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Poker Psychologie: Work-Life-Balance als Pokerspieler

  • Jan PhilippiJan Philippi
poker psychologie

Spielst du (semi-)professionell Poker? Dann kennst du dich mit Up- und Downswings, nicht nur finanzieller Natur, sondern auch in Sachen Laune und Lebensqualität aus.

Du kennst dich mit Leistungsdruck, Vergleichen mit Anderen, unregelmäßigem Schlaf und ungesundem Essen aus. Und wahrscheinlich besteht dein soziales Umfeld zu einem großen Teil aus Pokerspielern, denen es ähnlich geht.

Ich spiele selbst seit 10 Jahren Poker, bin Psychologe und ein Großteil meiner Coachingklienten sind Pokerprofis. Das heißt, ich kenne all diese Probleme aus eigener und der Erfahrung meiner Klienten.

Poker ist Stress
Daher kann ich dir schon mal vorwegsagen: Es geht vielen so und das ist nichts Ungewöhnliches. Die Medien zeichnen natürlich gerne ein Bild von strahlenden Siegertypen, die „easy money“ verdienen. In Wirklichkeit ist Poker aber ein sehr stressiger Job. Aber wieso fällt es so vielen Pokerpros so schwer ein gesundes und erfülltes Leben zu führen? Der eigentliche Grund, aus dem viele diesen Berufsweg wählen, ist doch, dass man ein unabhängiges Leben nach seinen eigenen Vorstellungen führt.

Was erwartet dich in dieser Serie?
Dieser Frage und den passenden Lösungen möchte ich in den nächsten Wochen nachgehen. Ich stelle dir hier die Strategien vor, die es meinen Klienten und mir ermöglicht haben, ein erfolgreiches UND zufriedenes Pokerprofileben zu führen.

Beginnen möchte ich mit dem vielleicht wichtigsten Thema überhaupt: Dem Lebensrhythmus und dem Gesundheitsverhalten. Diese stellen nämlich die absolute Grundlage für alles, was erfolgreich und zufrieden macht, dar. Und hier haben sehr viele Pokerprofis am meisten zu kämpfen.

Die richtige Ernährung (das vielleicht am meisten unterschätzte und falsch verstandene Thema), Bewegung, Entspannungstechniken, ausreichend Freizeit, Sozialkontakte und regelmäßiger guter Schlaf sind sowohl für die Performance am Pokertisch als auch den Spaß am Leben die allerwichtigsten Faktoren.

Pokerpros = Workaholics?
Viele Pokerprofis definieren sich jedoch sehr stark über ihren Erfolg, entwickeln einen Tunnelblick auf das Thema und gehen das Thema nach dem Motto „viel hilft viel“ an. Um ihren Erfolg voran zu treiben, zwingen sie sich zu extrem ungesunden Schedules, starten sinnlose Grind-Challenges, reden sich ein jedes Turnier einer Serie spielen zu müssen oder spielen viel zu lange Sessions, weil die Partie gerade gut ist.

In Wirklichkeit schadet dieses Verhalten dem Erfolg und vor allem der Lebensfreude. Leider wollen viele Menschen (nicht nur Pokerprofis) nicht wahrhaben, dass wir Gewohnheitstiere sind. Wer wochenlang hart durcharbeitet, schafft es nicht am Tag danach plötzlich abzuschalten und die Früchte der Arbeit zu genießen. Der ungesunde Rhythmus, der ständige Stress, das nonstop-aktivierte Gehirn überträgt sich auch auf die Zeit danach und verhindert, dass man die freie Zeit, die man sich hart erarbeitet hat, auch genießen kann.

Außerdem ist das totale Abschalten nach harter Arbeit eine Illusion. Dabei fangen wir viel zu schnell an uns zu langweilen oder zu grübeln. Gesund ist nicht, von einem Extrem ins andere zu wechseln. Gesund ist, langfristig eine ideale Mischung aus Herausforderung und Stimulation auf der einen, und Entspannung und Genuss auf der anderen Seite herzustellen.

