Der Poker Psychotherapeut: Theorie der gegensätzlichen Prozesse

psychologie

OK, diese Sache kann etwas kniffelig sein, aber die Theorie der gegensätzlichen Prozesse ist beim Pokerspielen überaus effektiv einsetzbar. Die grundsätzliche Theorie besagt, dass Emotionen immer paarweise auftreten, z.B. eine positive und eine negative Emotion. Furcht und Erleichterung wären ein Beispiel dafür.

Die Beobachtungen wurden in tausenden von Situationen gemacht und es stellte sich heraus, daß im Falle des Auftretens einer Emotion eine andere Emotion unterdrückt wird. Man kann keine Erleichterung von einem Angstgefühl haben, wenn man noch von einem hungrigen Bär verfolgt wird.

a) Emotionen kommen paarweise und gegensätzlich.
b) Wenn man dann eine Emotion fühlt, wird die andere Emotion der paarweise auftretenden Emotionen unterdrückt.

Dies wirkt natürlich beidseitig. Wenn die Gefahr vorbei ist und man sich erleichtert fühlt, wird die Angst unterdrückt. Kommen wir nun zum wichtigsten Punkt bei der Theorie der gegenteiligen Prozesse: Wenn die erste Emotion sehr stark ist, wird die gegenteilige Emotion beim Erleben als schwach empfunden.

Nehmen wir Bungee Jumping als Beispiel. Das erste Mal hat man Todesangst, wenn man dann aber mal gesprungen ist, empfindet man es einfach nur als OK. Ihre Kumpels, welche schon längere Zeit springen fürchten sich nicht so und fühlen sich nach jedem Sprung trotzdem erleichtert und sind nach jedem Sprung irgendwie “High“. Die Theorie sagt, dass je öfters die erste Emotion gepaarter Emotionen genutzt wird, umso höher wird die zweite Emotion des gegenteiligen Emotionspaares empfunden.

Deshalb führt die Einnahme von Drogen immer zu Problemen. Man benötigt immer mehr von der Droge, um das entsprechende Hochgefühl zu erreichen aber die gegenteiligen Reaktionen (Entzug u.s.w.) werden immer stärker. Je mehr man an einer Droge hängt, umso schlimmer werden die Entzugserscheinungen. Im gleiche Zuge, wie die eine Seite immer selbstverständlicher wird, entwickelt sich die andere Seite immer stärker.

Nun aber die positiven Seiten, je mehr man sich seinen Ängsten in Angst erzeugenden Situationen stellt, umso stärker wird der positive Prozess voranschreiten und das Erfolgserlebnis und die Erleichterung werden intensiver werden. Wenn man es schafft weniger Angst zu haben, vor einer großen Gruppe von Menschen zu sprechen oder sich mit einem schwierigen Chef auseinander zu setzen, um so stärker werden Sie werden, da die gegenteiligen Gefühle wie z.B. Zuversicht und Selbstsicherheit ebenfalls stärker und intensiver werden.

Genauso ist es beim Poker. Sie haben ein Problem damit drei Bullets bei einem Bluff oder Semi-Bluff abzufeuern. Es ist natürlich nicht die gleiche Angst, welche man hat, wenn man von einem hungrigen Bär verfolgt wird, aber es handelt sich ganz klar um Angst. Es ist die Angst Geld zu verlieren, die Angst aus einem Turnier auszuscheiden. Wenn Sie sich aber entscheiden den 3-Bullet Bluff einzusetzen, dann sollten Sie dies auch durchziehen. Sie werden schnell feststellen, dass zwei Dinge passieren werden. Das Glücksgefühl, wenn Ihr Gegner am River foldet wird sehr stark sein und es wird stärker werden, je öfters Sie diesen Bluff erfolgreich einsetzen. Zweitens - Wenn der Bluff nicht funktioniert ist dies für Sie keine so große Sache mehr, da Sie sich immer daran erinnern, wie oft er im Vorfeld schon funktioniert hat.

Entscheidend ist, daß Sie die guten Emotionen verstehen – die Emotion, welche Sie haben, wenn Sie die Hand am Ende gewonnen haben. Es wird im gleichen Maß stärker werden, wie Ihre Angst den Move einzusetzen, schwächer wird. Denken Sie mal eine Minute darüber nach.

Ich habe Ihnen erzählt, daß die Forschungen ganz klar bewiesen haben, daß ein Drogenabhängiger immer weniger dieser guten “Highs” hat je abhängiger er von der Droge wird und daß die schlechten Effekte und die Entzugserscheinungen überwiegen. Nun erzähle ich Ihnen aber, dass das Glücksgefühl am Spieltisch immer stärker wird, je mehr Sie Ihre Angst am Spieltisch überwinden. Sie werden emotionell belohnt und dass noch bei einem Spiel, welches Sie sowieso schon gerne spielen. Sie spielen gerne Poker, richtig? Dann werden Sie das Spiel noch viel lieber spielen, wenn Sie lernen am Spieltisch Ihre Ängste zu überwinden und mehr Risiken eingehen bzw. riskantere Moves machen, welche Sie momentan noch nicht einsetzen, weil Sie sich vor deren Einsatz fürchten.

Risiko/Belohnung Gegenüberstellung: Ihr Spiel wird besser, Sie fühlen sich besser und gewinnen mehr Geld am Spieltisch. Der einzige Nachteil besteht darin, daß Sie dazu weitere Komplexe Spielzüge in Ihr Spiel integrieren müssen, damit Ihr Spiel sich auch zukünftig weiter verbessert, Sie sich weiterhin besser fühlen und weiterhin mehr Geld gewinnen. Eine Win-Win-Win Situation!

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