Cody über seinen Roulette Einsatz: "Dachte, es wäre eine gute Story"

Jake Cody
Sharelines
  • Jake Cody erklärt seine Entscheidung alles auf Schwarz zu setzen.

Viele stellen sich den modernen, professionellen Pokerspieler als eine Art GTO-Roboter vor – eine Maschine, die ohne Gefühle fortlaufend das macht, was die mathematisch einwandfreien Berechnungen vorgeben.

Diese Maschinen tilten nicht. Sie verlieren nicht unnötig Chips. Und vor allem spielen Sie keine Glücksspiele mit negativem Erwartungswert – nie!

Daher hat uns die Nachricht, dass Jake Cody seine Poker-Turniergewinne von $60.000 bei einer Roulette-Drehung riskiert hat, nachdem er beim partypoker UK Championships £2.200 High Roller erfolgreich war, überrascht und ein paar Jahrzehnte in die Vergangenheit geworfen. Zurück in alte Zeiten, als Charaktere wie Archie Karas und Stu Ungar noch leichtsinnig und ohne Risikoscheu riesengroße Bankrolls aufgebaut haben.

Wie der PokerStars Team Pro erzählt, war die verrückte Aktion allerdings eher unüblich für ihn.

„Es war eine einmalige Sache“, gab er im Interview mit PokerNews zu. „Leute, die mich kennen, wissen, dass ich Tischspiele spiele – Blackjack, ein bisschen Craps –, aber ich bin kein Zocker. Grundsätzlich will ich bei Spielen immer eine Edge haben. Ich will Poker spielen – ich hab in meinem Freundeskreis ein paar Sportwetter, die mir Bescheid sagen, wenn es eine Wette mit einer Edge gibt.“

Ein Vorschlag wird Realität

Tatsächlich war eine Randbemerkung für das Spektakel verantwortlich. Wie ein Schneeball, der in einem alten Cartoon einen Berg hinunterrollt und auf seinem Weg immer mehr Schnee aufgabelt, bis er endlich zur Lawine wird. Jemand machte den Vorschlag in einer Gruppe von Codys Freunden; der Profi musste lachen und zustimmen, dass das witzig wäre.

Irgendwie sprach ihn eine andere Person später darauf an. Die Person glaubte, gehört zu haben, dass Cody seine Turniergewinne auf Schwarz setzen will. Cody erklärte der Person, dass sie das falsch verstanden haben muss, aber als noch jemand deshalb auf ihn zukam, war Cody endlich bereit, alles auf Schwarz zu setzen – gesetzt den Fall, dass er das Turnier gewinnt.

Wenig später war Cody 4-handed. Rasch einigten sich die verbliebenen Spieler auf einen Deal und Cody stand als Gewinner fest. Nachdem er sich ein wenig Mut angetrunken hatte, wusste er, was zu tun war.

„Ich sagte: ‚Okay, aus der Nummer komme ich wohl nicht mehr raus’“, erinnerte sich Cody.

Der Spin

Casino-Besitzer Rob Yong erfuhr frühzeitig von Codys Plan. Yong ließ sich im Casino blicken und Cody tat, was er versprochen hatte. Beim Roulette setzte er seinen gesamten Gewinn auf Schwarz. Um ihn herum drängten sich die Leute, die Handy-Kameras waren auf den Kessel gerichtet, die Kugel suchte ihr Ziel, Yong und Cody lachten und gaben sich die Hand.

Als sich der Lauf des Roulettekessels verlangsamte, stolperte die Kugel Richtung Zahlenring, prallte einmal ab und landete danach satt im Schwarz. Begeisterung machte sich breit.

„Es war verrückt“, sagte Cody. „Die Kugel erwischte ihr Ziel perfekt. Sie stoppte einfach, es sah sogar ein bisschen manipuliert aus.“

Yong war Cody zufolge recht gut gestimmt. Manch einer könnte glauben, dass die gewonnene Roulette-Bet ein Nachspiel hatte, dass Alkohol fließen würde und die Beteiligen sich ins Nachtleben stürzen – das war aber wohl nicht der Fall.

