Interview mit Stephan Kalhamer zum Thema Boris Becker

stephan kalhamer

hannover.contex hat mit Pokercoach Stephan Kalhamer gesprochen. Thema war Tennislegende, Pokerspieler und Djokovic-Coach Boris Becker.

Welche Erfolgsgeheimnisse teilen die Tenniswelt und der Pokersport?

Hier das Interview:

Herr Kalhamer, Sie sind Pokercoach und Unternehmensberater – und trotzdem, oder vielleicht sogar deshalb, schauen Sie gerne nach rechts und links in Richtung anderer Sportarten. Was halten Sie eigentlich von Boris Becker?

Als Mensch? Als Tennisspieler? Als Pokerspieler? Als Coach? Wie meinen Sie das?

Machen Sie es doch nicht so kompliziert. Wie ist Ihr Eindruck von diesem Mann?

Er hat jedenfalls eine Qualität, die ihm in allen genannten Bereichen hilft: Er hat keine Angst – und er hat die Bereitschaft, ins Risiko zu gehen. Er zeigt dem Gegner, dass dieser quasi schon vor Beginn der Partie verloren hat, dass es nur ihn – also Becker – als Gewinner geben kann. Das strahlt er aus. Davon ist er überzeugt - und das hilft ungemein.

Becker ist meiner Erinnerung nach jedenfalls einer der ersten Sportler, der das Mentale in den Vordergrund gestellt hat.

Ja, er nutzte bereits sehr früh die mentale Stärke, gepaart mit der Taktik. Das erleben wir heute im Fußball auch: Viele Spiele werden schlichtweg im Kopf entschieden - und daher auch von Trainern, die in der Lage sind, sich neuen Situationen anzupassen und von Spielern, die in der Lage sind, diese Anforderungen umzusetzen. Da war Becker sicherlich – ob bewusst oder unbewusst – ein Vorreiter.

Wie ist die Qualität von Becker als Pokerspieler einzuschätzen?

Das kann ich nicht beurteilen, dafür habe ich zu wenig von seinem Pokerspiel gesehen.

Ok – dann anders herum: Gibt es eine Verbindung zwischen dem Tennis-Profi Becker und dem Pokerspiel? Hat er sich zufällig dafür entschieden oder passt das irgendwie?

Nein, das ist kein Zufall. Das Bedürfnis sich im Wettkampf messen zu wollen, diese Kombination aus Taktik, Geschicklichkeit und Mut, das passt natürlich zu Becker. Außerdem glaube ich, dass sich Menschen wie er bewusst solche Sportarten aussuchen. Beim Tennis beispielsweise wird ein Mann, der die selbe Spielstärke besitzt wie eine Frau, allein wegen der Physis meistens triumphieren – das spielt beim Poker keine Rolle. Damit will ich sagen, dass Becker eine neue Herausforderung gesucht hat.

Dazu passt ja auch, dass er sich nun als Trainer engagiert. Auch eine neue Herausforderung? Was glauben Sie, was er einem Weltklassespieler wie Novak Djokovic mitgeben kann?

Er hat all das zu geben, was ihn als Spieler ausgezeichnet hat. Das, was auch beim Poker oder Fußball entscheidend ist: Es gewinnt beim Tennis nicht derjenige das Match, der die meisten Punkte erzielt. Es gewinnt beim Fussball nicht die Mannschaft mit der besten Zweikampfquote. Es gewinnt auch nicht derjenige das Pokerturnier, der die meisten Hände gewinnt. Man muss die entscheidenden Punkte, Zweikämpfe und Hände gewinnen. Um diese Sinne zu schulen, ist Becker vermutlich der perfekte Coach: Er war immer in der Lage, sich auf die entscheidenden Situationen zu fokussieren.

Klingt am Ende alles sehr egoistisch.

Das ist es auch. Man muss das nicht schönreden. Man hat eine große Verantwortung. Man muss sich bewusst sein, dass es um einen professionellen Sport geht. Man sollte immer hinschauen, ob man das verantworten kann. Das ist am Ende ein ganz gefährlicher Stoff. Nur: Wenn Becker den Gegner im Tennis nicht besiegt, versucht es ein anderer – und wenn man beim Poker dem Gegner die Chips nicht abnimmt, versucht es ebenfalls ein anderer. Ich gewinne, gerade wenn ich Egoist bin – nur sollte man im Privatleben davon Abstand nehmen.

Was heißt das unterm Strich?

Konzentration, Vorbereitung und die Gedanken auf die wesentlichen Situationen zu fokusieren ist heute wesentlicher Erfolgsfaktor für Entscheidungen an der Spitze.

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