World Series of Poker: Ein Treffen mit WSOP Champion Joe Cada, Teil 1

joe cada

Wenn Sie es bisher noch nicht gehört haben, wohnen Sie sicher am Ende der Welt. Joe Cada, ein von PokerStars gesponserter Pro, ist der diesjährige World Series of Poker Main Event Champion. PokerNews hat sich mit dem neuen Champ im Rio in den Palazzo Suites getroffen und sich mit ihm über seine Überlegungen am Final Table und einige andere Themen unterhalten.

Reden wir ein wenig über die Pause am Finale Table zwischen Julie und November. Du hast Dir sicherlich 1.000 Mal darüber Gedanken gemacht, wie der Final Table verlaufen könnte; inwieweit stimmte dann die Realität mit Deinen Vorstellungen überein?

Ich hoffte, dass ich schnell verdoppeln könnte und somit mehr Chips zur Verfügung hätte. Ich hatte außerdem vor die meisten meiner Hände zu spielen, wenn ich in Position bin, aber unglücklicherweise kam es ja dann ganz anders. Ich saß die meiste Zeit mit einem 3-Bet Chip Stack am Final Table und hatte in den ersten 10 bis 12 Stunden das Gefühl nur so rumzuhängen, nur 3-Betting zu machen und zu versuchen, irgendwie im Turnier zu bleiben. Einige Mal kam ich in wirklich schlechte Situationen und hatte wirklich Glück.

Wir alle waren sehr erstaunt darüber, wie lange es gedauert hatte, bis die ersten Spieler am Final Table eliminiert wurden.

Ich war ebenfalls sehr erstaunt, wir spielten fast 10 Stunden 7-Handed. Ich hatte ja schon befürchtet, dass es länger dauern würde, aber nicht so lange.

Hast Du Dir während Deiner Vorbereitung für den Final Table die WSOP Übertragungen bei ESPN angesehen, um eventuelle “Tendenzen“ Deiner Gegner feststellen zu können.

Ich habe mir die Übertragungen angesehen, aber ESPN hat zuviele Hände herausgeschnitten. Das einzige was ich aus den Übertragungen folgern konnte war, dass es wahrscheinlich ein sehr langer Tag werden würde. Die Pause dauerte 4 Monate und die anderen Spieler haben ihr Spiel während dieser Zeit ebenfalls entsprechend angepasst. Einige Spieler hatten Coaches, einige Spieler wie z.B. Phil Ivey spekulierten auf ihr Image und spielten etwas tighter. Ich richtete mich also mehr darauf aus, wie meine Gegner im gesamten am Final Table spielen könnten, anstatt mir für jeden einzelnen Spieler eine spezielle Strategie zurecht zu legen.

Sprechen wir mal über den "Phil Ivey Faktor." Auf Dir lastete ja nicht nur der Druck am WSOP Final Table zu sitzen, sondern neben Dir saß auch noch der beste Spieler der Welt, welcher ebenfalls das Bracelet gewinnen wollte. Hast Du Dich aktiv mit Ivey und seinem Spiel beschäftigt und Dir eine Strategie ausgedacht, um ihn zu besiegen?

Nicht wirklich, er hatte nicht genügend Chips, um richtig damit agieren zu können. Sein Spiel war durch seinen Chip-Stack sehr eingegrenzt. Ich habe ihn wie jeden anderen Spieler betrachtet. Ich habe online schon gegen eine Menge großartige Spieler gespielt, welche über mehr Turnier-Erfahrung verfügten. Phil Ivey ist vielleicht einer der größten Pokerspieler der Welt, aber das Short-Stack Spiel unterscheidet sich doch sehr von dem Deep-Stack Spiel.

Reden wir jetzt mal über einige spezifische Hände. Erzähl uns doch mal etwas über die A-J Hand bei welcher Du gegen Jeff Shulman's A-K antreten musstest und bei welcher Du eine Menge Chips verloren hast.

Erstens habe ich zu diesem Zeitpunkt eine Menge Hände gespielt. Shulman hatte mir vorher bereits einige Male 3-Bets um die Ohren gehauen und war zu diesem Zeitpunkt von 20 Millionen Chips auf 5 Millionen Chips gefallen. Normalerweise wäre das ein Standard-Call, da ich bei den Blinds 250K/500K Odds von 2:1 bekam und Shulman nur noch 11 BB übrig hatte. Das Problem war, dass ich im Falle dessen, dass ich die Hand verlieren sollte, nur noch wenige Chips übrig hätte. Ich dachte eine Weile nach, ging alle seine möglichen Handkombinationen durch, welche er auf der Hand halten könnte, rechnete nach und kam zu dem Ergebnis, dass ich callen muss. Ich war mit diesem Ergebnis nicht wirklich glücklich und hoffte natürlich, dass er nicht A-K oder A-Q auf der Hand hat – wobei unglücklicherweise ja genau dies der Fall war.

