Phil Ivey veliert £7.7M Berufung im Edge Sorting Fall

Phil Ivey veliert £7.7M Berufung im Edge Sorting Fall 0001

Am Mittwoch war Phil Ivey in den Nachrichten zu sehen. Erneut ging es um die Gerichtsverhandlung über seinen Gewinn von £7,7 Millionen, den er 2012 beim Spielen von Punto Banco (ähnlich wie Baccarat) im Crockfords Club im Londoner Bezirk Mayfair erwirtschaftet hatte. Ivey hatte zugegeben, dass er mit der befreundeten Spielerin Cheung Yin Sun Unregelmäßigkeiten auf den Rückseiten der Karten bemerkt und zu seinem Vorteil genutzt hat.

Wieder fand sich Ivey auf der Verlierer-Seite des Falles wieder. Der Oberste Gerichtshof bestätigte die 2014 getroffene Entscheidung der Berufungsinstanz. Damals wie heute wurde festgestellt, dass sich Ivey mit dem Edge Sorting einen unfairen Vorteil erschlichen hat, der unter die Definition von Betrug fällt. Entsprechend war das Casino nicht gezwungen, ihm die Gewinne aus der Session auszuzahlen.

Hintergründe

Ivey hatte zugegeben, dass er während seines Besuches auf Edge Sorting zurückgegriffen hatte. Allerdings war er der Ansicht, dass sein Gewinn rechtmäßig war, weil es im Aufgabenbereich des Casinos liegen würde, sich gegen einen Spieler seines Kalibers zu schützen. Der Crockfords Club sah das anders und hielt die £7,7 Millionen zurück, die Ivey gewonnen hatte.

Im Mai 2013 erklärte Ivey, warum er die Entscheidung getroffen hatte, den Fall vor Gericht zu bringen. „Zwar habe ich einen Beleg über meine Gewinne erhalten, aber das Crockfords hat sich später dazu entschieden, die Auszahlung zurückzuhalten. Daher sah ich keinen anderen Ausweg, als rechtliche Schritte einzuleiten.“

Der High Court hatte den Fall 2014 abgewiesen, aber Ivey legte Berufung ein.

Die Entscheidung des Berufungsgerichts

Am 2. November 2016 entschied sich das Berufungsgericht, im Sinne der vorherigen Instanz zu urteilen. Auf Grundlage des Gambling Acts of 2005 wurde Edge Sorting unter die Definition von „Betrug“ gefasst, auch wenn Ivey nach eigenen Aussagen keine betrügerischen Absichten hatte.

Die vorsitzende Richterin Arden erklärte ihre Entscheidung:

„Kann mir jemand erklären, wie man ehrlich betrügen kann?“ – Phil Ivey

Meiner Einschätzung nach ist es nach diesem Absatz möglich, dass eine Partei im Sinne dieses Absatzes betrügen kann, ohne unehrlich vorzugehen oder betrügen zu wollen. Abhängig von den Umständen kann es bereits ausreichen, den Spielablauf zu beeinflussen.“

Dann fügte sie hinzu: „Auf dieser Grundlage ist die Tatsache, dass sich der Berufungskläger nicht als Betrüger sieht, nicht ausschlaggebend.“

Nach Ardens Verständnis haben Ivey und Sun den Spielablauf durcheinandergebracht und deshalb auch keinen Anspruch auf die daraus entstandenen Gewinne.

Ivey sprach nach dem Urteil mit Telegraph.co.uk:

„Ich bin verärgert, da ich ehrlich gespielt und fair gewonnen habe. Meine Integrität ist mir unendlich wichtiger als ein großer Gewinn.“

Ivey sagte aber auch, dass die Entscheidung keinen Sinn ergeben würde. „Die erkennende Richterin sagte, dass ich nicht unehrlich gehandelt hätte, und die drei Berufungsrichter haben zugestimmt, aber irgendwie wurde die Entscheidung gegen mich gefällt. Kann mir jemand erklären, wie man ehrlich betrügen kann?“, warf er als Frage in den Raum.

