Die 2016 WSOP November Nine: Seat 2, Vojtech Ruzicka

Vojtech Ruzicka - WSOP

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Vojtech Ruzicka hatte einen furchtbaren Sommer.

Der Poker-Profi aus Tschechien spielte den kompletten Turnierplan der World Series of Poker 2016, konnte aber nur $5.000 in Preisgeldern anhäufen und war damit deutlich im Minus. Dann kam jedoch das Main Event um die Ecke.

Jetzt ist er um $1 Million reicher.

„Ich habe nicht damit gerechnet,“ antwortete er Remko Rinkema lachend in einem Interview. „Es hat nicht nur meinen Sommer gerettet, es ist auch das Beste, was mir in meiner Poker-Laufbahn passiert ist. Ich bin einfach nur dankbar.“

Aber wer ist Vojtech Ruzicka und wo kommt er her? Anders als der letzte November Niner, den wir hier auf PokerNews porträtiert haben, steht Ruzicka nicht so sehr im Rampenlicht und ist dem gewöhnlichen Poker-Fan eher unbekannt.

„Ich bin ziemlich langweilig,“ gestand er PokerNews’ Sarah Herring im Interview und listete Hobbys und Interessen auf, die auf viele junge männliche Poker-Spieler zutreffen: Gutes Essen, Golf, Sport – er ist ein großer Fan der NBA – und Zocken mit seinen Freunden.

Vojtech Ruzicka - WSOP

Seine Poker-Karriere begann für den heute 30-Jährigen vor rund acht Jahren. Er studierte gerade Mathematik, als er das Spiel für sich entdeckte und anfing, online zu grinden.

„Alles entwickelte sich zu meinen Gunsten,“ erinnerte er sich an die damalige Zeit.

Nachdem er seine ersten $50.000 gewonnen hatte, brach er die Schule ab und ließ sich komplett auf das Experiment Poker ein. Jetzt steht er kurz davor, einen Jackpot in Höhe von $8 Millionen abzuräumen.

Schon beim World Championship of Online Poker Main Event 2011 zeigte Ruzicka, aus welchem Turnier-Holz er geschnitzt ist. Als „Vojta_R“ schloss er das Event als Runner-Up für $710.000 ab und ließ dabei fast 1.627 Teilnehmer hinter sich zurück. Nur dem Sieger Thomas „Kallllle“ Pedersen musste er sich geschlagen geben.

Danach unternahm er erste Gehversuche im Live-Bereich und wurde dabei von PokerStrategy.com gesponsert. Zuerst versuchte er sich auf dem europäischen Live-Circuit bei der European Poker Tour und bei anderen Events. Dabei gewann er Anfang 2012 die German Championship of Poker für $161.146.

Darauf folgte eine quälende WSOP, bei der es Ruzicka zur Gewohnheit werden ließ, mehrere Deep Runs zu landen, das große Preisgeld aber ein ums andere Mal zu verpassen – viermal landete er in den Top 60. Im Februar des Folgejahres konnte er seinen bis dato größten Erfolg beim €10.300 High Roller der EPT Deauville erringen. Dabei stach er ein Teilnehmerfeld von 99 Spielern aus und gewann €313.000. Sein noch nicht feststehendes Preisgeld beim Main Event 2016 wird eine neue Rekordmarke setzen.

Anschließend verdiente er sich seinen Lebensunterhalt mit mittelmäßigen Resultaten, aber ein Erfolg beim WSOP Main Event blieb immer aus. Obwohl er in den fünf Jahren vor 2016 immer mit Eifer bei der Sache war, konnte er nie einen nennenswerten Cash verzeichnen.

Jetzt befindet er sich auf der Jagd nach dem großen Jackpot – sein Stack reicht allerdings nur für den sechsten Platz und damit hat er einige Arbeit vor sich. Ruzickas Sommer ist inzwischen alles andere als „furchtbar“ und sein „langweiliges“ Dasein wird auch bald ein Ende haben, sobald wir Ende Oktober haben.

Sein Weg zum Final Table

TagChipstandRang
1b185.90012/1.301
2243.200147/760
3714.000121/800
41.034.000149/251
54.255.00033/80
626.415.0001/27
727.300.0006/9

Das Turnier, das Vojtech Ruzickas Sommer verändert hatte, ging schon vielversprechend los. Am Ende des Tag 1b packte er bei 1.301 Spielern einen Stack ein, der für den 12. Platz reichte.

„Die ersten Tage verliefen ziemlich gut für mich,“ sagte er und wies damit auf die großen Stacks hin, die er am Ende dieser Tage hatte.

Erst an Tag 4 kam er aus dem Trott heraus, hatte nur noch 10 Big Blinds vor sich stehen und brauchte dringend Hilfe, als er mit {a-}{5-} gegen die {q-Clubs}{q-} von Jeff Hakim antreten musste und weit hinten lag. Die Hilfe kam am River und mit seinem zweiten Turnierleben erwischte er einen weiteren Upswing, der ihn am sechsten Tag zum Chipleader kürte.

