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'Molly's Game' Review: "Eine Geschichte über Anstand"

molly game

Eine Sache ist jetzt klar geworden: Molly’s Game ist kein Pokerfilm, sondern ein Film, in dem Poker eher nebensächlich ist.

Vor dem Kinostart hatte ich mit Richard Roeper gesprochen und er sagte: „Ich denke, dass der Film das Zeug dazu hat, einer der besten Pokerfilme aller Zeiten zu werden.“

In seinem kürzlich erschienenen Review klingt das schon anders. Darin schrieb er: „Es ist an sich kein Pokerfilm, da die Hauptprotagonistin das Spiel nicht spielt – es ist eine Geschichte, die eng mit der Pokerkultur verwoben ist.“

Und das scheint genau das zu sein, was Regisseur und Drehbuchautor Aaron Sorkin mit dem Film beabsichtigt hatte.

Im Interview mit Cineblend erklärte er sich wie folgt:

„Dies ist kein Pokerfilm. Es gibt keine Szene im Film, in der es von Bedeutung ist, wer eine Hand gewinnt oder verliert. Tatsächlich gibt es nur eine Szene, in der wir eine komplette Hand dramatisieren. Und zwar, als Bill Camps Charakter Harlan Eustis tiltet. Ich wusste genau, was ich mit den Poker-Szenen machen wollte, weil ich bei jedem Zappen auf ESPN das Gefühl habe, dass Poker der schlechteste Zuschauersport überhaupt ist. Es ist für den Zuschauer völlig uninteressant. Es ist nicht besonders aufregend. Ich wollte kurze Schnappschüsse haben. Bruchstücke von Pokerspielen zeigen. Chips, Geld, Karten, das Abheben der Spielkarten, das Mischen, Eiswürfel, die in Gläser fallen, Zigaretten, die entzündet werden, mehr Geld, mehr Karten, Folds, Raises, solche Sachen. Ich wollte tausende dieser Filmaufnahmen haben, um damit die Poker-Szenen bauen zu können, um sie aufregend zu machen und sie immer mit der Filmprämisse zu verknüpfen – es geht nicht um das Pokerspiel, es geht darum, dass Molly sich das Pokerspiel anschaut.“

Aaron Sorkin bleibt sich treu

Da wir das geklärt haben, will ich ebenfalls mit offenen Karten spielen. Ich bin ein Fan von Aaron Sorkin. Und wenn Sie auch ein Aaron Sorkin-Fan sind, werden Sie diesen Film lieben.

Allerdings werden Sie über das willkürlich eingesetzte Poker-Vokabular – „All in“, „Pot-committed“, „I call“ – hinwegsehen müssen und auch die Szenen, die der Charakterbildung helfen sollen, sind größtenteils überflüssig. Wenn Sie all das beiseiteschieben können, erwartet Sie aber ein gut geschriebener und faszinierender Film, der Sie in die High-Stakes-Cashgames der Hollywood-Elite abtauchen lässt – erzählt aus der Sicht von Molly Bloom.

Der Film hält sich an die Fakten, die Bloom in ihrem Buch „Molly’s Game“ wiedergegeben hat, und gibt den Zuschauern einen Einblick in die Pokerwelt der Hollywood-Stars und Superreichen. In großen Teilen beschäftigt sich der Film mit Blooms Niedergang und ihren Scheinsieg, nachdem sie festgenommen und auf Grund mutmaßlicher Verbindungen zur russischen Mafia angeklagt worden war.

Molly’s Game klärt, dass es in der Pokerszene (wie auch in der echten Welt) gute und anständige Leute gibt, die das tun, was richtig ist – koste es, was es wolle. Es ist eine Botschaft, die beim Zuschauer auf Zuspruch stößt und in der heutigen Zeit von großer Bedeutung ist.

Jeden Tag sehe ich das Gute in der Welt, aber es sind immer die anzüglichen Geschichten, die es in die Schlagzeilen schaffen. Auch Blooms Geschichte geriet in die Schlagzeilen, als sie eine verurteilte Verbrecherin war, aber dass sie die unschuldigen Leute, die an den Spielen teilgenommen haben, geschützt hat, wurde kaum erwähnt.

Natürlich zeigt der Film auch die düstere und schäbige Seite. Leute, die manipulativ am Werke sind, um sich einen persönlichen Vorteil zu verschaffen, Leute, die weit über ihrer Bankroll spielen, zu tilten anfangen oder ihren Verlusten nachjagen. Aber es ist schön, den Gegenentwurf zum generischen Stereotyp auf der großen Leinwand zu sehen.

Die Besetzung

Der Film brauchte einen perfekten Cast, um Sorkins Drehbuch tragen und ihm gerecht werden zu können. Und der Cast war perfekt:

Jessica Chastain bringt Sorkins scharfsinnige Dialoge auf eine glaubwürdige und sympathische Weise rüber.

Michael Cera ist ein bisschen gruselig und verkörpert das Anspruchsdenken von Spieler X (gerüchteweise handelt es sich dabei um Tobey MacGuire) überzeugend.

Kevin Costner spielt in den bereits erwähnten Szenen für die Charakterbildung eine wichtige Rolle. Und auch wenn der Film ohne seinen Charakter genauso unterhaltsam gewesen wäre, war er als Blooms Vater überzeugend.

Meiner Meinung nach war es aber Idris Elba, der allen anderen als Anwalt von Bloom die Show gestohlen hat – er ist derjenige, den man an seiner Seite wissen will, wenn alles andere den Bach runtergeht.

Wie kommt der Film bei den Leuten an?

Augenscheinlich – zumindest hatte ich den Eindruck am Donnerstagnachmittag in Phoenix in Arizona – ist Molly’s Game ein Erfolg.

Das Kino war gut besucht, was immer eine gute Sache ist, wenn man will, dass ein Film Erfolg hat.

Das Beste waren aber die Gespräche der Zuschauer, als diese den Kinosaal verlassen haben.

Ein Gespräch spielte sich zwischen zwei älteren Damen ab, die Pläne geschmiedet haben, zum nächstgelegenen Casino zu fahren und sich den Pokerraum anzuschauen.

Nebenbei bemerkt habe ich mir den Film mit meiner Mutter angeschaut, die überhaupt nichts von Poker versteht. Und sie verließ das Kino mit dem Gefühl, etwas über das Spiel gelernt zu haben und beim Abendessen antwortete sie – sehr zu meinem Entsetzen – auf eine Frage mit den Worten „I’m all in“.

Auch wenn Molly’s Game kein Pokerfilm ist, ist es trotzdem ein Film, der Poker als etwas Aufregendes darstellt. Und wir müssen dem Film wohl dafür danken, dass er bei einigen Menschen ein Interesse für Poker entfacht hat, die bis jetzt nicht wussten, was sie verpassen.

Worum es im Film wirklich geht

Nein, Molly’s Game ist nicht der beste Pokerfilm seit Rounders, weil es kein Pokerfilm ist.

„Es ist eine Geschichte über Anstand“, wie Sorkin in einem Interview mit NPR feststellt. „Es ist eine Geschichte, bei der es darum geht, das Richtige zu tun, wenn es einfacher ist, das Falsche zu tun.“

Und im Endeffekt unterscheidet sich der Film damit gar nicht so stark vom Spiel.

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