Fünf Gedanken: Die 2011 November Nine

Fünf Gedanken: Die 2011 November Nine 0001

Vor etwa einer Woche hatte das World Series of Poker Main Event nach acht langen Poker-Tagen endlich seinen Final Table. Martin Staszko ist Chipleader mit beeindruckenden 40,175,000 (80 Big Blinds) Chips und rund sieben Millionen Jetons Vorsprung auf den ersten Verfolger Eoghan O’Dea (33,925,000). Zum allerersten Mal finden sich Spieler aus sieben verschiedenen Nationen in den November Nine: Drei aus den USA, sowie je einer aus der Tschechischen Repubik, Irland, der Ukraine, Belize, Großbritannien und Deutschland. Es bestand sogar die Chance, dass neun Nationen an den Finaltisch einziehen, denn der Zehnt- (John Hewitt) und Elftplatzierte (Khoa Nguyen) kamen aus Kanada und Costa Rica.

So sieht die Situation am Final Table aus:

SeatSpielerNationChips
1Matt GiannettiUSA24,750,000
2Badih BounahraBelize19,700,000
3Eoghan O'DeaIrland33,925,000
4Phil CollinsUSA23,875,000
5Anton MakiievskyiUkraine13,825,000
6Samuel HoldenGroßbritannien12,375,000
7Pius HeinzDeutschland16,425,000
8Ben LambUSA20,875,000
9Martin StaszkoTschechien40,175,000

Nach der ausführlichen täglichen Berichterstattung vom Main Event und der Gelegenheit, mir ein genaues Bild von allen verbliebenen Spielern zu machen, brodeln Tonnen von Gedanken in meinem Kopf. Die wichtigsten fünf will ich den Poker-Fans nun näher bringen.

1. John Hewitt hat es verbockt
Ich hasse es, Spieler zu bashen. Und wenn jemand an der wichtigsten Bubble des Jahres ausscheidet, dann braucht es erst recht kein Salz in dessen Wunden. Aber John Hewitt machte einen der schlechtesten Calls in der Geschichte des Main Events, als es nur noch zehn Spieler waren. Mit den Blinds bei 250,000/500,000/50,000 eröffnete Hewitt mit einem Raise auf 1,1 Millionen. Es wurde gefoldet, bis zu Badih Bounahra (dem mit Abstand tightesten Spieler am Tisch), der für 9,3 Millionen Allin ging. Hewitt bezahlte ohne nachzudenken mit {k-Clubs}{q-Spades} (was ihm gerade noch acht Big Blinds hinten ließ). Natürlich wurde er von Bounahras {k-Hearts}{k-Spades} gecrusht und musste den Pot abtreten.

Zu diesem Zeitpunkt war Bounahra der einzige Spieler am Tisch mit weniger als 10 Millionen Chips. Zudem hatten Samuel Holden, Anton Makiievskyi und Pius Heinz ähnlich große Stacks (etwa 25-30 Big Blinds) wie Hewitt. Es gab eigentlich keinen Grund für den Kanadier diesen Call für rund 70 Prozent seiner Chips zu machen – insbesonders wenn man die Grundregeln des Independent Chip Models (ICM) in Betracht zieht. Der Wert der November Nine hat sich durch den Black Friday und dadurch ausfallende Sponsor-Deals sicherlich verringert, doch seinen Einzug auf den Final Table so mutwillig zu riskieren, muss dann doch nicht unbedingt sein.

2. Martin Staszko ist ein unbekannter, stiller Assassine
Martin Staszko startete Tag 8 mit etwas über sechs Millionen Chips und fiel zwischenzeitlich sogar auf vier Millionen runter, ehe er einen Lauf bekam und den Tag als Chipleader mit 40 Millionen beendete.

„Gestern hatte ich gute Karten und gute Flops“, erzählte Staszko unserer Sarah Grant am Tag danach.
Obwohl er Chipleader ist, haben wir noch nicht sehr viel über Staszko in Erfahrung bringen können. Mit $800,000, die er bereits fix hat, darf er sich über das größte Preisgeld seiner Karriere freuen. Seinen bisherigen Top-Cash, $49,547 für Platz 11 im EPT Deauville Main Event, schlägt er damit um Längen. Mit 35 Jahren gehört er gemeinsam mit Badih Bounahra (49) zu den älteren Semestern am Final Table, das heißt aber nicht, dass er ein passiver Spieler ist. Als er am zweiten Feature Table so richtig in Fahrt kam, überzeugte er mit Drei-Bets und einem sehr aggressiven Preflop-Spiel. Auch seine Bet-Sizes deckten sich – im Gegensatz zu Bounahra – mit dem heutigen Standard.

