Phil Hellmuth: Interviews mit CNBC und dem Wall Street Journal

Phil Hellmuth: Interviews mit CNBC und dem Wall Street Journal 0001

Es war eine gute Woche für Phil Hellmuth und im weiteren Sinne auch für Poker. Die Veröffentlichung seiner neuen Autobiografie Poker Brat hat teilweise auch die Mainstream-Medien beschäftigt. Wie es sich für Hellmuth gehört, hat er die Öffentlichkeit zu seinem Vorteil nutzen können.

Hellmuth gab ein Interview in der Sendung „PowerLunch“ bei CNBC, wurde auf MarketWatch zitiert und im The Wall Street Journal erwähnt. Darüber hinaus nahm er sich sogar fast zwei Stunden Zeit, um mit Doug Polk zu sprechen. Und als wenn das noch nicht reichen würde, hat er angekündigt, dass er eine exklusive Einladung angenommen hat, bei der der SXSW zu sprechen – dabei handelt es sich um ein globales Event, bei dem die kreativsten und klügsten Köpfe aus den Bereichen Film, Musik und Technologie zusammenkommen. Sein Auftritt ist für Anfang 2018 geplant.

Hellmuth hat schon vor langer Zeit verstanden, dass Aufmerksamkeit wichtig ist – nicht nur, um seine eigene Marke wachsen zu lassen, sondern auch, um das Pokerspiel ins rechte Licht zu rücken.

„Ich bin eine Persönlichkeit und ein Promoter“, gab Hellmuth in Polks beliebten Video-Blog, der bereits über 110.000 Aufrufe auf sich vereinen konnte, zu Protokoll. „Ich glaube, dass jeder, der großartig Poker spielen kann, eine Menge Geld abseits von Poker verdienen kann. Davon bin ich überzeugt.“

Unabhängig davon, was Sie von ihm halten wollen – Hellmuth ist in der Lage, das Interesse der Öffentlichkeit auf ein Spiel zu lenken, das Schwierigkeiten hat, gesellschaftlich akzeptiert zu werden.

Egal, ob das mit seinen berüchtigten Wutanfällen oder den mehr als herausragenden Resultaten zusammenhängt, die er bei der World of Series erreichen konnte, ist Hellmuth de facto jemand, der die Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann und faszinierend genug ist, dass die Leute am Ball bleiben wollen. Das ist keine zu unterschätzende Leistung in einer Welt, in der die Aufmerksamkeitsspanne der meisten unter der eines Goldfisches liegt.

„The Poker Brat“ über seine berüchtigten Launen

„Das macht weniger als 1% meines Lebens aus“, erzählte Hellmuth dem Wall Street Journal – damit bezog er sich auf die verbalen Eskapaden, die so typisch für die „Poker Brat“ sind. Dann fügte er hinzu: „Ich rede darüber, wie ich mich verändert habe, aber dann flippe ich immer noch aus.“

Auch wenn er an den Tischen gerne die Nerven verliert, erzählte Hellmuth Polk: „Ich bemühe mich, mit allen in der Poker-Community auszukommen. Ich denke, dass ich das wunderbar hinbekomme. Ich habe keine Feinde. Es wird wohl ein paar Leute geben, die mich nicht mögen. Aber es gibt kein böses Blut, zumindest fühlt es sich so an.“

Auch wenn gegen Hellmuth diesen Sommer keine Strafen für sein Verhalten bei der WSOP ausgesprochen worden waren, gab es zugegebenermaßen einige peinliche Momente, in denen er sich im Nachhinein gerne besser verhalten hätte.

„Ich bin immer sehr vorsichtig, wenn ich mit dem Jammern anfange, dass ich es nicht direkt an einer bestimmten Person auslasse. Es gab Floormen, die regelrecht darauf gewartet haben, dass ich von ‚ihm’ spreche oder mit dem Finger auf jemanden zeige. Ich wünschte, ich könnte mich in diesen Momenten besser verhalten. Aber so bin ich eben: Ich bin einfach mega-kompetitiv.“

„The Poker Brat“ wird immer ein Balg bleiben … so scheint es jedenfalls. Hellmuth will aber auch in Zukunft an seinem Gemüt arbeiten – die Leute erwarten seine Wutanfälle mittlerweile und in manchen Fällen haben Leute sogar versucht, ihn zu provozieren.

Warum? Weil sich ein altmodischer, dramatischer Gefühlsausbruch gut im Fernsehen macht. So wird aus einem vergleichsweise langweiligen Sport ein unterhaltsames Ereignis.

Tatsächlich wird Hellmuth oft an TV-Tische gesetzt, weil die Verantwortlichen darauf hoffen, einen solchen „Moment“ einzufangen. Im Wall Street Journal-Artikel erwähnte er, dass ihn einige Producer sogar schon dazu ermuntert haben, er selbst zu sein, die „Poker Brat“ zu sein. Seine Schimpftiraden seien aber „keine Strategie, um seine Gegner aus dem Konzept zu bringen – er weiß sich einfach nicht zu helfen.“

Phil Hellmuth

„The Poker Brat“ darüber, wie sich die Spiele schlagen lassen

Als er auf CNBC gefragt wurde, was er angehenden Pokerspielern raten könnte, redete Hellmuth interessanterweise nicht über das Thema Tilt. Stattdessen pries er die Geduld an.

