Die 2016 WSOP November Nine: Seat 1, Griffin Benger

Griffin Benger

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Griffin Benger hat sich bereits in einem anderen Spiel zum Champion gekürt – jetzt will er zwei Spiele daraus machen.

„Ich gehörte in den frühen 2000ern viele, viele Jahre lang zu einem der besten, wenn nicht sogar zum besten Counter-Strike-Team,“ erzählte er Sarah Herring in einem Interview, einen Tag, nachdem er sich seinen Platz für die November Nine beim World Series of Poker Main Event 2016 gesichert hatte. „Es fühlt sich nicht an, als wäre das schon ein Jahrzehnt her, aber es fühlt sich wie eine Ewigkeit an.“

Counter-Strike ist ein Ego-Shooter, der weltweit Millionen Spieler begeistert. Bengers Talent brachte ihn dazu, das Spiel professionell zu zocken. Während er damit beschäftigt war, sich an die Counter-Strike-Spitze zu kämpfen, versuchten ihn Freunde dazu zu bewegen, Poker eine Chance zu geben.

Benger, dem nach eigener Aussage vieles leicht fällt, entpuppte sich als eifriger Schüler. Statt virtuelle Pixelhaufen zu erschießen akkumulierte er jetzt virtuelle Chips – und das mindestens erfolgreich. Online dominierte er die Szene auf PokerStars und bei Full Tilt Poker jahrelang unter dem Spitznamen „Flush_Entity“. Dabei sammelte er bis heute mehr als $6,4 Millionen in Online-Preisgeldern an und hielt sich, was vielleicht noch beeindruckender ist, 2014 auf dem ersten Platz im Ranking auf PocketFives.

Seit 2013 bereist er auch den Live-Circuit aktiv und konnte dort ebenfalls Erfolge feiern. Im April des Jahres gewann der Kanadier ein €10.300 High Roller der European Poker Tour Berlin für €429.000. Darüber hinaus gewann er 2014 die Erstauflage des PokerStars Shark Cage für $1 Million und erwischte im gleichen Jahr einen Deep Run im WSOP Main Event. Auf dem 90. Platz war für $72.369 Schluss.

Griffin Benger

Zusammen mit der $1 Million, die jeder November Niner für das Erreichen des Final Tables sicher bekommt, konnte Benger auch live fast $3,4 Millionen einstreichen. Damit hat Benger fast $10 Millionen mit dem Spielen eines Spiels verdient, das er vielleicht nur am zweitbesten beherrscht.

Das Leben als Poker-Profi hat aber auch seinen Preis und Benger gestand Remko Rinkema in einem Interview, das er sich ausgebrannt fühlte. Er bezeichnete die letzten Jahre als „hart“ und sagte, dass Poker einen „wirklich kaputtmacht“. Tatsächlich konnte Benger 2015 nicht an seine Erfolge aus den beiden Vorjahren anknüpfen – nur $40.000 standen am Ende des Jahres auf der Habenseite.

2016 tauchte der jetzt 31-Jährige wieder in den Poker-Schlagzeilen auf, aber das lag nicht an einem Turniererfolg. Stattdessen wollte die entstehende Global Poker League auch „E-Sports“-Zuschauer erreichen und setzte auf die Gaming-Vergangenheit von Benger. Kurzerhand wurde Benger als einer von zwei Poker-Kommentatoren an der Seite von Sam Grafton eingesetzt.

Benger hat Gefallen an seiner neuen Aufgabe gefunden und bleibt dem Live-Poker meistens fern. Vor der WSOP konnte er nur in einem Event cashen, bevor er sein Glück im Main Event auf die Probe stellte. Und das auch nur, nachdem er sich auf 888poker über ein Satellite für $1.000 qualifiziert hatte.

Griffin Benger - poker - wsop

Sein Weg zum Final Table

TagChipstandRang
1cDNR3.252/3.252
2394.50062/2.186
3967.00045/800
42.409.00024/251
59.860.0004/80
66.530.00020/27
726.175.0007/9

Wenn wir uns anschauen, wie Griffin Benger sich an den Final Table gespielt hat, ragt eine Hand besonders heraus, was das Drama, die Spannung und Wichtigkeit angeht.

Wie man in der oberen Tabelle erkennen kann, war Tag 7 des Turniers der erste seit Tag 3, an dem Benger keinen überdurchschnittlichen Stack hatte. Nichtsdestotrotz arbeitete er sich von 6,5 Millionen auf fast 20 Millionen Chips hoch, ohne auch nur einen All-in-Showdown gewinnen zu müssen. Damit befand er sich im Mittelfeld der letzten 17 Spieler.

