Liv Boeree - Interview mit EPT San Remo Champion Liv Boeree

Liv Boeree

Liv Boeree ist mit Sicherheit die Pokerspielerin, über welche momentan am meisten geredet wird, da sie vor kurzem die EPT in San Remo gewonnen hat, wofür sie ein Preisgeld in Höhe von $1.698.300 erhielt. Sie wurde 1984 in Kent geboren und kam zum Pokern, da Sie als Teammitglied für die TV-Reality TV Show "Ultimatepoker.com Showdown" gewählt wurde. Seit dieser Zeit hat Liv viel dazu gelernt und der Welt bewiesen, dass Sie weit mehr zu bieten hat, als nur ein hübsches Gesicht.

PokerNews: Du hast die EPT San Remo 2010 gewonnen und dafür ein Preisgeld in Höhe von $1.698.300 und den prestigeträchtigen Titel erhalten. Wie fühlst Du dich jetzt?

Liv Boeree: Ich habe das ganze noch nicht wirklich umgesetzt. Ich bin vor zwei Tagen wieder nach England gekommen und bin mir schon irgendwie darüber bewusst, für welchen Wirbel ich in der Presse gesorgt habe. Ich bin heute morgen um 6:00 am aufgestanden und war bei GMTV mit Lorraine Kelly in ihrer Show. Irgendwie ist alles etwas surreal, aber das Gefühl ist einfach einzigartig.

Du hast erst im Jahr 2005 mit dem Pokerspielen begonnen, hättest Du Dir damals vorstellen können, in den ersten 5 Jahren so erfolgreich zu sein?
Natürlich ja, ich bin eine Person, welche ihren Weg gehen will und um ehrlich zu sein, bin ich ein wenig frustriert, dass ich in den letzten 5 Jahren nicht noch mehr erreicht habe. Eine Art “es ist an der Zeit“-Gefühl, verstehst Du? Aber nun mal im Ernst, ich bin mit dem erreichten sehr zufrieden. Das Erreichte entspricht eigentlich genau dem, was ich erreichen wollte. Ich hätte dies alles ein wenig früher erreichen können, aber nun bin sehr glücklich mit meinen Erfolgen.

Du hast einen Studienabschluss in Physik/Astrophysik, Du bist als offensichtlich sehr Smart, hilft Dir dein wissenschaftliches Wissen am Pokertisch weiter?
Ja klar, auf jeden Fall. Ich bin für mein Ausbildung sehr dankbar. Ich bin überaus stolz darauf, dass ich es durchgezogen habe und dabei geblieben bin. Die Leute sagten zu mir: “Was für eine Zeitverschwendung“ und ich sagte: “Nicht wirklich alles“, der Abschluss in Physik hat mir mathematisches und analytisches Wissen gebracht und das Training für mein Gehirn während des Studiums war auch nicht zu verachten. Examen zu schreiben, Leistung zu bringen und komplexe Berechnungen unter Zeitdruck durchzuführen, führte dazu, dass ich mit dem mentalen Stress und den Spannungen am Pokertisch sehr gut umgehen kann.

Am Final Table waren nur zwei Spieler aus England, warst Du zuversichtlich, dass es Dir gelingen würde, den Titel für England zu holen?
Ich war mir sicher, dass einer von uns beiden gut abschneiden würde. Ehrlich gesagt, hatte ich in dem Moment, als ich ich mich für den Final Table qualifiziert habe,auch das Gefühl, dass ich dieses Event auch gewinnen könnte und dies, obwohl ich weder Chipleader oder so etwas war. Ich fühlte definitiv, dass ich in der Lage wäre das Event zu gewinnen, wenn ich es wirklich will. Ich war also überaus zuversichtlich und es war großartig, dass Michael mit mir zusammen am Tisch saß, da er ebenfalls eine Zeitlang Physik studiert hat und wir uns schon einige Jahre vor unserer Pokerkarriere kannten.

Was war das für ein Gefühl, die einzige Frau am Final Table zu sein?
Beim Pokern spielen in den Turnieren sehr oft nur wenige Frauen mit, manchmal spiele ich sogar in Turnieren und bin die einzige Frau im Turnier. Es ist aber ein gutes Gefühl, da ich in diesen Events die Frauen repräsentiere. Ich fühle mich auch nicht alleine, ich bin es gewohnt die einzige Frau bei Turnieren zu sein.

Denkst Du dein EPT Gewinn wird dafür sorgen, dass die Gerüchte verstummen, Du würdest nur wegen deinem guten Aussehen gesponsert werden?
Natürlich. Ich bin nicht so naiv, dass ich nicht weiß, dass mein Sponsorenvertrag mit Absolute zustande kam, weil sie eine bestimmte Art von Sprecherin suchten: ein hübsches Mädchen, welches Werbung für ihre Marke macht und schön lächeln kann. Sie sagten: “Wenn Du dich selbst als Pokerspielerin beweisen kannst wäre das großartig, es ist aber nicht die wichtigste Eigenschaft zu Beginn“. Somit wusste ich, war ich den eigentlichen Sponsorenvertrag erhalten hatte, aber ich wusste auch,, dass es wichtig war an meinem Spiel zu arbeiten und damit zu beginnen, gute Resultate zu erzielen. Ich habe mich darüber geärgert, wenn die Leute sagten: “Sie spielt zwar kein gutes Poker, Sie wurde nur angestellt, weil Sie gut aussieht und Sie hat keine Ahnung von dem Game“. Dies war sehr schmerzvoll und Frustrierend und deswegen ist es ein sehr gutes Gefühl, wenn ich jetzt sagen kann: “Da schaut ihr, ich kann es doch!“.

Wie fühlt es sich an, dass Du seit deinem Gewinn soviel Aufmerksamkeit durch die Mainstream-Medien bekommst?
Es ist Bizarr, wirklich Bizarr! Ich meine, es ist phantastisch, ich kann für Gerechtigkeit in der Pokerszene sorgen und jedem, welcher nichts von Poker versteht, zeigen, dass wir richtig gute Menschen sind, die Branche angesehen ist und sich im Wachstum befindet. Oft hat Poker in der Presse einen sehr schlechten Ruf und es ist gut, dass ich nun der Öffentlichkeit die gute Seiten des Pokerns näher bringen kann.

Wie geht es für Dich weiter? Willst Du vielleicht die WSOP 2010 gewinnen?
Klar, ich will einige Bracelets gewinnen; außerdem hätte ich gerne einen WPT Titel. Ich werde weiter an meinem Game arbeiten. Momentan lerne ich gerade Mixed Games, da ich mich bei diesen Games verbessern will. Ich möchte zur Allround-Spielerin werden und so gut wie überhaupt nur möglich Poker spielen.

Ein Interview mit Liv Boeree zu machen,ist eine tolle Sache; Sie ist mit beiden Füßen auf dem Boden geblieben, temperamentvoll, überaus freundlich und insgesamt eine sehr angenehme Person. Liv hat Power und hat sehr hohe Ambitionen, Sie ist immer bemüht an sich zu arbeiten und ihr Game zu verbessern, ich bin mir also sicher, dass wir in naher Zukunft noch jede Menge über Sie hören werden.

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