Das führt mich zu meiner nächsten Frage, Du hast erwähnt, dass Shulman gegen Dich gerne 3-Bet’s macht. War dies etwas, was Du während der Final Table Pause durch das Anschauen der ESPN WSOP Übertragungen in Erfahrung gebracht hast?

Ich bemerkte es in den Übertragungen und auch bei einigen Händen, welche von ESPN nicht ausgestrahlt wurden. Wenn ich eine Menge Hände spiele, muss ich auch damit rechnen, dass ich auch entsprechende Action bekomme. Shulman ist ein guter Spieler und er ist sich dieser Tatsache sicher bewusst. Er sank von 20 Millionen auf 5 Millionen und er hatte nicht mehr soviele Gelegenheiten seinen Stack in die Tischmitte zu schieben. Wenn ich diese Hand an dieser Stelle gefoldet hätte, wären mir noch etwas über 7 Millionen Chips verblieben, aber ich callte und verlor eine Menge Chips.

Schauen wir uns nun mal die große Konfrontation mit Shulman an, bei welcher Du einen 3-Bet Shove mit 3-3 gemacht hattest und Shulman J-J zeigte.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich immer noch eine Menge Fold Equity gegen Shulman und ich hatte noch 19 oder 19 Big Blinds vor mir liegen. Er hatte vorher bei einer Anzahl 3-Bet Shoves gefoldet. Als ich mir die ESPN Übertragungen ansah, stellte ich fest, dass er zu Beginn des Final Table bei einem 3-Bet Shove von Ivey sogar 9-9 gefoldet hatte und war darüber etwas schockiert. In dieser Situation gab es also eine Menge Fold Equity und die einzigen Hände mit welchen er callen würde, wären hohe Paare, A-K und A-Q. Er eröffnete nicht immer mit diesen Händen und ich hatte kein Problem damit, somit dachte ich mir, dies wäre der perfekte Zeitpunkt für einen 3-Bet Jam. Unglücklicherweise hielt er aber eine gute Hand und ich lag hinten. Wenn ich mich selbst in seine Situation hineinversetzte, kann ich nachvollziehen, wie schlecht er sich fühlte, als er diese Hand verlor.

Es besteht kein Zweifel daran, dass es für Darvin Moon und für Dich am Final Table überaus gut lief. Was sagst Du dazu, dass viele Zweifler behaupten, dass Du das Event nur durch Dein Glück gewonnen hast?

Stimmt, es lief für uns beide sehr gut und keiner von uns musste große Bad Beats hinnehmen. Ich meine damit, dass ja nicht soviele Hände im Rahmen der ESPN Übertragungen gezeigt wurden. Ich hatte z.B. eine Menge 4-Bet Bluffs gemacht und hoffte natürlich, dass diese auch im TV gezeigt werden würden. Das wäre sehr gut für mein Image gewesen, wenn ich mich entschieden hätte zukünftig etwas tighter zu spielen. Wenn man eine Menge Hände spielt, wird die eigene Hand-Range natürlich viel größer. Ich mag es nicht zuviel zu callen, fürchte mich aber auch nicht davor, All-In zu gehen, wenn ich die notwendige Fold-Equity erwarte. Wie bei den Pocket 2’ern gegen Antoine (Saout). Wir spielten 3-Handed, ich eröffnete wie bei jeder anderen Hand und wir hatten ca. 30 bis 40 Big Blinds. Ich erwartete, dass er einen 3-Bet machen würde, um die Blinds zu stehlen und ich glaubte dass er vorher schon einmal darüber nachgedacht hatte mit A-K nur zu callen. Antonie ist ein trickreicher Spieler. Er hat auch schon mit J-2 off eröffnet, deshalb ging ich davon aus, dass er des Öfteren einen 3-Bet einsetzen würde, um die Blinds zu stehlen. Ich hatte 3-Handed eine gute Hand und er hatte sicherlich keine 2:1 zu diesem Zeitpunkt zum Callen. Ich nahm an, dass er 2’er, 3’er, 4’er, 5’er usw. folden würde. Grundsätzlich sind in dieser Situation 8’er genauso gut wie 2’er. Als er einige Hände später mit 8-8 gegen meinen A-K eröffnete, war dies eine ähnliche Situation. Aber er hatte schon wieder Q-Q und ich hatte wirklich sehr viel Glück. Das war vielleicht die Situation am Final Table, bei welcher ich das meiste Glück hatte. Ich hatte wirklich sehr viel Glück, war aber mit meiner Spielweise zu keinem Zeitpunkt unzufrieden.

Als Du die 2 auf dem Flop getroffen hast – dachtest Du, dass dies ein Zeichen dafür wäre, dass Du das Turnier gewinnen würdest.

(Lacht) Ja! Ich dachte nur “Wie krank ist das jetzt nur”. Zweimal direkt hintereinander ein Set zu treffen ist wirklich krank.

Lesen Sie morgen den 2. Teil unseres Interviews, in welchem wir uns mit Joe über den Final Table und seine Gedanken während des Heads-Up’s gegen Darvin Moon unterhalten.

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Name Surname
Matthew Parvis

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