Alex Dreyfus will eSports in den Global Poker Index integrieren

Alex Dreyfus

Der Global Poker Index hat im Pokerbereich hohe Wellen geschlagen – dafür ist vor allem Alex Dreyfus’ Idee einer Global Poker League verantwortlich. Auf diese Weise wollte Dreyfus Poker „sportifizieren“.

E-Sports wird immer größer – um eine größere Zielgruppe zu erreichen, will Dreyfus, CEO von Mediarex Sports & Entertainment, den Global Poker Index und die Global Poker League daher mit E-Sports verknüpfen.

„In den letzten zwei oder drei Jahren haben wir versucht, Brücken zum E-Sports-Markt zu schlagen, weil mein Team und ich daran glauben, dass einer der Wege, um Poker zu bewerben, darin besteht, sich mehr auf das kompetitive Spielelement zu konzentrieren“, so Dreyfus. „Wir sollten versuchen, weitere Tore zwischen den beiden Bereichen zu öffnen.“

Gaming ist für viele junge Live- oder Online-Pokerspieler ein wichtiger Bestandteil des Lebens.

Alex Dreyfus, Gaelle Garcia Diaz and Joe Stapleton

„Die Zuschauer der World Poker Tour, die auf Fox und ESPN ausgestrahlt wird, ist im Schnitt 55 Jahre alt – über diesen Weg erreichen die Fernsehanstalten die neue, junge Bevölkerungsgruppe nicht“, sagte Dreyfus. „Wenn wir keine neuen Spieler und Fans für Poker begeistern können, wird das Spiel zugrunde gehen. Ich spreche gar nicht über Geld, sondern davon, interessant zu sein und sich öffentlich darzustellen. Die E-Sports-Branche ist nicht letzten Monat entstanden, sondern existiert seit 15 Jahren.“

Auch wenn E-Sports eine riesige und wachsende Branche ist, kann sie nicht die gleiche Anziehungskraft entfalten wie Online-Poker in der Anfangszeit. 2003 konnte Chris Moneymaker das World Series of Poker Main Event gewinnen, fast ohne eigenes Geld einzusetzen. Dreyfus glaubt nicht daran, dass sich eine Situation wie damals wiederholen wird.

„Im E-Sports ist es nicht so einfach, ein Jedermann zu sein und viel Geld zu gewinnen“, sagte er. „Es ist viel wahrscheinlicher, dass am Ende ein professioneller Spieler gewinnt. Im E-Sports-Bereich ist ein Moneymaker-Moment selbst theoretisch fast undenkbar – trotzdem arbeiten bekannte Sportfirmen vermehrt mit E-Sports-Unternehmen zusammen. Das ist im Pokerbereich nicht der Fall.

„Im E-Sports ist es nicht so einfach, ein Jedermann zu sein und viel Geld zu gewinnen.“

Sportvereine (wie Fußball in Europa oder die NBA und NHL in den USA) haben laut Dreyfus eine eigene Dynamik entwickelt, die es in der Pokerbranche nicht gibt.

„Poker wird mit Glücksspielen gleichgesetzt und wird nicht als strategischer Denksport beworben“, sagte er. „Wir glauben, dass sich das mit dem GPI und Hendon Mob einpendeln wird. Wir werden den Online-Traffic in den nächsten drei Jahren nicht verdreifachen, dafür ist das Interesse an anderen Spielen einfach zu groß. Sollten wir uns deshalb nur auf ein Spiel konzentrieren? Das sehen wir anders.“

Auch wenn The Hendon Mob immer noch die Website ist, auf der sich die Resultate von Pokerspielern einsehen lassen, will Dreyfus auch andere Spieleinteressen berücksichtigen.

„Wir können Poker als Grundstein nutzen, um andere Spiele aufzunehmen“, sagte Dreyfus. „Viele erfolgreiche Pokerspieler – nehmen wir zum Beispiel ElkY – spielen auch andere Spiele. Die Branche muss sich weiterentwickeln – was den GPI betrifft, können wir einen GPI Hearthstone oder einen GPI Counter-Strike einführen, um mehr Spieler zu erreichen und das Ganze so groß werden zu lassen wie beim Pokern.“

Dabei gibt es einen großen Unterschied zwischen Live- und Online-Poker, aber Dreyfus sieht für Live-Poker auch in den nächsten fünf Jahren keine ernsthafte Bedrohung.

„Es wird immer Spaß machen, Turniere zu spielen, zu einem Casino zu fahren und dort Poker zu spielen. Online-Poker ist da anders: Vor 15 Jahren gab es keine Smartphones und kein Twitch. Heute können sich 16-Jährige alle möglichen Spiele auf ihr Smartphone herunterladen, sie sind an keine Spiele gebunden und können sich auf Twitch und YouTube Videos anschauen.“

Das Spielen hat sich verändert – E-Sports-Zocker haben Möglichkeiten, die es vor 10 Jahren noch nicht gegeben hat.

„Kinder wachsen heutzutage mit mehr Videospielen auf als die Generation davor und die Branche wächst immer weiter“, sagte er. „Online-Poker ist eine $2,5 Milliarden-Industrie, aber mit Videospielen werden $108 Milliarden umgesetzt und die Branche wird jedes Jahr ein paar Milliarden größer.“

„Online-Poker ist eine $2,5 Milliarden-Industrie, aber mit Videospielen werden $108 Milliarden umgesetzt.“

Wenn der Global Poker Index zum Gaming Player Index wird und sich daraus eine neue Marke oder ein neues Geschäftsmodell entwickelt, wird sich auch die Zielgruppe verändern.

