Wie man sich als Frau in der Pokerwelt durchsetzen muss

sandra naujoks

Ist Ihnen nicht auch schon mal aufgefallen, dass sich beim Pokern eigentlich alles immer nur um Männer zu drehen scheint? Man muss nur einmal das Bild betrachten, das die meisten Leute zeichnen würden, würde man sie dazu auffordern, eine typische Pokerrunde zu beschreiben. Die meisten würden sagen: Ich sehe ein verrauchtes Hinterzimmer einer Bar, einen runden Tisch, um den ein paar Männer sitzen, die Karten in der Hand und einen Drink vor sich an ihrem Platz. Es ist wohl auch Filmen und den Medien zu verdanken, dass wir ein solches Bild vom Poker in unseren Köpfen haben. Doch zum einen ist es nicht mehr nur das
rauchige Hinterzimmer, in dem gespielt wird, und zum anderen sind es sehr wohl auch Frauen, die sich an Pokerrunden beteiligen.

Es ist wahrscheinlich ein Eindruck, den wir aus früheren Zeiten haben. Denn noch in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts gehörte es sich für Frauen in der Regel nicht, sich überhaupt in Bars oder ähnlichen Etablissements aufzuhalten. Doch genau dies waren die Orte, an denen Pokerrunden für gewöhnlich stattfanden. Poker war wie die meisten Kartenspiele ein typisches Männerspiel, zu dem ordentlich geraucht und getrunken wurde.

Frauen wären da fehl am Platz gewesen. Wie wir wissen, hat sich das allerdings gehörig geändert, denn Frauen sind sehr wohl heute in Kneipen und an allen anderen öffentlichen Orten willkommen und solange uns das nicht komisch vorkommt, sollte doch eigentlich auch niemand etwas dagegen haben, wenn sie sich in der Pokerwelt einmischen.

Doch es ist noch ein bisschen so ähnlich wie beim Fußball, denn auch da werden Spiele mit und von Frauen eher belächelt und als nicht vollwertig bezeichnet. Wie die letzten Jahre gezeigt haben, sind Frauen aber sowohl im Fußball als auch im Poker sehr wohl in der Lage dazu, ihren Mann zu stehen und Partien zu gewinnen, sogar gegen Männer. Und die Annahmen, Frauen spielten nicht so gut Poker wie das männliche Geschlecht, dürften ebenfalls überholt sein. Profispielerinnen wie die Deutsche Sandra Naujoks haben in der Vergangenheit bereits bewiesen, dass sie den gleichen Anspruch auf Titel in der Pokerwelt haben. Umfragen zeigen zwar, dass beispielsweise die Anzahl der Spielerinnen in Online Pokerräumen wie Mansion Poker oder 32Red nicht ganz so hoch ist wie der von Spielern, doch wenn man sich einmal selber auf ähnliche Seiten begibt, fällt sehr schnell auf, dass an vielen Runden mindestens ein weiblicher Spieler beteiligt ist.

Männer, die noch dem typischen Geschlechterbild beim Poker nachhängen, fühlen sich oftmals von weiblichen Gegnern angegriffen, ohne gesehen zu haben, wie diese spielen. So als dürfte man es sich als Frau überhaupt nicht anmaßen, sich für das Kartenspiel zu interessieren. Spielt eine Frau eher zurückhaltend, also passiv, muss sie sich am Ende anhören, man habe auch gar nichts anderes von ihr erwartet, denn die Frauen wären halt doch das schwächere Geschlecht und deshalb nicht für so ein Spiel geeignet. Recht machen kann es ihnen aber auch niemand, denn wenn eine Spielerin es wagt, einen aggressiven Stil zu pflegen, wird ihr vorgeworfen, ein Mannsweib zu sein und mit ihrer offensiven Haltung die Männer am Tisch nur verstören zu wollen. Demnach ist es, egal wie man sich als Frau am Pokertisch verhält, bei den „falschen“ männlichen Gegnern nicht von Bedeutung, wie man sich schlägt, denn am Ende wird man abwertend betrachtet.

Von solchen Partien kann Profispielerin Sandra Naujoks ebenfalls ein Liedchen singen. Sie ist der Meinung, dass es Männer gibt, die Frauen grundsätzlich in ein Schema pressen wollen. Dabei gibt es weder den typisch weiblichen noch den typisch männlichen Spieler. Sowohl Männer als auch Frauen spielen manchmal passiv, andere eher offensiv. Naujoks erzählt in Interviews gerne, was ihr schon als Spielerin in einer Welt, die von Männern dominiert wird, alles passiert ist. Da wurde ihr zum Beispiel einmal hinterhergerufen, sie gehöre doch eher auf einen Laufsteg. Naujoks geht mit solchen Bemerkungen jedoch eher kühl und sachlich
um. Würde sie sich alles zu Herzen nehmen, hätte sie wohl in der Welt des Pokerns nicht lange bestehen können. Nun hält sie sich allerdings schon seit mehreren Jahren wacker in der deutschen Elite. Ein Geheimrezept dafür, wie man sich als Frau im Poker auf Dauer und erfolgreich durchsetzen kann, hat sie allerdings auch nicht. Wahrscheinlich muss dies jede Spielerin für sich herausfinden, darauf hoffen, nicht auf zu große Chauvinisten zu treffen und das gewisse Talent mitbringen, das sowohl Mann als auch Frau benötigen, um Turniere zu gewinnen.

Abschließend lässt sich wohl sagen, dass die Frauen, die sich in die Löwengrube einer Pokergemeinschaft wagen, wahrscheinlich noch lange dafür werden kämpfen müssen, eine Art Gleichberechtigung zu erlangen. Solange sich in den Köpfen der männlichen Pokerspieler nichts ändert, wird sich wohl auch an den Pokertischen nicht viel ändern. Doch wenn toughe Spielerinnen wie Naujoks weiterhin das Bild der weiblichen Pokerwelt bestimmen, sollte man sich eigentlich keine Sorgen machen.

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