Rauchzeichen - Die PokerNews Kolumne von Hermann Pascha, Teil 2

Hermann Pascha

Gedanken über Geld, das sich in Rauch auflöst....

In der vergangenen Kolumne habe ich lang und breit erklärt, warum ich mich gegen zu Gesundheitsapostel mutierte Nichtraucher wehre, das geltende Nichtrauchergesetz für undemokratisch halte und mich trotz nicht gerechtfertigtem Rauchverbot durchgerungen habe, wieder an einem Pokerturnier teilzunehmen. Diesmal soll es um rauchfreie Lokale gehen und um die Geschichte, warum schon der neunjährige Hermann Müller mit dem Rauchen den Grundstein für Hermann Pascha legte.

Es scheint, als gebe es ein Leben vor und nach dem zur Zeit herrschenden Anti-Raucher-Wahn. Denn heute verkneife ich mir wegen des Rauchverbots mein früher beinahe zur zweiten Heimat gewordenes Las Vegas. Dafür habe ich mich entschlossen, den Kompromiss einzugehen, und wenigstens einmal im Jahr ein rauchfreies Turnier durchzuhalten. Böse Zungen werden jetzt natürlich behaupten, so lange musste ich, bis auf einmal bei der EPT in Saalbach im vergangenen Jahr, aufgrund mangelnder Erfolge ohnehin nie auf den blauen Dunst verzichten. Aber nicht nur Schönheit, sondern wohl auch (Nichtraucher-) Raum und Zeit liegen im Auge des Betrachters.

Wie auch immer. Ich bin fest gewillt, meinem Rauchbedürfnis dafür wieder ein Schnippchen zu schlagen. Anders bei Lokalen. Ich geh prinzipiell nirgendwo hin zum Essen, wo ich nicht rauchen kann. Denn das sehe ich einfach nicht ein. Ich lass mich doch nicht wie einen Schulbuben, der was angestellt hat, nach draußen verbannen.

Seit dem Rauchverbot in Deutschland war ich nur mehr bei Ausnahmegastronomen, die das nicht so eng sehen. So namhaft kann kein Restaurant sein, und so gut kann keiner kochen, dass ich in ein Lokal gehe, dass keinen Rauchbereich anbietet. Und sei es nur in einer Ecke an der Bar. Da habe ich dann kein Problem damit.

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Ich finde diverse Gesellschaften, wie Geburtstagsfeiern oder Familientreffen, in Lokalen mittlerweile uninteressant. Denn da brauche ich mich eh mit niemandem mehr zu treffen, wenn ein Tischgespräch eigentlich nicht mehr möglich ist, weil immer die Hälfte der Leute draußen beim Rauchen steht. Was zudem gerade für eine Frau, die etwas auf sich hält, eine Zumutung ist. Bis vor kurzem war es noch regelrecht verpönt, wenn eine Frau auf der Straße geraucht hat. Da hat jeder wohlerzogene Mensch sofort Assoziationen mit dem Straßenstrich bekommen. Heute werden sie diskriminierender Weise vom Gesetz her auf die Straße geschickt.

Apropos draußen rauchen: Da kommt mir sofort dieser Sitzgartenwitz in den Sinn, in dem Nichtraucher an einem sonnigen Tag gebeten werden sich doch ins Lokal zu begeben, denn dort würde ja nicht mehr geraucht werden, wofür sie schlussendlich gekämpft hätten und was sie jetzt auch genießen sollten, anstatt den Rauchern hier draußen den Platz wegzunehmen. Wobei ich letztens in Deutschland sogar im Sitzgarten wegen des Rauchens belästigt wurde. Das fällt entschieden unter „Geht gar nicht“ und war dann auch für den Betreffenden nicht lustig.

