Was macht ein Poker Weltmeister nach einem $10 Millionen Gewinn?

Martin Jacobson

Martin Jacobson war einer der beliebtesten Gewinner des World Series of Poker Main Event der jüngsten Vergangenheit. Es wurde so viel gesagt und geschrieben über seinen nahezu perfekten Auftritt am Final Table im vergangenen November und er wurde sogar mit dem Titel "Tournament Performance of the Year" bei den European Poker Awards letzte Woche ausgezeichnet.

Aber genug von den Karten, denn es gibt zwei Fragen, die alle beschäftigen – was macht man mit seiner Zeit nach einem solchen Gewinn und wie schafft man es, $10 Millionen auszugeben?

Jacobson hat trotz vollem Terminplan Zeit gefunden, um mit PokerNews zu sprechen, kurz nachdem er beim EPT Malta €10,300 High Roller ausgeschieden war.

PokerNews: Erzähl uns, wie du die ersten 24-48 Stunden nach deinem Main Event Sieg verbracht hast.

Jacobson: Direkt nachdem ich gewonnen hatte, war es ein wirklich komisches Gefühl. Ich war so sehr auf das Turnier konzentriert, dass es schwer war umzuschalten und direkt mit Feiern anzufangen. Ich brauchte einige Stunden um runterzukommen und zu relaxen, aber in der ersten Nacht feierte ich mit allen, die an meiner Rail waren. Das Rio hatte uns die Palazzo Suite mit einer Open Bar zur Verfügung gestellt. Die Suite hatte sieben Schlafzimmer, einen Kamin und all diese schönen Dinge.

Das hat viel Spaß gemacht und am nächsten Abend waren wir Essen im Mandalay Bay, bevor wir in den Light Nightclub gegangen sind, wo dann die richtige Party losging. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich alles schon viel mehr sacken lassen und einer der Mitarbeiter des Clubs, der als Host arbeitete, war ein Freund von einem Freund und er ließ die finale Hand auf den riesigen Bildschirmen laufen. Sie zeigten sie sogar zwei Mal, das war schon wirklich cool. Es war auch insgesamt anders, denn im November in Las Vegas zu sein ist man ja eigentlich nicht gewohnt und alles ist viel ruhiger und relaxt. Es war ein komisches Gefühl, eine Zeit lang mit meiner Familie im Club zu sein, mit meiner Mutter zu feiern. Ein komisches aber sehr spaßiges Erlebnis.

Bist du danach dann erst einmal in den Urlaub gefahren?

Ich blieb noch etwas länger in Vegas als erwartet, da ich mich noch um einige Dinge kümmern musste. Ich gab in der Woche direkt zahlreiche Interviews und der Plan war es, dann zum Seal Beach nach Kalifornien zu gehen, wo ein Freund von mir ein Haus hat; dort wollte ich ein oder zwei Wochen bleiben und runterkommen. Meine Freundin und ich taten dies dann auch und entspannten uns für einige Zeit bevor wir dann für eine Woche nach Mexiko gegangen sind, was wirklich toll war.

Es waren nur wir beide und es war etwas, das ich wirklich gebraucht hatte. Denn selbst als wir in LA am Seal Beach waren, was eher wie ein kleines Dorf circa 40 Minuten außerhalb der Stadt ist, hab ich dennoch einige Interviews gegeben. Es war eine ziemlich stressige Zeit für mich und es war einiges los und viele Menschen wollten mit mir sprechen.

Auch war dies alles natürlich immer noch sehr emotional für mich, also war es wirklich toll, nach Mexiko zu gehen, wo ich keine Interviews oder Ähnliches geben musste – ich schaltete einfach ab und entspannte mich eine Woche lang am Strand, bevor ich wieder nach Hause ging um weitere Interviews zu geben.

Wie war die Zeit der Weihnachtsfeierlichkeiten für dich?

Weihnachten war dieses Jahr ziemlich entspannt. Ich feierte in London und die Hälfte meiner Familie kam vorbei. Meine Mutter und mein Vater leben getrennt, also kam mein Vater dieses Jahr zu Besuch. Angelicas (Jacobsons Freundin) Eltern sind ebenfalls getrennt lebend, also kam ihre Mutter vorbei und wir alle hatten ein entspanntes Weihnachten zu Hause in London.

