Global Poker League Draft Analyse: Überraschungen, Gewinner & Verlierer

Letzte Woche Dienstag wurde der Global Poker League Draft durchgeführt, als die 12 Team-Kapitäne ihre Mannschaften im SLS Hotel in Beverly Hills in Kalifornien zusammengestellt haben. Max Pescatori von den Rome Emperors war als Erster an der Reihe und wählte Mustapha Kanit als Nummer 1 in sein Team. Danach wurden die restlichen Plätze einer nach dem anderen gefüllt.

Im Verlaufe der fast fünfeinhalb Stunden langen Veranstaltung war genügend Raum für Aufregung, überraschende Entscheidungen und sogar für ein paar brüskierende Momente. PokerNews hat sich die Mühe gemacht, die Ergebnisse zu analysieren – also legen wir los.

Rome EmperorsMontreal NationalsNew York Rounders
Mustapha KanitMike McDonaldJason Mercier
Dario SammartinoMartin JacobsonTom Marchese
Timothy AdamsPascal LeFrancoisKevin MacPhee
Walter TreccarichiXuan LiuJason Wheeler
   
San Francisco RushLas Vegas MoneymakersSao Paulo Metropolitans
Phil GalfondAnthony ZinnoDarren Elias
Tony GreggJonathan DuhamelByron Kaverman
Kitty KuoJake CodyThiago Nishijima
Anton WiggJonathan LittleJoao Pires Simao
   
London RoyalsMoscow WolverinesLA Sunset
Igor KurganovDzmitry UrbanovichFedor Holz
Vanessa SelbstVladimir TroyanovskiyOlivier Busquet
Chris MoormanAndrey PateychukEugene Katchalov
Justin BonomoSergey LebedevChance Kornuth
   
Berlin BearsParis AviatorsHong Kong Stars
Brian RastBertrand GrospellierWeiyi Zhang
Sorel MizziDavidi KitaiRaiden Kan
Dominik NitscheGeorge DanzerDong Guo
Jeff GrossMike LeahBryan Huang

Die größten Überraschungen

1. Kein Antonio

Von Beginn an haben sich einige Sachen als große Überraschungen herausgestellt. Die erste war eine Ankündigung kurz vor Draft-Beginn, als sich Antonio „The Magician“ Esfandiari von der Liste der wählbaren Spieler streichen ließ.

Unter Berücksichtigung der Draft-Philosophie und Strategie, die ich angewendet hätte, wäre Esfandiari meine erste Wahl gewesen. Als ich mich mit dem Draft beschäftigt habe, verwarf ich die Idee, die Spieler nach ihren Fähigkeiten zu sortieren. Mein Grund dafür war, dass alle wählbaren Spieler genügend Poker-Fertigkeiten mitbringen sollten, um in den Events der GPL zu bestehen. Das lag zum Teil auch daran, weil die Events – soweit ich das verstanden habe – keine ewig langen Veranstaltungen mit perfekten Turnier-Strukturen sein werden. Diese Events sollen den Thrill und die Unterhaltung transportieren – mit 08/15-Events können Sie Poker nicht „sportifizieren“. Mit diesem Wissen hätte ich mich beim Draft tendenziell stärker auf vermarktbare Charaktere mit Persönlichkeit konzentriert, um die Zuschauer für mich zu gewinnen.

Als bekannt wurde, dass Esfandiari draußen war, war ich extrem überrascht. Abgesehen davon, dass er die perfekte Wahl für jedes Team war, fügte sich Esfandiaris Charakter auch wunderbar in das Spiel der GPL ein. Er lässt sich vermarkten, ist aufgeschlossen, hat kein Problem damit, sich ein bisschen in Szene zu setzen, wenn die Kameras laufen, und ist ein Spieler, auf den das Publikum stark reagieren wird.

Ich war mir sicher, dass Esfandiari einige Plätze später als Nummer 4 in die Hände von Faraz Jaka und den San Francisco Rush fallen würde. Mit Esfandiaris Verbindung zur Bay Arena hätte er sich hervorragend geeignet.

