Eine Diskussion über Poker Staking mit Collin Moshman

collin moshman

Online Poker wird immer öfters geschäftsmäßig betrieben und ist teilweise sogar mit der Investment-Branche und der Börse vergleichbar. Die Online Staking Branche boomt und zu den Menschen, welche von diesem Boom profitieren, gehört unter anderem der Sit and Go Experte Collin Moshman (Autor und Trainer bei Stoxpoker). Er coacht einige begabte Spieler, welche er zusätzlich bei Online SNG’s stakt. Wir trafen uns mit Collin, um näheres darüber zu erfahren:

PokerNews: Wie kamst Du zu der Sache mit dem Staking?

Collin Moshman: Meine Frau Katie hat es mir vorgeschlagen. Ich habe eine Menge Jungs gecoacht, welche hervorragend gespielt haben, aber halt meistens in den Low Stakes, da ihr Bankroll nur für dieses Stakes ausgereicht hat. Ich war mir sicher, dass diese Jungs auch in den höheren Stakes erfolgreich spielen würden, somit konnte ich es ihnen durch mein Geld ermöglichen in den höheren Stakes zu spielen, was natürlich für beide Parteien vorteilhaft war.

PN: Sind SNG’s das beste Format beim Pokern, um Spieler zu staken? Es scheint ja so, als wäre dies das geeignetste Format um regelmäßig einen Return zu erzielen.

CM: Ich begann damit nur SNG’s zu staken, da ich dieses Format halt am besten kenne und es einfach das zuverlässigste Format ist. Es gibt eine Menge unterschiedliche SNG Formate. Wenn man also einige Double-or-Nothing, einige HU, einige 9max, einige 45Spieler usw. Stakt, bekommt man das richtige Verhältnis zwischen Risiko/Auszahlung. Zurzeit stake ich allerdings auch Cash-Games und MTT’s, was eigentlich sehr gut läuft.

PN: Wie wichtig ist Rakeback bei deinem gesamten Staking Turnover?

CM: Rakeback ist eine großartige Sache, in der Praxis machen allerdings die Spieler mit der besten Leistung die Spiele kaputt, manchmal auch ohne Rakeback. Diese Spieler können viel mehr Profit erzielen, so dass Sie es nicht nötig haben hinter Rakebackdeals kleiner Netzwerke hinterher zu jagen. Es scheint aber so, als hätten einige Backer/Sponsoren ihr Geschäft auf Basis des Rakes aufgebaut. Ich unterstütze nur Spieler, welche zu den regelmäßigen Gewinnern in ihrem Game gehören und lasse sie die Sache mit dem Rakeback in eigener Regie abwickeln.

PN: Wie sorgst Du dafür, dass Du von den Spielern nicht betrogen wirst und welche Sicherheiten kannst Du im Gegenzug Deinen Spielern geben, dass sie von Dir korrekt behandelt werden?

CM: Betrogen? Mein bevorzugter Weg basiert auf persönlicher Empfehlung. Wenn ein angesehener Spieler ein gutes Wort für einen Bewerber einlegt, ist dies für mich ein wichtigerer Faktor, als alle anderen Quellen. Auch wenn ihre Stats in einigen Punkten schlechter wären, als die Stats von anderen Bewerbern ohne Empfehlung, werde ich eher die Bewerber mit Empfehlung staken, da wir in diesem Fall gleich mit einem sehr hohen Vertrauensniveau starten können. Die Sicherheit von meiner Seite aus, besteht darin, dass ich in der Pokerszene einen sehr guten Ruf habe und ich damit kein Schindluder betreiben werde. Ich schließe mit den Spielern einen Vertrag ab, in welchem exakt festgehalten wird, was ich von dem Spieler erwarte und was der Spieler dafür von mir erwarten können.

PN: Wieviele Bewerbungen erhältst Du jeden Monat und wieviel Prozent davon nimmst Du an?

CM: Das variiert, irgendwo um die 60 pro Monat, wovon ich ungefähr 10% annehme. Viele dieser Spieler stake ich dann später, nachdem diese vorher eine “Training-für–Gewinnbeteiligung“ Vereinbarung akzeptiert haben.

