Das perfekte Poker Turnier Teil 2: Freeze-Out, Single Re-Entry oder Unlimited Re-Entry?

Igor Kurganov, Niall Farrell, Dara O'Kearney, Adrian Mateos, and Dominik Nitsche on what makes the perfect poker tournament

In unserem erstem Artikel zum perfekten Poker-Turnier haben wir fünf weltweit respektierte Pokerspieler gefragt, wie viele Spieler standardmäßig an einem Full-Ring-Tisch Platz nehmen sollten. Diesmal fragen wir, wie ihrer Meinung nach das perfekte Turnier-Format aussieht.

Ausgetauscht haben wir uns mit Unibet Poker-Repräsentant Dara O’Kearney, PokerStars Team Pro Igor Kurganov, Dominik Nitsche aus dem Team 888poker, dem schottischen Poker-Ass Niall Farrell und Winamax-Pro Adrian Mateos. Ziel war es, die richtigen Antworten zu finden. Was ist besser: Freezeouts, Single Re-Entry- oder Unlimited Re-Entry-Turniere? Und – was noch viel interessanter ist – warum?

Welches Poker-Turnierformat ist das beste?

Kurganov: Ich denke, das hängt stark von den Spielern ab. Bei einem Main Event ist es einfach falsch, daraus ein Unlimited Re-Entry zu machen, weil das an der Zielgruppe vorbeigeht, die das Turnier spielt. Main Events müssen Single Re-Entrys oder Freezeouts sein.

O’Kearney: „Freezeouts sind das beste Format. Unter Hobby-Spielern sind sie mit Abstand das beliebteste Format.“

O’Kearney: Ich persönlich glaube, dass Freezeouts das beste Format sind. Unter Hobby-Spielern sind sie mit Abstand das beliebteste Format. Wer ein Satellite gewonnen hat, hat nur eine Bullet. Wer sich direkt einkauft, will oft nur mit einer Bullet spielen. Für Amateur-Spieler fühlt es sich wirklich schlecht an, einen namhaften Profi aus dem Rennen zu werfen und mitanzusehen, dass dieser sich neu in die Turnier-Action einkauft.

Nitsche: Wenn ich wählen müsste, würde ich Freezeouts bevorzugen. Heutzutage gibt es zum Glück alle möglichen Formate. Es ist schön, Abwechslung zu haben.

Farrell: Ich bin ein großer Fan des Standard-Freezeouts. Das Format bietet Hobby-Spielern die größte Gewinnchance. Freezeouts werfen auch den meisten Value ab, weil die guten Spieler nur einmal aus dem Turnier geworfen werden müssen.

O’Kearney: Ja, das fühlt sich aus der Sicht des Hobby-Spielers falsch an. Der Hobby-Spieler will erzählen, dass er Jake Cody ausgeknockt hat, aber wenn sich herausstellt, dass Jake Cody den Final Table erreicht hat, reagieren seine Freunde eher so: ‚Wie kannst du ihn ausgeknockt haben? Er sitzt doch am Final Table.’ Auch aus Profi-Sicht können Re-Entry-Turniere fatal sein. Schnell stellt sich das Mindset ein: ‚Oh, das ist toll, ich spiele ein 1k und wenn ich ausscheide und nichts zu tun habe, kaufe ich mich einfach nochmal ein.’ Die Ausgaben steigen so beträchtlich.

Jede Branche wird durch die Stärke der Spieler beeinflusst, vor allem in der Poker-Branche, die vordergründig Spaß und Unterhaltung verkauft, ist dies der Fall. Saugen wir dem Spiel die Lebenskraft aus und machen das Spiel unschlagbar für Amateure?

