Pius Heinz: "Poker ist wieder nur ein Hobby für mich"

Pius Heinz

Vor drei Jahren stand Pius Heinz an der Spitze der Pokerwelt mit dem Sieg des World Series of Poker Main Event 2011, wobei er hierfür $8.715.368 kassierte. Der Sieg öffnete neue Türen für den Deutschen, doch anstatt durch diese durchzugehen, verschwand Pius Heinz etwas aus dem internationalen Rampenlicht. In den vergangenen beiden Jahren stehen als Resultat in der Bilanz des Deutschen lediglich $8.739 an Gewinnen. Im Ergebnis ist Heinz nicht mehr länger die Nummer eins in der All-Time Money List deutscher Spieler. Was passierte als mit Heinz?

Mit Blick auf die Männer, die das WSOP Main Event in den vergangenen zehn Jahren gewonnen haben, ist es einfach, Heinz zu betrachten. Er war ein Teil der November Nine, denen auch Sam Holden, Eoghan O’Dea, Phil Collins, Ben Lamb und Martin Staszko angehörten. Viele denken aber, dass Heinz einiges vom 2010er Champions Jonathan Duhamel unterscheidet. Beide waren jung, keine US-Amerikaner und wie der Kanadier wurde Heinz ein Team PokerStars Pro. Allerdings stand der Deutsche im Gegensatz zu Duhamel nicht mehr so im Scheinwerfer Licht wie Duhamel.

Ein Jahr nach seinem Gewinn kehrte Heinz zur WSOP zurück, wo er zwei kleinere Cashes einfahren konnte, als Greg Merson der neue Main Event Champions wurde. Kurze Zeit später trennten sich die Wege von Heinz und PokerStars und der Deutsche verschwand aus dem Scheinwerferlicht des Pokerns.

Zwei Jahre später bei der European Poker Tour Wien, als die Serie das erste Mal nach drei Seasons wieder Halt in der österreichischen Hauptstadt machte, konnte ein unscheinbarer Mann – nun mit Bart und Mütze - gesichtet werden, der einen Deep Run im €1.100 Eureka Main Event hinlegte. Für den 98. Rang kassierte er €2.420. Hierfür gab es natürlich nicht die große Siegesfeier für Heinz, immerhin aber kehrte der Deutsche auf den Pokerradar zurück.

Einen Monat später gab es den nächsten Auftritt von Heinz bei der EPT Sanremo in Italien. Auf den Stufen des Casinos Sanremo erklärte Heinz, dass er nur aus einem Grunde vor Ort war – der Liebe einer Frau wegen.

“Ich mache nicht allzu viel, außer dass Leben sehr zu genießen. Ich war nie ein großer Reisender, sodass dieser Teil des Pokerns nicht so wichtig für mich ist“, erklärte Heinz, während er seine Zigarette in einer Pause des Main Event genoss. “Ich lebe in Wien, somit musste ich nicht reisen. Ich konnte sogar in meinem eigenen Bett schlafen, der Weg zur Hofburg dauerte ganze 15 Minuten, somit ist klar, dass ich das spielen werde. Sanremo spielte ich, da ich nun eine Freundin habe, die auch Poker spielt und sie musste dieses Event spielen. Also begleitete ich sie.”

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Heinz sweating Natalie Hof.

Die Frau, von der Heinz spricht, ist Friend of PokerStars Natalie Hof, die deutsche Präsentatorin der EPT in Season 8. Ironischerweise traf der medienscheue Heinz Hof erstmals, als sie nach einem Interview fragte.

“Wir trafen uns 2011, als ich im Main Event den Deep Run hatte. Unser erstes Zusammentreffen war, als ich ihr ein Interview verweigerte. Wir waren eine lange Zeit Freunde und begannen erst vor kurzer Zeit, uns zu verabreden. Bislang läuft alles großartig und ich bin wirklich glücklich.“

Heinz beende den EPT Sanremo Main Evet mit einem Deep Run, wobei er einen Call gegen Sergey Rybachenko machte, was die Pokerwelt daran erinnerte, warum er ein Weltklassespieler ist. Trotzdem stellte Heinz klar, dass seine ernsthaften Pokertage gezählt sind.

