Hinter den Kulissen beim PokerStars Big Game

PokerStars Big Game

Es mag vielleicht nicht jeden wirklich interessieren, aber vor einigen Tagen feierte eine weitere Poker-Show ihre TV-Premiere. Sie können allerdings sicher sein, dass es sich beim Big Game präsentiert von PokerStars.net um viel mehr als nur um eine der vielen “weiteren Poker-Shows“ handelt. PokerNews konnte bei den Aufnahmen zu der TV-Show exklusiv einen Blick hinter die Kulissen werfen und erlebte live mit, was alles so passierte.

Die Filmaufnahmen fanden zwischen dem 5. Mai und dem 10. Mai 2010 im South Point Hotel, Casino & Spa statt, wo sich jeden Tag die bekanntesten und besten Spieler der Pokerszene am Spieltisch trafen und in einer 6-Handed Cash-Game Session gegeneinander antraten. Jede Episode dauert 150 Hände, wobei für das Produktions-Team und die Spieler im Laufe des Tages diverse Pausen eingelegt wurden. Einen Blick hinter die Kulissen werfen zu dürfen, war ein ganz besonderes Erlebnis.

Während der gesamten Zeit saßen in den Aufnahmewagen zwischen 30 und 40 Mitglieder des Produktionsteams und erfassten auf hunderten von TV-Monitoren jede Bewegung vor den Kameras. Das Team arbeite pausenlos um alle Aufnahmen und den Ton auf den Bändern aufzuzeichnen, danach wurden die Bänder nachbearbeitet und daraus die einzelnen Episoden erstellt. In jedem Aufnahmewagen saßen dutzende Mitarbeiter, welche auf kleine Monitore starrten und sicherstellten, dass die Kameraleute am Spieltisch zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Spieler aufnahmen.

Das Team im Übertragungswagen trug Headsets, um mit allen anderen Mitarbeitern und den Kameraleuten am Spieltisch direkt kommunizieren zu können. Einige Mitarbeiter beschäftigten sich an ihren Monitoren mit den Hole-Cards und stellten sicher, dass die Einsätze jedes Spielers richtig angezeigt wurden, wobei die einzelnen Einsätze durch das Dealer-Mikrophone übermittelt wurden. Die Einsätze und die Hole Cards wurden dann in einem anderen Aufnahmewagen von einigen Mitarbeitern eingegeben. Es ist ein überaus langweiliger Job, Knöpfe zu drücken, um bestimmte Karten, die Suits und die Höhe der Einsätze bei jeder Hand einzugeben, aber es ist ein Job, welcher gemacht werden muss, um das Endprodukt sehenswert zu machen.

Wenn man sich so im Aufnahmewagen umschaut, fällt einem ein einzelner Monitor sofort besonders auf. Der Monitor zeigt eine Handvoll Statistiken für jeden Spieler, wie z.B. den Aggressionsfaktor, VPIP% (Voluntarily Put Into Pot), 3-Bet Prozentsatz, PFR% (Pre Flop Raise, Preflop Win Prozentsatz), Donk-Bet Prozentsatz, gewonnene Pötte, gewonnene Showdowns, Anzahl der Stehlversuche, Fold bei einem 3-Bet Prozentsatz und einige mehr. Einer der Mitarbeiter erklärte, dass diese Statistiken für jeden Spieler aufgezeichnet würden, weil geplant ist, daraus einen Datenbank zu erstellen, auf welche später zu jeder Zeit zugegriffen werden kann. Damit will man versuchen, die Aufmerksamkeit der intellektuellen Zuschauer und der Statistikfreunde zu erhalten. Wenn Sie wissen wollen, wie oft Daniel Negreanu einen 3-Bet gegen Lex Veldhuis gemacht hat, kann man die statistischen Daten für alle Hände, welche die beiden gegeneinander gespielt haben, abrufen.

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Am Set findet man diverse Kameraleute, die damit beschäftigt sind, die Action am Spieltisch zu filmen. Amanda Leatherman ist die Moderatorin des Big Game und ist immer am Set zu finden. Wenn es vom Ablauf her passt, unterhält Sie sich dort oft mit den Spielern. Im Gegensatz zu den meisten anderen TV-Pokershows, kann Amanda in dieser Show zu jedem Zeitpunkt, so oft Sie will, mit den Spielern interagieren. Sie kennt alle Spieler sehr gut und arbeitet schon lange in der Pokerbranche, deshalb ist Sie für diesen Job hervorragend geeignet. Sie brüllt von der Couch rüber zu den Spielern und macht Witze mit ihnen, fragt Sie wie es ihnen geht oder schimpft mit den Spielern. Sie hat während den Aufnahmen soviel geredet, dass die Spieler ihr den Kosenamen “The Shitster“ gaben. Ihre Person und ihre Interaktion mit den Spielern bringen diese Show auf ein neues Level.