PN: Was erwartest Du von deinen Bewerbern für ein Staking/was können die Bewerber tun, um ihre Bewerbung so effektiv wie möglich zu machen?

CM: Bewerber sollten ihre Bewerbung wie die Bewerbung für eine neue Arbeitsstelle behandeln, sie sollten mir einen Grund dafür geben, warum ich ihnen das Geld zukommen lassen sollte. Ich stelle ihnen spezifische Fragen um sie beim Bewerbungsprozess zu unterstützen. Durchdachte Antworten und die Verpflichtung ein bestimmtes Volumen zu spielen ist sehr wichtig für mich.

PN: Warum sollte sich jemand bei Dir für ein Staking bewerben? Ist der Bankroll die höchste Motivation, ist es die Ausbildung oder das Training?

CM: Zu den Gründen gehören unter anderem: (a) der Bankroll wird benötigt (b) die Möglichkeit in höheren Levels zu spielen (c) Sorgen um den Bankroll eliminieren (d) HH tauschen mit anderen erfolgreichen Spielern (e) die Struktur/Disziplin des Stakes (f) Backer welche an einen glauben (g) die Chance auf Incentives.

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Mein Training beruht auf der Basis “No Win, No Fee”. Dadurch können die Spieler für eine längere Zeit mit mir zusammenarbeiten, als sie es tun könnten, wenn wir das Coaching auf traditionelle Weise abrechnen würden. Man kann einem Schüler in 2 Stunden sehr viel beibringen. Manche Spieler benötigen eine erweiterte Art der Zusammenarbeit; ihr Bankroll reicht eigentlich für das momentane Level aus und sie benötigen das Coaching um aufzusteigen, aber zusätzlich benötigen sie noch Unterstützung für ihren Bankroll um aufzusteigen.

PN: Was unterscheidet Dich von anderen potenziellen Backern/Stakern?

CM: Ich versuche die Spieler immer zu dem Spiel zu bringen, in welchem sie den höchsten EV haben, auch wenn das bedeutet, dass sie nur in niedrigen Levels einen sicheren Profit machen können. Ich will keinen Spieler dazu drängen in den Leveln aufzusteigen, wenn er es eigentlich nicht will, da ich das Beste für alle meine Spieler will. Ich bin immer bereit einen Schritt weiter zugehen, wenn ich meine Spieler damit glücklich machen kann.

PN: Wie schnell verbessern sich die Spieler unter Deiner Betreuung?

CM:

Ich sorge dafür, dass gute Spieler so schnell wie möglich aufsteigen können, was natürlich sehr von ihren Skills und der Motivation abhängt. Es mach für mich mehr Sinn einem soliden Spieler zu den $50 Games zu bringen, anstatt ihn in die $10 Games zu pressen und dies ist ein Aspekt beim Staking, welcher mir sehr gut gefällt – ich habe das gleiche Ziel wie meine Spieler. Es ist ein großartiges Erfolgserlebnis, wenn ich es schaffe, dass ein Spieler in kurzer Zeit von $3 zu $75 MTT SNGs und von $5 zu $200 Heads-Up Matches aufsteigt.

PN: Was machst Du außer dem Coaching noch für Deine “gestakten” Spieler?

CM: Wenn ich eine Beziehung zu einem der Spieler aufgebaut habe und diese bewiesen haben, dass sie es wert sind, biete ich ihnen einen langfristigen Incentive-Plan an. Dieses Incentive kann auf finanzieller Basis sein, aber auch in anderer Art und Weise über die Bühne gehen. Die besten Plätze im Theater? Ein Wochenende in Las Vegas? Bargeld? Alles ist möglich, ich richte mich dabei nach den Wünschen der Spieler und arbeite mit ihnen zusammen eine entsprechende Incentive-Vereinbarung aus. Das wichtige dabei ist aber, dass ich die Belohnungen speziell an die Wünsche der einzelnen Spieler anpasse.

PN: Welche Skills sollte ein Backer haben? Ist es etwas, was jeder mit den entsprechenden Geldmitteln nebenbei tun kann oder ist es ein Vollzeit Job?

