Phil Ivey und Borgata einigen sich, ein 6-jähriger Rechtsstreit geht zu Ende

Phil Ivey may finally have faded Borgata's wrath.

Der lange Rechtsstreit zwischen Poker-Superstar Phil Ivey und Borgata, einem Casino an der Ostküste, wird vielleicht endlich zu den Akten gelegt. Ivey hatte das Casino beim Baccarat um $10 Millionen erleichtert.

NJ Online Gambling hatte am Mittwochmorgen berichtet, dass Ivey und Borgata eine Einigung erzielen konnten. Das geht aus einem Schreiben vom 2. Juli hervor, das dem U.S. Court of Appeals for the Third Circuit vorliegt.

Wie in diesen Fällen üblich, ist über die Details der Einigung nichts bekannt.

Ivey hatte das Geld 2012 gewonnen. Gemeinsam mit Cheung Yin „Kelly“ Sun hatte er eine Reihe von Baccarat-Sessions gespielt – unter Bedingungen, auf die sich die Parteien im Vorfeld geeinigt hatten. Dadurch hatten die beiden allerdings einen ziemlich großen Vorteil gegenüber dem Borgata – worüber sich die Casino-Verantwortlichen natürlich nicht im Klaren waren.

Deshalb hatte Borgata 2014 Klage eingereicht. Darauf entbrannte ein Rechtsstreit, der die nächsten fünf Jahre andauern sollte.

Mac VerStandig, Anwalt für Glücksspiel und gelegentlich Mitwirkender bei PokerNews, war nur überrascht, dass es so lange gedauert hat, bis sich die beiden Seiten einigen konnten.

„Es ist nicht überraschend, dass die Streitsache beigelegt wurde, vor allem im Berufungsverfahren, in dem beide Parteien Gelegenheit hatten, ihrem Unmut Luft zu machen, und vielleicht bemerkt haben, dass die Kosten, weiterzumachen, den Gewinn überwiegen könnten“, sagte VerStandig. „Ruhige Gemüter hätten das normalerweise früher erkannt, aber es ist nicht weiter verwunderlich, dass am Ende alles so eingetreten ist.“

Tauziehen auf dem juristischen Parkett

Obgleich der Rechtsstreit 2014 seinen Anfang nahm, mussten wir auf den ersten nennenswerten Wendepunkt bis Ende 2016 warten. Der vorsitzende Richter ergriff für Borgata Partei und forderte Ivey und Sun dazu auf, die gewonnenen $10 Millionen zurückzugeben – genauer gesagt die erspielten Baccarat-Millionen und weitere, beim Craps erzielte Gewinne.

Der Fall ging anschließend in Berufung. Ein paar Quellen berichteten, dass Ivey Gefahr lief, mehrere zehn Millionen Dollar an Borgata zu verlieren, wenn das Verfahren vor Gericht weiter so stark zu seinem Nachteil ausgehen würde.

Einen weiteren Schlag landete Borgata, als dem Casino im vergangenen Jahr das Recht eingeräumt wurde, auf Iveys Vermögen in Nevada zuzugreifen. Von diesem Recht machten sie auch eindrucksvoll Gebrauch: Was Ivey bei der $50.000 Poker Players Championship im gleichen Jahr gewonnen hatte, wurde augenblicklich gepfändet.

Phil Ivey
Ivey verliert seine PPC-Gewinne

Ivey kommt voran – hinter den Kulissen

Obwohl dem Anschein nach alles gegen Ivey lief, konnte er im Hintergrund wichtige Teilerfolge erringen – wie ein Pokerspieler, der fleißig die Blinds stiehlt, um weiter im Turnier zu bleiben.

„Borgatas Fall hatte immer ernstzunehmende Schwachstellen […]“

Das Berufungsverfahren schien für Ivey weit besser zu laufen als der Prozess in erster Instanz. Schwierig war etwa die Frage, ob Ivey die Karten gekennzeichnet und so betrogen hatte. Unbestritten war, dass er die Karten nicht selbst markiert hatte – Borgata argumentierte aber, dass die Aufforderung, die Karten auf eine bestimmte Weise zu drehen, damit Ivey und Sun winzige Fehlstellen ausmachen konnten – sogenanntes „Edge Sorting“ –, als Kennzeichnung ausgelegt werden könnte.

NJ Online Gambling war der Meinung, dass Ivey in der Berufungsinstanz leicht im Vorteil war – eine Einschätzung, die VerStandig teilen konnte.

Ende des Falls weder spannend noch überraschend

Hätte Ivey die Berufung für sich entschieden, wäre der Fall zurückverwiesen worden – das heißt, eine untere Instanz hätte sich des Rechtsstreits erneut annehmen müssen.

Borgata wäre gezwungen gewesen, Ivey die beschlagnahmten $124.410 zurückzugeben. Wie die Streitsache ausgegangen wäre, lässt sich nicht vorhersagen. In jedem Fall wären auf beide Seiten weitere Anwaltskosten zugekommen – und die Rechnungen türmten sich, weil der Prozess schon so lange angedauert hatte.

Und selbst wenn Borgata einen Sieg hätte davontragen können, wäre dieser womöglich nicht mehr wert gewesen als ein Pyrrhussieg. Die Suche nach Iveys Vermögen in New Jersey hatte lediglich ein Bankkonto ohne Gelder zutage gefördert. Ivey hatte die meisten seiner Poker-Aktivitäten längst ins Ausland verlagert – Borgata hatte keinen Zugriff auf sein Vermögen.

NJ Online Gambling wies außerdem darauf hin, dass eine Niederlage vor Gericht „einen Präzedenzfall schaffen könnte, der dem Mutterunternehmen MGM Resorts International bei zukünftigen Klagen, die sich um Betrug im Casino drehen, schaden könnte“.

Da Borgata wohl mit mehr Nachteilen als Vorteilen zu kämpfen hatte, hat die Einigung Ivey wahrscheinlich nicht besonders viel Geld gekostet.

„Borgatas Fall hatte immer ernstzunehmende Schwachstellen, und Borgata tut gut daran, jeden Vergleich anzunehmen, der sich ihnen bietet, um diesen Schwachstellen nicht zu erliegen“, sagte VerrStandig.

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