PokerNews Movie Review: Runner Runner mit Justin Timberlake und Ben Affleck

Runner Runner

Jeden Freitag erscheinen in den USA neue Filme in den Kinos. Am Freitag der vergangenen Woche stand nun die Premiere des mit Spannung erwarteten Poker Films Runner Runner mit den Hauptdarstellern Ben Affleck und Justin Timberlake auf dem Programm. Wer bislang noch wenig über Runner Runner weiß, der in den USA in Sachen Sprache mit einem “R” gekennzeichnet ist und auch einigen sexuellen Inhalt mit sich bringt, für den gibt es die kurze Inhaltsangabe von 20th Century Fox:

“Der Princeton Student Richie, der sich betrogen fühlt, reist nach Costa Rica, um den Tycoon in Sachen der Spielewelt, Ivan Block, mit seinen Vorwürfen zu konfrontieren. Richie wird durch das Versprechen von Block auf enormen Reichtum verführt, bis er die beunruhigende Wahrheit über seinen vermeintlichen Wohltäter kennenlernt. Als das FBI versucht, Richie dazu zu zwingen, Block zu überführen, steht Richie vor dem schwierigsten Spiel in seinem Leben: der Versuch, beide Seiten zu überlisten, ist eine große Herausforderung.“

In dem Film spielen auch Gemma Arterton, Anthony Mackie, Bob Gunton, und Sam Palladio mit. Runner Runner stammt aus der Feder der Drehbuchautoren des berühmten Films Rounders, Brian Koppelman und David Levien, und Regisseur ist zudem Brad Furman, den manch einer von Der Mandant (The Lincoln Lawyer) kennt.

Ich hatte die Möglichkeit, den Film bei der Weltpremiere in Las Vegas anzuschauen, und den Kritikern kann gesagt werden, dass der Film nicht so schlecht ist, wie vielleicht angenommen wird. Runner Runner entpuppte sich als unterhaltsamer Thriller im Katz-und-Maus-Stil, und während Poker sicherlich einer der Bestandteile des Films ist, so ist es doch über die ganze Handlung des Films gesehen nur ein minimales Bruchstück. Die Drehbuchautoren haben mehrmals darauf hingewiesen, dass Runner Runner auf keinen Fall eine Art Rounders 2 ist – und sie haben nicht gelogen. Wenn ich mich richtig erinnere, war in den 91 Minuten Filmlänge nicht eine einzige Pokerhand zu sehen.

Meine größten Vorbehalte gegenüber Runner Runner waren, dass die Poker-Industrie in ein negatives Licht gerückt wird. Der Film tat dem Poker-Business nichts Gutes (außer vielleicht den Millionen Fans von Affleck und Timberlake das Spiel näherzubringen), aber hat er auch Negatives in Sachen Poker zum Vorschein gebracht? Ich denke, es ist zu früh dafür, ein entsprechendes Fazit zu ziehen, aber meine persönliche Einschätzung ist es nicht. Der Film richtet den Fokus lediglich auf die Gier und Korruption im Online Poker Umfeld, ohne aber zu dem Schluss zu kommen, dass Online Poker selbst eine Gier und Korruption darstellte. Die Wechselwirkung ist nicht die Kausalität und ich glaube, die Filmmacher legten diesbezüglich einen guten Job hin.

Runner Runner linderte meine möglichen Bedenken mit Blick auf das Pokern sehr schnell und nachdem diese möglichen schlechten Erwartungen beiseitegeschoben wurden, bemerkte ich schnell, dass mir das gefällt, was ich da auf der Leinwand sehe. Wird der Film irgendeine bedeutende Auszeichnung gewinnen? Sicherlich nicht, aber wer nach einem unterhaltsamen Film sucht – vielleicht ein wenig übertrieben und verschönert – der dürfte zufrieden aus dem Kino kommen aufgrund des guten Drehbuches und der erstklassigen schauspielerischen Leistungen.