„Es war Sonntagnacht in Nottingham und zu diesem Zeitpunkt war es recht spät“, sagte Cody. „Es gab nicht viel zu tun, die meisten Plätze hatten geschlossen. Daher haben wir das Feiern erst dieses Wochenende bei der Irish Open in Dublin nachgeholt.“

Jake Cody
Jake Cody strahlt über das ganze Gesicht, nachdem er gewonnen hat

Wie die Medien darauf reagieren

Cody ging also schlafen, aber während er sich ins Reich der Träume begab, verbreitete sich die Nachricht über das, was passiert war, rasend schnell im Internet.

Als der britische Profi am nächsten Morgen aufwachte, beglückwünschten ihn unzählige Leute – das jetzt virale Video des Roulette-Spins machte bereits die Runde. In sämtlichen sozialen Medien wurde Cody mit dutzenden, wenn nicht sogar hunderten Nachrichten überschüttet.

Diverse Websites verfassten Artikel zu der Geschichte. Zeitungen baten Cody um ein Interview. Unbekannte fragten ihn nach Geld.

Zum größten Teil wiesen ihn die Leute darauf hin, dass er verrückt wäre.

„Es war völlig absurd“, sagte er. „Ich konnte nicht glauben, wie groß die Sache aufgebauscht wurde, es war irre.“

Traditionell wird das Casino beim Roulette durch die Auszahlungsmodalitäten bevorteilt – dadurch geht bei jedem Spin ein kleiner Prozentsatz des Einsatzes an das Haus. Cody glaubt allerdings, dass er in der Lage war, einen Roulette-Spin mit positivem Erwartungswert zu spielen. Schließlich hat ihm die Sache jede Menge Medien-Präsenz eingebracht.

„Die Tatsache, dass ich gewonnen habe und über die sozialen Medien so viel Aufmerksamkeit bekommen habe – es hätte ehrlich gesagt nicht viel besser laufen können“, sagte er.

Natürlich hätte er die Bet auch verlieren können.

„Versteht mich nicht falsch: Ich war bereit, zu verlieren, aber das hätte mich am nächsten Tag echt genervt, nachdem ich so viel Arbeit in das Turnier gesteckt und einen guten Run hingelegt hatte“, sagte Cody. „Letztes Jahr hatte ich viele Deep Runs und habe eine Menge Flips verloren, aber bei diesem Turnier lief alles glatt. Ich hätte mich wie ein Idiot gefühlt, wenn ich alles verloren hätte, aber ich habe das Risiko in Kauf genommen und hatte Glück.“

Für die Geschichte

So viel Geld beim Roulette aufs Spiel zu setzen, ist für Cody vielleicht untypisch, aber irgendwie passt die Roulette-Geschichte auch perfekt zu ihm. Das liegt daran, dass er sein Leben wie ein Buch betrachtet – eine Geschichte, an der laufend geschrieben wird, um später gelesen zu werden.

Und Cody will kein langweiliges Buch hinterlassen.

„Um ehrlich zu sein, habe ich es hauptsächlich für die Geschichte gemacht“, sagte er. „Es hört sich dumm an, aber ich treffe viele Entscheidungen in meinem Leben abhängig davon, wie gut die Geschichte wäre. Ich dachte mir, dass es eine gute Geschichte abgeben würde.“

„Es hört sich wohl lächerlich an, aber ich habe mir ehrlich gesagt keine Gedanken gemacht, dass ich verlieren könnte. Ich war davon überzeugt, zu gewinnen.“

Codys Plan hatte Erfolg, die Geschichte wurde erzählt und jetzt bereitet sich der Profi auf die partypoker Millions Barcelona und die European Poker Tour Monte Carlo vor – die Bankroll ist ein Stück gewachsen, sein Bekanntheitsgrad ebenfalls. Falls er in naher Zukunft bei einem Turnier Erfolg hat, sollte aber niemand damit rechnen, dass das Geld erneut im Roulettekessel landet.

„Ich werde das wahrscheinlich nicht nochmal machen, muss ich gestehen“, so Cody.

Falls Sie das virale Video von Codys Roulette-Spin noch nicht gesehen haben, können Sie es sich hier anschauen:



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