit seinem Leben weitermachen und präsentierte einen Screenshot einer $1.000-Spende an eine Wohltätigkeitsorganisation, damit das ganze Chaos „etwas Gutes“ hervorbringen könnte.

„Ich gebe zu, dass ich Fehler gemacht habe und einige Dinge gesagt habe, die ich nicht hätte sagen sollen“, schrieb er. „Ich bin immer noch angewidert, dass mir Leute einen Angle vorwerfen, aber mich zu verteidigen, beraubt mich mehr Energie als ich habe; also lasse ich es auf sich beruhen und erlege mir zeitweilig eine Twitter-Sperre auf.“

McDonald gab sich weniger heiter.

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