Alles begann mit Ruzicka im Big Blind, der bei Blinds von 100.000/200.000/30.000 ein Cutoff-Raise von David L’Honore callte. Auf dem {9-Spades}{7-Diamonds}{5-Diamonds} Flop folgte auf jedes Raise ein weiteres, bis L’Honore schließlich mit {a-Diamonds}{6-Diamonds} für über 9 Millionen Chips all-in war und sich gegen Ruzickas Set {9-Hearts}{9-Diamonds} verbessern musste.

„Auf dem Turn und River dachte ich, mein Herz explodiert,“ beschrieb Ruzicka seine Gefühle, als er auf die letzten beiden Karten wartete. Zuerst kam die {3-Clubs}, die seinem Gegner noch mehr Outs bescherte, und danach die {6-Hearts}, die das Set glücklicherweise als beste Hand bestätigte.

Danach gewann Ruzicka mit {a-Hearts}{k-Diamonds} einen Coinflip gegen die {q-Hearts}{q-Clubs} von Elliott Peterman, um mit der Chipführung in den letzten Spieltag vor dem Final Table zu gehen. Das ist sicherlich eine beneidenswerte Situation, die sich für Ruzicka aber schlagartig veränderte, nachdem er früh an Tag 7 einen Großteil seines Stacks einbüßen musste.

„Es ist eine große Verantwortung und in den ersten Stunden konnte ich damit nicht umgehen,“ gab er zu. „Ich habe praktisch jeden Pot verloren, den ich gespielt habe. Ich bin ein bisschen getiltet, was nicht gut war.“

Tatsächlich hielt der Tscheche bei Blinds von 150.000/300.000/50.000 keine 26 Millionen Chips mehr, sondern nur noch etwas mehr als 10 Millionen. Dann wachte er mit den rettenden {a-Diamonds}{a-Clubs} auf und sah ein Raise sowie einen Call vor sich: Ruzicka erhöhte auf 2,1 Millionen, woraufhin Openraiser Andrew Christoforou die 4-Bet auf 5,5 Millionen spielte. Ruzicka pushte all-in, Christoforou callte mit {a-Hearts}{k-Spades} und die Asse hielten.

„Ich habe mich total geärgert, dass ich fast gebustet wäre,“ sagte er. „Das beruhigte mich wieder. Danach habe ich viel besser gespielt.“

Das war einer der letzten größeren Pots, die Ruzicka gespielt hat – seitdem stand sein Turnierleben nicht mehr auf dem Spiel, da er sich aus gefährlichen Situationen heraushielt, um sich seinen Platz bei den November Nine zu sichern.

Was uns erwartet

Ruzickas Situation am Tisch kann ihm helfen oder ihn behindern. Mit seinem sechsten Platz und einem einigermaßen großen Stack, um marginalen Spots aus dem Weg zu gehen, sollte er früh einen Read auf den Spieler zu seiner Linken, Fernando Pons, entwickeln.

Der Spanier ist wahrscheinlich der unerfahrenste Spieler am Tisch und hat nur einen Short Stack mit 12 Big Blinds vor sich stehen. Ruzicka muss schnell herausfinden, wie Pons spielt. Falls Pons tight spielt und versucht, zu „laddern“, kann Ruzicka seine Range erweitern und sein aggressives Spiel aufziehen. Falls Pons selbst aggressiv agiert, sind Ruzicka die Hände gebunden, bis Pons entweder einen spielbaren Stack oder seine Chips verloren hat.

Eine weitere Rolle werden die Blind-Battles mit Big Stack Qui Nguyen spielen. Ruzicka sollte größte Vorsicht walten lassen, weil Nguyen deutlich mehr Chips hat, aber er könnte davon profitieren, dass er Position auf einen weniger erfahrenen Spieler hat.

Ruzicka wollte sich keine Vorbereitungs-Pläne aufhalsen, allerdings will er abseits der Tische arbeiten und sich bald wieder in den Live-Circuit stürzen. Ersteres könnte für ihn der Schlüssel zum Erfolg sein, da Ruzicka erzählte, dass er mit der Hälfte der November Nine im Grunde nicht besonders viel gespielt hat.

Bei einer Sache ist er sich sicher – und die wird niemanden überraschen, der sich an die lauten Rails zurückerinnert, die häufig zusammenkommen, wenn es ein europäischer Spieler an den WSOP Final Table schafft:

„Ich glaube, dass ich eine große Rail haben werde,“ sagte er. „[Die tschechische] Community ist verdammt klein, jeder hat mich unterstützt. Viele Spieler halten Anteile an mir.

Es ist eine einmalige Gelegenheit.“

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