PokerNews Exklusiv Interview mit Gus Hansen

Gus Hansen

Wer erinnert sich nicht an den riesigen Pot bei High Stakes Poker mit Gus Hansen und Daniel Negreanu und das Fullhouse gegen Quads? Wer wollte nicht auch Poker spielen, nachdem er Hansen bei Poker Superstars III zugesehen hat, wie er jede Hand All-In schob?

In den frühen Tagen des Poker-Booms war Gus Hansen ohne Zweifel einer der größten Namen im Poker. "The Great Dane" gewann Millionen bei World Poker Tour Turnieren, bevor er als einer der ersten Stars bei der European Poker Tour gefeiert wurde. Er startete früh eine Pokerseite, verkaufte sie dann an Betfair und wurde eines der Poker Gesichter von Full Tilt Poker.

Nach dem Black Friday wurde Hansen erneut von Full Tilt Poker beauftragt, diesmal als Teil des Kollektivs "The Professionals" neben Tom Dwan und Viktor Blom .

Full Tilt Poker Eigentümer Amaya entschied sich für eine andere Strategie und trennte sich von den gesponserten Pros. Irgendwie verschwand auch Hansen auf diesem Weg. Nachdem er Millionen an Dollars bei den Online Cashgames auf Full Tilt Poker und PokerStars verloren hatte, kündigte er auch wieder bessere Monate an.

Nach einiger Zeit abseits des grünen Filzes kehrte Hansen vor ein paar Monaten wieder an die Tische zurück. Wie aus dem Nichts tauchte Hansen im August in Las Vegas auf und spielte einige $2,000/$4,000 Cashgames mit Phil Ivey, Patrik Antonius und Daniel Negreanu, der darüber twitterte.

Nun plant Hansen seine Rückkehr zu Poker. Wir haben den dänischen Superstar in seiner Heimat Monte Carlo getroffen, als er sich die Action beim Big One for One Drop Extravaganza im letzten Monat ansah und mit ihm ein Interview geführt.

Gus – wir haben dich beim Live-Pokern vermisst. Wie ist es dir ergangen?

Ich kann mich wirklich nicht beschweren. Ich habe mich bedeckt gehalten. Ich glaube, dass ich zwei Jahre lang kein einziges Poker-Turnier gespielt habe. Ich war ein- oder zweimal in Vegas, um Side Games zu spielen, aber da waren wirklich keine Turniere dabei. Tatsächlich denke ich gerade darüber nach, wieder den alten Gewohnheiten zu verfallen und gegen Ende des Jahres oder im nächsten Jahr ein paar Turniere zu spielen.

Davon abgesehen habe ich mich darauf konzentriert, gesund zu bleiben, und mich um andere Sachen gekümmert. Mit einem alten Freund aus Dänemark habe ich ein Geschäft aufgezogen. Es ging um ein Unternehmen im Musik-Bereich, aber belassen wir es dabei, dass es nicht wie gewünscht anlief, mehr will ich dazu nicht sagen. Ich hatte unterschiedliche Ideen und Projekte, aber im Moment denke ich nur ans Zocken.

Und Zocken heißt Poker?

Zocken heißt Zocken. Poker ist auf jeden Fall ein Teil davon, aber ich habe damals mit Backgammon angefangen und ab und zu spiele ich noch eine Runde. Allerdings denke ich darüber nach, den Aussie Millions nächstes Jahr einen Besuch abzustatten und einige andere Turniere zu spielen.

Daniel Negreanu hat in seinem Blog geschrieben, dass ihr in Vegas mit dem gleichen Lineup gespielt habt wie vor einigen Jahren. Wie war das?

Nun ja – leider kann ich nicht behaupten, dass das eine erfolgreiche Erfahrung für mich war, aber ich denke, es sind einige coole Leute dabei und es hat Spaß gemacht. Ich meine, Daniel hat etwas Ähnliches geschrieben. Die Atmosphäre ist schön. Es gibt Witze und Sticheleien – die Leute haben einfach Spaß miteinander.

Das vermisse ich auf jeden Fall, weil es Spaß macht und ich auch gerne Poker spiele. Spielerisch habe ich Pech gehabt, aber wenn ich ehrlich zurückblicke, war ich eingerostet. Ich hatte ein Jahr lang keine einzige Hand gespielt. Zwar habe ich mich noch an die Spielregeln erinnern können, aber ich war sehr eingerostet.

Was hat dazu geführt? Warum hast du über ein Jahr lang nicht gespielt?