Die Entscheidungen der Berufungsinstanz und des Obersten Gerichtshof zeigen, dass unehrliches oder betrügerisches Handeln nicht die ausschlaggebenden Faktoren sind, wenn in der Glücksspiel-Branche über „Betrugsfälle“ entschieden wird.

Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs

Nachdem er in der Berufungsinstanz verloren hatte, stellte er das Urteil weiter in Frage und ging mit den Fall an den Obersten Gerichtshof. Die fünf Richter des Supreme Courts bestätigten die Entscheidung des Berufungsgerichts – der Crockfords Club ist also nicht gezwungen, Ivey das Geld zu geben, das ihm seiner Meinung nach zusteht.

Bei der BBC erklärte Lord Hughes die Entscheidung des Supreme Courts. Demnach war es wichtig, dass Punto Banco ein reines Glücksspiel ist, bei dem weder die Spieler noch das Casino in der Lage sind, die Zufälligkeit der ausgeteilten Karten zu berechnen.

„Das ist ein bahnbrechender Fall, der zeigt, wie Gerichte heutzutage über Betrug in der Glücksspiel-Branche urteilen.“

Hughes sagte auch: „Was Herr Ivey getan hat, war ein sorgfältig geplanter und ausgeführter Schwindel“, bei dem die Frage, was „Betrug“ ist oder nicht, von den beteiligten Parteien kaum gegensätzlicher beantwortet werden könnte.

Für Ivey ist es eine Niederlage, aber für die Casino-Betreiber ist die Entscheidung ein Riesengewinn – vor allem für den Crockfords Club, der von Genting Casinos UK betrieben wird.

Paul Willcock, seines Zeichens Präsident und COO bei Genting UK, sagte über den Fall: „Das ist ein bahnbrechender Fall, der zeigt, wie Gerichte heutzutage über Betrug in der Glücksspiel-Branche urteilen.“

Und weiter: „Das rechtfertigt Gentings Entscheidung, Herrn Ivey nicht auszuzahlen – eine Entscheidung, die nicht leichtfertig getroffen worden war.“

Wo ist Ivey?

Diese Entscheidung folgt auf die Anordnung des US-Bundesbezirk-Richters Noel Hillman vor weniger als einem Jahr, nach der Ivey und Sun $10,1 Millionen an das Borgata Hotel Casino & Spa in Atlantic City zurückzahlen müssen. Hier wurden nach einem großen Baccarat-Gewinn 2012 ähnliche Vorwürfe, das Edge Sorting betreffend, erhoben. Der Fall wurde von Borgata 2014 vor die Gerichte gebracht.

Trotz dieser Geschehnisse wurde der 10-malige WSOP-Bracelet-Gewinner im Juli in die Poker Hall of Fame aufgenommen. Ironischerweise war er ausgerechnet diesmal nicht bei der WSOP zu sehen.

Anfang des Monats war er allerdings in Beijing, um eine chinesische App zu bewerben. Ivey erzählte einem Vertreter von somuchpoker.com vor der Kamera, dass er in letzter Zeit hauptsächlich Cashgames in Macau und Manila gespielt hat. Er plant aber, im nächsten Jahr wieder mehr live zu spielen, nachdem er sich aus persönlichen Gründen eine kleine Auszeit genommen hatte.

„Ich bin immer noch an Live-Turnieren interessiert. Ich liebe Turniere. Ich werde immer Turniere spielen.“

Die Fans können es ohne Zweifel kaum erwarten, Phil Ivey im kommenden Jahr wieder zu Gesicht zu bekommen. Und PokerNews wird Sie wie gehabt über die Gerichtsverhandlungen und den weiteren Werdegang des legendären „Poker Hall of Famers“ auf dem Laufenden halten.

Sie finden de.PokerNews auch auf Twitter und Facebook.

Was denken Sie?

MEHR ARTIKEL

Weitere Artikel