2. Die Wahl von Darren Elias

Ich bin nicht sicher, ob ich mehr darüber überrascht war, dass Darren Elias so früh gewählt wurde, nämlich als Nummer 6 insgesamt, oder über die Tatsache, dass Andre Akkari ihn für die Sao Paulo Metropolitans verpflichtet hat. In jedem Fall hat mich die Kombination regelrecht vom Hocker gehauen. Bei diesem Pick war ich mir todsicher, dass die Entscheidung offensichtlich auf Felipe „Mojave“ Ramos fallen wird. Ich dachte, dass Akkari den Laden brasilianisch halten und auf die Vermarktung in Brasilien abzielen würde – für beides wäre Ramos die ideale Wahl gewesen.

Für meine Begriffe passt Elias überhaupt nicht in das Konzept, das ich als Team-Kapitän verfolgen würde. So ein hervorragender Spieler Elias auch ist: Ich konnte in seinen bisherigen Events einfach niemanden erkennen, der so kontaktfreudig ist, dass er das Publikum in seinen Bann ziehen könnte, schon gar kein brasilianisches.

Diese Entscheidung war eine große Überraschung, sowohl, was den Zeitpunkt betrifft, als auch das Team, das ihn ausgesucht hat.

3. Selbst stürzt ab

Wie ich bereits erwähnte, stand Esfandiari für mich an der Spitze des Drafts für das GPL-Format, aber Vanessa Selbst kam gleich an zweiter Stelle. Ich habe mir einige Teams ausgemalt, bei denen sie in der ersten Runde landen könnte, aber niemals hätte ich erwartet, dass sie so lange darauf warten muss, ihren Namen zu hören.

Falls Brynn Kenney sie trotz ihrer Verbindung zum Big Apple nicht zu den New York Rounders holen würde, dann würde Chris Moneymaker seine Team PokerStars Pro-Kollegin doch mit Sicherheit auswählen, richtig? Falls sich beide Teams gegen sie entscheiden sollten, könnte Akkari Ramos auslassen, um ihn etwas später ins Team zu holen, und sich Selbst aus den gleichen Gründen wie Moneymaker schnappen. Falls Selbst tatsächlich noch weiter in Ungnade fallen sollte, hätte ich darauf gewettet, dass Maria Ho zupackt und sich den Top-Pick sichert. Wie sich allerdings herausstellte, musste sich Selbst bis zur zweiten Runde gedulden.

Als Liv Boeree in der zweiten Runde wieder an der Reihe war und Selbsts Name immer noch zur Auswahl stand, wie konnte sie nein sagen? Ich habe nach dem Pick mit Boeree gesprochen und sowohl sie als auch Igor Kurganov, ihr Lebensgefährte und ihre Wahl in der ersten Runde, sagten, dass sie Selbst bereits abgeschrieben hatten, weil keine Möglichkeit bestehen würde, dass sie ihnen in der zweiten Runde in die Hände fällt. Genau das war aber der Fall, und Boerees London Royals-Team hat den anderen ein Schnippchen geschlagen.

Wer wurde brüskiert?

1. Die GPL

Der erste Punkt geht Hand in Hand mit meiner Nummer 1-Überraschung: Als bekannt wurde, dass Esfandiari nicht länger für den Draft zur Verfügung steht, musste ich daran denken, wie sehr der gesamten Global Poker League vor den Kopf gestoßen wurde. Diese Liga wurde für Spieler wie Esfandiari gemacht und – vielleicht sogar noch wichtiger – die Liga braucht Spieler wie Esfandiari.

2. Fatima Moreia de Melo

Fatima Moreia de Melo ist über die Poker-Grenzen hinweg beliebt, und ich glaube, das ist etwas, worauf die Manager der GLP großen Wert legen mussten. Mit Moreia de Melos Bekanntheit als niederländische Top-Hockey-Spielerin, die bei der Olympia 2008 in Beijing eine Gold-Medaille erringen konnte, mit ihrer freundlichen Persönlichkeit und mit ihrer Bereitschaft, alles für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit zu geben, schien sie wie eine selbstverständliche Wahl – insbesondere für ihre Kollegen aus dem Team PokerStars.

3. Felipe „Mojave“ Ramos

Ich kratze mich immer noch am Kopf, wie er nicht für die Sao Paulo Metropolitans gewählt werden konnte. Stellen Sie sich eine perfekte Welt vor: Wie überaus cool wäre es gewesen, wenn Akkari Ramos verpflichtet hätte, der selbst eine große Fangemeinde hinter sich versammeln kann, und Akkari dem Draft zum Durchbruch verholfen hätte, indem er niemand anderen als Neymar für die Wildcard gewinnen kann. Können Sie sich das ausmalen?