Es ist kein Geheimnis, dass ich online jede Menge Geld verloren habe. Deshalb habe ich erst einmal meine Wunden geleckt, versucht, den Kopf freizubekommen und andere Sachen gemacht. Das ändert aber nichts daran, dass ich mich gerne mit anderen messe. All meine Bemühungen haben mich immer zum Zocken gebracht, ob es nun Poker oder ein anderes Spiel war. Das wird immer ein Teil von mir sein und ich werde immer danach suchen. Natürlich werde ich nicht mehr jeden Tag 24/7 spielen, wie ich es früher gemacht habe. Aber ich werde immer irgendwie da sein, weil ich es mag und mich im Großen und Ganzen ziemlich gut geschlagen habe.


(photo: Neil Stoddart)

Ich weiß nicht, ob du davon weißt, aber eine Menge Spieler zeigen Poker heutzutage auf Twitch. Mit Gus.tv, was ich immer verfolgt habe, hast du den Grundstein dafür gelegt. Besteht die Möglichkeit, dass du wieder zum Live-Streamen zurückfindest oder Kommentator wirst?

Ich habe darüber nachgedacht. Ich weiß auch, dass Leute auf diesem Twitch – wie du es nennst – spielen. Ich habe also davon gehört, allerdings habe ich keine Ahnung, was es ist. Ich habe „Twitch.com“ nie gesehen oder geschrieben, also kann ich nichts dazu sagen.

Twitch-Punkt-tv.

Oh, Twitch-Punkt.tv. Ich bin mir sicher, dass ich mich zurechtfinden würde. Es könnte auch Spaß machen. Nicht, um mich auf ein Podest oder was auch immer zu erheben, sondern um Scherze zu machen. Die Leute lieben all den Quatsch und Unsinn.

Vielleicht würde ein Stream wieder viele Zuschauer erreichen. Ich habe darüber nicht besonders intensiv nachgedacht. Ich weiß nur, dass die Möglichkeit besteht. Da du es es erwähnt hast, werde ich mir Twitch-Punkt-tv vielleicht mal anschauen.

Hast du abgesehen vom Live-Streamen mal über Poker-Medien im Allgemeinen nachgedacht? Ich habe mir sogar Backgammon angeschaut, als du es damals auf Eurosport kommentiert hast.

Ich habe darüber nachgedacht, weil ich denke, dass es mir liegt. Ich rede gerne. Ich mag es, direkt zu sein. Man muss nicht gemein sein, aber ich finde, es bringt etwas Würze hinein, wenn man bis an die Grenzen geht und sagt: „Hey, Daniel Negreanu, das war einfach schlecht gespielt!“ Ich bin direkt und er kann damit umgehen.

Jedes Mal, wenn man sich einen Final Table anschaut, sagen die Kommentatoren: „Das sind die acht besten Spieler der Welt.“ Und ich denke mir jedes Mal: „Wovon redet ihr? Das sind nicht die acht besten Spieler.“ Klar gibt es unter ihnen einige gute Spieler, aber es gibt vermutlich auch eher mittelprächtige Spieler. Man muss niemanden als schlecht bezeichnen, aber es kann nicht schaden, ein wenig ehrlicher zu sein. Ich habe darüber nachgedacht, mich als Kommentator zu versuchen, weil ich Spaß daran habe.

Am diesjährigen Big One for One Drop Extravaganza durften Profi-Spieler nicht teilnehmen. Was hältst du von dem Turnier und davon, dass Guy die Profis von der Teilnahme ausgeschlossen hat?

Einige Leute – Zocker, Backgammon-, Poker-Spieler – und ich haben uns gestern erst darüber unterhalten. Ich habe überhaupt kein Problem damit, Profis von der Teilnahme auszuschließen. Er wollte ein Turnier nur für Amateur-Spieler machen, und das ist denke ich völlig in Ordnung. Ich glaube aber, dass es wahrscheinlich ein Fehler war, die Profis auch für die Satellites und Side-Events auszuschließen. Ich denke, es hätte dem Turnier ein bisschen mehr Flair geben können.

Gehen wir davon aus, dass ein Haufen Profis ein Satellite für $10.000, $50.000 oder $250.000 spielen. Jetzt befinden sich vier, vielleicht fünf Profi-Spieler im Teilnehmerfeld und das Turnier wächst auf 40 Spieler an. Vielleicht spielt ein Phil Ivey mit, vielleicht ein Gus Hansen. Es würde dem Ganzen einen anderen Anstrich verleihen.