Affleck ist einer der gefragtesten Männer in Hollywood zurzeit und in einer bestimmten Art und Weise ist der Film eigentlich unterhalb seiner Messlatte. Allerdings ist die Vorliebe von Affleck für das Pokern bestens bekannt (er gewann die California State Poker Championship im Jahr 2004 und sicherte sich dabei $356.400). Insofern ist es nicht sonderlich überraschend, ihn in einem Film zu entdecken mit seinem geliebten Pokerspiel.

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Ben Affleck as Ivan Block.

Affleck macht einen guten Job als Ivan Block, seiner ersten Rolle als Bösewicht (außer Mallrats), und ihn auf der Leinwand zu sehen war unterhaltsam. Sein Charakter – der einige unvergessliche Einzeiler lieferte – war der Inbegriff von Gier und Korruption, aber umgänglich dargestellt, manipulierbar, komisch und zugleich auch mit bedrohlichen Qualitäten versehen. Es war eine teuflische Darbietung, die mir gefiel. Ich kann mir nicht helfen, aber ich denke, Affleck knüpfte tatsächlich an einige der bekanntesten Poker-Charaktere an, zum Beispiel Russ Hamilton, dem Gründer von Absolute Poker, was vielleicht seine Art ist, der Industrie ins Gesicht zu spucken. Bekanntlich hat Affleck eine Menge an Geld verloren durch den Betrug von Ultimate Bet vor einigen Jahren. Was auch immer der Fall war, mir würde es gefallen, Affleck öfters in der Rolle des Bösewichts zu sehen.

Unterdessen spielte Timberlake den scharfsinnigen Protagonisten, der alles in den Griff bekommt mit seinem Kopf. Schon vor der Weltpremiere des Films hatte der Regisseur Timberlakes Arbeitsmoral gelobt und ihn als den Beteiligten genannt, der am Filmset am härtesten gearbeitet habe. Seit seinem gefeierten Auftritt in The Social Network, steigerte sich Timberlakes Schauspielkarriere weiterhin. Seine Rolle in Runner Runner war nicht auf einer Augenhöhe mit der oben genannten Rolle als Sean Parker, aber es ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Hollywood Ruhm (obwohl, wie sehr kann dies noch gesteigert werden? Er ist bereits jetzt einer der mächtigsten Männer in der Musikindustrie).

Nachfolgend einige weitere kurze Details zu den schauspielerischen Leistungen:

  • Gemma Arterton überzeugt als Rebecca Shafran, der wichtigsten Frau in dem Film. Sie ist noch eine Newcomerin, aber beachtet sie, da sie eine große Zukunft vor sich hat.
  • Anthony Mackie spielt einen FBI-Agenten, der der Meinung ist, dass die Gerechtigkeit am Ende siegt. Mackie beeindruckt erneut und ist ein weiterer aufsteigender Schauspieler.
  • David Costabile (der in Breaking Bad Gayle spielte), Sam Palladio und Bob Gunton – alles gute Schauspieler – hatten kleine Rollen in dem Film und waren jeweils nur in einer Szene zu sehen. Es ist schade, dass solche Talente verkümmern.

Runner Runner ist vielleicht nicht der Pokerfilm, den sich einige erhofft haben (keine Angst, ein Rounders 2 ist wohl nur eine Frage der Zeit), aber es ist nicht das abgründige Stück Arbeit, das von vielen erwartet wurde. Der Film ist nicht übermäßig originell und die Handlung sehr einfach hervorzusehen, aber dennoch unterhaltsam aus meiner Sicht. Wenn der Film ein Kassenschlager wird – was mit dem Duo Affleck und Timberlake machbar scheint – kann dies andere Filmstudios dazu inspirieren, andere Filme mit Pokerbezug auf den Markt zu bringen. Das ist eine Aussicht, die mir gefällt und ich hoffe, Pokerfans genauso.

Name Surname
Chad Holloway

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