Wir alle wissen, dass du ein großer Mixed Martial Arts (MMA) Fan bist und bei einem UFC Kampf in Stockholm zugeschaut hast. Erzähl uns, wie du mit diesen Jungs verwickelt bist.

Das ist eigentlich ziemlich lustig. Es gibt da einen Typen, den ich über Poker kenne, der hat eine Dokumentation mit Alexander Gustafsson (der größte UFC Star in Schweden) gemacht. Er hat für Svenska Spel gearbeitet – die staatliche Seite, die Michael [Tureniec] und Anton [Wigg] gesponsert hatte, aber er arbeitet nicht mehr dort. Jetzt ist er TV Produzent für einen großen schwedischen Kanal und er drehte diese Dokumentation.

Ursprünglich sollte [Gustafsson] einen Titelkampf bekommen, aber er verletzte sich und der Kampf wurde abgesagt und dann verletzte sich auch der Champion. In der Zwischenzeit musste Alex einige Kämpfe annehmen, die in Schweden stattfanden. Sollte er gewinnen, so würde er wieder einen Titelkampf bekommen, also stand viel auf dem Spiel.

Vor dem Kampf versuchten sie einen Hype zu kreieren und die Dokumentation sollte im schwedischen TV ausgestrahlt werden. Und als sie hörten, dass ich ein großer MMA Fan war, schlugen sie vor, dass ich in der Dokumentation dabei sein sollte. Ursprünglich sollte die Doku für den Titelkampf gemacht werden also sollte sie wesentlich größer werden und daher dachte er, ich könnte mitmachen.

Gesponsert war die Sache von Unibet, also dachten sie, dass ich eventuell einen Deal mit ihnen bekommen könnte, während ich mich auf den Finaltisch vorbereitete. Es wäre perfektes Timing gewesen, denn das Ganze sollte im Oktober stattfinden, also direkt vor meinem Final Table und ich war gerade dabei, nach San Diego zu gehen um an seinem Trainingscamp teilzunehmen, das mir dabei helfen sollte, mich vorzubereiten. Ich freute mich wirklich sehr und war dann entsprechend sehr enttäuscht, als er sich verletzte und alles abgesagt wurde.

Der Produzent erwähnte mich aber gegenüber Alex‘ Manager, da er diese Jungs sehr gut kennengelernt hatte, als er die Dokumentation drehte und er sagte, ich sollte ihn einfach anrufen und wir könnten in Stockholm abhängen. Eines Tages rief ich ihn an und es waren wirklich coole Jungs und sie gaben mir den Kontakt zu dem neuen Präsidenten der UFC Europe. Ich rief ihn an und er sagte, klar kann ich dich mit Tickets versorgen und so bekam ich zwei Ringplätze in der zweiten Reihe für mich und einen Freund.

Der Kampf fand dann Ende Januar statt also ging ich für vier Tage nach Stockholm und dort war eine Pre-Party. Es war insgesamt ein gutes Timing, denn ich gab auch einige Interviews mit schwedischen Magazinen während ich dort war. Es war ein großartiges Wochenende für mich und Kevin Stani, der ein riesiger UFC Fan ist und mein Interesse dafür geweckt hat, also war es toll, ihn mitzubringen – wirklich keine schwierige Entscheidung.

Hattest du irgendwelche anderen Begegnungen mit Prominenten seit deinem Sieg?

Als ich in LA war, traf ich Nick Diaz, der ein weiterer sehr berühmter UFC Kämpfer ist. Wie der Zufall so will, sind Mark Radoja und ich ihm an einem Montagabend vor einer Bar über den Weg gelaufen und das nächste an was ich mich erinnere ist, dass wir mit ihm Shots tranken bevor wir mit ihm auf eine After-Party gegangen sind, also hatten wir viel Spaß.

Dann wurde ich eingeladen, im Sommer in seinem Gym in Las Vegas zu trainieren, während ich die World Series [of Poker] spielte.