Ein weiteres interessantes Element in dieser Show ist die Sache mit der “Loose Cannon”, welche von PokerStars.net implementiert wurde. Die Loose Cannon ist ein Spieler, der sich für die Show qualifiziert hat und somit in der Show ein Freeroll spielt, bei dem er eigentlich nur gewinnen kann. PokerStars.net gibt dem Spieler $100.000 zum spielen und der Spieler kann die Gewinne (abzüglich der $100.000) behalten. In jeder 6-Handed Session spielt ein Loose Cannon mit. Wenn der Spieler pleite gehen sollte, wird sein Platz von einem anderen Spieler übernommen.

On Top zu der Möglichkeit gegen einige der bekanntesten Spieler der Pokerszene zu spielen und alle Profite zu behalten, kämpfen die Loose Cannons auch noch um einen Gesamtpreis. Der Loose Cannon, der das meiste Geld gewinnt, erhält von PokerStars.net ein Sponsoring für die North American Poker Tour. Uns wurde gesagt, dass im Rahmen des Sponsorings die Reisekosten des Spielers, die Unterbringung und der Buy-In für 5 Events dieser Tour übernommen werden. Der Gewinner hat außerdem auch die Möglichkeit sich das Sponsoring auszahlen zu lassen und würde dafür $25.000 erhalten. Das ist zwar eine schöne Sache für die qualifizierten Spieler, durch die Auszahlung würden sie allerdings die Chance auf das richtig große Geld verpassen, falls sie ein Event der NAPT gewinnen sollten.

Die Action ist auch nicht komplett No-Limit Holdem. Preflop wird Pot-Limit gespielt. Negreanu bezog sich auf diese Art und Weise zu spielen und merkte an, dass in manchen Shows immer wieder Hände gibt, bei welchen ein Spieler Preflop raist, nachdem die anderen Spieler gecallt hatten und dann ein anderer Spieler einen hohen “Squeeze Reraise“ macht, um die anderen Spieler aus dem Pot zu drücken und die Hand zu gewinnen. Da Preflop nur Pot-Limit gespielt wird ist dies beim Big Game nicht möglich. Negreanu sagte: “Dieser Spielzug ist beim Big Game nicht möglich, da die anderen Spieler bei einem Reraise immer die Möglichkeit zum callen haben.“

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Phil Laak

gehörte zu den wenigen Spielern, die sich die Action ansehen durften und war gleich von der Struktur begeistert. Er sagte: “Die WSOP braucht unbedingt ein Event mit dieser Struktur; diese Struktur ist hervorragend und erlaubt es den Spielern ihre eigenen Fähigkeiten optimal einzusetzen.“

Eine andere Regel wirkt sich ebenfalls auf den Verlauf der Show aus. Negreanu hat eine Regel eingeführt, durch die das Tragen von Kapuzenpullis und Sonnenbrillen während des Events nicht erlaubt ist. Die Spieler müssen direkt in die Kameras blicken und können nichts verbergen.

Auf die Frage warum er diese Regel eingeführt hat, antwortete Negreanu: “Diese Show unterscheidet sich von anderen Shows und ich mag daran ganz besonders die Tatsache, dass man Poker spielt und dabei gleichzeitig jemanden anderen ansehen kann. Man kann sich nicht hinter Sonnenbrillen verstecken. Diese Regel gefällt mir sehr gut, sie sorgt für Spannung und ist hervorragend für TV-Poker geeignet.“ Außerdem sagte er: “Wenn man sich vorstellt, jeder würde im TV eine Sonnenbrille, einen Hut, einen Kapuzenpulli und ein Halstuch tragen, wäre es ja fast wie beim Internetpoker.“ Er ist der Meinung, dass man eine klare Trennlinie zwischen Internet-Poker und Live-Poker ziehen sollte.

Phil Hellmuth beteiligte sich ebenfalls an der Diskussion über die Verwendung von Sonnenbrillen, Kapuzenpullis und Hüten beim Pokern, wobei er allerdings anderer Meinung war. Hellmuth trägt selbst sehr oft eine Sonnenbrille und einen Hut, sodass er sich bewusst ist, dass dieses Hilfsmittel für viele Spieler überaus nützlich sind, vor allem für Amateure. “Vielleicht sollte ich mit den ganzen Amateuren nur spielen, wenn diese keine Sonnenbrillen oder Hüte tragen, dann kann ich sie besser lesen. Dies ist sicherlich besser für mich“, kommentierte Hellmuth.

Das Big Game wurde vor wenigen Tagen erstmalig bei FOX ausgestrahlt, falls Sie die erste Episode verpasst haben, finden Sie dies bei PokerStars.tv.

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