Pokernews Interview: Joe Navarro, Körpersprache Experte

Joe Navarro

Joe Navarro verbrachte die letzten 25 Jahre seines Lebens bei der FBI damit, verdächtigte Kriminell, Spione und Terroristen zu verhören. Während er im Department of Counterintelligence and Counterterrorism arbeitete, verbesserte Navarro seine Fähigkeiten, nonverbale Körpersprache zu lesen. 2003 ging Navarro vom FBI in den Ruhestand und Annie Duke und Phil Hellmuth sprachen ihn an, da sie diese Fähigkeiten gerne am Pokertisch umsetzen wollten. Im letzen Jahrzehnt hat Navarro einigen der besten Pokerspieler gelehrt, wie man nonverbale Tells entschlüsseln kann und hat auch bereits zwei Pokerbücher geschrieben: Read 'Em and Reap und 200 Poker Tells.

Navarro war so freundlich, sich mit uns diese Woche zusammenzusetzen und über seine Erfahrungen zu sprechen und uns einen kleinen Einblick in nonverbale Poker Tells zu geben.

PokerNews: In welcher Position waren Sie beim FBI und wie haben ihre Aufgaben dazu geführt, später in der Pokerbranche weiterzuarbeiten?

Joe Navarro: Mein Beruf beim FBI war zu allererst Agent. Meine Aufgabe war, Spione als Teil der nationalen Sicherheits-Abteilung zu fangen. In dieser Abteilung waren wir sechs Agenten, die in die Verhaltens-Analyse involviert waren und meine Spezialität war die Körpersprache und das Verständnis von menschlichem Verhalten. Ich habe das für die letzten 13 Jahre meiner Karriere getan und als ich in den Ruhestand versetzt wurde, habe ich weiterhin bei der FBI gelehrt. Annie Duke und Phil Hellmuth traten an mich heran – auch wenn das nichts mit Poker zu tun hatte – und wollten wissen, was ich über Körpersprache weiß.

Was sind die meisten anfangs verwendeten Tells, die man am Pokertisch sehen kann?

Das ist eine sehr gute Frage. Abgesehen von den Tells, die entweder Chips oder Karten einbeziehen, habe ich herausgefunden dass beim Pokern die gleiche Körpersprache gezeigt wird, die ich in Spionage – und Terroristen-Interviews gesehen habe. Ich habe die gleichen scheinbar selbstbewussten Verhaltenszüge gesehen, wenn Menschen ehrlich waren. Und ich habe die selben Verhaltensmuster gesehen, wenn ich Spione ertappt habe, die etwas verbergen wollten oder etwas verschweigen wollten. Das bestätigte auch wieder, dass wir alle ein menschliches Gehirn besitzen und dieses all unser Handeln über den Tag beeinträchtigt.

Welchen Ratschlag würden Sie Spielern geben, die noch keine Live-Erfahrung haben. Sagen wir mal, sie werden gerade 21 oder es sind amerikanische Spieler, die im Internet nicht mehr spielen können?

Naja, zu allererst sollten sie sich beeilen [lacht]. Es gibt viele Spieler, die viel Zeit damit verbracht haben und einiges Geld verloren oder verdient haben und Körpersprache und Pokertells studiert haben, nur um wettbewerbsfähig zu sein. Die zweite Sache ist, dass niemand wirklich weiß, wie wichtig Pokertells eigentlich sind, weil es von der Situation abhängig ist und von Spielern und Händen. Ich kann davon erzählen, von Duke, Hellmuth, Greg Raymer, Antonio Esfandiari – das sind alles Leute, mit denen ich schon gearbeitet habe – viele Entscheidungen werden über Körpersprache kommuniziert. Sie konnten das erkennen, weil sie fortgeschrittene Fähigkeiten haben und wenn sie nicht gewusst hätten, auf was sie auf meisten achten müssen, hätten sie oftmals Gelegenheiten verpasst, eine Hand zu gewinnen.

TJ Cloutier sagte einst "Ich dachte, ich hätte in meinen 40 plus x Jahren im Poker alles gesehen und gehört, aber als ich Joe's Präsentation verfolgt habe über Verhaltensmuster bei Pokerspielern, habe ich sogar Notizen gemacht. " Haben Sie einen favorisierten "A-ha" Moment eines Pros und was haben Sie für sich selbst von diesem Spiel gelernt?

Als ich 2005 zum ersten Mal mit Poker zu tun hatte, war das Nummer eins-Buch über Poker Tells Mike Caro’s Book of Poker Tells[/b] – das kann ich jedem absolut empfehlen. Aber eines der Dinge, die mir auffielen, war, dass nur 50 Tells aufgeführt waren. Und zu meiner Überraschung hatten die meisten damit etwas mit Händen und Gesichtszügen zu tun, kaum etwas von Körpersprache kam vor. Es wurden das Genick, die Finger, der Oberkörper, die Füße etc nicht erwähnt. Das hat mich wirklich umgehaun. Wenn wir also Read ‘Em and Reap schrieben, konnten wir die Tells ganz plötzlich von 50 auf 140 steigern. Ich war überrascht, dass in all den Jahren, in denen bereits Poker gespielt wird, noch niemand genauer auf die Körpersprache geachtet hat, die ja viele Informationen preisgibt. Leute wie Cloutier und Hellmuth – die in meiner ersten Klasse sind - waren sehr überrascht, dass man so viel von den Füßen von jemandem ablesen kann. Sie hatten davon noch nichts gehört. Die andere Sache, die ich über Pokerspieler herausgefunden hatte, ist, dass es kein Ende ihrer Bereitschaft zu lernen gibt. Das bewegte mich auch dazu, mein zweites Buch dieses Jahr herauszubringen mit dem Titel 200 Poker Tells. Es ist wird Kindle als Taschenbuch erscheinen und zwar in ungefähr drei Wochen. Read ‘Em and Reap gibt es jetzt in elf Sprachen und 200 Poker Tells hat bereits 12,000 Ausgaben in nur drei Wochen verkauft. Das Dute an 200 Poker Tells ist, dass es so designed wurde, dass Spieler es auf ihren Handys tragen können und während dem Spielen lesen können.

