Neues Buch & neue Herausforderungen für Poker Brat Phil Helmuth

Phil Hellmuth

Als Weltmeister, 14-maliger Gewinner eines World Series of Poker-Bracelets, Spieler in der Poker Hall of Fame und Bestseller-Autor bei der New York Times könnte sich Phil Hellmuth Jr. eigentlich zur Ruhe setzen. Der 52-Jährige hat sich aber bereits einer neuen Herausforderung zugewendet: Er will eine Autobiografie schreiben.

Hellmuth hat im Laufe vieler Jahre hunderte „Hände der Woche“ in Artikelform besprochen, Kolumnen veröffentlicht und Pokerbücher geschrieben – zu letzteren gehört auch der New York Times-Bestseller Play Poker Like The Pros. Mit dem Schreiben kennt sich Hellmuth also aus – nur wird der Text diesmal persönlicher.

„Das neue Buch handelt davon, wie ich einige Durststrecken in meinem Leben gemeistert habe,“ erklärte Hellmuth zu Hause in Palo Alto, Kalifornien, nachdem er das Buch mit dem Arbeitstitel Poker Brat fertiggestellt hatte. „Ich hatte Schwierigkeiten in der Highschool. Ich habe mich wie ein großer Versager gefühlt. Ich hatte Probleme mit dem gesellschaftlichen Miteinander, mit meinen Noten, einfach mit allem. Ich war viel zu unreif. Ich hatte auf dem Handrücken beider Hände Warzen, und das fühlte sich beinahe wie eine Krankheit an.“

Das Leben wurde für Hellmuth aber nicht automatisch besser.

„Nach zwei Jahren waren sie einfach verschwunden, aber dann hatte ich mit Akne zu kämpfen,“ sagte er. „Als die Warzen weg waren, kamen die Pickel. Was das soziale Leben angeht, hatte ich in der Highschool nur Probleme. Wenn man solche Sachen hat, fühlt man sich nicht wohl in seiner Haut. Dieses Buch erzählt, wie ich den Übergang geschafft und mich von einem Highschool-Versager ohne Selbstwertgefühl im Alter von 24 Jahren in einen Poker-Weltmeister verwandelt habe. Es geht um die Entstehung der Poker Brat – wie ich es geschafft habe, so erfolgreich zu werden, obwohl ich in jungen Jahren so unzufrieden mit mir war.“

Das klingt beinahe nach einem Motivationsbuch, aber Hellmuth sagte, dass er so etwas bereits für sein nächstes Buch geplant hat:

„In meinem nächsten Buch wird es darum gehen, wie man eine positive Einstellung gewinnt und großartige Sachen im Leben erreichen kann,“ verriet er. „Ich finde, dass viele Leute, die Motivationsbücher schreiben, kaum etwas geschafft haben. Ich habe wenigstens ein paar coole Sachen erlebt und freue mich darauf, meine Erfahrungen und Gedanken, die mich in die Lage versetzt haben, all das zu erreichen, weiterzugeben. Poker Brat handelt von der inspirierenden Geschichte dahinter und in meinem nächsten Buch werde ich eine Menge Tipps und Tricks bereithalten, die mir dabei geholfen haben, die Person zu werden, die ich bin.“

Hellmuth hatte die ersten 70.000 Wörter für Poker Brat 2010 geschrieben und das Folgejahr für die Veröffentlichung ins Auge gefasst. Dann ereignete sich allerdings der Black Friday und die Poker-Branche kam zum Erliegen. Obwohl sein Verlag HarperCollins 2004 einen großen Erfolg mit Hellmuths Play Poker Like The Pros landen konnte, bestand plötzlich kein Interesse mehr an einer Zusammenarbeit.

Er hatte das fast fertige Manuskript jahrelang bei sich liegen, bis Dan Addelman, Besitzer von D&B Publishing, in diesem Jahr bei ihm anklopfte. Hellmuth einigte sich mit Addelman darauf, ein paar weitere Kapitel zu schreiben und das Buch für eine Veröffentlichung im Frühjahr 2017 vorzubereiten.

„Ich habe schon 1993 an diesem Buch gearbeitet,“ sagte Hellmuth. „Im Moment überarbeite ich die 70.000 Wörter, die ich bereits geschrieben habe. Es dauert seine Zeit, gedanklich ins Jahr 1993 zurückzureisen – und dann muss ich darüber nachdenken, worüber ich noch sprechen möchte. Ich glaube, ich will noch etwa 20.000 Wörter hinzufügen, bevor wir das Buch verkaufen können.“

Phil Hellmuth

Hellmuth zufolge könnten diese 20.000 Wörter Einblicke gewähren, wie er sein Spielniveau über die Jahre aufrechterhalten konnte, obwohl sich das Spiel laufend verändert hat.

