Howard Lederer: "Ich übernehme die volle Verantwortung für Full Tilt’s Pleite"

Howard Lederer

Während die World Series of Poker immer näher rückt, stand die große Frage im Raum, ob Howard Lederer in diesem Jahr wieder auf die Jagd nach Bracelets geht oder nicht. Am Mittwoch-Nachmittag hat Lederer eine Stellungnahme über den Blog von Daniel Negreanu auf FullContactPoker.com veröffentlicht, die mit den Worten begann: „Ich schreibe dies, um mich bei allen in der Poker-Community zu entschuldigen.“

Im Schreiben übernimmt Lederer Verantwortung für die Geschehnisse auf Full Tilt Poker, die mit dem Black Friday am 15. April 2011 die ganze Pokerwelt erschüttert haben. Anderthalb Jahre nach diesem Tag hatte PokerNews exklusiv sieben Stunden lang mit Lederer gesprochen – die Video-Serie wird als "Die Akte Lederer" betitelt.

In diesen Videos lenkte Lederer von seiner Schuld und seinem Schaffen ab, das zu den Ereignissen geführt hätte – das gefiel der Poker-Community überhaupt nicht. Seitdem wurde Lederer in der Pokerwelt kaum gesichtet, abgesehen von einigen wenigen Ausflügen in manche High-Stakes Cashgames in Las Vegas.

Das Schreiben, das ursprünglich in Negreanus Blog auf FullContactPoker.com veröffentlicht wurde, liest sich wie folgt:

„Ich schreibe dies, um mich bei allen in der Poker-Community zu entschuldigen, vor allem bei allen Spielern, die am 15. April 2011 Geld auf Full Tilt Poker hatten. Als Full Tilt Poker im Jahre 2011 geschlossen wurde, gab es ein Defizit bei den Geldmitteln, einen verzweifelten Verkauf, um diese Geldmittel zu beschaffen, und eine lange Verzögerung, um das Geld an die Spieler zurückzuzahlen. In diesem Zeitraum gab es kaum Erklärungen für die Verzögerung, und keine Entschuldigung. Die Spieler haben sich belogen gefühlt. Sie haben der Seite vertraut, Sie haben mir vertraut, und ich habe das Vertrauen enttäuscht.

Ich übernehme die volle Verantwortung für Full Tilts Versagen, die Einzahlungen der Spieler vor dem Black Friday beschützt zu haben. Das Defizit bei den Spieler-Einzahlungen hätte niemals existieren dürfen. Ich hätte eine bessere Aufsicht betreiben sollen oder verantwortliche Personen einsetzen müssen, die diese Aufgabe übernehmen. Ich habe das Unternehmen mitgegründet, das Full Tilt gestartet hat und ich wurde in der Poker-Community zum Gesicht des Unternehmens. Viele unserer Spieler haben auf der Seite gespielt, weil sie mir vertraut haben.

Auch wenn ich das Tagesgeschäft nicht mehr beaufsichtigt habe, hat meine Unachtsamkeit in den zwei Jahren zum Black Friday geführt, der die Einzahlungen der Spieler gefährdet hat. Meine Beteiligung bei Full Tilt von 2003 bis 2008 hat mich in eine einzigartige Vertrauensposition versetzt – ein Vertrauen, das ich enttäuscht habe, als ich bei meinem Weggang im Jahre 2008 nicht Sorge dafür getragen habe, dass Full Tilt ordentlich geführt wird. Mein Versagen, vor meinem Weggang eine ordentliche Aufsicht sicherzustellen, hat zu der Situation geführt, die mit dem Black Friday offengelegt wurde. Die Spieler hatten für mindestens eineinhalb Jahre keine Möglichkeit, ihr Geld zurückzubekommen und viele mussten sogar noch viel länger warten. Ich war mein ganzes Leben als Erwachsener ein Pokerspieler. Ich weiß, wie wichtig es ist, auf die eigene Bankroll zugreifen zu können. Die verlorene Möglichkeit, die Frustration und Angst, die viele FTP-Kunden über die Jahre erfahren haben, sind nicht akzeptabel. Ich kann mich für das, was passiert ist, nicht genug entschuldigen.