4. Jason Mo, Justin Schwartz und David Tuthill

Wir können hier eine Menge über die Wrestling-Welt lernen. Bevor Sie mich auslachen, müssen Sie mich glaube ich zunächst anhören.

Nur „die Guten“ zu haben ist eine schlechte Sache. Ganz gleich, ob Sie ihren eigensinnigen Persönlichkeiten etwas abgewinnen können oder sie ablehnen, alle drei Spieler (Jason Mo, Justin Schwartz und David Tuthill) polarisieren extrem und können als Bösewichte der GPL aufgebaut werden. Ich denke, Sie wählen sie aus, Sie feuern sie nach Belieben auf andere Teams und Spieler ab, und Sie zelebrieren es. Das ist der springende Punkt. Die Global Poker League braucht ein Team, dass „die Bösen“ beherbergt – schroff, frech und laut eben.

5. Justin Oliver

Meiner Meinung nach hatte sich Justin Oliver den Draft verdient, schon allein auf Grund seiner Bereitschaft, sich für die GPL zu vermarkten. Oliver versuchte sich in der Hoffnung, für den Draft in Frage zu kommen, besonders anzustrengen, aber ich bezweifle, dass das Ende der Fahnenstange hier bereits erreicht war. Ich bin mir nicht sicher, dass allzu viele gewählte Spieler ähnliche Mühen wie Oliver auf sich nehmen werden, um sich, ihr Team und die Liga voranzubringen. Deshalb meine ich, dass er schroff abgewiesen wurde.

6. Mohsin Charania

Als guten Freund von Jaka hatte ich fest damit gerechnet, dass Mohsin Charania dem San Francisco Rush angehören wird. Charania kann ein ausreichend großes Resümee vorweisen, um die Auswahl gewinnen zu können. Zumal das Team die Beziehung der besten Freunde Charania und Jaka wunderbar ausspielen könnte.

Wer hat den Draft „gewonnen“?

Wenn ich daran denke, wer den Draft „gewonnen“ hat, schaue ich nicht unbedingt auf die Teams, die die größten Poker-Talente ihr Eigen nennen, die dann auch die Liga gewinnen könnten. Ich glaube nämlich nicht, dass das der wichtigste Gewinn für die Global Poker League ist, auf das sich die Teams in der ersten Saison konzentrieren sollten. Das Ziel sollte darin bestehen, am Markt zu bestehen und die Zielgruppe zu gewinnen, nicht die Liga. Wenn Sie das erste nicht schaffen, wie soll die Liga dann erfolgreich werden? Wenn Sie den Markt und das Publikum nicht für sich einnehmen können, wird die GPL nicht funktionieren.

In diesem Sinne würde ich meinen, dass die London Royals den Draft „gewonnen“ haben, aber das resultiert hauptsächlich aus der Tatsache, dass Selbst ihnen in der zweiten Runde in den Schoß gefallen ist. Zudem gefällt mir das Gespann Boeree und Kurganov. Es ist kein Geheimnis, dass die beiden eine Beziehung miteinander haben und ich glaube, dass sich das auf das Team sehr positiv auswirken könnte. Hoffentlich kann es als Anreiz für andere Paare dienen, die sich für Poker interessieren. Selbst dann, wenn die eine Hälfte des Paares mehr Interesse daran hat als der andere Part. Wir alle wissen, dass wir uns wegen unserer Partner mit Dingen beschäftigen, die für uns vorher keine Rolle gespielt haben – und das könnte genau dazu führen.

Chris Moorman ist im Online-Poker der größte Gewinner. Wer sich im virtuellen Gefilde heimisch fühlt und zu Moorman wie zu einer Legende aufblickt, fühlt sich aus diesem Grund zum Team hingezogen. Darüber hinaus harmoniert er wunderbar mit Boerees Team, weil er aus England stammt und somit eine nationale Stütze darstellt.

Justin Bonomo ist ein hervorragender Spieler, aber ein ebenso interessanter Charakter. Das Team sollte darum wissen, dass sie sich um die eingefleischten Poker-Liebhaber nicht bemühen müssen. Die allseits bekannten Namen übernehmen diese Aufgabe bereits, daher sollten sie bei dem Teil der Zuschauer Widerhall finden, der weniger mit Poker zu tun hat, den weniger Hartgesottenen. Dafür würde ich Bonomos ganze Geschichte erzählen. Ich würde nicht die Probleme auslassen, die Online-Poker für ihn in der Vergangenheit darstellte. Vielmehr können diese Probleme eingesetzt werden, um zu verdeutlichen, dass Menschen Fehler machen, von ihnen lernen und an ihnen wachsen können. Das ist, was am meisten zählt. Bonomo scheint all diese Phasen durchlaufen zu haben und wird heute zu den besten Spielern gezählt. Das würde ich mir ausdenken.

