Fabian Quoss erklärt seinen Rücktritt von Poker

Fabian Quoss

Etwas länger als eine Woche ist es jetzt her, da hat der High Roller-Champion und langjährige Poker-Crusher Fabian Quoss auf Instagram seiner Poker-Karriere gedacht und seinen „Rücktritt bekanntgegeben“.

Nachdem er 2016 Turniergewinne von mehr als $2,7 angesammelt hatte – nur 2014 war er mit $3,1 Millionen noch erfolgreicher –, verschwand Quoss wie vom Poker-Erdboden. 2017 hat er lediglich $41.024 gewonnen, für dieses Jahr hat er gar keine Resultate vorzuweisen.

„Da ich jetzt eine Zeit lang nicht gespielt habe, haben mich viele Leute gefragt, woran das liegt“, ließ Quoss in den sozialen Medien verlauten. „Derzeit bin ich in den sozialen Medien etwas aktiver, daher will ich hier ein paar Gedanken preisgeben.“

Quoss sagte, dass er keine Zeit für andere Dinge hatte, als er sein Leben der Aufgabe gewidmet hatte, ein Weltklasse-Pokerspieler zu werden. Dieser einseitige Lebensstil verwandelte sich in eine „ungesunde Besessenheit“ und schließlich entwickelte er ein Interesse daran, „andere mögliche Schwerpunkte zu entdecken“. Daher hat er sich zunächst für eine Auszeit, und jetzt für einen Weggang aus der Pokerwelt entschieden.

Quoss schloss mit den Worten: „Ich respektiere alle Spieler, die immer noch am Grinden sind, die immer noch genug Leidenschaft in sich tragen, um Poker zu ihrer Hauptaufgabe im Leben zu machen. Aber für mich persönlich ist es keine Option mehr, meine Zeit mit Poker zu verbringen.“

Quoss: „Ich denke, dass Poker den Leuten gewaltige Möglichkeiten eröffnet, aber ich habe auch viele Leute gesehen, die Poker als Fluchtmechanismus benutzt haben.“

Quoss hat sich freundlicherweise dazu bereiterklärt, mit PokerNews zu sprechen, um seinen überraschenden Post näher auszuführen.

PokerNews: Welche Art Leidenschaften/Projekte etc. haben Sie außerhalb von Poker in Angriff genommen?

Quoss: Mein Hauptziel war es, mir ein bisschen Zeit zu geben und mich nicht direkt auf etwas Neues zu stürzen. Ich denke, ein Hauptgrund für meine Unzufriedenheit während und vor meiner Pokerzeit war die Tatsache, dass ich mich immer dazu verpflichtet gefühlt habe, alles in meinem Leben zu optimieren, es mir immer wieder zu beweisen und meinen Verstand beschäftigt zu halten.

Wie ich in meinem Instagram-Post erwähnt habe, hatte ich die Neigung, schnell eine Art Obsession zu entwickeln, wenn ich etwas Neues gefunden hatte. Zu lernen, wie man etwas auf sich beruhen lässt und kein Problem damit hat, war daher eine herausfordernde und lehrreiche Erfahrung.

Ich will viele verschiedene Dinge ausprobieren und lernen, wie man bei etwas voll versagen und trotzdem Spaß haben kann, ohne den Drang zu haben, es „lösen“ oder richtig gut werden zu müssen, bevor ich mich der nächsten Sache widmen kann. Für mich war es wichtig, mir ein Jahr Auszeit zu nehmen, um mehr über mich zu erfahren und zu lernen, wie ich eine andere Einstellung mir selbst gegenüber finden kann.

Fabian Quoss
Fabian Quoss’ Instagram-Post

Wie haben Sie Ihre Zeit abseits der Pokertische verbracht?

Quoss: Ich habe mehrere Kurse absolviert (z.B. bei der „School of Life“ in Melbourne), mich einen Monat lang in Thailand zurückgezogen, Skype-Coachings, solche Sachen eben. Wie fast jeder Pokerspieler habe ich mich auch intensiver mit Kryptowährungen beschäftigt. Eine Zeit lang habe ich versucht, mehr darüber zu erfahren, habe ein paar Konferenzen besucht etc.