Aber zurück zu rauchfreien Lokalen. Wo bleiben da der Genuss und – für Gastronomen noch wichtiger – der Umsatz? Das war in meiner Lehrzeit schon so: Mussten wir bei einer Gesellschaft oft die Aschenbecher wechseln, hatte diese auch eine gute Konsumation. Waren kaum Raucher am Tisch, gab es auch weniger Verzehr. Raucher sind sicher die besseren, gemütlicheren Gäste. Es sind Menschen, die sich dem „savoir vivre“ verschrieben haben, Genüssen prinzipiell nicht abgeneigt sind. Nicht, dass ich generell was gegen Nichtraucher hätte – aber ich mag nur den Teil der „asketischen Priester“ nicht.

Ich kenne natürlich auch angenehme Nichtraucher. Und ich habe selber einmal kurz zu ihnen gehört. Mit 21, nach einem Zwölffingerdarmgeschwür Durchbruch, habe ich drei Jahre lang nicht geraucht. Aber ich war eben nicht der militante Nichtraucher, sondern ein, wenn auch zugegebener Maßen frustrierter, toleranter. Eigentlich hatte ich sogar die ganzen drei Jahre lang Probleme nicht wieder anzufangen. Letztendlich habe ich dann w.o. gegeben, und beginnend mit Pfeife, über Zigarillos – die klassische Tour halt, um von Zigaretten wegzubleiben – wieder angefangen.

Heute, mit 59 würde ich es gleich gar nicht mehr versuchen. Weil ich mir diese Nervenbelastung nicht mehr antun würde. Warum soll ich mich in meinem Alter noch quälen? Rauchen ist für mich ein Genuss – und zwar von der ersten bis zur letzten Zigarette am Tag. Eigentlich habe ich dem Rauchen sogar viel zu verdanken. Denn durch meinen frühen Start im Alter von neun Jahren, musste ich mir schon früh überlegen, wie ich denn zu meinem Zigarettengeld komme. So habe ich schon damals neben der Schule gearbeitet. Egal ob ich im Freibad Flaschen sortiert habe oder für die Leute dort Besorgungen gemacht habe, mir war da nichts zu blöd. Zudem musste ich mir das Zigarettengeld nicht nur verdienen, sondern auch so einteilen, dass ich über den – arbeitstechnisch gesehen – schwierigen Winter komme. Denn da war es nicht so leicht Jobs zu bekommen. So war ich natürlich von Kindesbeinen an findig und ans arbeiten gewöhnt. Obwohl ich die Chance hatte weiter auf das Gymnasium zu gehen, bin ich dann des Zigarettengeldes wegen – Taschengeld gab es damals bei uns zu Hause nicht – von der Schule ab- und in die Lehre gegangen. So kam eines zum anderen. Ich war dann in England und in der Schweiz und habe so eine top Ausbildung gehabt. Was mir heute noch zugute kommt.

Fazit ist, der Weg, der in der Nichtraucherpolitik momentan gegangen wird, ist für mich einfach nicht der richtige. Es gibt nichts Schlechtes, was nicht auch etwas Gutes hat. Zu einem fairen Miteinander gehören immer zwei kompromissbereite Seiten. Das Leben besteht nun mal zu einem großen Teil aus Zugeständnissen, die man machen muss. Obwohl ich manche Kompromisse zugegebener Maßen nur zugunsten meiner Bequemlichkeit eingehe – wie ich halt auch schnell in den Nichtraucher-Flieger nach Köln steige, bevor ich mich sechs Stunden ins Auto setze, wo ich zwar rauchen kann, aber meine Zeit vertu.

So erwarte ich mir auch von den Nichtrauchern eine gewisse Konsenswilligkeit. Und sei es nur, dass sie uns Raucher halt gemütlich und in Ruhe eine rauchen lassen – wann und wo wir wollen. In diesem Sinne freue ich mich darauf, mit dem einen oder anderen mal gemütlich eine Zigarette bei einem Glas Wein rauchen zu können. Bis dahin viel Glück am Tisch!

Übrigens: Eine Zigarre verkürzt das Leben um zwei Minuten – ein Arbeitstag um acht Stunden!

Name Surname
Hermann Pascha

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