Kannst du uns etwas über die Patches erzählen, die du am Final Table getragen hast und über die gemeinnützigen Spenden, denen du dich verpflichtet hast?

Als ich den Final Table erreicht hatte, gab es zwei Dinge, die ich tun wollte abseits der technischen und mentalen Vorbereitungen. Ich wollte einen Sponsoren Deal und ebenso etwas Gemeinnütziges tun, denn es war eine gute Gelegenheit, die Aufmerksamkeit auf beide Dinge zu lenken.

Heutzutage ist es ziemlich schwer einen Deal mit einer Pokerseite zu bekommen, da der Markt nicht mehr so ist, wie er einmal war, zumindest in Schweden. Mich mit einer Pokerseite zu verbünden, hätte für mich sehr profitabel sein können. Sie waren diejenigen, die das meiste Geld anbieten konnten aber es war es mir nicht Wert, aufgrund der zahlreichen Verpflichtungen. Ich dachte es wäre besser, einen Sponsorenvertrag mit einem Unternehmen zu bekommen, das Spaß macht und Produkte anbietet, die ich selbst nutze. Ich schaffte es schließlich, von einer Nahrungsergänzungsfirma gesponsert zu werden, deren Produkte ich den ganzen Sommer über benutzt hatte. Sie waren ein Start-up-Unternehmen und daher auch besonders erfreut darüber, dass ich mitmachte.

Auf der anderen Seite wollte ich unbedingt mit einer Wohltätigkeitsorganisation zusammenarbeiten aber ich hatte nicht so viel Zeit, um ausreichend zu recherchieren, wie ich es eigentlich vorhatte. Trotzdem hatte ich von dieser REG (Raising for Effective Giving) Initiative gehört. Ich ging auf deren Website und informierte mich worum es ging und es schien perfekt für mich, da ich nicht die Zeit hatte, groß eigenständige Nachforschungen anzustellen. Sie analysieren hunderte von Charity-Organisationen um die effektivsten zu finden und da einige meiner besten Freunde ebenfalls involviert sind, vertraute ich auf deren Urteil. Ich hörte auf meine Intuition und entschied, dass es exakt das war, was ich tun wollte. Ich unterschrieb und verpflichtete mich, fünf Prozent meiner Gewinne zu spenden.

Wo genau wird dein gespendetes Geld hingehen?

Es läuft so, dass sie sich so viele Organisationen wie möglich anschauen, um die effektivsten zu finden, bei denen das Geld den größten Nutzen hat. Sie haben 10 bis 15 auf ihrer Website gelistet. Dann spendet man jedes Quartal etwas von dem, was man gewinnt. Wenn man nicht gewinnt, braucht man auch nicht zu spenden.

Man kann auch bestimmte Organisationen auswählen, wenn man seinen Fokus auf etwas Bestimmtes richten will. Ich beispielsweise fühle mich mehr bei Tierschutzorganisationen verpflichtet, also habe ich mich entschieden, die Hälfte des Geldes diesen zu geben und es auf viele verschiedene Organisationen aufzuteilen. Es gibt einige, die sich auf Massentierhaltung konzentrieren und versuchen, bessere Bedingungen für diese Tiere zu finden.

Die restlichen 50 Prozent gehen an eine Meta-Charity, die darauf abzielt, dass mehr Menschen sich in gemeinnützigen Organisationen engagieren. Sie veranstalten Seminare, betreiben Werbung und versuchen generell, mehr Menschen an Board zu holen. Das ist auch eine fortlaufende Verpflichtung. Jedes Quartal gebe ich fünf Prozent meiner Gewinne ab.

Abschließend wollen wir wissen, hast du dir irgendwas schönes für dich selbst gekauft?
Eigentlich habe ich nur ein Haus in London gekauft. Es ist schön, wenn man aufrüsten kann (lacht), denn London ist sehr teuer. Unsere aktuelle Wohnung ist im Untergeschoss also wird es schön sein, in Zukunft oberhalb des Bodens zu wohnen.

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Name Surname
Marc Convey

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