Doch wie erreicht man diese Balance?
Der erste Schritt ist, sich dem Problem überhaupt bewusst zu werden. Werbung, Socialmedia, etc. glorifizieren leider immer noch den vollkommen unsinnigen Kontrast von extrem harter Arbeit und Chillen am Strand. Die Realität ist jedoch, dass jemand, der sich 10,20,30 Jahre überarbeitet, um sich dann zur Ruhe zu setzen, den Ruhestand nicht genießen wird. Weil er 10,20,30 Jahre lang extrem ungesunde Routinen aufgebaut hat.

Daher mein 1. Tipp: Mach dir klar, dass extreme Schedules sowohl deiner Leistung, als auch deiner Lebensfreude schaden. Kurz UND langfristig. Triff eine bewusste Entscheidung, um eine bessere Balance zwischen Poker- und Freizeit herzustellen.

Formuliere Ziele & Werte, die dir neben dem Erfolg beim Pokern wichtig sind und respektiere diese. Schreib dir auf, oder besser noch, sprich darüber, wie du deinen Körper behandeln willst, was du brauchst, um das Leben zu genießen, welche Werte dir in zwischenmenschlichen Beziehungen wichtig sind und was für ein Mensch du sein willst.

Wenn du das getan hast, kommen wir zu Schritt 2: Formuliere konkrete Angewohnheiten, die dich diesen übergeordneten Zielen tagtäglich ein kleines Stück näherbringen.

Sei dabei so konkret wie möglich. Konkrete Schritte erlauben weniger Ausreden und werden besser erinnert als „Ich sollte irgendwann mal vielleicht ins Gym gehen“. Besser wäre: „Ich werde ab Tag X, 3x die Woche, jeweils um 9.00 Uhr ins Gym gehen, mir dort einen Trainingsplan erstellen lassen und werde mir das dafür passende Equipment zulegen“.

Stelle außerdem sicher, dass die Schritte wirklich DEINEN Werten und Zielen entsprechen. Denn sonst liefern sie keine echte, langfristige Motivation. Viele Menschen beginnen Diäten oder quälen sich im Fitnessstudio, um einem unsinnigen, unrealistischen Schönheitsideal zu entsprechen. „Sich gesund und fit fühlen“ oder „den eigenen Körper gut behandeln, um lange leistungsfähig zu bleiben“ sind hingegen Ziele, denen sich wahrscheinlich jeder anschließen kann.

Neben Ernährung und Bewegung ist vor allem der Schlaf unglaublich wichtig und für viele Pokerspieler wahrscheinlich der am schwersten umzusetzende Punkt. Gleichzeitig scheint vielen nicht bewusst zu sein, wie wichtig er ist. Vollkommen selbstverständlich wird er langen Sessions untergeordnet, in dem naiven Glauben, dass die benötigte Erholung zu einem anderen Zeitpunkt nachgeholt wird. Aber hier gewinnen die ungesunden Angewohnheiten besonders häufig.

Langfristiger Erfolg vs. Kurzfristiger Profit
Sowohl deine Pokerkarriere, als auch deine Gesundheit sind langfristige Projekte. Selbst wenn es nur um Erfolg beim Poker im Leben ginge, wäre es wichtig einen gesunden Schlafrhythmus zu etablieren. Denn gerade bei Denksport ist die Erholung fürs Gehirn unglaublich wichtig. Und die holt sich das Gehirn nur bei regelmäßigem und ausreichendem Schlaf.

Das heißt, ordne deine Sessionlänge einem guten Schlafrhythmus unter. Ohne Ausnahmen. Denn Ausnahmen werden zur ungesunden Regel. Es wird immer eine nächste gute Partie geben. Und sollten die profitablen Partien irgendwann so selten werden, dass es nicht ohne ungesunden Rhythmus geht, wird es Zeit den Karriereweg zu überdenken.

