Was ist Real-Time Assistance (RTA)? Ist es legal?

What Is Meant By Real-Time Assistance

Real-Time Assistance (RTA) (auf Deutsch: Echtzeit-Unterstützung) ist ein Thema, das hohe Wellen schlägt. Insbesondere nach dem Skandal rund um Fedor Kruse. Viele Pokerspieler fragen sich aktuell, was Real-Time Assistance ist und welche Programme darunter fallen. PokerNews klärt auf.

Was wird unter Real-Time Assistance (RTA) verstanden?

Alles, was einen Spieler während eines Cashgames oder Turniers bei der Entscheidungsfindung unterstützt, wird als Real-Time Assistance angesehen. RTA-Software kann automatisiert ablaufen oder Eingaben des Nutzers erfordern. Ausschlaggebend ist, dass RTA die Entscheidung des Spielers lenkt.

Komplexe RTA hilft dem Nutzer dabei, eine spieltheoretisch optimale (GTO) Strategie zu fahren. Diese trifft mathematisch perfekte Entscheidungen. Solver lassen den Nutzer wissen, wie viel man in einer bestimmten Situation setzen sollte oder ob man All-In gehen muss. Der Solver verschafft dem Spieler eine Edge, die ihm nicht zusteht. Bei Spielen auf den höheren Stakes kann selbst eine sehr geringe Edge im Laufe eines Jahres tausende Dollar mehr bedeuten.

GTO ist der Ansatz, den die meisten Top-Spieler beim Pokern verfolgen. Der Unterschied zu RTA ist aber, dass diese Spieler hunderte Stunden aufgewendet haben, um GTO abseits der Tische zu lernen.

Allerdings werden nicht nur komplexe GTO-Solver unter den Begriff RTA gefasst. Schon eine einfache Push/Fold-Tabelle oder eine Grafik, die die Auswahl der Starthände erleichtert und dabei die Stacks der Gegner berücksichtigt, verstößt gegen die AGB. Zumindest auf Seiten des GG-Netzwerk ist das der Fall.

Abschnitt 4 der Geschäftsbedingungen bei GGPoker ist der Nutzung von Real-Time Assistance (RTA) gewidmet. Die Bedingungen lauten wie folgt (von uns ins Deutsche übersetzt):

  • Jede Entscheidung am Tisch muss allein von Ihnen getroffen werden. Menschen müssen entscheiden, wie eine Aktion aussieht, und festlegen, wie groß eine Bet oder ein Raise ausfallen.
  • Die Nutzung von Software und/oder Materialien, die Ratschläge erteilen und/oder Einfluss auf Ihre Echtzeit-Entscheidungsfindung haben, ist streng untersagt.
  • Verbotene Software schließt unter anderem GTO-Solver, Range Calculators und ICM-Analysetools ein.
  • Verbotene Materialien sind Berechnungen/Lösungen, die sich aus Simulationen ergeben, zum Beispiel GTO-Tabellen, Range-Berechnungen, ICM-Equity, Entscheidungsbäume, Nash Equilibrium oder Push/Fold-Tabellen.
  • Folgendes ist erlaubt: Eine einfache Preflop-Tabelle, die Starthände für verschiedene Positionen angibt. Wenn das Material zusätzlich Stacksizes, relative Positionen oder andere benutzerdefinierte Situationen berücksichtigt, ist es nicht zugelassen.
  • Konsequenzen, die Verstöße nach sich ziehen: Dauerhafte Sperre, Einbehaltung des Guthabens

Die Nutzung von GTO-Solvern in Echtzeit

Der eingangs erwähnte Kruse ist ein populärer Streamer und professioneller Pokerspieler, der vor kurzem aufgeflogen ist, nachdem sich seine Mitbewohner an die Poker-Öffentlichkeit gewandt hatten. Kruse hatte einen rasanten Aufstieg erlebt: In weniger als 12 Monaten hatte er sich von den $0,50/$1 Cashgame-Tischen auf High-Stakes-Tische mit Blinds von $200/$400 gespielt.

Ein so rasanter Aufstieg ist extrem unwahrscheinlich. Seine Mitbewohner fragten bei Kruse nach, ob er während seiner Sessions Solver eingesetzt hatte. Kruse versprach, aufzuhören, RTA einzusetzen, aber anscheinend war es ein leeres Versprechen. Die gleichen Mitbewohner machten ihre Erkenntnisse in den Two Plus Two-Foren öffentlich.

Aus den Beweisen ergibt sich, dass Kruse seine Online-Poker-Clients auf einem Computer hat laufen lassen; die RTA-Software kam auf einem zweiten Computer und Monitor zum Einsatz. Bei schwierigen Entscheidungen hat Kruse die Solver auf dem zweiten PC angeworfen, um zu einer spieltheoretisch optimalen (GTO) Entscheidung zu gelangen.

Folgt man den Ausführungen, war Kruse zu jedem Zeitpunkt in der Lage, den mathematisch korrekten Spielzug auszuführen, was ihm langfristig Geld einbringt. Doch das ist Betrug und verstößt gegen die Geschäftsbedingungen aller seriösen Online-Poker-Seiten.

Den Mitbewohnern zufolge musste Kruse manuell Eingaben vornehmen, wenn er RTA einsetzen wollte. Die Funktionsweise ist also anders als bei einem Poker-Bot, der automatisiert eigenhändige Entscheidungen trifft.

Auf traditionelle Weise kann man niemandem auf die Schliche kommen, der zwei PCs verwendet und Daten manuell in die Solver-Software einpflegt. Nur die Mitarbeiter einer Online-Poker-Seite, die sich um die Bereiche Sicherheit und Integrität kümmern, können herausfinden, ob jemand RTA-Solver verdeckt nutzt. Man analysiert Betting-Muster und die Spielweise des Beschuldigten. Problematisch ist, dass sich Spieler auf einem hohen Niveau oft einen GTO-Ansatz angeeignet haben. Was unweigerlich dazu führt, dass mitunter ehrliche Spieler zu Unrecht beschuldigt werden.

GGPoker tritt in Aktion: 40 Konten gesperrt, $1,2 Millionen sichergestellt

GGPoker hat vor kurzem die Resultate sehr prominenter Accounts geprüft und 40 Konten wegen der Nutzung von RTA geschlossen. Bei 13 dieser Konten hat man $1.175.305 sichergestellt. Weitere 40 Accounts haben eine letzte Verwarnung erhalten.

Zu der Entscheidung, Accounts zu schließen und Gelder einzubehalten, kam es, nachdem GGPoker angekündigt hatte, das „Erkennungsverfahren“ in Bezug auf RTA-Nutzung verbessert zu haben. Es ist nicht klar, was genau verbessert wurde. Obwohl man keine Namen gesperrter Spieler genannt hat, brodelt die Gerüchteküche in den sozialen Medien. Angeblich sollen ein paar sehr namhafte Spieler unter den Gesperrten sein – darunter viele, die eine GTO-Strategie verfolgt haben.


Wir raten Ihnen dazu, Software von Drittanbietern erst zu starten und zu benutzen, nachdem Sie Ihre Poker-Session beendet und den Client der Seite geschlossen haben. Falls Sie nicht sicher sind, was erlaubt ist und was nicht: Wenden Sie sich an den Kundenservice Ihrer Online-Poker-Seite und fragen Sie nach.

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