„Die meisten Leute glauben, dass Online-Poker nur im eigenen Markt wachsen kann, aber wir wollen den Markt breiter aufstellen“, sagte er. „Die Videospiele-Branche braucht das Gleiche wie Poker vor fünf Jahren, als wir den Global Poker Index entwickelt haben. Die Spieler wollen einen neutralen Anbieter haben, der die Spieler in Ranglisten einsortiert, eine Anlaufstelle für Poker, Gaming, Wetten, Fantasy Sports und vieles mehr.“

Falls Poker Teil eines Gaming-Konzepts ist, müssten sich Teile des Spiels weiterentwickeln. Dreyfus ist überzeugt davon, dass sich Online-Poker verändern muss, damit das Spiel überleben kann. Live-Poker wird immer existieren und sich auch kaum verändern müssen, um noch lange gespielt zu werden.

„Auch wenn es immer Grinder und herkömmliche Cashgames geben wird, muss sich das Spiel entwickeln“, sagte er. „Nicht von heute auf morgen, aber im Laufe der nächsten Jahre werden die Leute neue Ideen haben und es wird Spaß machen. Wir müssen uns nur eine einfache Frage stellen: Wenn jemand die Möglichkeit hat, monatlich $100 für ein Hobby auszugeben – wo wird das Geld hinfließen?“

Glücksspiel- und Online-Gaming-Unternehmen können den Fragen genauso wenig ausweichen.

„Die Leute fragen sich: ‚Gebe ich mein Geld für Candy Crush, Poker oder Counter-Strike aus?’ Alle Unternehmen sitzen im gleichen Boot“, sagte er. „Das ist weit gedacht, aber so sieht die Wirklichkeit aus. Selbst Daniel Negreanu spielt begeistert Hearthstone! Ich kenne Beispiele von Spielern, die umgestiegen sind und zwar nicht nur, um Geld zu verdienen. Wenn Spieler an anderen Spielen Interesse zeigen, sollten wir die Augen öffnen, unseren Horizont erweitern und versuchen, unsere Geschäftsmodelle anzupassen.“

Die Zukunft von Poker ist für Dreyfus natürlich von Interesse. Schließlich hat die Global Poker League, die 2016 gestartet ist, für Aufsehen gesorgt und viele Zuschauer begeistert. 2017 sollen allerdings einige Änderungen am beliebten Poker-Format vorgenommen werden.

„Wenn Spieler an anderen Spielen Interesse zeigen, sollten wir die Augen öffnen, unseren Horizont erweitern und versuchen, unsere Geschäftsmodelle anzupassen.“

„Die GPL war mit Abstand die größte Aufgabe, an der ich mich versucht habe“, sagte er. „Wir haben versucht, das ganze Spiel zu komprimieren und eine völlig neue Geschichte zu erzählen. Unser größter Erfolg bestand bereits darin, das Projekt anzugehen und es zu beenden. Niemand hätte Geld darauf gesetzt, dass uns das gelingt! Wir haben eine Grundlage geschaffen, aber das Produkt war letzten Endes nicht das, was wir im Sinn hatten.“

In der ersten Saison wurde schnell klar, dass bei der GPL Änderungsbedarf besteht.

„Es hat zu lang gedauert, war zu langweilig und manche Spiele hatten keine Bedeutung“, sagte er. „Für die Spieler stand nichts auf dem Spiel, nicht finanziell gesehen, sondern von der Bedeutung her – gegen Ende der Series war es manchmal unwichtig, ob ein Spieler eine Hand gewinnt oder nicht.“

Das soll in der zweiten Saison anders werden, falls Dreyfus damit etwas zu tun hat (und das wird der Fall sein).

„Für die zweite Staffel wollen wir das Ganze ein bisschen wie X-Factor aufziehen“, sagte er. „Wie eine Reality-TV-Sendung mit Unterhaltungselementen, bei der ein Freizeitspieler einen Prozess durchläuft. Vor dem Start brauchen wir einen Vertrauensvorschuss, um etwas Spaßigeres aus dem Boden stampfen zu können.“

„Das letzte Jahr hatte zu viel GTO und war nicht unterhaltsam genug.“

Eine Möglichkeit, die Spiele unterhaltsamer zu gestalten, besteht darin, die kleinen Leute einzubeziehen.

„Das letzte Jahr hatte zu viel GTO und war nicht unterhaltsam genug“, sagte Dreyfus. „Wir hatten die besten Pokerspieler der Welt, die ihr A-Game gespielt haben. Das müssen wir beibehalten, aber wir brauchen auch Amateurspieler. Die Produktion muss schneller vorangehen, nicht die Spiele selbst, sondern die Liga als solches.“

Die Global Poker League und der Global Poker Index werden uns also erhalten bleiben – das Gaming-Konzept könnte aber auf verschiedene Denksportarten ausgeweitet werden, bei denen Poker nur dazugehört und nicht der Mittelpunkt ist.

Falls das passiert, will Alex Dreyfus dabei auf jeden Fall das Steuer in die Hand nehmen.

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