Etwas verallgemeinert kann man sagen, dass es gesünder ist früh aufzustehen. Hier variiert es aber stark von Person zu Person. Was nicht variiert: Regelmäßige Zeiten sind sehr wichtig. Gerade Turnierspieler tun sich dabei natürlich besonders schwer. Dennoch ist es möglich, einem regelmäßigen Rhythmus zumindest nahezukommen, indem ab einer gewissen Uhrzeit keine Turniere mehr startet. Auch hier keine Ausnahmen bitte. Außerdem ist es sehr sinnvoll, vor allem für Onlinespieler, sich nach den Sessions mindestens eine Stunde Zeit zu nehmen, um das Gehirn herunterzufahren. Onlinepoker stimuliert das Gehirn extrem und macht erholsamen Schlaf dadurch schwieriger. Eine Stunde vor dem Schlafengehen keine elektronischen Geräte mehr zu verwenden, zu meditieren oder zu lesen hilft hier enorm. Selbstverständlich sind Ruhe, Dunkelheit, die richtige Temperatur (ca. 16-20 Grad) und Luftfeuchtigkeit (40-60%) ebenfalls wichtig.

Schlaf, Ernährung und Sport bilden die absoluten Grundlagen eines gesunden und erfolgreichen Lifestyles. Das weiß eigentlich jeder. Dennoch tuen sich sehr viele schwer damit.
Hier ein paar einfache Tipps, um deine Ziele in diesen Bereichen besser umzusetzen:

- Nimm dir nicht zu viel vor. Formulieren nur die ALLERwichtigsten Ziele und setze diese zuerst um. Zu viele Ziele führen zu Überforderung, diese zu Frustration und diese wiederum zum Aufgeben. Außerdem machen die Basics 90% des Erfolges aus.

- Erinnere dich immer wieder per Smartphone, Post-it-Zettel oder Kalendereintrag an das, was im Moment am Wichtigsten ist. Das Wissen, was ein gesundes und erfolgreiches Leben ausmacht, haben wir fast alle. Wichtig ist, es sich regelmäßig ins Gedächtnis zu rufen und es auch umzusetzen.

- Erkenne deine Fortschritte an. Vergleich nicht deinen aktuellen Zustand mit dem gewünschten Endzustand (den es sowieso nicht gibt, den wir wollen immer weiterwachsen), sondern lobe dich für deine Erfolge und für deine Entwicklung

- Sprich mit anderen über deine Ziele und Angewohnheiten. Die selbe Erkenntnis ist 10x wertvoller, wenn man mit anderen darüber reflektiert, als wenn man nur alleine im stillen Kämmerchen darüber grübelt.

- Hol dir professionelle Hilfe. Deine Gesundheit ist das beste Investment, das es auf der Welt gibt. Sowohl finanziell (durch bessere und vor allem langfristigere Leistung) als auch in Sachen Lebensqualität. Gerade als Pokerspieler ist dein Geld bei einem Life-Coach, Fitnesstrainer oder Ernährungsberater oft besser aufgehoben, als bei der 100. Stunde Strategiecoaching. Ich würde mich natürlich freuen die Rolle des Life-Coaches zu übernehmen!

So viel zu den absoluten Grundlagen einer gesunden Work-Life-Balance als Pokerspieler.

In den nächsten Wochen werde ich mit Themen wie Leistungsdruck, Meditation, Entspannungstechniken, Sozialkontakten, Konzentration und Freizeitgestaltung widmen.

Hast du Fragen zum aktuellen Artikel oder allgemein zum Thema? Ich beantworte sie dir gerne in den Kommentaren!

Poker Psychologie: Work-Life-Balance als Pokerspieler 101

Über mich: Ich bin 32, Psychologe und spiele seit 10 Jahren Poker. Durch mein Wissen über das Leben als Pokerspieler und moderne psychologische Methoden konnte ich schon etlichen Pokerprofis dazu verhelfen, an den Tischen bessere Leistungen zu bringen, aber auch das Leben mehr zu genießen. Ich wohne seit 10 Jahren in Wien, wo ich viele Kontakte zur aktiven Pokercommunity pflege. Den größten Teil meiner Karriere habe ich NLHE und PLO Headsup gespielt.

Infos über mein Coaching findest du unter www.jan-philippi.com

Sie finden de.PokerNews auch auf Twitter und Facebook.

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