CM: Ein guter Backer benötigt das entsprechende das Wissen, die Ressourcen und den Willen die Spieler in das Game/Level zu bringen, in welchem sie das meiste Geld verdienen können. Die benötigte Zeit hängt von der Anzahl der Tätigkeiten ab, es genügt aber nicht, den Spielern einfach Geld zukommen zu lassen und darauf zu hoffen, dass alles gut wird.

PN: Was ist Deiner Meinung nach der größte Fehler, welchen Du bei anderen Backer/Spieler Beziehungen entdecken konntest?

CM: Vor Beginn keine umfassenden Bedingungen vereinbart zu haben. Dann passiert etwas Unerwartetes und es kommt zu heftigen Diskussionen über das Geschehene. Deshalb ist es besser die Eventualitäten schon zu Beginn abzuklären, den “was schief gehen könnte, geht meistens auch schief“.

PN: Wie verwaltest Du den Bankroll für Deine Spieler?

CM: Alles kommt aus meiner Tasche! Die Spieler teilen aber mit mir nicht ihre Resultate; sie haben einen bestimmten Betrag zum Spielen zur Verfügung und werden entsprechend den Ergebnissen belohnt.

PN: Kommt es vor, dass es für manche Spieler sehr schnell, sehr gut läuft, diese dann denken, sie würden kein Staking/Coaching mehr benötigen und dann die Vertragsvereinbarungen brechen bzw. den Vertrag beenden??

CM: Da ich ausschließlich an einer langfristigem Backing und Coaching Beziehung interessiert bin, verstehe ich natürlich auch, dass sich die Umstände ändern können und das ist auch gut so. Das Staking basiert auf einer Basis, welche anpassbar ist und jeder erfolgreiche Spieler kann den Vertrag beenden, wann immer er will. Bei den Spielern, welche ich coache, ist dies etwas anders, da ich mit ihnen eine Vereinbarung treffe, welche auf eine bestimmte Zeit abgeschlossen wird. Wenn ich mit einem Spieler beginne, welcher noch keine Gewinne macht, ist es klar, dass ich bei einem Coaching auf Basis einer Beteiligung in der ersten Zeit keinen Gewinn erzielen werde, aber das ist Ok, da ich die Chance habe mein Geld zu bekommen, wenn ich ihn zu einem guten Spieler gemacht habe und sich dann meine prozentuale Beteiligung auszahlt. Ich habe nur dann ein Problem, wenn ich vertraglich mit dem Spieler ein Coaching von z.B. 6 Monaten vereinbart habe, aber der Spieler schon nach zwei Monaten aufhören möchten, wenn ich gerade erst sein Spiel aufgemöbelt habe.

PN: Der SNG Traffic ist nicht mehr so hoch, wie er früher war, besteht da nicht die Gefahr, dass Du zuviele Spieler in Dein Programm aufnimmst bzw. dass Deine Spieler an den Tischen plötzlich gegeneinander an den Spieltischen spielen?

CM: Solange ich nicht alleine schuldig bin, sondern auch alle anderen Coach& Trainingseiten mitverantwortlich sind, würde ich meinen Teil der Schuld anerkennen. Es wäre aber etwas übertrieben zu behaupten, dass ich persönlich verantwortlich wäre! Einige Spieler machen ihre Post-Game Hausaufgaben zusammen und tauschen untereinander Hand-Histories aus und können es deshalb vermeiden gegeneinander SNG’s zu spielen. Aber die meisten meiner Spieler haben keine Ahnung, ob einer der anderen Spieler am Spieltisch ebenfalls von mir gecoacht wird oder nicht. Das ist auch gut so, da ich mir absolut sicher bin, dass meine Spieler dann ihr A-Game spielen und es kein Softplay oder anderes “Falschspiel“ geben wird.

Für alle Leute, welche behaupten, der Spielpool würde langsam kleiner werden; glaubt mir es gibt immer noch eine große Menge hervorragender Games und es gibt auch noch jede Menge Freizeitspieler von welchen man Geld gewinnen kann. Man muss heutzutage vielleicht etwas länger suchen, aber nur wenn ich sie coachen würde, könnte ich ihnen nun erzählen, wo genau sie suchen müssten.

PN: Beeinflusst das Staking Dein eigenes Spiel?