Farrell: Wenn ein Amateur-Spieler endlich einen guten Run erwischt und die Chance hat, ein Turnier zu gewinnen, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass er oder sie sich deep gegen eine Heerschar Profis zur Wehr setzen muss. Früher einmal war ein Sieg bei EPT-Turnieren sehr angesehen, weil diese Events immer Freezeouts waren. Die Spiele laufen, weil die Hobby-Spieler vor Ort und Satellite-Qualifikanten mitspielen. Und wenn diese Leute keine reelle Gewinnchance mehr haben, werden sie irgendwann aufhören. Die Spiele werden zusammenbrechen.

O’Kearney: Die einzigen Leute, für die Re-Entrys von Vorteil sind, sind die Veranstalter, und langfristig werden die Gewinne einbrechen, wenn die Hobby-Spieler ausbleiben, weil sie für Live-Poker das Lebenselixier sind. Bleiben die Hobby-Spieler zu Hause, ist es vorbei – die Profis sind von ihnen abhängig.

In einem angemessenen Rahmen sollten wir immer das tun, was die Hobby-Spieler wollen. Wenn etwas bei dieser Gruppe auf wenig Gegenliebe stößt, zum Beispiel die 25%-Auszahlungsstruktur, die Stars einführen wollte, oder Unlimited Re-Entry-Turniere, sollte die Idee verworfen werden. Wenn wir annehmen, dass 400 Hobby-Spieler und 100 Profis gegeneinander antreten, haben die Profis eine klare Edge. Falls das Turnier in ein Unlimited Re-Entry verwandelt wird und die Profis anfangen, im Schnitt vier Bullets zu spielen – was bei den Turnieren heutzutage keine Seltenheit ist – stehen 400 Hobby-Spieler plötzlich 400 Profis gegenüber. Am Ende ist das auch für die Hourly professioneller Spieler schlecht.

Farrell: „Ich verstehe, warum das Re-Entry existiert – mehr Rake, ein größerer Preispool. Aber bei Unlimited Re-Entry-Events ist das Teilnehmerfeld deep automatisch stärker.“

Wenn Freezeouts ideal sind, sind sie nicht zwangsläufig perfekt. Könnte der Kompromiss ein Single Re-Entry-Format für Main Events oder ähnlich strukturierte Turniere sein?

Mateos: Ich denke, die beste Option ist es, ein Re-Entry und eine bessere Struktur zu haben. Es ist gut, weil man manchmal früh aus einem wichtigen Turnier ausscheidet, nachdem man viele Stunden gereist ist und viele Tage in der Stadt verbracht hat. Wenn man dann zu Beginn des Turniers ausscheidet, nervt das enorm. Es ist schön, einen zweiten Versuch zu haben. Meiner Meinung nach sollten Main Evens nur ein Re-Entry haben. Alle Festivals sollten einen Spielplan mit schönen Side Events auf die Beine stellen, sodass alle, die aus dem Main Event ausgeschieden sind, weiterspielen können.

O’Kearney: Als Kompromiss kommt es wohl in Frage, ein Re-Entry zuzulassen. Wenn man eine lange Reise hinter sich hat und im 1. Level ausscheidet, hat das Turnier keinen Spaß gemacht. In dem Fall spricht nichts gegen einen zweiten Versuch, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass Unlimited Re-Entrys schädlich sind. Ich denke, die Veranstalter erhoffen sich davon größere Preispools, und es ist nicht falsch, dass die Leute große Preispools wollen, aber die Kosten stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen. Die meisten Unibet Opens sind Freezeouts. Bei manchen Events kommt es vor, dass zwei 1. Spieltage veranstaltet werden, die im Grunde Freezeouts sind. Wer an Tag 1a ausscheidet, kann es am Folgetag erneut versuchen. Grundsätzlich finde ich aber, dass alle Turniere Freezeouts sein sollten.

Hat der Side Event-Spielplan großen Einfluss darauf, wie das Main Event aussehen sollte? Alle, die wir gefragt haben, waren dahingehend einer Meinung.