Ich denke, es war in Ordnung, Profis die Anmeldung zu verbieten, aber es wäre gut gewesen, ein paar Profis über Sattelites Einlass zu gewähren. Das ist aber eine Geschmackssache. Jemand wie Phil Ivey hätte sich bezahlt gemacht. Dann hätten sie ein Turnier, bei dem sie sagen können, dass auch die besten Pokerspieler der Welt dabei waren. Ich denke, das wäre besser gewesen, aber wer bin ich, darüber zu urteilen? Das war lediglich das Ergebnis der Diskussion, die wir gestern Nacht geführt haben, aber wir hatten schon ziemlich viel Wodka intus, was weiß ich also schon?

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Apropos Satellites: Ich erinnere mich an ein ganz bestimmtes Satellite, bei dem du dich 2012 für ein $1.000.000-Event qualifizieren konntest.

Tatsächlich hatte ich die $1 Million schon bereitgelegt, aber weil nur 48 Spieler teilnehmen durften, gab es ein wenig Überschuss. Es war wirklich komisch, weil ich 24 Stunden lang Cashgames gespielt hatte und nur vorbeikam, um herauszufinden, ob ich am Turnier teilnehmen konnte oder nicht. Ich hatte das Geld schon bereitliegen, aber ich war unsicher, ob ich mitspielen konnte, weil es angeblich schon voll war. Also habe ich nach meiner 24-Stunden-Cashgame-Session das Satellite für $25.000 gespielt und mir gesagt: „Ach, scheiße, versuche ich mein Glück eben dort!“

Im Heads-Up hast du gegen Shaun Deeb gespielt, der das Event gar nicht spielen wollte. Das muss einfach gewesen sein.

Hey, das war eine günstige Möglichkeit, sich für das $1-Million-Event zu qualifizieren. Ich habe Tag 1 des One Drops gespielt und war zu Beginn des zweiten Spieltags Fünfter in Chips oder so. Am zweiten Tag habe ich eine meiner schlechtesten Turnier-Leistungen abgerufen. Es war ein wirklich schlechter Zeitpunkt, bei einem Buy-in von $1 Million die schlechtestmögliche Leistung abzurufen.

Du bist nicht schlecht gerunnt, sondern hast schlecht gespielt?

Ja. Natürlich könnte man behaupten, dass es Pech wäre, mit Ass-Dame gegen Ass-König zu laufen, aber es war eine Situation, in der ich meine Hand hätte folden müssen. Ich bin selber schuld, mir keine bessere Chance gegeben zu haben. Jeder macht Fehler. Das macht Poker aus.

Ist dir dieser Tag immer noch gut im Gedächtnis geblieben oder bist du nur darauf gekommen, weil ich es erwähnt habe?

Ich habe lange, lange nicht mehr daran zurückgedacht, aber ich denke, es ist wahrscheinlich gut, sich an die eigenen Fehler zu erinnern. Natürlich sollte man nicht tagein, tagaus über seine Fehler nachdenken, aber es ist gut, aus ihnen zu lernen. Wenn man nicht akzeptieren kann, dass man Fehler macht, kann man auch nicht vorankommen. Offensichtlich war es ein schlechtes Turnier, um solche Fehler zu machen, aber nichtsdestotrotz – okay, ich werde daran denken, wenn ich das nächste Mal ein Event mit einem Buy-in von 100K oder 250K spielen werde.

Du hast gesagt, 2017 ist ein neues Jahr. Die Aussie Millions findet Ende Januar statt. Steht davor etwas in deinem Poker-Kalender?

Vegas will ich noch einen Besuch abstatten. Anfang Dezember macht die World Poker Tour in Vegas Halt. Wie die Vergangenheit zeigt, habe ich bei diesem Turnier sehr gute Platzierungen erreichen können. Ich finde, das Turnier hat eine richtig gute Struktur. Die Strukturen ähneln sich überall, aber ich mag es, wie sie die Spieltage mit den Dinner Breaks planen. Man spielt nur acht Stunden am Stück und kann sowohl davor als auch danach essen.

Das ist eine Sache, die ich an Poker-Turnieren noch nie verstanden habe: Man spielt zwei Stunden und braucht eine 15-minütige Pause? Was hast du gemacht? Du hast zwei Stunden auf einem Stuhl gesessen und das hat dich müde gemacht? Leute erzählen mir sowas wie: „Na ja, ich muss auf die Toilette.“ Dann geh auf die Toilette und verpass eine Hand! Es ist keine große Sache. Ich kann das wirklich nicht nachvollziehen. Nehmt einen Apfel oder Joghurt mit. Was auch immer: Joghurteis, Eiscreme. Es ist mir völlig egal, was du isst, aber du bist zum Spielen hergekommen.