CM: Ich spiele immer noch und ich denke, dass dies als Coach überaus wichtig ist, da ich beim Game immer auf dem neusten Stand bleiben muss und sich das Spiel an sich auch immer weiter entwickelt. Leider hat die Woche zu wenige Stunden, deshalb kann ich momentan nicht soviel spielen.

PN: Einer Deiner Spieler hat einen massiven Downswing, wie gehst Du damit um?

CM: Einen Spieler dazu zu zwingen in einem niedrigeren Stake zu spielen ist eigentlich nicht fair. Wenn jemand bewiesen hat, dass er $2K beim Spielen von $20 Games gewinnen kann und nun plötzlich Verluste macht, ist es demotivierend ihn zu zwingen $10 Games zu spielen und dort sein bestes geben zu müssen. Viel besser ist es frühzeitig mit dem Spieler darüber zu sprechen. Ich schaue mir dann die Hand-Histories an um festzustellen woran es lag, dass er einen Downswing hat und entscheide erst dann, ob ich ihm jetzt weiteres Geld zukommen lasse, aber größere Swings sind eigentlich normal. Wenn es dazu kommt ist es wichtig, dass die Spieler nicht noch zusätzlich durch ihre Backer unter Druck gesetzt werden. Ein kurzer Check zur Absicherung, ob das Game an sich noch Ok ist und dann soll er sein Spiel ohne zusätzlichen Druck weiterspielen.

PN: Wenn ein Spieler z.B. pleite geht, wie schnell versuchst Du ihn wieder in das Spiel zu bringen? Wie gehst Du denn damit um, wenn einer Deiner Spieler größere Games versuchen möchte?

CM: Es würde immer eine gemeinsame Entscheidung sein. Manche Spieler möchten ja eigentlich nicht aufsteigen. Die Spieler erhalten auf jeden Fall die Chance aufzusteigen, wenn die Resultate belegen, dass es an der Zeit ist. Manchmal ist es für die Spieler wichtig erst die Abläufe zu erlernen und die notwendigen Anpassungen vorzunehmen, da sich das Spiel von Level zu Level unterscheidet. Andererseits kann es ja auch passieren, dass ein gestandener Spieler Pleite geht, er eine Pokerpause von einem Jahr einlegt und er bei seinem Comeback einige Levels weiter unten anfangen muss. Wenn er sich wieder eingewöhnt hat, wird er sehr wahrscheinlich wieder sehr schnell aufsteigen. Im Bezug auf die Sache mit den großen Games – oft berücksichtige ich diese Sache schon bei den Incentive- Vereinbarungen und vereinbare schon im Vorfeld mit den Spielern die Möglichkeit unter bestimmten Bedingungen Umständen an großen Games teilzunehmen. Ich ermutige erfolgreiche Spieler allerdings meistens zuerst in den Leveln aufzusteigen, anstatt ihnen zu empfehlen es mal probeweise in den großen Games zu versuchen.

PN: Stakst Du auch Live-Spieler und ist dies gewinnbringend?

CM: Ja, aber nur Spieler welche ich sehr genau kenne oder bei welchen ich ihr Game und ihre Erfolge sehr genau analysieren kann. Aber ja, ich habe schon einige wenige Spieler bei Live MTT’s und Cash-Games unterstützt.

PN: Hast Du für uns eine lustige Geschichte im Bezug auf das Staking?

CM: Die meisten Geschichten über welche man lachen könnte, drehen sich um lustige Bewerbungen. Spieler, welche schon in den Micro-Stakes verlieren, schreiben mir und fragen mich, ob ich sie bei der WSOP staken würde. Andere Spieler haben mir erzählt, dass ihr ehemaliger Backer den Vertrag beendet hat, weil er angenommen hat, sie hätten Geld unterschlagen und sie aus diesem Grund nun einen neuen Backer benötigen. Meistens erweisen sich die Spieler, welche ich auswähle als richtig gute Menschen und daraus haben sich lange andauernde Freundschaften entwickelt, was natürlich sowohl für mich, als auch für meine Schüler/Spieler überaus gewinnbringend ist und zwar nicht nur auf Basis der finanziellen Betrachtung.

Mehr über Collin Moshman und seine Spieler erfahren Sie in seinem Blog.

Name Surname
Simon Jones

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