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Daniel Negreanu: 'Seat Me' System gegen Seat Scripting

Wenn wir das Wort-Assoziationsspiel mit „Daniel Negreanu“ spielen, ist „Fisch“ vermutlich nicht das erste Wort, das uns beim Führenden der All-Time-Money-Rangliste in den Sinn kommt.

Mindestens fünf Leute sehen das anscheinend anders, wie der beliebte PokerStars Team Pro in seinem letzten Video-Blog erläutert hat. Weiter unten haben wir das komplette Video eingebunden, aber was PokerNews hervorheben will, ist Negreanus Tirade über die aktuelle Lage von Online-Poker-Cashgames und die übermäßige Nutzung von Seating Scripts.

Negreanus Geschichte beginnt damit, dass er ein paar Hände an den $50/$100 Six-Max-Tischen bei PokerStars spielen wollte, um ein paar Konzepte auszuprobieren, die er mit seinen Poker-Coaches etabliert hatte. Er spielte zwei Sessions, insgesamt kamen rund 500 Hände zusammen.

Beide Male setzte er sich an einen leeren Tisch und wollte auf ein paar Regulars warten, die ihm Action geben. Nachdem er Platz genommen hatte, haben sich die anderen fünf Seats laut Negreanu „binnen einer Dreiviertelsekunde“ gefüllt.

Was ist Seat Scripting?

Was genau ist da passiert?

Natürlich haben nicht fünf Regs ungeduldig darauf gewartet, dass ein Fisch an Negreanus Tisch Platz nimmt. Stattdessen greifen diese Spieler auf sogenannte „Seat Scripts“ zurück, die dafür sorgen, dass sich profitable Tische sofort öffnen. Wer die besten und schnellsten Scripts einsetzt, wird immer die besten Tische bekommen und das Geld von Hobby-Spielern einsammeln, bevor die anderen Haie dazukommen können.

„In fünf Jahren sehe ich kein Überleben für Nosebleed-Stakes“ Negreanu

PokerStars spricht seit mindestens 2014 darüber, die Nutzung von Scripts verbieten zu wollen, aber seither hat sich nur wenig getan.

Negreanu drehte den Spieß um und war gegen die Möchtegern-Profis erfolgreich – insgesamt krallte er sich nach eigenen Schätzungen $40.000. Das ganze Drumherum beunruhigte ihn allerdings, was die Situation von Online-Cashgames betrifft.

„Sobald ich auf den ‚Sit Out’-Button geklickt hatte, mussten seltsamerweise alle anderen auch zur exakt gleichen Zeit den Tisch verlassen“, sagte er mit einem Lächeln. „Wie hoch stehen die Chancen? Wenn ich ein Freizeit-Spieler wäre, würde ich eine solche Spielumgebung in Zukunft meiden.“

Grund genug für Spieler-Banns?

Joe Ingram fasste die Situation in seinem eigenen Vlog zum Thema zusammen. Wie Negreanu geht auch er davon aus, dass diese Atmosphäre Gift für den Spielspaß von Hobby-Spielern ist.

„Was wirst du am Ende machen?“, fragte er rhetorisch. „Du wirst aufhören, zu spielen. Es ist einfach traurig, das ist es wirklich. Es ist einfach kein Ende in Sicht.“

Ingram forderte Negreanu und PokerStars heraus, eine Veränderung in der Poker-Ökonomie herbeizuführen und sich kreative Lösungen auszudenken, um dieses widerliche Gebaren im Keim zu ersticken.

Negreanu und Ingram verpassten sich zwar ein paar Seitenhiebe, aber im Grunde sind sich beide bei der Problemlösung einig.

„Stoppt diese Parasiten, die nur Bumhunten, Seat Scripts nutzen und sofort auf Sit out gehen“ Ingram

„Stoppt sie, und wenn ihr Leute findet, die sie nutzen, könnt ihr ihre Account zeitlich begrenzt sperren, sie vollständig ausschließen“, sagte Negreanu. „Die Drohung allein wird die Situation deutlich verbessern.“

Ingrams Sichtweise ist sogar noch radikaler.

„Stoppt diese Parasiten, die nur Bumhunten, Seat Scripts nutzen und sofort auf Sit out gehen“, sagte er. „Bannt sie einfach. Findet einen Weg, die Spieler zu belohnen, die auch wirklich spielen wollen.“

Ingram machte den Vorschlag, verschiedene Spielerpools aufzubauen, die von der Spielauswahl abhängig sind. Wer Seat Scripts einsetzen will und sofort aussetzt, wenn der Hobby-Spieler den Tisch verlässt, kommt in einen Extra-Pool mit Seinesgleichen – und wer bereit ist, richtig zu spielen und eine „positive Spielumgebung“ aufzubauen, kommt in einen anderen.

Auch wenn ein vollständiger Bann für Hobby-Spieler verlockend scheint und einen Aufwärtsknick in der Online-Poker-Ökonomie herbeiführen könnte, hatten die Seiten in der Vergangenheit Schwierigkeiten, Seat Scripts zu regulieren. Sowohl Ingram als auch Negreanu schlagen ein einfaches Report-System vor, was ausreichen würde, um die meisten Script-Nutzer in den Griff zu bekommen.

PokerStars’ Lösung?

Negreanu ging auch auf das experimentelle „Seat Me“-Feature von PokerStars ein. Seat Me tauchte Anfang 2017 zum ersten Mal in ausgewählten PokerStars-Märkten auf. Das System ist darauf bedacht, das Live-Poker-Seating nachzuahmen – hier suchen sich die Spieler einfach ein Spiel und die Stakes aus und sie werden automatisch an einen Tisch gesetzt, ohne zu wissen, welche Spieler sich dort befinden.

PokerStars führte Seat Me auf dem gemeinsamen südeuropäischen Markt ein – das ist ein deutliches Zeichen, dass das Unternehmen mit den Resultaten der Testphase zufrieden ist und die Möglichkeiten weiter ausloten will.

Negreanu deutete an, dass Seat Me bald zur Norm werden könnte, wenn der Kampf gegen Seat Scripts nicht anders gewonnen werden kann.

„Dieses System wird Seat Scripting im Grunde unbrauchbar machen“, sagte er.

Solange Instanzen wie PokerStars keine Schritte in Angriff nehmen, um der Lage Herr zu werden, sorgen sich Negreanu und Ingram um die langfristigen Überlebenschancen von Online-Poker-Cashgames.

Negreanu wies darauf hin, dass das unglaublich hohe Spielniveau, das sich die besten No-Limit-Spieler angeeignet haben, die High-Stakes-Landschaft bereits zu einer unfruchtbaren Einöde hat verkommen lassen. Als jemand, der das Spiel seit Jahrzehnten spielt, hat der Kanadier viele Formate und Varianten wachsen und verschwinden gesehen – er glaubt, dass die Online-Spiele auf den höchsten Stakes kurz vor dem Untergang stehen.

„In fünf Jahren sehe ich kein Überleben für Nosebleed-Stakes“, wagte er einen Blick in die Zukunft.

Daniel Negreanu

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