Während des Aufstiegs von Full Tilt habe ich eine Menge Lob erfahren. Ich konnte das damals nicht erkennen, aber die Schlagzeilen haben mich verändert. In den ersten Jahren nach dem Black Friday habe ich viele Ausflüchte gesucht, vor meinen Freunden, meiner Familie und vor mir selbst, warum ich nicht der Böse oder eingebildet wäre oder falsch gelegen hätte. In den Monaten, die unmittelbar auf die Krise folgten, habe ich eine Menge Energie darauf verwendet, Anschuldigen zu widerlegen, die sachlich falsch waren. Ich habe mich davon überzeugt, ein Opfer der Umstände zu sein und von den Kritikern unfair behandelt zu werden, die ihre Kritik an mich statt an andere richteten. Ich hatte das große Ganze aus den Augen verloren.

Bei meiner Hochzeit im Herbst 2014 habe ich mich mit einem Freund hingesetzt und über Full Tilt geredet. Ich hatte mich darüber beklagt, wie unfair mein Leben geworden ist. Mein Freund ließ mich nicht vom Haken. Ich umschreibe das hier, aber er sagte: „Howard, es ist egal, ob du vom Defizit gewusst hast oder was du getan hast, um die Spieler auszuzahlen. Diese Spieler glauben, dass du sie belogen hast. Du warst das Gesicht des Unternehmens in der Poker-Community. Tausende Spieler haben auf der Seite gespielt, weil sie dir vertraut haben. Viele Profis haben die Seite repräsentiert, weil sie gedacht haben, dass du die Kontrolle ausübst. Und du hast die Auszeichnungen freudig akzeptiert, während du ihr Vertrauen enttäuscht hast.“

Zu dieser Zeit fühlten sich die Aussagen meines Freundes wie ein Schlag ins Gesicht an, aber inzwischen weiß ich, dass er Recht hatte. Eine Entschuldigung reicht nicht aus, aber nur das kann ich der Poker-Community infolge der Tragödie anbieten, die ich hätte verhindern sollen. Es tut mir leid.“

Negreanu hat das Schreiben direkt kommentiert, zunächst mit dem Hinweis: „Ich glaube, dass viele Leute diese Art der Entschuldigung gerne vor fünf Jahren gelesen hätten.“

Negreanu wiederholt später, dass er sich gewünscht hätte, dass Lederers Stellungnahme in diesem Ausmaß früher als fünf Jahre nach dem Vorfall erfolgt wäre. Auch müsse jeder selbst entscheiden, ob er das, was Lederer zu sagen hat, akzeptiert. Negreanu fügte noch hinzu: „Ich persönlich glaube, dass die Entscheidung aufrichtig gemeint ist.“

Der Zeitpunkt des Schreibens fällt in die gleiche Woche, in der der Full Tilt-Client vollständig in die PokerStars-Plattform eingegliedert wurde, was das Ende einer Ära markiert, wie Negreanu sagte.

Was die Zukunft betrifft, kann das Schreiben als Lederers Bitte an die Poker-Community verstanden werden, dass er wieder Poker spielen will und dass es besser wäre, die Fehler in der Vergangenheit zu korrigieren, ganz gleich, wie spät es ist, um der Bitte auch Taten folgen zu lassen. Sogar Negreanu deutet an, dass das der Fall sein könnte.

„Ich glaube, dass er einfach wieder Poker spielen will, ohne ständig angegiftet zu werden,“ schrieb Negreanu. „Wird diese Entschuldigung dafür ausreichen? Das weiß ich nicht. Ich kann nur sagen, dass ich mich am Pokertisch nicht mehr von ihm gestört fühle. Die Spieler wurden bezahlt und er scheint endlich anzuerkennen und sich einzugestehen, dass er wirklich Mist gebaut hat. Ich habe kein Interesse daran, Groll gegen ihn zu hegen. Ich glaube nicht, dass wir jemals „Freunde“ werden, weil wir das niemals wirklich waren, aber der Hass, den ich einmal für ihn empfunden habe, ist abgeklungen und ich würde dieses Kapitel meines eigenen Lebens auch gerne abschließen.“

Hier klicken, um den ganzen Post von Negreanu zu lesen.

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