PokerNews Meinung: Legen Sie sich nicht mit Doyle Brunson an

Doyle Brunson

Am 4. Juli, drei Tage vor Tag 1A des 2011 World Series of Poker Main Events, schockte Legende Doyle Brunson die Poker-Community mit diesem Tweet:

Kein Main Event für mich. Vielleicht wird DOJ (amerikanisches Justizministerium; Anm.) mich staken

Diese Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Wie immer gab es einen Thread auf Two Plus Two, wo die Leute über seine Gesundheit und ob er nicht vielleicht „busto“ wäre, spekulierten. Die größte Diskussion spielte sich aber über Twitter ab, wo Fans TexDolly ihre Meinungen direkt mitteilten.

Erick @Edogpoker Lindgren wurde gleich ziemlich direkt und schrieb Brunson: ”Wenn du nicht spielst, gewinnt das DOJ wirklich.“ Brunson antwortete, dass er wegen persönlicher Probleme, verlorener Motivation und Murphys Gesetz nicht spielen wolle: „Wenn etwas schief gehen kann, wird es schief gehen.“ Er fügte hinzu, dass er sich müde fühlte und dieses Jahr pausieren wolle.

Seine Gründe waren für viele nicht triftig genug, weshalb er sich von einigen Leuten (hauptsächlich seinem engen Freund Dewey Tomko) doch überreden ließ, mitzuspielen.

”Ok,ich werde offiziell am ME teilnehmen. Fühle ich mich gut? Nein. Will ich spielen? Nein. Werde ich mein Bestes geben? Verdammt ja!!“

Brunson kreuzte am Tag 1A auf, gab das „Shuffle up and deal“ aus und schied noch vor dem Ende des Tages aus, nachdem er einen Flip gegen Steve Costello verloren hatte. Der Amazon Room verabschiedete Brunson mit lautem Applaus und wie üblich sagte der „Godfather“ Auf Wiedersehen zur WSOP 2011.

”Das einzig Gute, was mit in letzter Zeit passiert ist, ist, dass mich ein Cop wegen zu hoher Geschwindigkeit aufhielt, mir aber keinen Strafzettel gab“ , twitterte er wenig später.

Brunsons jährliche Teilnahme am WSOP Main Event ist immer eine sentimentale Angelegenheit, aber wenn der Mann nicht spielen wollte, wieso wurde er dann quasi dazu gezwungen? Was bringt es seinen Fans und Freunden, wenn sie ihn schon nach ein paar Levels rausfliegen sehen? Brunson hat für den Sport so viel getan – das mindeste, was wir tun können, ist seine Gefühle zu respektieren und Vertsändnis zu zeigen, wenn er sich den zweiwöchigen Grind nicht antun will. Stattdessen stellten wir ihn ins Scheinwerferlicht, schalteten die Kameras ein und klatschten respektvoll als er eliminiert wurde.

Was „Dolly“ in seinem Leben geleistet hat, ist außergewöhnlich. Im Alltag eines Poker-Profis lässt sich nicht viel vorausplanen – besonders im Live-Setting, wo Varianz eine so große Rolle spielt. Und Brunson hat darin nicht nur überlebt, er blühte darin auf. Auch als sich das Spiel weiterentwickelte, passte er sich an und schlägt sich in den größten Live-Cash-Games in Las Vegas immer noch beachtlich. Abseits der Tische, half er die Poker-Bibel Super System zu verfassen und war eine Schlüsselfigur m Aufbau des größten Turniers der Welt, der WSOP. Er gewann das Main Event zwei Mal in Folge (1976 und 1977) und sicherte sich zehn WSOP-Bracelets in Gold.

Es steht außer Frage, dass Brunson der einflussreichste Spieler in der Poker-Geschichte ist und ich hoffe, dass die Poker-Community seine Entscheidungen respektiert. Wenn „Dolly“ lieber Cash-Games grindet als Turniere zu spielen, dann sei es so. Seine Gesundheit und Zufriedenhait sind wichtiger als unser Verlangen ihn im Main Event zu sehen.

Die brasilianische Profi-Spielerin Maria “Maridu” Mayrinck brachte es auf den Punkt: ”Du bist so ein König, du kannst machen was du willt! Du brauchst dich für NICHTS rechtfertigen! Danke für alles. Du bist ein Held <3“

Während der $50,000 Poker Player’s Championship wendeten sich ein paar Medienvertreter an mich und sagten: „Ich wette, Doyle wäre gerne Mitte zwanzig, sodass er das Online-Game crushen könnte und immer noch genug Ausdauer hätte, live zu spielen.“

Ich war damit nicht einer Meinung. Brunson würde vielleicht gerne jünger sein, aber nicht in der Ära des Online-Poker. Nein, „Dolly“ würde sicher lieber nach Texas reisen und mit seiner ganzen Bankroll im Gepäck in dunklen, mit einarmigen Banditen gefüllten Hinterzimmern spielen. Oder vielleicht wäre er auch gerne zurück am Basketball-Court und würde gerne spielen, als wäre sein Bein nie von herabfallenden Platten verletzt worden. Unabhängig von seinen Wünschen, bin ich sicher, dass er nicht das Leben eines Online-Grinders wählen würde, wenn er könnte.

Ich bin überzeugt davon, dass wir Brunson nicht zum letzten Mal bei der WSOP gesehen haben. So lange er gesund ist, wird er ein paar Events spielen bis es Zeit ist „Lebe wohl“ zu sagen. Ich hoffe, dass er ins Rio zurückkehrt – aus Liebe zum Spiel und nicht aufgrund externer Einflüsse.

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