Richard Roeper über 'Molly's Game'

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Poker und Kinofilme haben eine schwierige Beziehung. Manche Filme sind gut (denken Sie an Rounders), andere sind missglückt (etwa Glück im Spiel).

Daher ist es kein Wunder, dass der November-Release von Molly’s Game gespannt erwartet wird. Vielleicht handelt es sich nicht um den nächsten Rounders, aber der Film hat mit Sicherheit das Potenzial, einen aufregenden Einblick in unser geliebtes Spiel zu gewähren.

Bevor Molly’s Game im Dezember in die Kinos kommt, hat PokerNews mit Richard Roeper gesprochen, der als Kolumnist und Filmkritiker bei der Chicago Sun-Times arbeitet und früher an der Seite von Roger Ebert die TV-Sendung At the Movies moderiert hat.

So geht Roeper bei Rezensionen vor

Der Motion Picture Association of America zufolge werden in den USA jedes Jahr etwa 600 neue Filme veröffentlicht – Roeper schaut sich 400 davon an, Kritiken schreibt er aber zu deutlich weniger Machwerken.

„Die Anzahl der Filme, zu denen ich tatsächlich Kritiken verfasse, beträgt eher 250. Was wenige über meinen Beruf wissen: Neben den zwei oder drei Blockbustern aus Hollywood, die fast jedes Wochenende erscheinen, gibt es auch 12 bis 15 kleinere Filme, die überprüft werden müssen. Normalerweise schaue ich mir fünf oder sechs davon genauer an und zwei oder drei werden für ein Review ausgewählt.“

Es scheint unvorstellbar, dass man sich auf 250 Filme freuen kann, daher haben wir Roeper gefragt, wie er an einen Film herangeht, an dem er so gut wie kein Interesse hat.

„Fast jede Woche muss ich mir einen Film anschauen, über den ich ganz und gar nicht begeistert bin. Trotzdem versuche ich an jeden Film mit der gleichen Einstellung heranzugehen. Wenn die Lichter gedimmt werden und der Film beginnt, hoffe ich darauf, dass er gut ist. Ich hoffe, dass mich ein scheinbar unterdurchschnittliches Projekt überraschen wird. Ich versuche, während der ganzen Filmvorführung unvoreingenommen zu bleiben.“

„Oft bin ich von einem Film positiv überrascht. Das war zum Beispiel bei Bad Moms der Fall. Ich war davon ausgegangen, dass es sich um einen Vorort-Abklatsch von Brautalarm handeln würde. Wie sich herausstellen sollte, war der Film aber wirklich witzig und auf seine eigene Art und Weise gut.“

Poker-Erfahrungen

Einer der Gründe, warum wir ausgerechnet mit Roeper gesprochen haben, ist die Tatsache, dass er ein Pokerspieler ist. Er war bereits bei Poker Night in America zu sehen und kann einen WSOP-Cash vorweisen: 2013 war er beim Event #9: $3.000 No-Limit Hold'em Shootout auf dem 24. Platz gelandet.

Als wir ihn gefragt haben, wie viel Poker er spielt, hatten wir das Gefühl, dass Roeper mit „nicht genug“ antworten wollte. Stattdessen sprach er aber über seinen Seat bei einem Homegame in Chicago und seinen Wunsch, sich einmal länger in Vegas aufzuhalten.

„Ich spiele jeden Monat in einem Homegame, das bereits seit 15 Jahren läuft. Das macht jede Menge Spaß und wir haben sogar ein paar Poker-Talente. Ich spiele auch so viele Charity-Turniere wie möglich – in Chicago und hin und wieder in Vegas. Im Laufe der Jahre habe ich eine Handvoll WSOP-Events gespielt (vor ein paar Jahren hatte ich einen Cash). Weil Kinofilme nie eine ‚Saisonpause’ einlegen, ist es schwierig für mich, länger als ein paar Tage Poker zu spielen, aber ich hoffe, dass ich mir einen Sommer zwei oder drei Wochen Urlaub nehmen kann, um an sechs oder sieben WSOP-Events teilzunehmen.“

Als Poker spielender Filmkritiker ist Roeper so qualifiziert wie kaum ein anderer, um über Pokerfilme zu sprechen. Daher haben wir ihn gebeten, uns seinen Lieblings-Film und ein Projekt, das ihm überhaupt nicht gefallen hat, zu nennen.