Wer hat den schlechtesten Draft erwischt?

Bei dieser Frage schwankte ich zwischen den Hong Kong Stars und den Sao Paulo Metropolitans. Ich hoffe wirklich, dass ich falsch liege, weil Brasilien und Asien als Märkte großes Potenzial haben.

Ich habe mich bereits darüber ausgelassen, warum mir die Wahl von Elias nicht gefallen hat, aber ich bin genauso wenig ein Fan von Byron Kaverman. Mit dieser Wahl hat sich Akkari offenbar an den Rankings des Global Poker Index orientiert, der Kaverman am 31. Dezember 2015 als Nummer 1 führte. Kaverman ist extrem still am Tisch, nimmt sich unglaublich viel Zeit für jede Entscheidung und ist aus Amerika, nicht aus Brasilien. Diese Wahl richtet sich gegen alles, was ich getan hätte.

Thiago Nishijima ist der einzige Hoffnungsschimmer des Teams für mich, und ich gebe zu, dass ich Nishijima in meinem Pseudo-Draft bereits bei den Sao Paulo Metropolitans verortet hatte. Joao Pires Simao hatte ich allerdings nicht auf dem Schirm, und Sie können wahrscheinlich an einer Hand abzählen, wie viele Leute ihn mit seinem Namen in Verbindung gebracht haben. So ein guter Spieler Simao auch sein mag, ich hätte mir für seinen Platz viel lieber einen Spieler wie Ramos gewünscht, der sich anständig vermarkten lässt.

Wenn ich meine Analyse so fortführe, wie ich den Draft von einem philosophischen Gesichtspunkt aus angegangen wäre, müsste ich auch die Hong Kong Stars als „Verlierer“ aufführen. Ich glaube, man kann mit Sicherheit sagen, dass niemand den Draft für dieses Team vorhersagen konnte und beim Draft-Vorgang spielte sich beim Wildcard-Team alles ab wie erwartet. Allerdings machte es den Anschein, als ob Celina Lin genau die Spieler wählen konnte, die sie für ihr Team auserkoren hatte.

In einem Interview vor dem Draft mit PokerNews sagte Lin: „Als Spielerin verstehe ich, wie aufregend das Pokerspiel ist, aber als Team-Kapitän in der GPL habe ich das Gefühl, dass es mit am wichtigsten ist, Poker wachsen zu lassen. Ich will den nächsten Schritt machen und etwas Größeres aufbauen. Als ich aufgewachsen bin, habe ich viele verschiedene Spiele gespielt. Ich freue mich, dass ein Markt für professionelle Gamer existiert, was sehr ähnlich wie das Dasein als Pokerspieler ist. Ich glaube, dass die GPL einer der Bausteine ist, um aus Poker noch mehr einen Sport zu machen.“

Ich applaudiere Lin für den Ansatz, auf die Vermarktbarkeit der Team-Mitglieder abzuzielen, aber ich bin mir einfach nicht sicher, wie sich diese vier Spieler weltweit vermarkten lassen. Die Spieler haben vielleicht enge Verbindungen zu Asien und E-Sport, aber ich glaube, dass sie das Potenzial ihres Teams verschenkt, wenn sie bei ihrer Auswahl derart selektiv vorgeht.

Offene Wildcards

Nicht jedes Mitglied der Global Poker League-Teams hat sich bereits entschieden, und als nächstes folgen die Wildcards aller Teams. Jeder Team-Kapitän muss zwei weitere Wildcards verteilen, die dem Team angehören werden. Zu erwarten ist, dass sich die 12 Kapitäne allesamt selbst in ihre Mannschaften wählen, was eine Wildcard übrig lässt. Die Teams erhalten einige Wochen Zeit, um ihre Wildcards klug zu verteilen – und wenn das geschehen ist, wird PokerNews Sie darüber informieren. Bleiben Sie also am Ball.

Für mehr Informationen über die Global Poker League, klicken Sie hier.

*Foto von American Poker Awards/revolutionpix Incorporated.

Name Surname
Donnie Peters

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