Ich habe meine Leidenschaft für Basketball wiederentdeckt und habe mit einem Haufen Jungs in Wien gespielt. Ich war viel und regelmäßig im Fitnessstudio. Ich lese immer noch gern, höre Podcasts, beschäftige mich mit einer Vielzahl von Themen. Ich versuche, weiterhin täglich zu meditieren.

Quoss: „Ich halte es auch nicht für undenkbar, dass ich Poker an einem gewissen Punkt wieder zu einem großen Teil meines Lebens mache, ich halte es bloß für recht unwahrscheinlich.“

Es ist schon eine Weile her, dass Sie in der Pokerwelt zu sehen waren. Gab es einen bestimmten Zeitpunkt, ein Ereignis oder einen Moment, als Sie entschieden haben, dass es genug mit Poker ist, oder gab es schrittweise immer mehr Punkte, an denen Sie sich gestört haben?

Quoss: Ich denke, es war irgendwie beides. Ende 2016 hatte ich ein paar persönliche Angelegenheiten zu klären, das war wohl auch ein Grund dafür, dass ich meine Motivation verloren habe. Ich habe nur noch gespielt und immer weniger Zeit der Theorie gewidmet, und schließlich hatte ich die Leidenschaft verloren, die notwendig ist, um auf einem gewissen Niveau zu spielen.

Dann gab es einen kurzen Zeitraum zwischen März und Juli 2017, als ich die Motivation wiedergefunden hatte, aber damit war es gegen Ende der WSOP 2017 vorbei, als ich erkannt habe, dass ich das nicht mehr machen will. Seitdem habe ich nur zweimal Poker gespielt, meine ich.

Manche Poker-Profis wie Vanessa Selbst haben ihren Weggang bekanntgegeben, aber spielen immer noch hin und wieder. Ziehen Sie in Erwägung, gelegentlich zu spielen oder haben Sie mit Poker vollends abgeschlossen?

Quoss: Ich werde dieses Jahr kein Poker spielen, aber ich bin mir sicher, dass ich hier und da ein oder zwei Main Events mitnehmen werde. Ich halte es auch nicht für undenkbar, dass ich Poker an einem gewissen Punkt wieder zu einem großen Teil meines Lebens mache, ich halte es bloß für recht unwahrscheinlich.

Was ist Ihrer Meinung nach Ihr Poker-Vermächtnis, oder wie sollte es aussehen?

Quoss: Ich versuche, in meinem Leben nicht allzu viele Entscheidungen zu treffen, die sich um mich selbst drehen – auch wenn das oft noch schiefgeht –, und ich habe nie verstanden, was manche an Ranglisten, Vermächtnissen etc. finden. Noch dazu, weil es um das Spielen eines Kartenspiels geht. Für mich persönlich ist es viel wichtiger, dass die Leute, auf die ich während meiner Poker-Karriere getroffen bin, mich als netten und aufrichtigen Menschen kennengelernt haben und sich so an mich erinnern.

Sind Sie zufrieden mit dem jetzigen Poker-Status quo? Glauben Sie, dass sich das Spiel positiv oder negativ entwickelt?

Quoss: Ich denke, dass ich weder positiv noch negativ über Poker denke. In meinem Leben gibt es fast nichts, was ich bloß schwarz oder weiß betrachte. Für mich war es damals eine der besten Sachen, die mir hätten passieren können, als mich ein Freund auf ein paar Bier zu einem Homegame eingeladen hat und ich zum ersten Mal mit Poker in Berührung gekommen bin.

Aber ich habe das Dasein als Pokerspieler nie idealisiert. Es war eine tolle Möglichkeit, überall hinreisen zu können, großartige Leute kennenzulernen und sich bei etwas auf einem sehr hohen Niveau mit anderen zu messen. Aber für mich war es immer ein Mittel zum Zweck. Ich denke, dass Poker den Leuten gewaltige Möglichkeiten eröffnet, aber ich habe auch viele Leute gesehen, die Poker als Fluchtmechanismus benutzt haben und als Weg, durch ihre Leben zu treiben.

Tragen Sie immer noch Ihren berüchtigten Bart?

Quoss: Ja.

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