Während einer Hand trinken ist ein oftmals verwendetes Tell. Ist das jetzt ein Zeichen von Stärke oder doch Schwäche?

Das ist eine schwierige Frage, weil man auf alles achten muss. Als Beispiel, wenn ein Spieler nach seinem Getränk greift, sich zurücksetzt vom Tisch und seine Arme bis über den nächsten Platz neben ihm wirft, dann weitet er also sein Gebiet aus. Immer wenn eine Person mehr Platz beansprucht, dann ist das ein Zeichen für Stärke. Wenn sie schwach sind, dann beanspruchen sie weniger Platz. Wenn ein Spieler sein Getränk nimmt und eher zurückhaltend ist, dann würde ich sagen, dass er eher eine marginale Hand hält.

Bluffen ist natürlich wichtig beim Pokern, aber Spieler tendieren dazu, nervös zu werden, wenn sie einen Bluff auspacken. Was sollten Leute während des Bluffens tun, um sich selbst zu beruhigen?

In diesen Fällen würde ich sagen, dass eines der Dinge, die ich ihnen raten würde, dass wenn man von etwas überzeugt ist und weiss wie superstark oder superschwach man ist, dann sollte man nicht weiter darüber nachdenken. Das ist wie ein methodisches Agieren; Wählen Sie eine Person und verhalten Sie sich so wie diese. Wollen Sie denn aussehen, als würden Sie gerade beten oder richtig fröhlich sein oder eher Schwindel erregend? Was auch immer Sie tun, Sie müssen sich so verhalten, dass Sie ein Verhalten wie ein Schauspieler abrufen können. Aber denken Sie darüber vorher nach. Denken Sie nicht an die Hand. Mit den Professionellen, mit denen ich gearbeitet habe, war das effektiv, weil sie es schafften, nicht mehr an die Karten zu denken und anfingen, sich selbst einzureden, sie würden sich wie Clint Eastwood oder ein anderer Schauspieler in einer anderen Szene verhalten. Ihr Gehirn kann sich nicht auf mehr als eine Aktion konzentrieren, also hilft es, sich auf das Schauspielern zu konzentrieren.

Das Verwenden von Sonnenbrillen war immer eine gern genutzte im Spiel. Denken Sie, man sollte Sonnenbrillen nutzen? Bieten Sie nur Vorteile?
Als Poker entstand gab es keine Sonnenbrillen. Ich persönlich finde, dass man sie nicht nutzen sollte. Genausowenig finde ich, dass Leute Hoddies oder Sachen wie diese tragen sollten. Dann könnte man gleich mit einem Burga auf dem Kopf spielen [lacht] – das verändert das Spiel. Auf jeden Fall habe ich in meinen vier Jahren, in denen ich mich nun mit Poker beschäftige, herausgefunden habe, dass wenn man sich die Sonnenbrillen genauer ansieht, es keinen Unterschied ausmacht. Hellmuth steht absolut dafür. Mannche Spieler zum Beispiel, die realisiert haben, dass sie eine wirklich gute Hand halten, ziehen ihre Augenbrauen nach oben – genauso, als würden sie zu einem Freund ‘Hello’ sagen. Das nennt man Gravity defying behavior. Sonnenbrillen verstecken das nicht. Man kann die Augenbrauen immer noch sehen. Auch kann man Blicke der Augen sehen, wenn man die Muskeln, die um den Augkanal laufen, anschaut. Ich habe mich damit viel länger als die meisten Spieler beschäftigt.

Wie oft sitzt du selbst in einem Turnier und kannst deine eigenen Beobachtungen anwenden?

Ungefähr einmal alle drei Monate komme ich mit Freunde in Tampa, Florida, zusammen und dann spielen wir. Für $5 kann man dann die ganze Nacht spielen [lacht] und das war’s dann auch schon. Für die meisten meiner Forschungsarbeiten gehe ich dann in die Casinos und beobachte bis zu sechs Tische zur gleichen Zeit. Somit kann ich viele Informationen sehen. Wenn das Spiel dann vorbei ist, gehe ich meistens zu den Spielern, um zu überprüfen, ob ich richtig lag. Zuerst vertrauten mir die Spieler nicht, aber wenn ich ihnen sage, wer ich bin, dann sprechen sie meistens mit mir und erzählen mir auch ihre übelsten Bad Beat Geschichten. [lacht].

Gibt es noch etwas, dass sie gerne hinzufügen würden?

Seien Sie sich bewusst, dass der ganze Körper stets Informationen transportiert. Wir drücken unsere Emotionen aus, wie wir uns gerade fühlen. Es gibt zwar so etwas wie ein “Poker Face”, aber es gibt nicht soetwas, wie einen “Poker Body.” Irgendwo am Körper wird sich sichtbar machen, ob Sie eine gute oder eine schlechte Hand halten.

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Name Surname
Rich Ryan

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