Höhen, Tiefen & mehr: Interview mit Daniel Carter, Teil 2

Daniel Carter

Teil 1 des exklusiven Interviews mit Daniel Carter konzentrierte sich auf die frühe Phase seiner 10-jährigen Poker Karriere, sein gescheitertes Unternehmen sowie die Diagnose und seinen Kampf gegen Depressionen. Teil 2 setzt nun seine Geschichte fort.

Seit dem Wechsel zu den Online Pokerturnieren verdiente Carter beständig Geld damit. Es war zwar in seinen Augen keine große Menge Geld, so um die $40.000 pro Jahr, da er große Schulden hatte und nur zwischen 50 und 75 Prozent der Gewinne aufgrund des Staking Deals sah.

Nach einigen frühen Staking Deals tat sich Carter mit seinem britischen Grinderkollegen James Atkin zusammen. Carter hält große Stücke auf Atkin, sowohl als Poker Spieler als auch als Freund.

James half mir zu erkennen, wie weit ich im Poker noch zurücklag.

"James half mir zu erkennen, wie weit ich im Poker noch zurücklag," sagte Carter, "James ist in Turbos und Sit-and-Gos wirklich gut, und ich hatte keine Vorstellung von Push Fold Ranges und all diesen Dingen, was absurd ist, wenn man bedenkt, dass ich bereits seit 10 Jahren mit dem Spiel meinen Lebensunterhalt bestreite."

Atkin bot auch eine gewisse finanzielle Unterstützung für Carter, weil er wusste, dass er mit Schulden zu kämpfen hatte. Carter spricht in den höchsten Tönen von Atkin - jemanden, von dem Sie sich nur wünschen können, ihm im Leben zu begegnen.

Mit dem $40,000 Gewinn kam die Wende

Die 2015 Turbo Championship Of Online Poker (TCOOP) erwies sich für Carter als Wendepunkt, der in einem Event den vierten Platz für rund $40,000 belegen konnte. Nachdem er mehrere Schulden bezahlt hatte, verblieben Carter noch $5,000 und er entschloss sich, es von nun an mit eigenem Geld zu versuchen. Doch dies war nur von kurzer Dauer.

Ich verlor diese $5,000, weil es offenbar nicht genug Geld war, um es auf eigene Faust in Turnieren zu schaffen.

Carter wurde daraufhin für kurze Zeit von John Eames und Mathew Frankland gestaked, zwei der Top Poker Talente von Großbritannien. Etwa fünf Wochen nachdem der Deal begonnen hatte, gewann Carter das Big $109 auf PokerStars, wonach Eames "mir im Scherz dankte, pleite zu sein und ihm dadurch einiges an Geld einbrachte!"

Dann kam der nächste Schritt in seiner Karriere, der Schritt, von dem er sagt, dass er sein Spiel auf eine ganz neue Ebene brachte und der Grund dafür, warum er mehr als glücklich ist, über 50 Prozent seiner Gewinne abzugeben.

"Ich tat mich mit Patrick Leonard zusammen, der eine große Gruppe von Studenten hatte. Es war ein viel besserer Deal für mich, wenn auch nicht in Bezug auf die Prozente," sagte Carter. "Ich erhielt eine Menge Coaching, Gruppensitzungen und Einzeltraining, und nun spiele ich höhere Stakes, wozu ich vorher nicht in der Lage war."

Vor dem neuen Deal dachte Carter, der beste Weg um im Poker Geld zu machen, wäre 20 Tische Low Stakes Turniere zu starten und "all den Fisch zu schlagen." Dies war eine Methode, die zwar bis zu einem gewissen Grade funktionierte, mit der er jedoch nicht sein Talent entfalten konnte.

Wenn Sie sich die Spitze des Leaderboards auf PokerStars anschauen, dann sind diese Spieler nicht unbedingt die allerbesten.