Kurganov: Es sollte vermutlich davon abhängen, wie viel Side-Action es gibt. Turniere, die nur das Main Event und keine anderen Aktivitäten abseits der Poker-Tische zu bieten haben, können äußerst nervig sein. Wer nach einem Cooler frühzeitig ausscheidet, hat den ganzen Weg umsonst auf sich genommen. Bei Festivals ohne andere Events würde ich die Struktur in ein Single Re-Entry umwandeln und ansonsten, wenn es andere Optionen wie ein Second Chance-Event gibt, würde ich beim Freezeout bleiben.

Farrell: Es kann ziemlich frustrierend sein, ein einziges Event in einem weit entfernten Land zu spielen, im ersten Level auszuscheiden und nichts zu tun zu haben. Heutzutage ist das Main Event aber eines von zehn Turnier, das man spielen kann. Ich verstehe, warum das Re-Entry existiert – mehr Rake, ein größerer Preispool. Aber bei Unlimited Re-Entry-Events ist das Teilnehmerfeld deep automatisch stärker. Aus egoistischer Sicht ist es ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist es gut für mich, dass ich mich neu einkaufen kann, weil ich so eine zweite Chance habe, aber wenn der Deep Run glückt, will man es eigentlich ein bisschen einfacher haben als es momentan der Fall ist. Ich denke, ein Single Re-Entry ist okay, wenn es einen Tag 1a und 1b gibt und an jedem Tag eine Bullet erlaubt ist, gerade bei Events, für die eine lange Reise erforderlich war. Aber die Prestige-Natur dieser Events, sie unbedingt gewinnen zu wollen, ist gesunken. Das ist ein unscheinbarer Nebeneffekt, der oft außer Acht gelassen wird.

Nitsche: Ich würde es begrüßen, wenn die Anmeldephase kürzer wäre, was glaube ich das größere Problem bei der Struktur vieler Turniere ist.

Kurganov: „Bei High Roller-Turnieren […] sind Unlimited Re-Entries genau das richtige.“

High Roller-Turniere sind etwas völlig anderes, aber sollte das Turnier-Format ebenfalls anders aussehen? Ein paar scheinen das so zu sehen.

Kurganov: Bei High Roller-Turnieren, die ohne Qualifikanten auskommen, sind Unlimited Re-Entries genau das richtige, weil die Profis und Geschäftsmänner ausreichend Geld haben und in der Regel die Option haben wollen, ein Re-Entry zu nutzen. Der Spielanreiz ist vom Main Event zu unterscheiden. Beim Main Event wollen die meisten einfach zocken und nicht mitansehen, dass sich jemand den Sieg erkauft. Das würde keinen Spaß machen.

Mateos: Für mich sind Unlimited Re-Entries viel besser, aber für die Poker-Ökonomie ist das denke ich keine gute Lösung. Normalerweise sind die Profis dann am Final Table unter sich, weil es schwierig ist, einen guten Spieler vier- oder fünfmal zu busten. Kurzfristig mag es für Poker-Profis von Vorteil sein, aber langfristig ist es gefährlich.

FAZIT: Auch wenn es einen Platz für alle Formate gibt, könnte ein Main Event mit Unlimited Re-Entries – in manchen Fällen sogar bis in den 2. Spieltag hinein – Hobby-Spieler verprellen. Wenn es nach den fünf befragten Profis geht, sollten High Roller-Turniere Unlimited Re-Entries bieten, das Main Event sollte dem Freezeout-Format treu bleiben und nur in Ausnahmefällen auf Single Re-Entry umsteigen.

Im nächsten Teil kommen wir mit unseren Poker-Profis auf das Thema Ante zu sprechen und fragen, ob die regulären Ante-Einsätze noch zeitgemäß sind oder Button- bzw. Big Blind-Antes weichen sollten. Dieses Thema sorgt auf allen Limits für Diskussionen und Sie können gespannt sein, was die erfahrenen Grinder zu sagen haben.

The Perfect Poker Tournament

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