Black Friday: Wer hat schuld?

poker anklagen

Die kürzlich erhobenen bundesstaatlichen Anklagen auf die Eigentümer der drei großen Online-Pokerseiten lässt die Frage aufkommen, ob die Seiten denn wirklich etwas falsch gemacht haben oder ob das lediglich eine Treibjagd vom U.S. Department of Justice darstellt? Eine weitere schwierige Frage ist, ob die Seiten ihre Nutzer, die ihnen vertraut haben, betrügen, indem sie sie für eigene Geschäftsinteressen ausnutzen?

Die Antworten darauf sind leider nicht so einfach. Ich denke, die meisten amerikanischen Bürger, die online auf PokerStars oder Full Tilt Poker gespielt haben, würden sagen, dass es sich dabei um zwei gute Unternehmen handelt und sie jederzeit gut behandelt worden sind. Absolute Poker/Ultimate Bet hat eine zwielichtige Vergangenheit hinter sich, jedoch unter anderen Eigentümern, also lassen wir das mal aussen vor.

PokerStars und Full Tilt behandelte Spieler immer als geschätzte Kunden. Sie verfügen über einen sehr guten Kundendienst. Sie bieten innovative Anreize an. Sie nehmen sich Vorschläge zu Herzen und arbeiten constant daran, ihr Produkt zu verbessern. Das sind seriöse Firmen, die als solche auch in Groß-Britannien und vielen anderen Ländern angesehen werden. Sie sind Modelle davon, wie Kapitalismus aussehen sollte. Sie haben einen guten Service entwickelt, User immer bestens behandelt und dadurch treue Kunden gewonnen und davon profitiert. Wenn Ihr Unternehmen Sie so behandeln würde, wie diese beiden Pokerseiten es taten, dann wären Sie davon begeistert.

Wir als Einzelpersonen, die das Pokerspiel genießen wollen, glauben eigentlich alle, dass Poker ein Spiel der individuellen Fähigkeiten ist und somit sollte es das Recht von jedermann sein, auch spielen zu dürfen. Das ist nicht Aufgabe der Regierung, uns aufzuerlegen, was wir tun können und was nicht mit unserem Geld. Noch dazu nicht, wenn sie Aktivitäten, wie etwa die Lotterie oder den Aktienmarkt unterstützt, wo weitaus größere Zocker unterwegs sind.

Es gibt kein bundesstaatliches Gesetz, das aussagt, dass Online Poker illegal ist. Poker wird zu keiner Zeit im Unlawful Internet Gambling Enforcement Act hervorgehoben. Kein legales Dokument belegt, dass Internet Gambling illegal ist. Das Gesetz lässt viel Freiraum für Interpretationen und es gibt keine Strafmaßnahmen dafür. Die gab es jedoch für die Erlaubnis, Internet Gambling Geldüberweisungen durchzuführen. Banken haben Transaktionen geblockt, bei welchen Pokerseiten involviert waren.

Dass das Justice Department seinen Untersuchen begann, basiert auf der UIGEA und dem Illegal Gambling Act von 1955, doch es gibt keine Indizien, dass Gesetze auf Poker angewendet werden können, somit spricht alles für eine Hetzjagd. Während den Ermittlungen wurden Informationen von Daniel Tzvetkoff ausgewertet, dem ehemaligen Kopf einer Auszahlungsunternehmens namens Intabill, die Transaktionen für Online Poker-Seiten übernommen hatte. Die DOJ hatte bescheinigt, dass sie überprüft, ob Pokerseiten nicht wirklich U.S. Finanz-Institutionen, wie etwa die UIGEA betrügt.

Die DOJ, besonders im Southern District von New York, lässt nicht locker mit den Anklagen, bis es bombensichere Fakten hat. Wenn die Bank keinen Betrug ausgeübt hätte, würde die DOJ zwar weiter ihre Hetze betreiben, aber nun keine Anklagen erheben.

Also sehen wir uns doch mal den Fall des Bankbetrugs genauer an. Ich denke, die meisten Leute, die aus der Poker-Community kommen, wissen, dass die Seiten so arbeiten, dass sie UIGEA umgehen. Und es gibt keine Moralfrage, denn wir glauben, dass UIGEA ein schwachsinniges Gesetz ist, das annimmt, dass gegen unseren Persönlichkeitsrechte verstoßen wurde. Zudem kann man annehmen, dass ich unter angemessenen Verkehrsbedingungen und bei guten Wetterbedingungen perfekt sicher 50 Meilen pro Stunde mit einer Geschwindigkeit von 35 fahren kann. Aber das bedeutet auch nicht, dass ich einen Strafzettel bekomme, wenn man mich dabei ertappt.

Das ist ein Risko, das man gelegentlich in Kauf nimmt. Offensichtlich war das ein Risiko, dass die Eigentümer der Pokerseiten in Kauf nahmen. Möglicherweise hätte das nicht sein dürfen. Aber offensichtlich ist die Strafe für Bankbetrug nicht größer, als die für ein Verkehrsvergehen. Diese Anschuldigungen haben den Seiten nicht nur geschadet, sondern auch alle ihre Nutzer mit einbezogen. Vielleicht war es unverantwortlich, das Geld und Lebensunterhalt der Nutzer zu riskieren. Sogar unter der UIGEA gab es gewiss Möglichkeiten, wie die Seiten Einzahlungen und Auszahlungen händeln konnten, ohne einen Bankbetrug herbeizuschwören. Aber die Leute haben getobt, schnelle Abhebungen zu erhalten und haben sich keine Gedanken gemacht, wie sie das Geld erhielten – Hauptsache es geschah rasch.

Bankbetrügereien werden hart bestraft (bis zu 30 Jahre Gefängnis und Geldstrafen von $1 Million) weil das Banksystem das Herz der nationalen Wirtschaft darstellt. Aber es gibt viele verschiedene Fälle von Bankbetrug und viele schaden jemandem. Hier gibt es jedoch keine Opfer. Die Pokerseiten haben kein Geld von jemandem gestohlen. Wenn es sich wirklich um Bankbetrug handelt, dann mit der Absicht, rechtmäßige Geschäfte abzuwickeln ohne grundlose Einmischung der Regierung.

Wenn die Pokerseiten kriminelle Kapitalgesellschaften wären, würde sich Barney Frank nicht gegen diese Beschuldigungen aussprechen. Wenn die Pokerseiten wirklich etwas komplett falsch gemacht hätten, würde Frank alles tun, seinen Namen vom Internetspiel und diesen beiden Seiten fernzuhalten. Anstelle dessen hat er der Bundeszeitung The Hill gesagt, dass diese Anklagen "ein unglaublicher Schwachsinn“ sind. Er beklagte sich darüber, dass DOJ mehr Aufwand betreibt, diese Pokerseiten anzuklagen, als sich um essentiellere Dinge zu kümmern. Frank ist einer der wenigen Politiker, die keine Angst vor Konfrontationen hat und er scheut auch davor nicht zurück, solche Beschuldigungen hart zu kritisieren. Ausserdem ist er eine sehr moralische Person und wenn er denken würde, die Seiten hätten große Fehler gemacht, dann würde er DOJ zustimmen.

Das soll jedoch nicht bedeuten, dass es keine ernsthafte Konsequenzen für die betroffenen Verantwortlichen geben wird. Full Tilt und PokerStars werden sicher nicht wieder in die USA zurückkheren, jedenfallss nicht unter den Besitzern die jetzt angeklagt werden. Ich glaibe, dass Online Poker in den nächsten fünf Jahren in den USA legalisiert wird.

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