Poker Highlights 2020: Oktober

william hill

Das Poker Jahr 2020 neigt sich dem Ende zu. PokerNews wirft einen Blick zurück und präsentiert in den folgenden Highlights jene Ereignisse, die das Poker Jahr geprägt haben. In diesem Artikel gibt es die interessantesten News aus dem Monat Oktober.

PokerStars startet mit 'Aktiver Warteliste' beim Cashgame

PokerStars zielte Anfang Oktober erneut auf die Ökologie von Cash-Games ab, diesmal mit "aktiven Wartelisten", die Plätze in einer neuen, halbzufälligen Art und Weise an Spieler vergeben.

Die "aktive Warteliste" wird die Sitzplatzvergabe nach dem Prinzip "wer zuerst kommt, mahlt zuerst" abschaffen und stattdessen alle Spieler auf einer Warteliste in einen Pool werfen und einen Platz ziehen, sobald ein Platz frei wird. Bei der Auslosung werden diejenigen Spieler gewichtet, die am längsten auf den gleichen Einsätzen sitzen.

In einem im Oktober im PokerStars Blog veröffentlichten Post erläuterte Luke Staudenmaier die Beweggründe des Unternehmens.

"Unser neuestes Feature, die Aktive Warteliste, dient dazu, das Spiel fairer zu gestalten und das Erlebnis für die meisten Spieler zu verbessern", schrieb er. "Wir haben dieses neue System für diejenigen geschaffen, die gerne mit uns Cash-Games spielen, und es ist in erster Linie dazu gedacht, räuberisches Verhalten zu bekämpfen und das Spielfeld zu vereinheitlichen. Es erreicht dieses Ziel, indem es einigen Spielern die Suche nach unseren weniger erfahrenen oder eher Freizeitspielern erschwert".

Caesars Entertainment will William Hill um £2.9 Mrd. kaufen

William Hill ist einer der ältesten britischen Buchmacher, aber es sieht so aus, als würde er in amerikanischen Besitz kommen, da ihn Caesars Entertainment für 2,9 Milliarden Pfund erwerben will.

Caesars Entertainment hat angeboten, alle William Hill-Aktien in bar zu bezahlen. Das Angebot beläuft sich auf 272 Pence pro Aktie, was einer Prämie von 25% auf den Schlusskurs am Tag vor dem Angebot entspricht. Der Kauf aller verfügbaren Aktien zu diesem Preis entspricht 2,9 Milliarden Pfund.

Investoren haben von Caesars Interesse durch eine offizielle Erklärung von William Hill an der London Stock Exchange erfahren. Es wird vermutet, dass William Hills Vorstand daran interessiert ist, dass die Aktionäre dem Geschäft zustimmen.

Die zweite Hälfte des Jahres 2021 ist für den Abschluss vorgemerkt, sollte alles reibungslos verlaufen. Caesars ist sehr daran interessiert, das Geschäft zu machen, denn sie schätzen, dass das William Hill-Geschäft zwischen 600-700 Millionen Dollar Nettoeinnahmen zu den Firmenkonten hinzufügen wird.

Massive Kritik am Österreichischen Glücksspielrecht

Die privaten Glücksspiel- und Sportwettenanbieter (OVWG) haben ein Gutachten der Universität Osnabrück zu den Österreichischen Glücksspielregeln in Auftrag gegeben. Das Urteil der deutschen Universitätsprofessoren fiel vernichtend aus. Die rechtlichen Vorgaben seien unionrechtswidrig und in vielen Bereichen einfach nicht nachvollziehbar.

Überraschend kommt die massive Kritik der Professoren nicht. Immerhin schließen sie sich in zahlreichen Bereichen jener Kritik an, die schon im Vorjahr von der Rechtsvertretung der Concord Card Casinos öffentlich geäußert wurde. Die Experten aus Deutschland sehen die Situation ähnlich und gehen in ihrer Beurteilung sogar noch weit darüber hinaus. Konkret kritisieren sie beinahe alle wesentlichen Punkte in der Österreichischen Gesetzgebung:

  • Es gehe nicht an, dass Poker nur in den teilstaatlichen Casinos Austria angeboten werden darf.
  • Das exklusive Angebot von Poker in den Casinos Austria wird als inkohärent kritisiert. Poker gelte in Österreich als gemischtes Spiel und steht daher auf einer Stufe mit Sportwetten, die keinen Einschränkungen unterliegen.
  • Ursprünglich wurden drei weitere Spielbanklizenzen vom Gesetzgeber vorgesehen, diese jedoch nicht erneut ausgeschrieben.
  • Die Glücksspiel- und Wettregulierung sei mit dem Kohärenzgebot nicht vereinbar und daher in weiten Teilen europarechtwidrig und nicht anzuwenden. Zahlreiche Regelungen des Gesetzes dürften daher nicht vollzogen werden. Dies gelte so lange, bis der Gesetzgeber in Österreich eine rechtskonforme Neuregelung geschaffen habe.
  • Das Werbeverhalten der Casinos Austria sei problematisch, weil es die EU-Vorgaben überschreite.
  • Kritisch sehen die Autoren die Bestätigung der Gesetzgebung durch die Höchstgerichte. Im rechtswissenschaflichen Schrifttum werde diese Vorgangsweise als europarechtwidrig beurteilt.
  • Sportwetten gelten in Österreich nicht als Glücksspiel. Das sei nicht nachvollziehbar, denn eine Begründung des Gesetzgebers fehle im Gesetz.
  • Den Autoren fehlt eine nachvollziehbare Begründung, warum es in Österreich nur eine einzige Online-Glücksspiel-Lizenz gibt, gleichzeitig gäbe es eine nicht begrenzte Anzahl an Sportwettenlizenzen.
  • Weiters nehmen sie die sogenannten Video Lottery Terminals (VLT) ins Visier. Diese würde den Casinos Austria die Aufstellung dieser Automaten auch in "Verbotsländern" erlauben. Gleichzeitig kritisieren sie die Glücksspielautomaten in den Vollcasinos. Diese würden keinen Limits unterliegen.

Damit stellen die Professoren Tristan Barczak von der Universität Passau und Bernd J. Hartmann von der Universität Osnabrück der Österreichischen Gesetzgebung ein vernichtendes Zeugnis aus. Diese hat unter anderem dazu geführt, dass die Concord Card Casinos zu Beginn des Jahres ihre Pforten schließen musste. Gründer Peter Zanoni denkt derzeit über einen Neustart nach. Das nun bekannt gewordene Gutachten gibt den Kritikern der gesetzlichen Regulierung in Österreich scharfe Munition in die Hand.

Die Casinos Austria stehen bereits sei Monaten im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion. Ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss beschäftigt sich mit der Thematik. Ob dies in weiterer Folge zu einer gesetzlichen Neuregelung führen wird, ist derzeit noch nicht absehbar. Die Autoren des Gutachtens sehen jedenfalls die Republik Österreich gefordert. Sorgt sie nicht für Rechtssicherheit, riskiert sie staatshaftungsrechtsliche Ansprüche wegen der Verletzung des Unionsrechts.

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