„Das ist etwas, worüber ich auf jeden Fall gerne schreiben will: Wie man sein Spielniveau beibehält und ein Champion bleibt,“ sagte er. „All die Arbeit und der Aufwand, der damit verbunden ist, einer der besten Pokerspieler der Welt zu sein. Um als Top-Spieler angesehen zu werden, muss man sich die Theorien aller großartigen Spieler anhören und die Strategien im Auge behalten, die sie anwenden.“

Um dem Titel eines „Champions“ gerecht zu werden, müsse man die Strategie seiner Gegner durchschauen und wissen, wie man sich dagegen wehren kann:

„Wenn ich mir anschaue, wie die Online-Spieler die Mathematik des Spiels auf ein so hohes Level gehoben haben und beobachte, wie sie spielen, kann ich Gegenstrategien entwickeln,“ sagte Hellmuth. „Wie kann ich eine Strategie schlagen, von der die ganze Welt denkt, dass sie richtig ist? Wenn Spieler glauben, dass etwas richtig ist – wie kann ich mich dagegen zur Wehr setzen? Wenn sie x denken, wie kann ich x schlagen? Alles dreht sich darum, den passenden Konter zu finden.“

Die letzten Kapitel des Buches könnten auch vom Wechsel von Hold’em zu Mixed Games handeln – sowohl bei den höchsten Cashgames-Partien weltweit als auch in Hellmuths eigener Laufbahn.

„Ich weiß nicht, ob ich in der Lage gewesen wäre, vorherzusagen, dass ich den Übergang zu den Mixed Games so schaffen werde wie geschehen,“ sagte er. „Ich hatte 11 Bracelets in Hold’em-Events gewonnen und musste mich in anderen Spielen immer wieder knapp geschlagen geben – ich meine, ich war bei Omaha Eight- und Seven Card Stud-Events immer vorne dabei und hätte das ein oder andere Bracelet mitnehmen können.“

Dann passierte etwas, womit Hellmuth nicht gerechnet hatte:

„Ich kann nicht behaupten, dass ich es kommen sah, gleich zwei Razz-Bracelets zu gewinnen, nachdem mich einige der besten Cashgame-Spieler als eher mittelprächtigen Mixed Game-Spieler bezeichnet hatten. Jetzt fühle ich mich wie der beste Razz-Turnier-Spieler der Welt und freue mich darauf, in andere Bereiche vorzustoßen. Und als ich schon das Gefühl hatte, dass sich Hold’em verändert hatte und ich nur noch bei Mixed Games gewinnen kann, werde ich Erster beim europäischen WSOP Main Event hervor – und da wird Hold’em gespielt.“

Hellmuth hat versprochen, dass das Buch im Januar 2017 fertig ist und veröffentlicht werden kann. In der Zwischenzeit wird er so weiterleben wie es nur die Poker Brat kann.

Wie seine über 250.000 Twitter-Follower bezeugen können, schaute er den besten Golfern vor zwei Wochen beim Ryder Cup über die Schulter. Am vergangenen Wochenende richtete Hellmuth sein eigenes Poker-Turnier im ARIA Resort & Casino in Las Vegas aus. Dieses Wochenende wird er in Chigaco als Moderator durch ein Charity-Turnier für Teaching Tolerance führen, bei dem er 2015 $1,65 Millionen sammeln konnte.

Das lässt Hellmuth nur wenige Wochen Zeit, um sich auf die Übertragung des WSOP Main Event-Final Tables auf ESPN vorzubereiten, bei dem er seit einigen Jahren an der Seite von Daniel Negreanu und Kara Scott das Spielgeschehen beobachtet und analysiert.

„Ich liebe es,“ sagte er. „Ich liebe Live-Fernsehen und ich bin offensichtlich ziemlich gut darin. Es wird Hold’em gespielt und niemand hat so viele Hold’em-Bracelets wie ich gewonnen. Was die Spieler auf der Bühne durchleben, habe ich schon so viele Male durchgemacht, dass ich ein gutes Gespür dafür entwickelt habe. Für mich ist es einfach, über das zu reden, was die Spieler machen und was sie tun sollten. Ich denke, darin steckt eine Menge Value für die Zuschauer und ich glaube, dass sie meine Sichtweise hören wollen.“

Das Ganze sei wie Golf, so Hellmuth:

„Wenn sich Leute Golf anschauen, wollen sie Nick Faldo und Johnny Miller reden hören,“ sagte Hellmuth. „Das sind die Champions. Sie haben dem großen Druck etliche Male standgehalten. Ich glaube, dass die Zuschauer ebenfalls hören wollen, was die besten Spieler der Welt über Poker zu sagen haben und wie es ist, unter all dem Druck zu stehen.“

Bei der Arbeit kommt es auch zu Neckereien unter Kollegen: Negreanu hat sich in der Vergangenheit wiederholt über die Poker Brat lustig gemacht.

