PokerNews Meinung: Sport und Poker

Poker

Vergangene Woche berichtete ESPN-Reporter Wallace Matthews, dass die Major League Baseball (MLB) gegen einen der Superstars der New York Yankees, Alex Rodriguez, wegen der Teilnahme an „illegalen Poker-Spielen im Untergrund“ ermittelt. Laut RadarOnline.com wurde in diesen Games auch offen Kokain genommen, zudem soll ein heftiger Streit ausgebrochen sein, als einer der Spieler sich weigerte, seine Schulden zu begleichen. Bis Sonntag gab es Gerüchte, dass Rodriguez von der Liga suspendiert werden könnte, doch wie ESPN nun berichtete, konnte „A-Rod“ dieser Bestrafung entgehen. Stattdessen kassierte der Yankees-Star eine offizielle Verwarnung.

Während Rodriguez öffentlich in der Kritik steht, wurde sein Teamkollege Derek Jeter ironischwerweise dabei gefilmt, wie er mit seinem Agenten Casey Close beim HBO Sports’ Derek Jeter 3K. (Fotorechte bei Yahoo! Sports) am Pokertisch saß.

Aus Sicht eines Poker-Fans ist die aktuelle Aufregung um Rodriguez völlig überzogen. Er hat jede Menge Kohle verdient und hat jedes Recht an einem Pokertisch mit Größen wie Tobey Maguire, Ben Affleck, Leonardo DiCaprio and Matt Damon (denen ebenfalls nachgesagt wird, an diesen Games teilgenommen zu haben) Platz zu nehmen. Eine freundschaftliche Partie zwischen Millionären hat keinerlei Effekt auf die MLB, da die Liga aber genug von Rodriguez‘ Eskapaden abseits des Spielfelds hat, sorgt diese Geschichte für so große Aufregung. Auch sein Klub, die Yankees, haben ihn schon mehrfach gewarnt, nicht mehr an den „Untergrund Poker-Partien“ in New York teilzunehmen.

Aber auch wenn es einen anderen der ganz großen Stars betroffen hätte, wäre die Reaktion der Liga wohl eine ähnliche gewesen. Für die meisten Menschen ist Poker eine spaßige und entspannende Freizeitaktivität, doch für die MLB ist das Spiel ein rotes Tuch und wird quasi als Vorbote von illegalen Wetten und Spiel-Absprachen gesehen.

Der 1919 Chicago Black Sox Skandal, in dem acht Spieler dafür bezahlt wurden, die World Series gegen die Cincinnati Reds zu verlieren, liegt beinahe ein Jahrhundert zurück. Alle acht Spieler wurden damals lebenslang gesperrt. Auch Pete Rose fasste eine solche Sperre aus, als er sich an Sportwetten die Finger verbrannte. In seiner Autobiographie My Prison Without Bars, gab er zu, dass er in seiner Zeit als Spieler und Manager der Reds mehrfach Wetten abschloss.

Neben Sportwetten haben aber auch Kartenspiele direkten Einfluss auf die MLB gehabt. Laut Sports Illustrated verabschiedeten sich während der 1999 National League Championship Series die beiden Outfielder der New York Mets, Rickey Henderson und Bobby Bonilla, während der letzten drei Innings in Richtung Klubhaus, um dort Karten zu spielen – aus protest gegen Manager Bobby Valentine. Beide Spieler leugneten die Vorwürfe, doch ein nicht näher genannter ehemaliger Teamkollege verriet SI: „Die Spieler, die das gesehen haben, wollten ihnen am liebsten mit ihren Baseballschlägern eine überziehen.“

Die MLB ist aber nicht die einzige Liga, die so eine Aversion gegen jegliches Gabling hat. So unternahm etwa auch Michael Jordan kurz vor dem Conference-Finale gegen die New York Knicks einen Zwei-Tages-Trip nach Atlantic City – sehr zum Unwohlsein der NBA, obwohl Jordan nie auf Sport-Events gewettet hatte. Zwei Jahrzehnte später wurde Gilbert Arenas von den Washington Wizards für 50 Spiele suspendiert, nachdem er seinem Teamkollegen Javaris Crittenton in einem Streit um Spielschulden eine Waffe vor die Nase gehalten hatte.

Die NFL erlaubt ihren Spielern nicht einmal die Teilnahme an Charity Poker Events. Anfang des Jahres wollten Adrian Peterson, Larry Fitzgerald, Vernon Davis, Larry Johnson und Roy Williams an der Wohltätigkeitsveranstaltung ”Raise Your Hand for Africa” im Golden Nugget Casino teilnehmen. Die NFL untersagte dies aber ohne eine Angabe von Gründen und ohne offizielle Aussendung.

Das größere Problem ist aber die Illegitimität von Poker in der öffentlichen Debatte. Was Rodriguez getan haben soll, ist keineswegs kriminell. Millionen Amerikaner spieler jeden Tag ihre Home-Games. Selbst Präsident Barack Obama hat zugegeben, Poker zu spielen. Und nun wird einer der größten Sport-Stars wegen seines Poker-Spiels mit Begriffen wie „illegal“ und „Untergrund“ in Verbindung gebracht. Leider wird es in den Augen vieler wohl immer eine Verbindung zwischen den Worten „Poker“ und „Gambling“ geben. In diese Sommer wollte etwa Paul Pierce von den Boston Celtics während einem Rahmen-Event der WSOP unserem Video-Team nur widerwillig ein Interview geben, da er nicht mit „Gambling“ in Verbdingung gebracht werden wollte.

Poker wird immer eine gewisse nur widerwilligPräsenz in der Welt des Sports haben. Die Athleten haben während ihrer Flüge kreuz und quer durch das Land so viel Zeit, dass man sie sich gar nicht nur mit Musikhören und Filmen vertreiben kann. Lakers-Coach Phil Jackson wurde von ESPN nach der „Arenas-Affäre“ gefragt, ob er für härtere Anti-Gambling-Richtlinien ist. Seine Antwort: „Ich bin kein Freund davon.“ Er fügte hinzu, dass Kartenspiele für die Sportler eine „großartige Möglichkeit“ sind abzuschalten. Wettbewerb ist ebenfalls ein wichtiger Punkt: Poker ist eine gute Möglichkeit sich mit anderen zu messen, auch wenn man nicht auf das Spielfeld kann, weil man verletzt ist oder die Saison gerade Pause hat.

Mit positivem Beispiel ging vor zwei Jahren die NHL voran, die sich mit PokerStars für das ”NHL Charity Shootout Presented by PokerStars.net.” zusammen tat. Von den vier großen amerikanischen Sport-Ligen hat nur die NHL Poker akzeptiert und nutzt es nun als Marketing- und Charity-Instrument. Hoffentlich folgen die anderen Ligen diesem Weg.

Name Surname
Rich Ryan

MEHR ARTIKEL

Weitere Artikel