„Es ist ein langer Tag. Warum haben wir keine Mittagspause und danach eine Dinner Break?“ Weil es dumm ist. Bei einem Finale der Australian Open wird auch keine Pause eingelegt, wenn [Novak] Djokovic und [Rafael] Nadal schon vier Stunden und 22 Minuten spielen und der fünfte Satz ansteht. Da schreit niemand nach einer Dinner Break. Oh – haben die Jungs keinen Hunger? Natürlich sind sie hungrig, aber sie trinken etwas, essen eine Banane, was auch immer.

Bist du immer noch für 48-Stunden-Sessions zu haben? Ich will damit nicht sagen, dass du alt bist, aber du bist älter als …

Ich denke, dass das eine schlechte Idee ist und ich realisiere langsam, dass ich nicht 22 bin. Ich hasse den Umstand, aber ich bemühe mich, kürzer zu treten. Als ich in Vegas war – ich war dieses Jahr nach der World Series in Vegas – hatte ich immer noch einige lange Sessions. Ich versuche, die 48-Stunden-Sessions von früher auf ein Minimum zu begrenzen.

Mein Lieblings-Poker-Video auf YouTube sind die 55-Quads gegen Daniel – das war glaube ich die erste Staffel, oder? Wie war es, die erste Staffel zu spielen?

Das Geld ist zu der Zeit wirklich in Strömen geflossen.

Für alle Beteiligten?

Das würde ich behaupten. Pokerspieler kamen über Freerolls in Turniere, Online-Seiten sponserten ausgewählte Spieler. Ich glaube, dass die Leute früher looser gespielt haben. Dann kam der Black Friday – das hat einigen Leuten geschadet. Heutzutage spielt sich alles vermutlich etwas konservativer ab und der große Unterschied ist, dass Pokerspieler 2016 deutlich, deutlich besser Bescheid wissen als es 2003 der Fall war. Man könnte so ziemlich jeden Nicht-Profi aus dem Big One for One Drop-Turnier nehmen und ins Jahr 1985 zurückversetzen – jeder von ihnen wäre der beste Spieler der Welt.

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Zwischen 1985 und 1995 hat sich das Spielniveau ein bisschen verbessert. Bis 2005 ist es drastisch angestiegen. In den letzten 10 Jahren hat die Entwicklung durch Online-Poker, Trainings-Seiten, Trainingstools etc. weiter angezogen – das Spielniveau steigt immer weiter. Selbstverständlich haben wir die Spitze des Eisbergs noch nicht erreicht, Dinge entwickeln sich immer weiter. Die Leute werden immer besser, ganz gleich, ob wir von Tennis, American Football oder Poker sprechen.

Vor einigen Jahren hast du mir in Prag erzählt, dass du Weltmeister in Racketlon werden willst. Wie hat es funktioniert? Spielst du es noch?
Nein ich spiele nicht mehr. Ich habe ein Match im Viertelfinale der Weltmeisterschaft verloren, aber ich war gar nicht so schlecht und ich habe nur knapp verloren.

Ist dies eine große Sache?
Nein ist es nicht. Es gibt in den letzten 15 Jahren Weltmeisterschaften, also wird es doch von einigen gespielt. Es ist sehr beliebt in Schweden, Finnland, Dänemark und Deutschland. Manche Leute spielen in den USA, manche in Australien, aber es ist nicht so groß. Du wirst es nicht bei den nächsten Olympischen Spielen sehen. Und wenn doch, solltest du es dir ansehen. Ich meine, Synchronschwimmen ist ein olympischer Sport und es gibt etwa 200 Menschen auf der ganzen Welt, die das tun.

Ich versuche immer noch in Form zu bleiben. Ich spiele eine Menge Schläger-Sportarten, aber ich bin nicht konkurrenzfähig. Ich versuche ja wieder bei Poker Fuß zu fassen, vielleicht werde ich das auch tun.

Wie blickst du auf die gesamte post-Black-Friday Periode zurück, als du wieder bei Full Tilt warst und sich das Unternehmen dann entschieden hatten eine andere Richtung zu gehen.
Es fühlte sich gut an, wieder beim Team zu sein. Ich habe immer eine gute Erfahrung mit Full Tilt gemacht. Offensichtlich waren einige Dinge schief gegangen, aber es wurde gelöst als PokerStars eingesteigen ist. Sie wählten einen anderen Weg, weil PokerStars so ein Gigant war. Ich dachte nicht zu viel darüber nach. Sie haben ein Geschäft und sie treffen einige Entscheidungen. Vielleicht sind sie falsch, vielleicht sind sie die richtigen, aber offensichtlich hätte ich gern weiter gemacht. Aber das war ihre Entscheidung, so dass ich nicht wirklich zu viel Zeit damit verbracht habe, darüber nachzudenken.

Gus Hansen

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