Pokerfilme

„Ich weiß, jeder sagt ‚Rounders’, aber dafür gibt es einen Grund: Die Drehbuchautoren und der Regisseur waren offensichtlich mit dem Spiel vertraut. (Und die Darsteller waren großartig.) Cincinnati Kid war auch ein solider Pokerfilm. Traurigerweise haben einige großartige Filme, in denen Poker gezeigt wird, ziemlich lächerliche Pokerszenen. Das Pokerspiel im Zug bei Der Clou hat haufenweise Ungenauigkeiten. Und der Poker-Showdown im James Bond-Film Casino Royale ist einfach nur albern.“

Wie die meisten Pokerspieler zockt auch Roeper gern – und das nicht nur am Pokertisch. 2010 hat er ein Buch mit dem Titel „Bet the House: How I Gambled Over a Grand a Day for 30 Days on Sports, Poker, and Games of Chance“ veröffentlicht. Wie viel Spieler steckt in ihm?

„Ich finde Glücksspiele faszinierend, seit ich ein Teenager war. Ich liebe Poker, weil es ein Spiel ist, bei dem Mathematik, Strategie, Instinkte und die Fähigkeit, den Gegner zu lesen, eine Rolle spielen – und dann gibt es den häufig aufregenden, oft ärgerlichen Glücksanteil. Ich bin auch ein lebhafter Sportwetter. Nicht für Riesensummen, aber ich wette seit Jahren auf Fußball-Partien und andere Sportarten.“

Molly’s Game

Da wir wissen, dass er besonders auf die Poker-Szenen achten wird, haben wir Roeper gefragt, was Molly’s Game machen müsste, um es auf seine Liste der besten Pokerfilme aller Zeiten zu schaffen.

„Ich vermute, dass sich Aaron Sorkin an die tatsächliche Geschichte von Molly halten wird, aber auch etwas Eigenes und Einzigartiges erschaffen will. Ehrlich gesagt denke ich, dass der Film eine gute Chance hat, einer der besten Pokerfilme aller Zeiten zu werden. Zum Teil, weil Poker heute viel mehr ein Mainstream-Spiel ist als in früheren Zeiten, und weil viel mehr Leute über die strategischen Grundlagen des Spiels Bescheid wissen – daher müssen die Filmemacher die Szenen viel realistischer und glaubwürdiger gestalten als in älteren Pokerfilmen.“

Der Trailer zu Molly’s Game hat die Erwartungen nach oben geschraubt und große Teile der Poker-Community können den Release kaum noch erwarten. Wir haben Roeper gefragt, ob er glaubt, dass Molly’s Game dem Hype gerecht werden kann.

„Absolut! Ich fand das Buch faszinierend. Und ich bin in besonderem Maße gespannt auf den Film, weil der großartige Aaron Sorkin Autor/Regisseur ist, und der Cast besteht aus einigen meiner Lieblings-Schauspieler: Jessica Chastain, Kevin Costner, Idris Elba. Vor kurzem habe ich mit Jessica E-Mails über den Film ausgetauscht. Sie sagt, dass Sorkin außergewöhnliche Arbeit geleistet hat.“

Sorkin und „außergewöhnlich“ gehören anscheinend zusammen wie Pech und Schwefel, daher ist der Film automatisch ein Muss für jeden ernstzunehmenden Cineasten. Der November scheint so nah, aber er ist immer noch ein Stück entfernt.

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