"Wenn Sie sich die Spitze des Leaderboards auf PokerStars anschauen, dann sind diese Spieler nicht unbedingt die allerbesten," behauptet Carter. Er fügte hinzu: "Dies sind gute Spieler, die eine anständige Menge Geld machen, doch ihr Return on Investment (ROI) ist sehr klein und sie müssen eine absurde Menge Poker spielen, um dieses Geld zu verdienen."

Dieses Spielvolumen ist etwas, das Carter nicht sonderlich anspricht.

Nun spielt Carter nicht mehr als neun Tische, das Spiel macht ihm mehr Spaß und er begeht weniger Fehler. Trotz des reduzierten Spielvolumens erzielte Carter einige fantastische Resultate, die ihm neues Selbstvertrauen und eine ordentliche Bankroll verschafften.

"Ich hatte mein erstes Einzeltraining zu Beginn des Monats und war bereits ungefähr $13,000 oder $14,000 im Make-up (das Geld, welches dem Backer zusteht, wenn der Spieler im Minus ist)," erklärte Carter.

Crush Mode

Am nächsten Tag war Carter im "Crush Mode", wie er es bezeichnete, und konnte scheinbar nicht verlieren. Die sechs Gewinne in neun Tagen machten PokerNews auf Carter aufmerksam und führten zu diesem Interview.

Eine tödliche Kombination von gutem Spiel und einem glücklichen Lauf — Carter gewann 10 seiner letzten 10 Turniere, in denen er die letzten Drei erreichte – erbrachte einen Jahresprofit von über $100,000, und wir stehen erst bei der Hälfte. Dazu kommt noch, dass die World Championship Of Online Poker (WCOOP) vor der Tür steht.

Auch wenn Carter den Turnierplan für die WCOOP noch nicht endgültig mit seinem Backer festgelegt hat, hofft er doch auf einige Shots, und zwar nicht nur in den Holdem Events.

"Ich mag die Mixed Games," sagte Carter mit einem Lächeln. "Du kannst sie wie Holdem studieren und gut darin sein, mit der Ausnahme von PLO vielleicht, wo es sehr viele gute Spieler gibt. Ich habe bereits sehr viele Mixed Games mit Freunden und online gespielt, und auch einige während der TCOOP und WCOOP, weil viele der guten Regulars sich nicht mit ihnen befassen."

Trotz seiner jüngsten Erfolge auf dem virtuellen Filz behält Carter seine Füße fest auf dem Boden. Seine Erfahrungen aus der Vergangenheit, um seine Existenz zu kämpfen, sind eine bleibende Erinnerung für ihn.

"Ich bin sehr glücklich, in meiner jetzigen Lage zu sein, so dass ich sie nicht für selbstverständlich ansehe", sagte er.

Eine der letzten Fragen, die wir Carter gestellt haben war, wie er es geschafft hat, den Test der Zeit zu überstehen und ob die Spiele tatsächlich immer härter von Jahr zu Jahr werden.

"Der Hauptunterschied ist, dass man vor zehn Jahren für den Erfolg nur ein wenig clever und lernbereit sein musste," sagte Carter. "Die meisten Leute spielten preflop wirklich sehr passiv und post-flop tight, und ich machte eine Menge Geld, indem ich viele Hände spielte und zu 100% Continuation Bets setzte. Etwa vor sechs Jahren begannen die Spiele härter zu werden, aufgrund der vielen im Internet verfügbaren Informationen, mit denen die Freizeitspieler die Spielweisen der besseren Spieler leicht kopieren konnten."

Was bringt die Zukunft für Carter und seine Pokerkarriere? Er wird nicht viel Coaching anbieten, weil er es genießt zu spielen, er würde aber zurückkehren, wenn die richtigen Schüler kämen. Bis dahin gilt es für den Cheltenham Grinder viel zu spielen und noch mehr zu lernen.

"Ich habe erkannt, wo ich nun einige der besten Trainer der Welt um mich herum habe, dass es noch so viel zu lernen gibt und wie diese großartigen Spieler immer noch Fragen im Poker stellen," sagte er. "Ich muss mit dieser Einstellung zum Poker fortfahren, um auch weiterhin Geld zu verdienen."

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Name Surname
Matthew Pitt

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