Phil Hellmuth

„Daniel und ich haben eine Menge Spaß miteinander,“ sagte er. „Er macht sich gerne über einige meiner egoistischen Tweets lustig. Ich akzeptiere das. Wenn ich einen eingebildeten Tweet verfasse, muss ich auch dazu stehen, denke ich. Die Sache ist die: Es ist unterhaltsam und ich glaube, dass die Leute Unterhaltung wollen. Ich bin nicht Charles Barkley, aber Charles hat eine große Persönlichkeit und bei Inside The NBA machen sie sich über ihn lustig. Er nimmt die Rolle an – und ich halte das genauso. Ich akzeptiere meine Rolle, und falls Daniel sich einen Spaß erlauben will, ist das auch gut für mich. Ich biete viel Angriffsfläche.“

Neben anderen berühmten Personen und Athleten wie Kevin Hart, Chris Paul und Von Miller hat Hellmuth kürzlich einen Werbevertrag mit Muzik – einem Hersteller für Kopfhörer – geschlossen.

Was das Pokern angeht, will er sich in diesem Jahr vielleicht beim nächsten Poker Night in America-Event in Pittsburgh blicken lassen oder Anfang Dezember an der World Poker Tour's Five Diamond World Poker Classic im Bellagio Resort & Casino teilnehmen. Hauptsächlich will er sich in den nächsten Monaten aber auf die nächste WSOP vorbereiten, um seine fürchterliche WSOP 2016 auszugleichen.

„Es kommt mir vor, als ob ich außerhalb der WSOP weniger als 10 Events im Jahr spiele, weil ich nur dort Geschichte schreiben kann,“ sagte er. „Hier kommt die Ironie ins Spiel: Es gab nur zwei Jahre, in denen ich an der WSOP teilgenommen und mich körperlich topfit gefühlt habe. 2012 musste ich eine schreckliche Series ertragen – und obwohl ich 2016 bereits damit gerechnet habe, dachte ich mir wieder, ein bisschen Training könne mir nicht schaden. Und es sollte wieder eine schreckliche Series werden.“

Deshalb hat Hellmuth damit angefangen, an seinem Trainingsplan zu feilen.

„2012 war ich in den Pausen ein wenig laufen, statt zu schlafen – wenn du das machst, bist du einfach nur ausgelaugt,“ gab Hellmuth zu. „Ich wusste, dass das Training mir nur schaden kann, wenn ich auf meine Nickerchen verzichten würde, und das habe ich nicht getan. Nach den meisten anstrengenden Tagen bin ich ins Fitnessstudio gegangen und habe darüber nachgedacht, wie ich manches besser oder anders angehen könnte. Ich habe über meine Fehler nachgedacht und darüber, wie ich sie abstellen könnte.“

Hellmuth arbeitete hart daran, um ein probates Mittel zu finden.

„Vor Beginn der WSOP 2016 erreichte ich den vierten Platz im $300.000 Super High Roller Bowl für $1,6 Millionen,“ sagte er. „Ich habe so hart gearbeitet. Nach drei Wochen hatte ich bemerkt, dass ich nur einmal in einem Restaurant essen war. Ich hatte meine ganze Zeit damit verbracht, Poker zu spielen, Zeit mit meiner Frau zu verbringen, das Spiel zu studieren und mit ein oder zwei Spielern darüber zu sprechen, was zu ihrem Erfolg geführt hat. Deshalb hatte ich das Gefühl, viel mehr verdient zu haben. Stattdessen konnte ich am Ende nur drei Cashes vorweisen und so ging eine meiner schlechtesten WSOPs zu Ende.“

Selbst seine größten Anstrengungen sollten sich am Ende nicht auszahlen.

„2015 hatte ich extrem viel Pech, glaube ich,“ sagte Hellmuth. „Ich war einige Male drauf und dran, zu gewinnen, musste aber haufenweise Bad Beats hinnehmen. Ich war wirklich frustriert, konnte aber ein Bracelet gewinnen. Was in diesem Jahr passiert ist, kann ich nicht einmal beschreiben. Es gab keine großen Bad Beats, ich war nie massiver Chipleader oder habe vier unglückliche Hände in Folge verloren. Es erschien mir nur unfair, obwohl das ein schlechtes Wort ist. Es war einfach hart – die Karten waren nicht auf meiner Seite. Ich kann mich erinnern, dass ich mit Anfang 20 Turniere verloren habe, weil ich gedanklich nicht immer bei der Sache war. In meinen 30er Jahren hat mir mein Ego dazwischengefunkt und heute erwarte ich etwas Großartiges, wenn ich großartig spiele. So läuft es aber leider nicht immer.“

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Marty Derbyshire
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