Staszko bleibt aber ein kleines Mysterium und es wird interessant sein zu sehen, wie sich die anderen November Nine auf ihn vorbereiten. Er hat Position auf Ben Lamb, allerdings sitzt Matt Giannetti links von ihm, der mit seinem gewachsenen Stack sicherlich aggressiver agieren wird. Kann Staszko seinen Chiplead auch in den Sieg ummünzen, wie Jonathan Duhamel im Vorjahr? Oder wird er zurückfallen und sich vorzeitig verabschieden wie schon so viele Chipleader vor ihm?

3. Keine Sonnenbrillen, kein Problem
Wenn Sie die fantastischen Bilder unserer Fotografen aufmerksam durchklicken, werden Sie feststellen, dass niemand aus den November Nine während des Main Events Sonnenbrillen trug. Anton Makiievskyi hatte zwar ein Paar Ray Bands auf seinem Kopf, setzte sie aber nie auf. Wir halten das für ein interessantes Faktum, weswegen wir einen Blick in die Geschichtsbücher geworfen haben um herauszufinden, wie beliebt Sonnenbrillen in den vergangenen Jahren am Final-Tisch waren.

JahrSpieler mit Sonnenbrillen
20035*
20045*
20055*
20063
20075*
20083
20093
20105
2011?

* in diesem Jahr trug auch der Sieger Sonnenbrillen

Jerry Yang war im Jahr 2007 der letzte Main-Event-Champion, der Sonnenbrillen trug. Dieser Abwärtstrend wird in diesem Jahr wohl weiter anhalten. Das ist gut für den Poker-Sport, da Brillen unfairerweise die Emotionen der Spieler verstecken können. Deshalb sollte es niemandem erlaubt sein, welche zu tragen – es ist unverschämt und ihr schaut damit auch nicht so cool aus wie ihr denkt!
Ich schaue dich an, Mr. Makiievskyi. Du kannst deine ukrainische Trainingsjacke anbehalten, aber bitte lass deine Sonnenbrillen zu Hause.

4. Benba ist noch immer „on Fire“
Die Performance von Ben “Benba” Lamb in diesem Jahr lässt sogar Michael Mizrachis Leistungen von 2010 alt aussehen. Beide erreichten sowohl in der Poker Player’s Championship als auch im Main Event den Final Table. Lamb konnte sich allerdings in drei weiteren Events in den Top-12 klassieren. Selbst mit einer schlechten WSOPE bleibt Lamb Favorit auf den Titel des „Player of the Year“, denn im November kann er noch jede Menge Punkte holen.

Mit einem Sieg im Main Event könnte Lamb den besten Lauf in der Geschichte der WSOP einzementieren. Es gab zwar schon in der Vergangenheit Leute, die mehrer Bracelets bei ein und derselben WSOP absahnten, doch Lambs Erfolg kam im Rahmen der populärsten WSOP aller Zeiten. Er duellierte sich mit einem riesigen Feld im Main Event und spielte gegen die besten der Besten in der Poker Player’s Championship. In der $10,000 Pot-Limit Omaha Championship und der $10,000 Six-Handed Championship maß er sich mit den aggressivsten jungen Spielern der Welt. Lamb war selbst äußerst aggressiv, als es allmählich den November Nine entgegen ging, aber verlor nie die Fassung. Am Final-Tisch findet er sich mit 21 Millionen Chips in der Mitte des Feldes, ist aber trotzdem einer der großen Favoriten auf den Sieg.

5. Ein Treffen mit den November Nine
Das PokerNews Video-Team hatte die Ehre, am Tag nach der Entscheidung mit den November Nine zu sprechen. Hier ist ein Interview mit Chipleader Martin Staszko. Die restlichen Videos finden Sie über den Link unterhalb.

Sie können sicher sein, dass PokerNews im November wieder im Rio sein wird, wenn im Penn and Teller Theater die Action losgeht. Bis dahin folgen Sie und auf Twitter für die neusten Updates.

Name Surname
Rich Ryan

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