“Poker ist grundsätzlich wieder nur ein Hobby für mich geworden. Ich war ein professioneller Spieler vor dem Gewinn des Main Events und ich spielte professionell rund eineinhalb Jahre danach“, sagte Heinz. “Nun spiele ich nur, wenn ich Poker fühle und wenn ich Spaß daran habe. Falls nicht, spiele ich auch nicht. Das ist perfekt für mich. Ich fühle mich wieder glücklich, fühle keinen Druck mehr und spiele nur, wenn ich es genieße. So will ich es auch grundsätzlich künftig handhaben. Ich versuche nur das zu tun, was für mich das bequemste und glücklichste ist. Ich weiß, ich bin nicht der beste Freund der Medien, aber das ist ok für mich.“

Was denkt also Heinz über die Kommentare des WSOP Champion 2005, Joe Hachem, über die vorherigen Gewinner und ihre Rolle als Botschafter, wobei er besonders einige der jüngeren Gewinner dafür kritisierte, dass sie einen schlechten Job im Repräsentieren des Spiels tun? Heinz stimmt den eigenen Worten zufolge mit dem Australier überein, glaubt aber, dass Phil Galfonds Blog zu diesem Thema grundsätzlich die fast perfekten Gedanken ausdrückt.

“Ich kann nur für mich selbst sprechen. Ich mag das Scheinwerferlicht nicht und ich mag es nicht, in jeder Pause nach einem Interview gefragt zu werden, dass ständig Fotos von mir gemacht werden oder was auch immer“, erklärte Heinz. “Wenn jemand nach einem Foto oder einem Autogramm von mir fragte, habe ich das nie zurückgewiesen, auf der anderen Seite genieße ich das aber nicht. Ich bin lieber mit meinen Freunden zusammen.“

“Viele Male, wenn Menschen dich vom TV her kennen, begegnen sie dir als ob sich dich kennen oder sie denken, sie kennen dich, und es wird erwartet, dass du sie auch kennst“, ließ Heinz wissen. “Zumindest behandeln sie dich so, obwohl sie ja völlig Fremde sind. Das war für mich immer eine komische Situation. Deswegen verstehe ich die Ansicht von Hachem, auf der anderen Seite denke ich nicht, dass man Menschen wie den letzten Champions wie mir – die recht jung sind und ins kalte Wasser geworfen werden – vorschreiben kann, wie man sich verhält. Dein Leben verändert sich über Nacht und ich denke, es ist wirklich hart, damit umzugehen und von den Menschen zu erwarten, dass sie sofort die perfekten Botschafter werden.

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Pius Heinz

Heinz weiß, dass er nicht der beste Vertreter war, aber er kommt klar damit, da er nie nach dieser Rolle fragte. Soweit es ihn betraf, so tat er in den vergangenen Jahren, was von ihm erwartet wurde. Sobald aber der Zeitpunkt kam, wieder aus dem Rampenlicht zu treten und auf das zu fokussieren, was ihn glücklich macht, nutzte er die Chance. Peter Eastgate, der WSOP Gewinner 2008, machte dies genauso und distanzierte sich sogar mit der Auktion seines Gewinnerbracelets. Das tat Heinz zumindest nicht – oder vielleicht doch?

“In der Tat ist es derzeit nach wie vor im Haus eines Freundes, der sich das Bracelet vor zwei Jahren oder so geliehen hat und nicht zurückgab“, berichtete Heinz. “Ich weiß, dass er es immer noch hat. Vielleicht sollte ich es mal zurückholen.“

Heinz ist klar darauf fokussiert, mit seinem WSOP Gewinn eine Zukunft aufzubauen, wobei er die Details nur zögerlich teilt. Interessant ist aber natürlich sicherlich, wie es in Sachen der Pläne um eine Rückkehr an den Ort aussieht, der sein Leben veränderte: Las Vegas. 2012, im Jahr nach dem Gewinn, kehrte er für vier Wochen zurück, 2013 waren es nur noch zwei. 2014 ist er sich nicht einmal sicher, überhaupt die Reise über den großen Teich zu machen.

“Das Problem mit Vegas ist für mich ehrlich gesagt, dass es einer der übelsten Plätze ist, an denen ich je war“, erklärte Heinz. “Ich hasse die Stadt komplett. Ich denke viele Menschen verstehen mich, einige hingegen werden mich nicht verstehen. Ich glaube, dass dieser Platz für Menschen entweder ein Volltreffer oder das genaue Gegenteil ist, und für mich ist es alles andere als ein Volltreffer. Ich spiele vielleicht das Main Event, bin mir aber nicht sicher. Ich bin hin und her gerissen.“

Hin und Her, innerhalb und außerhalb des Poker Scheinwerferlichts, das ist eine Komfortzone für Heinz. Einige wie Hachem dürften das nicht mögen, aber in dieser Sache haben sie nur wenig Stimmrecht. Heinz hat $8.715.368 Gründe, das Leben zu genießen und sein WSOP Vermächtnis in fähigere Hände zu legen.

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