„Ich denke, dass man 50 Prozent, vielleicht sogar 70 Prozent der Spiele weltweit schlagen kann. Indem man nicht sehr viele Hände spielt. Indem man vielleicht nur 15 Prozent der Hände spielt, wohingegen die meisten Amateure denken, dass Geduld bedeutet, 30 Prozent der Hände zu spielen. Wenn man ein paar davon streicht, wird einem das in 70 Prozent der Pokerspiele zugutekommen.“

Falls Sie Poker verfolgen, werden Sie gesehen haben, wie Hellmuths Geduld aussehen kann, da er immer den richtigen Spot abwartet. Häufig wird er dafür belächelt, dass er seinen Stack auf nur ein paar Big Blinds herabstürzen lässt und damit garantiert, mehrere Caller zu bekommen. Beide Standpunkte lassen sich vertreten, aber wer kann seinen Erfolg bestreiten?

In seiner Laufbahn konnte er bislang mehr als $21 Millionen einspielen, die meisten WSOP-Bracelets (14) gewinnen und die meisten WSOP-Cashes (126 an der Zahl) vorweisen. Außerdem ist er der einzige Spieler, der in der Lage war, sowohl das WSOP Main Event als auch das WSOP Europe Main Event für sich zu entscheiden.

„The Poker Brat“ über Staking

Abgesehen von seiner Persönlichkeit waren es auch seine Erfolge, die ihm ein Bestseller-Ranking bei Amazon eingebracht und dafür gesorgt haben, dass MarketWatch mit ihm über das Staken von Spielern sprechen wollte. Diese finanzielle Seite von Poker ist für gewöhnlich kein Thema, über das in den Mainstream-Medien debattiert wird.

Als jemand, der schon beide Seiten des Staking-Spiels erlebt hat, weiß er vom „Rausch“ zu berichten.

„Stellen Sie sich vor, auf ein Pferd beim Kentucky Derby gesetzt zu haben. Sie werden eine Minute lang mitfiebern“, sagte Hellmuth und bezog sich dabei auf den Adrenalinrausch, der beim Beobachten von Live-Sport eintreten kann. „Stellen Sie sich jetzt vor, $60 an einem Pokerspieler zu haben … Jetzt beginnt der Deep Run. Sie sitzen zu Hause, Sie aktualisieren die Seite. Der Deep Run setzt sich fort und man denkt bei 1.000 Spielern nicht im Traum darüber nach, dass er gewinnen könnte. Jetzt denkt man aber plötzlich, man, wenn er den Final Table erreichen würde, sind das eine Million Dollar. Es ist aufregend, ich meine, was für eine Aufregung für gerade einmal $60.“

Mit seinen Ausführungen bezog sich Hellmuth wohl auf die vier College-Freunde des WSOP Main Event 2017 Champions Scott Blumstein, die $60 zu seinem Buy-in beigesteuert hatten. Nachdem Blumstein das Main Event gewonnen hatte, hatten alle vier ihre $60 in jeweils $40.750 verwandelt.

Allerdings führt nicht jedes Staking zu derart großen Belohnungen. Hellmuth weiß auch da Rat: „Entscheiden Sie sich für jemanden, der ‚in Form’ ist. Im Poker ist es so, dass bei jemandem, der gerade auf Hochtouren läuft, das eine zum anderen führt – bei jemandem, der gerade eine Pechsträhne hat oder sich von einem Downswing erholen muss, sieht das anders aus.“

„The Poker Brat“ über Krisen und das Leben

Hellmuth hat auch schon ein paar Krisen erlebt – eine schwierige Phase gab es vor allem 2009. „Ich konnte einfach nichts gewinnen“, gestand er dem Wall Street Journal. Und das brachte ihn dazu, in sein Inneres zu blicken. Er änderte seine E-Mail-Adresse von „tryingtobethegreatest“ in „beingthegreatest“ – und schon gewann er wieder.

Man könnte das als Varianz bezeichnen. Hellmuth ist aber jemand, der „an die Kraft der eigenen Worte glaubt.“

Nachdem Polk ihn nach seinen Hashtags #PHLIFE und #POSITIVITY gefragt hatte, antwortete Hellmuth: „Ich denke, es ist aufstrebend gemeint. Ich führe ein besonderes Leben. Ich hänge mit den coolsten Leuten auf dem Planeten ab, und das weiß ich. Ich war an den coolsten Orten, in den coolsten Hotels. Ich weiß, dass ich ein sehr cooles Leben habe. Ich bin wirklich dankbar.“

Dass Hellmuth das Spiel liebt, ist unbestreitbar. Egal, ob Sie ihn lieben oder es lieben, ihn zu hassen – Fakt ist: Hellmuth ist gut für Poker. Hoffen wir also, dass er auch weiterhin dazu bereit ist, in die Rolle des Werbers zu schlüpfen und mehr Spieler für das Spiel zu begeistern.

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