Zu diesem Zeitpunkt lieferte sich Benger einen Schlagabtausch mit William Kassouf. Der gesprächige – manche würden auch aggressiv sagen – Engländer hatte mit seinem frechen Table Talk bereits mehr als einen Gegner zum Kochen gebracht. Nachdem Benger bei Blinds von 200.000/400.000/50.000 UTG für 875.000 eröffnet hatte, spielte Kassouf vom Hijack die 3-Bet auf 2,3 Millionen. Benger raiste wiederum auf 5,6 Millionen.

Daraufhin ging Kassouf mit {k-Clubs}{k-Spades} in den Tank und erklärte später, das er ein Schauspiel aufführte, um Benger dazu zu bringen, seinen Shove mit Damen und Ass-König zu bezahlen. Die zwei tauschten Worte aus, Benger callte die Clock und behauptete, dass Kassouf ausfallend geworden wäre.

„Er war mir gegenüber nur ausfallend,“ erzählte Benger Rinkema. „Ich hatte genug davon und stellte ihn zur Rede. Ich dachte, es sei in meinem Interesse, ihm klarzumachen, dass er sich schlecht benimmt.“

Kassouf pushte seine 13,45 Millionen endlich, als die Clock herunterzählte. Benger hatte einen einfachen Snap-Call mit {a-Spades}{a-Clubs}, sprang von seinem Stuhl auf und knallte die Karten in Feierlaune auf den Tisch.

Kurze Zeit später hatte Benger mehr als 80 Big Blinds vor sich stehen. Diese gab er nicht mehr her und spielte sich mit seinem Stack an den Final Table, während sein britischer Gegenspieler den Saal verlassen musste.

Was uns erwartet

Auf dem siebten Platz befindet sich Benger von den Chipständen her in einer nicht optimalen Situation. Allerdings hat er einen der besten Seats am Tisch erwischt.

Auf seiner rechten Seite sitzt Short Stack Jerry Wong, der mit etwas mehr als 11 Millionen Chips und Blinds von 250.000/500.000/75.000 den 8. Platz einnimmt. Dass Wong vor Benger an der Reihe ist, wird Bengers Entscheidungen erleichtern – vor allem, wenn Wong früh eine oder zwei Hände verliert und „Push or Fold“ spielen muss.

Nach herkömmlicher Meinung ist es das Beste, einen weniger erfahrenen Spieler auf der rechten Seite zu haben, da Chips für gewöhnlich im Uhrzeigersinn den Besitzer wechseln. Jedoch hat es auch einen Vorteil, wenn diese Spieler links von einem sitzen: In später Position zu sein, wenn sie in den Blinds sitzen.

Obwohl mit Vojtech Ruzicka ein erfahrener Profi auf Bengers linker Seite sitzt, der abseits des WSOP Main Events bereits mehr als $1 Million in Live-Preisgeldern abräumen konnte, kommen dahinter die Wildcards Fernando Pons und Qui Nguyen. Vom gefährlichen Cliff Josephy mit seinem Deep-Stack befindet sich Benger vier Seats entfernt – und damit so weit weg wie möglich.

Was die Vorbereitung anbelangt, sollte niemand erwarten, dass Benger ein Buch in die Hand nimmt oder sich Trainings-Videos anschaut, da er beides noch nie gemacht hat. Er bezeichnete sich selbst als „überwiegend faul“, aber stellte auch fest, dass sich seine Tätigkeit bei der GPL als Segen für sein Spiel herausgestellt hat. Das hätte als Trainings-Tool gedient, von dem er nicht wusste, dass er es brauchen würde.

„Gezwungen zu sein, den besten Pokerspielern weltweit acht Wochen lang 18 Stunden die Woche aufmerksam zuzuschauen, war der ultimative Crashkurs, um wie einer der Besten zu spielen,“ sagte Benger zu Herring. „Ich bin unglaublich dankbar und glücklich, diese Gelegenheit ergriffen zu haben, weil es die beste Lernhilfe ist. Es war eine wunderbare Erfahrung.“

Zum Nachteil seiner acht Gegenspieler wird die GPL im September und Oktober weitergehen und Benger wird an seinem Spiel jeden Tag bei der Arbeit feilen.

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